Wenn Sie Bäume auf eigene Faust züchten wollen, müssen Sie nicht immer ein bereits vorgezogenes Exemplar erwerben. Zahlreiche heimische Arten bieten sich für genau diesen Zweck an. Verwendet werden dafür die Kerne, die Sie den Früchten entnehmen können. Abhängig ist dieses Projekt von den Pflanzen, die Sie zur Verfügung haben und über Kerne verfügen, sowie Tipps zur Anzucht und Pflege.

Kern: Definition

Die Zucht von Bäumen kann schnell teuer werden, wenn Exemplare in Baumschulen erworben werden. Je nach Größe, Jahrgang und Sorte können die Preise unterschiedlich und manchmal nicht tragbar sein. Eine beliebte Alternative ist aus diesem Grund das eigenständige Ziehen von Bäumen aus Kernen. Da sich Kerne in den Früchten finden lassen, bieten sich diese hervorragend zur Kultivierung an, ohne das hohe Kosten entstehen. Zu den charakteristischsten Arten im eigenen Garten zählen solche, die zum Kern- und Steinobst gehören. Die beiden Gruppen unterscheiden sich deutlich, obwohl manche Früchte und die Bäume an sich auf den ersten Blick eine gewisse Ähnlichkeit

haben können. Daher ist es wichtig zu wissen, was Arten mit Kernen ausmacht:
  • Kerngehäuse meist vorhanden
  • mindestens 5 Kammern
  • in jeder Kammer mindestens 1 Kern
  • Kerne sind die Samen
  • Kerne recht weich
  • können zerkaut werden
  • keine Hülle vorhanden
  • Kerne und Früchte lange haltbar und lagerfähig

Im Vergleich dazu sind Steine nicht mit einem Kerngehäuse verbunden, da pro Frucht nur einer ausgebildet wird. Dieser kann entweder komplett als harter und recht großer Samen vorliegen oder wie im Fall der Kirschen (bot. Prunus-Gattungen) und viele andere Arten mit einer Schale versehen sind. In diesem befindet sich der Samen. Aus diesem Grund stimmt die Bezeichnung "Kirschkern" nicht, da es sich um ein Steinobst handelt. Wie für viele andere Arten und speziell Obstbäume hat sich Bezeichnung Kern schlichtweg eingebürgert. Da Gewächse mit Kernen und Steinen nicht die gleichen Anforderungen an die Kultivierung haben, müssen Sie über geeignete Taxa Bescheid wissen. Im nächsten Abschnitt werden Ihnen passende Bäume vorgestellt, die über Kerne gezüchtet werden können.

Hinweis: Ebenfalls zum Steinobst gehören Avocados und Mangos, die vielerorts als Kernobst angesehen werden. Zwar lässt sich aus den Steinen ebenfalls ein Baum züchten, dennoch handelt es sich nicht um Kerne, da der Aufbau komplett anders ist.

13 geeignete Pflanzen mit Kernen

Bei der Auswahl passender Arten, deren Kerne sich für die Zucht eignen, stehen Ihnen einige zur Verfügung. Gerade in Mitteleuropa finden sich zahlreiche Gewächse, die Kerne ausbilden, die Sie für die Kultivierung nutzen können. Auffällig dabei ist die Zahl der Arten, die zur Sippe der Kernobstgewächse (Pyrinae) innerhalb der Familie der Rosengewächse (bot. Rosaceae) gehören:

  • Holzapfel (Malus sylvestris)
  • Apfel (Malus domestica)
  • Birnen (Pyrus)
  • Chinesische Quitte (Chaenomeles sinensis)
  • Elsbeere (Sorbus torminalis)
  • Granatapfel (Punica granatum)
  • Mispel (Mespilus germanica)
  • Quitte (Cydonia oblonga)
  • Speierling (Sorbus domestica)
  • Eberesche (Sorbus aucuparia)
  • Weißdorn (Crataegus)
  • Japanische Wollmispel (Eriobotrya japonica)
  • Kupfer-Felsenbirne (Amelanchier lamarckii)

Granatapfel - Punica granatum

Eine große Ausnahme stellt hier der Granatapfel dar. Granatäpfel verfügen über eine äußerst umfangreiche Kernmenge, die zur Anzucht verwendet werden kann, während zum Beispiel Äpfel oder Birnen nicht so viele zur Verfügung haben. Bei Arten wie der Eberesche dagegen sind das Kerngehäuse nicht so stark ausgeprägt und die Kerne äußerst klein. Das erschwert die Ernte. Dennoch können Sie aus allen oben genannten Arten einen Baum züchten. Wenn Sie speziell Obstbäume züchten wollen, ist das eine gute Gelegenheit.

Hinweis: Häufig werden die Kerne der genannten Arten und Gattungen

als Samen bezeichnet, vor allem wenn diese recht klein sind. Lassen Sie sich davon nicht beirren, wenn Sie eine bestimmte

Baum aus Kern ziehen: 7 Tipps

Wie oben bereits beschrieben, müssen Sie einige Punkte beachten, um aus Kernen ein vitales Bäumchen ziehen zu können. Werden Kerne zur Vermehrung verwendet, machen Sie Gebrauch von robusten und anspruchslosen Pflanzen, schon mit wenig recht zufrieden sind. Ganz im Gegenteil zum Steinobst, denn mit einem Mango- oder Kirschkern haben Sie die Hände ganz schon voll. Um Ihnen die Anzucht über Kerne zu erleichtern, finden Sie 7 Tipps zu diesem Thema in den kommenden Abschnitten. Da es sich bei diesen Arten meist um Obstbäume handelt, können Sie die Informationen problemlos für die genannten Arten anwenden. Wenn Sie optimal auf die Bedürfnisse der einzelnen Taxa eingehen wollen, können Sie zudem einen Blick auf das Portrait oder eine Pflegeanleitung werfen.

Hinweis: Bei der Nutzung von Kernen aus der aus dem eigenen Garten müssen Sie damit rechnen, dass am Ende eine andere Sorte wie der Mutterbaum entsteht, der zudem Eigenschaften eines Wildapfels aufweisen kann. Der Grund dafür ist die fehlende Veredelung, die Sie später noch mit einem Edelreiser und einer geeigneten Unterlage nachholen können.

Kerne sammeln

Einer der wichtigsten Punkte bei der Kultivierung eigener Bäume sind die Kerne. Wenn Sie bereits Exemplare der genannten Arten im Garten stehen haben oder als wildes Exemplar in Ihrer Region finden, können Sie die Früchte ohne Probleme nutzen, um aus diesen die Kerne zu gewinnen. Vielleicht haben Ihre Bekannten oder Nachbarn sogar den passenden Baum der gewünschten Art vor Ort. Falls das keine Möglichkeit ist, können Sie Obst beim Bauern oder im Bioladen erwerben. Einheimische Sorten sind deutlich zu empfehlen, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Je nach Art, Sorte und Größe der Frucht müssen Sie damit rechnen, dass eine unterschiedliche Menge Kerne verfügbar ist. Gesammelt werden sie auf die folgende Weise:

  • reife Früchte auswählen
  • vorsichtig öffnen
  • dabei Kerne nicht beschädigen
  • Kerne entfernen
  • in Schüssel lagern

Achten Sie speziell bei Granatäpfeln darauf, dass die Kerne nicht auf den Boden fallen. Die Früchte sind nämlich gut gefüllt. Dafür ist es beim Granatapfel nicht so schlimm, wenn Sie Kerne beschädigen oder verlieren. Im Vergleich dazu ist es bei einem Apfel oder einer Vogelbeere nicht empfehlenswert, da diese nicht so viele Kerne ausbilden. Beschädigte Kerne keimen nicht.

Tipp: Selektieren Sie die Kerne nach dem Sammeln, damit kein taubes Saatgut dabei ist. Dafür werden die Kerne über Nacht in einem Wasserbad gelagert und an der Wasseroberfläche schwimmende entsorgt.

Säubern

Kerne haben einen großen Vorteil gegenüber Steinen. Da sie in den meisten Fällen in einem Kerngehäuse sitzen, ist der Reinigungsaufwand vor der Aussaat deutlich geringer. Apfel- oder Birnenkerne zum Beispiel müssen nicht einmal gesäubert werden. Ausschließlich bei Arten, deren Kerne direkt vom Fruchtfleisch umhüllt sind, bedürfen einer Reinigung. Sie lassen die Kerne dafür über einen kurzen Zeitraum in kaltem Wasser einweichen und entfernen das Fruchtfleisch anschließend vorsichtig mit Küchenpapier. Danach Kerne trocknen lassen. Der Prozess ähnelt der Kirschkern-Reinigung, nur das kein warmes Wasser notwendig ist.

Zum Keimen anregen

Vergessen Sie nicht, dass viele heimische Obstbäume einen Reiz zum Keimen benötigen. Vor allem ein Kältereiz ist notwendig, da dieser den natürlichen Verlauf der Jahreszeiten imitiert. Bei mediterranem Kernobst wie dem Granatapfel ist dieser Schritt nicht notwendig. Diese werden einfach im Frühjahr direkt in das Anzuchtsubstrat gegeben. Auch bei der Japanischen Wollmispel ist das der Fall. Eine Stratifikation findet über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen statt und beginnt meist im Dezember. Die sauberen und trockenen Kerne werden dafür in einen Gefrierbeutel mit angefeuchtetem Sand gegeben. Gut verschließen und im Kühlschrank, genauer dem Gemüsefach, lagern. Entnommen werden die Kerne im Frühling zur Aussaat.

Avocadokern keimt

Standort

Während der Standort im Garten über genügend Platz und die richtigen Eigenschaften verfügen muss, ist der Standort für die Aussaat ein wenig anders. Für Obstbäume werden zur Anzucht die folgenden Punkte beachtet:

  • Lichtbedarf: hell
  • keine direkte Mittagssonne
  • Fensterbank ideal
  • warm
  • kalten Luftzug vermeiden

Kerne aussäen

Sobald der Aussaattermin für die jeweilige Art gekommen ist, meist im März, können Sie die Kerne in passendes Substrat geben. Das gelingt auf die folgende Weise:

  • Anzuchttöpfe vorbereiten
  • Drainageschicht am Boden: Kies, Tonscherbe
  • zwei Drittel mit Anzuchterde füllen
  • Kerne in Substrat stecken
  • Tiefe: 0,5 bis 2 cm (abhängig von Art)
  • anfeuchten

Bei manchen Arten ist es notwendig, die Kerne über einen Zeitraum von 24 Stunden in Wasser einzuweichen. Mispeln oder anderen Bäumen mit einem harten Kern gehören dazu. Wundern Sie sich nicht: Einige der genannten Arten keimen erst nach einer sehr langen Zeit. Während Äpfel schon recht früh wie ein Kirschkern keimen, müssen Sie für ein Gewächs wie die Wollmispel manchmal bis ins nächste Jahr warten.

Für die Pflanzung stärken

Sobald es wärmer wird und sich die Sonne mehr und mehr zeigt, können Sie die Jungpflanzen an das Freie gewöhnen. Dafür werden die Pflanzen im Kübel ab Mitte April bis Mitte Mai für zwei bis drei Wochen ins Freie gestellt. Wählen Sie einen halbschattigen Standort. Über die Nacht werden die Pflänzchen wieder ins Haus geholt, da sie sonst erfrieren.

Pflege bis zur Pflanzung

Die letzten Wochen bis zur Pflanzung oder dem Umzug in den Garten nach den Eisheiligen gehen leicht von der Hand. Dünger ist nicht notwendig, ebenso müssen Sie nicht umtopfen. Ausschließlich das Substrat muss immer etwas feucht gehalten werden, damit die Jungpflanzen nicht vertrocknen. Mehr muss nicht unternommen werden, bis der Pflanztermin oder Umzug in den Kübel für den Außenbereich ansteht. Wachsen die Pflänzchen zu stark, können Sie die Triebspitzen etwas einkürzen, zum Beispiel beim Granatapfel.