Zimmerpflanze - Calla zantedeschiaPflanzen und Blumen im Zimmer oft genug gießen ist doch ganz einfach, eben immer wenn sie Wasser brauchen - sagen erfahrene Zimmergärtner, die abschätzen können, wie viel Wasser eine Pflanze überhaupt braucht und die wissen, wie die besten Abstände sind. All das müssen Anfänger aber erst einschätzen lernen, und diverse Ausnahme-Situationen gibt es auch noch:

Die ganz normale Zimmerpflanze

Schon bei der "ganz normalen Zimmerpflanze", in einem gesunden Zustand und schön grün und kräftig, sind eine ganze Reihe von Faktoren zu berücksichtigen, um diese Pflanze in richtigen Maß und in den richtigen Abständen mit Wasser zu versorgen.

Je mehr Pflanzen Sie schon versorgt haben, desto besser können Sie die richtigen Wassermengen und Abstände der Wassergaben instinktiv einschätzen. Wissenschaftler, die sich nicht gerne auf Instinkt verlassen, sondern genaue Handlungsgrundlagen anhand gesicherter Fakten erarbeiten wollen, würden versuchen, die Faktoren, von denen "richtiges Gießen" abhängt, zu ermitteln und dann in einer Attributionsanalyse zu bewerten. Für Zimmerpflanzen hat das wohl leider noch niemand getan, aber man muss kein Wissenschaftler sein, um die Faktoren zu sammeln, die Einfluss auf den Wasserbedarf und die Bewässerungshäufigkeit einer Pflanze haben:
  • Den wahrscheinlich größten Einfluss auf den Wasserbedarf einer Pflanze
    hat wohl die Biomasse, die die Pflanze bereits entwickelt hat
  • Damit sind sowohl die Wurzeln gemeint als auch die Triebe, Blätter, Blüten über der Erde
  • Zahlreiche genetisch vorbestimmte Unterschiede zwischen Pflanzenarten haben großen Einfluss auf den Wasserverbrauch
  • Kleine, junge Pflanzen verbrauchen verhältnismäßig viel Wasser, weil sie auf Wachstum (Bildung neuer Zellen) programmiert sind
  • Aber wenn erst ein paar Blätter zu versorgen sind, hält sich der Wasserbedarf ziemlich in Grenzen
  • Größere Pflanzen verbrauchen weniger Wasser, wenn sie Triebe ausreifen oder verholzen lassen
  • Beim Austrieb im Frühjahr und während der Blüte steigt der Verbrauch
  • Faustregel: Je größer die Blätter und Blüten, desto größer der Durst
  • Pflanzen an sehr lichtreichen Standorten haben eine hohe Photosyntheserate und einen damit zusammenhängenden hohen Wasserverbrauch
  • Außerdem verdunstet an solchen Standorten viel Wasser, ebenso wie an eher warmen Standorten, dieses Wasser muss auch ersetzt werden
  • Die Häufigkeit der Wassergaben hängt zunächst natürlich schlichtweg vom Verbrauch ab
  • Und dann von dem Gedanken, dass Regen natürlich in gewissen Abständen aufkommt, der Pflanzenhaushalt ist darauf eingerichtet
  • Bei manchen Pflanzen in sehr großen Abständen in reichlichen Mengen, diese Sukkulenten speichern Wasser
  • "Normale" Pflanzen saugen bei einem Regenguss ihre Zellen voll, das im Erdreich verbleibende Wasser löst Nährstoffe, die nach und nach aufgenommen werden
  • Wenn Sie dauernd wenig gießen, können manche schwerlöslichen Nährstoffe nicht gelöst werden
Also erst einmal erkunden, ob eine Pflanze (gerade) viel oder wenig Wasser braucht, und dann dieses Wasser in möglichst großen Abständen in einer reichlichen Gabe verabreichen. Eher knapp, Sie machen sich selbst unnötige Arbeit, wenn Sie Ihre Pflanzen mit reichlich Wasser verwöhnen. Gießen Sie immer erst dann, wenn die Pflanzen schon so schlapp wirken, dass sie vermutlich kurz davor sind, die Blätter hängen zu lassen. Fördert die Wurzelbildung, macht Pflanzen robust, kann die Blüte verlängern und spart Wasser.

Die "leidende" Zimmerpflanze

Um eine Zimmerpflanze "ganz normal zu halten", ist jede Menge Wissen über Pflanzen erforderlich und über die Lebensbedingungen, die Pflanzen brauchen. Über das natürlich nicht jeder Mensch von Anfang an verfügt, und im Laufe des Lernprozesses geht ebenso natürlich das ein oder andere schief, was dann auch das Gießen beeinflussen kann.
Zimmerpflanze - Geldbaum - Crassula
Immer wenn eine Zimmerpflanze in Bezug auf die Bewässerung zickig oder übertrieben pingelig zu reagieren scheint, sollten mehrere Dinge überprüft werden:

Qualität und Alter des Substrats

Die Qualität des Substrats wirkt sich nach mehr oder weniger längerer Zeit auf den Wasserbedarf einer Pflanze aus:

Möglichst naturähnliches Substrat
Das "möglichst naturähnliche Substrat" stammt im besten Fall auch schlichtweg aus der Natur. Wenn Sie einen Garten mit einem guten, gepflegten Gartenboden haben, gibt es keinerlei Grund, ein für den Handel gemischtes Substrat zu kaufen, dessen Qualität Sie vor dem Kauf erst prüfen müssen. Ein gut gepflegter Gartenboden wird auch durch die Tätigkeit der Pflanzenreste verarbeitenden Bodenlebewesen ständig mehr, auf Mulchflächen oder auf dem Kompost, Sie sollten also keine Mühe haben, etwas Erde für Ihre Zimmerpflanze abzuzweigen.

Diese Gartenerde muss nun auf die Bedürfnisse der entsprechenden Zimmerpflanze eingestellt werden. Diese Bedürfnisse richten sich nach der Herkunft der Pflanzen, einheimische Pflanzen kommen meist gut mit ganz normaler Gartenerde im Topf zurecht. Bei den Importen aus fremden Ländern muss die "gute Gartenerde" häufig durch Untermischen von Sand "magerer" gemacht werden, weil die Pflanzen Mangelzustände gewohnt ist. Auch eine Senkung des pH-Wertes durch Untermischen von Kalk kann notwendig sein, oder die Herstellung eines fast bakterienfreien Substrats (Erhitzen im Backofen) für Exoten, die mit unseren Mikroorganismen überhaupt nichts anfangen können, und etwas Kies unten im Topf ist immer gut, wenn Sie keine Wasserpflanze aufziehen wollen. Diese Pflanzen können meist lange Zeit ohne Erdtausch wie oben beschrieben bewässert werden.

Substrat aus dem Handel, "Blumenerde"
Die Bezeichnung Substrat deutet es schon an: Die Blumenerde aus dem Handel ist nicht die Erde, die der Normalmensch unter dem Begriff erwartet. Sondern eine komplizierte Mischung aller möglichen Stoffe, die mit Erde oft nichts zu tun haben.

Das muss nicht unbedingt negativ sein, es ist z. B. sicher weitaus besser für die Umwelt, irgendwelche Reste aus der Holzproduktion ins Substrat zu packen, als unsere letzten Moore durch Torfabbau zu zerstören. Für die Pflanzen sicher auch, je älter der Torf (= umweltschädigender der Torfabbau), desto mehr hat sein pH-Wert mit dem normaler Gartenerde nichts zu tun, und Substrat auflockern - das einzige, was das uralte/fossile Material Torf im Handelssubstrat leisten soll - kann man mit sehr vielen Stoffen.

Aber "Erde" ist ein lebendiger Organismus, im Idealfall von einer Vielzahl Mikroorganismen und Kleintieren bevölkert, die laufend die Substanzen in der Erde verarbeiten und so dafür sorgen, dass sie wasserdurchlässig, aber auch wasserspeicherfähig bleibt.

Was im Handel alles ins Substrat gemischt wird, bietet diesen Mikroorganismen und Kleintieren meist keine Lebensgrundlage, ein gekauftes Substrat verliert deshalb mehr oder weniger schnell Wasserdurchlässigkeit und Wasserspeicherfähigkeit. Viele Substrate verwandeln sich recht schnell in eine Art Beton, der nur noch durch das Wurzelwerk der Pflanze gelockert wird. Darunter können sogar minderwertige bis schadstoffhaltige Stoffe sein, die in einer Blumenerde wenig bis nichts zu
suchen haben, beim Kauf von Blumenerde ist deshalb gute Information über die Inhaltsstoffe angesagt. Es gibt auch gute Substrate, die auf Schadstoffe überprüft wurden und überlegt gemischt sind, aber auch sie bestehen meist nicht aus "lebendiger Erde" und verändern im Laufe der Zeit ihre Struktur.
Weihnachtsstern - Poinsettien
Wenn eine Blumenerde ihr "lockeres Stadium" hinter sich hat, können Sie gießen, so viel Sie wollen, das Wasser kommt nicht mehr der Pflanze zugute, sondern läuft einfach durch. Bevor Sie die Pflanze in vernünftige Erde umgetopft haben, brauchen Sie sich über die Häufigkeit der Bewässerung keine Gedanken zu machen.

Der Blumentopf bzw. Kübel

Das Material des Blumentopfs / Kübels hat ebenfalls einen nicht geringen Einfluss auf Wasserbedarf und Gießverhalten:

Der Kunststofftopf
Der Kunststofftopf verdunstet keine Feuchtigkeit, was für ihn sprechen soll, weil Sie so Wasser sparen. Mag sein, bei einer Banane im badewannengroßen Kübel könnte das wirklich ein, zwei Liter ausmachen, und wenn Sie mit Hunderten von Zimmerpflanzen zusammenleben, sicher auch. Ansonsten ist die Dichte des Kunststofftopfs eher ein Nachteil, weil keinerlei Feuchtigkeitsausgleich stattfinden kann. In der Natur gibt es öfter zu wenig Wasser, aber für eine normale Pflanze nie zu viel Wasser, weil der normale Boden, egal ob mager oder nährstoffhaltig, überflüssiges Wasser ablaufen lässt.

Eine Erde mit einem zu hohen Wasseranteil ist keine Erde, sondern Schlamm, in dem allenfalls Wasserpflanzen wachsen können. So sehen das auch Ihre Zimmerpflanzen, wenn in einem Kunststofftopf der Wasserablauf verstopft, ist das der Tod mancher nässeempfindlichen Pflanze. Wenn der Kunststofftopf in der Sonne steht, kocht er vielleicht gleich noch ein wenig die Wurzeln der Pflanze ab, das mögen viele Pflanzen auch überhaupt nicht. Auf die schlechte Ökobilanz von Kunststofftöpfen und den zweifelhaften Dekorationswert muss wohl nicht näher eingegangen werden.

Der Tontopf
Wenn Sie einen Tontopf verwenden, haben Sie all diese Probleme nicht, im Gegenteil, das Naturmaterial "hilft Ihnen beim Gießen". Blumentöpfe aus Ton können überflüssige Feuchtigkeit aufnehmen und durch Verdunstung nach außen abgeben. Das verbraucht ein wenig mehr Wasser, aber wirklich nur unwesentlich mehr. Dafür ist es gut für das Raumklima, und zur Verbesserung des Raumklimas werden ja die meisten Zimmerpflanzen angeschafft.

Für die Pflanze ist der Tontopf sowieso gut, seine Wasserausgleichsfunktion bewahrt im Zweifel vor nassen Füßen, die diffusionsoffene Tonwand schafft insgesamt ein gutes, sauerstoffreiches Klima im Wurzelraum. Ton ist ein natürlicher Bestandteil des Bodens und enthält Nährstoffe, auch von diesen bekommt die Pflanze einige ab.

Für das Gießen von Zimmerpflanzen im Tontopf gilt: Ganz normal wie oben beschrieben, aber Sie müssen wesentlich weniger aufpassen als bei Pflanzen im Kunststofftopf.

Die Topfgröße

Auch die Topfgröße hat einen Einfluss darauf, ob eine Pflanze bei weitgehend korrekt vorgenommener künstlicher Bewässerung einen ausgeglichenen Wasserhaushalt ausbilden kann.
Drachenbaum - Dracaena
Wissenschaftler haben jüngst ausgerechnet, dass Zimmerpflanzen am besten wachsen würden, wenn sie einen Liter Topfvolumen pro Gramm Trockenbiomasse bekommen - das wäre so ungefähr der Mörtelkübel für das Alpenveilchen. Macht natürlich keiner, schon aus optischen Gründen, wäre aber auch fatal, wenn das Alpenveilchen z. B. eine kleine Aloe wäre. Die würde dann richtig loslegen, schnell einen Meter hoch und breit werden, und in Bezug auf das Gießen dürften Sie sich überlegen, wo die Zisterne für das Gießwasser ihren Platz bekommt.

Aber eine gewisse Topfgröße ist notwendig, damit wenigstens ein wenig Wasserausgleich stattfinden kann - in der freien Natur hat eine Pflanze dafür viel Land um sich herum und in einer gesunden Pflanzengesellschaft auch noch eine Nachbarpflanze, die ihr über Mikorrhizapilze ein wenig Feuchtigkeit zuschiebt, bevor sie verdurstet. Hat sie im Topf alles nicht, Sie müssen Ihrer Pflanze die netten Helferpilze und auch noch den gesamten restlichen Naturkreislauf ersetzen ... da ist es schon besser, wenn im Topf etwas Platz ist, ein wenig Wasser- und Nährstoffspeicher für Versorgungsnotfälle. Um eine Pflanze im Winztopf genau richtig zu gießen, müssten Sie schon Gedanken lesen können - die Gedanken einer Pflanze.

Die verdorrte Zimmerpflanze

Wenn eine Pflanze genug Wasser hat, steht sie schön aufrecht im Topf, weil alle Zellen vollgesogen sind. Wenn das Wasser knapp wird, passiert eine ganze Weile gar nichts, wenn die Zellen leer sind und die Triebe hängen, ist das Wasser schon sehr knapp. Dann war in der Erde nichts mehr zu holen, nicht mit der letzten Wurzelspitze, und das hat bei den meisten Substraten die Folge, dass einfach Gießen nun nichts mehr bringt.

Noch ein wenig später trocknen dann auch die Wurzeln aus, und nun bringt Wasser von oben überhaupt nichts mehr, die lebensrettende Flüssigkeit fließt durch die Erde und durch die Wurzeln und durch das Abzugsloch im Topfboden wieder nach draußen. Erde und Wasser müssen jetzt erst wieder in die Lage versetzt werden, Wasser aufzunehmen.

Damit trockene Wurzeln und harte Erde wieder weich werden, müssen sie eingeweicht werden, in einem Gefäß mit Wasser, das größer als der Topf ist. Wenn die Erde sich vollsaugt, steigen Luftblasen auf, wenn die ausbleiben, können Sie den Topf zum Abtropfen herausnehmen.

Sonstige Fehler beim Gießen

Es gibt noch einige Kleinigkeiten, die Pflanzen beim Gießen ziemlich stören können:
  • Wenn Sie Zimmerpflanzen am Südfenster im Sommer in der Mittagshitze gießen, verbrennen Sie ziemlich wahrscheinlich die Blätter
  • Im Sommer auch am besten morgens gießen, und das muss sicher nicht zwischen 3 und 4 Uhr sein, wie der Bundesverband Einzelhandelsgärtner so realitätsnah vorschlägt
  • Bloß einfach, wenn es noch kühl ist, damit das Wasser nicht schon beim Gießen verdunstet oder auf den Blättern zum Brennglas wird ...
  • Abends ist dann weniger gut, wenn auf die Blätter gegossen wird, die dann über Nacht nass bleiben, das lieben Pilze
  • Regenwasser ist nicht überall ideal, sondern nur, wenn es den richtigen pH-Wert  hat, 6-7, nicht drunter
  • Außerdem kann es reichlich keimbelastet sein, vor allem im Sommer
  • Zimmerpflanzen auf dem Balkon bekommen bei Regen schnell zu viel Wasser ab
  • Der Abfluss muss dann wirklich gut funktionieren
  • Großblättrige "Säufer" können Sie auch im Kübel mulchen, das hält die Feuchtigkeit im Boden
  • Mulchen klappt auch mit dekorativem Granitsplitt oder Kieselsteinen
  • Das Gießwasser sollte möglichst Zimmertemperatur haben, so manche Pflanze reagiert sauer auf kalte Duschen
Fazit
Wer unter "Gießen" irgendwie und irgendwann "Wasser über Pflanzen schütten" versteht, ist vom berühmten "Grünen Daumen" des Zimmergärtners noch ein ganz deutliches Stück weit entfernt. Wer sich allerdings einmal klargemacht hat, dass ein bestimmter Umstand beim Gießen der Zimmerpflanzen eine Rolle spielt und warum das so ist, hat mit korrekter Bewässerung meist keinerlei Probleme mehr.