Wiese - Rasen - GrasSie sind winzig und können dennoch einen Juckreiz auslösen, der viele Menschen zur Verzweiflung treibt. In den letzten Jahren leiden immer mehr Menschen unter einer seltsamen Art von Insektenstichen, die gleich in größerer Anzahl an Stellen auftauchen, die für gewöhnliche Mückenstiche untypisch sind. Zudem jucken diese Stiche deutlich stärker und oft auch wochenlang. Wer von Grasmilben gebissen wurde, benötigt sehr viel Selbstbeherrschung, um nicht permanent zu kratzen. Was Sie gegen Grasmilben und ihre Bisse tun können, erfahren Sie hier.

Beschreibung

Grasmilben gehören zu der artenreichen Familie der Spinnentiere, zu denen auch die Zecken zählen. Viele Milbenarten sind Alles- oder Pflanzenfresser, einige leben als Parasiten oder räuberisch. Bei der Milbe, die bei Menschen mit ihren Bissen starken Juckreiz auslöst, handelt es sich um die Erntemilbe (Neotrombicula autumnalis), einer sogenannten Laufmilbe. Bisse der echten Grasmilbe (Bryobia graminum) jucken nicht so stark und die Milbenart ist auch deutlich kleiner. Erntemilben haben im deutschen Sprachraum viele Namen.

Neben der herkömmlichen Bezeichnung Grasmilben oder Heumilben, sind sie auch als Gras- oder Erdläuse bekannt. Der Name Grasfloh ist etwas irreführendend, denn die Neotrombicula autumnalis ist zwar weitläufig mit den Flöhen verwandt, allerdings gehört sie zur Familie der Laufmilben und nicht etwa zu den Flöhen.

Während ausgewachsene Herbstgrasmilben unterhalb der Erdoberfläche leben und nicht beißen, sind ihre Larven
umso aggressiver. Sie sind winzig, nur 0,2 Millimeter groß, können sich aber recht schnell bewegen. Um sich gegen die kleinen Parasiten wehren zu können, ist es hilfreich zu verstehen, wie die Grasmilbe lebt und wie es zu einem Kontakt mit dem Menschen kommt.

Aussehen

Die erwachsene Herbstgrasmilbe ist intensiv rot gefärbt und etwa zwei Millimeter lang. Der Körper ist flach, hinter der Schulter stark eingeschnürt und mit dichten Borsten übersät. Sie hat acht kurze Beine, an deren Ende sich jeweils zwei Krallen befinden.

Die Larven der Neotrombicula autumnalis sind die Erreger der sogenannten Trombidiose, im Volksmund auch Erntekrätze oder Stachelbeerkrankheit genannt. Diese Larven haben einen breitovalen Körper und sind nur etwa 0,2 Millimeter lang, also mit dem bloßen Auge kaum sichtbar. Sie haben im Gegensatz zu den adulten Tieren nur sechs Beine mit jeweils drei Krallen am Ende. Herbstmilbenlarven sind blassgelb bis Orangerot gefärbt und haben kräftige Kieferklauen.

Kontakt mit Menschen

Die Larven der Erntemilbe halten sich auf Grashalmen und anderen Erhöhungen von bis zu 20 cm über dem Erdniveau auf und warten dort auf vorbeikommende Wirte, um sich festbeißen zu können und Zellsäfte zu saugen. Zu den Wirten von Grasflöhen gehören normalerweise kleine Säugetiere wie Mäuse, aber auch Haustiere, die durch das Gras streifen. Menschen werden nur bei zufälligem Kontakt Opfer dieser Larven. Die parasitär lebenden Herbstmilbenlarven lieben niedrige Grasflächen. Dabei machen sie wenig Unterschiede, ob es sich um eine Naturwiese, einen Waldrand oder auch den Rasen im eigenen Garten handelt. Und auch bei ihren Wirten sind sie wenig wählerisch.

Wenn man eine Larve mit dem Bein oder Fuß vom Grashalm abstreift, läuft diese schnell die Beine hinauf. Denn trotz der geringen Größe sind die Tierchen sehr mobil. Am liebsten mögen die Grasflöhe feuchtwarme Stellen am Körper mit dünner Haut. Deshalb findet man sie meist in der Kniekehle, in den Achseln oder im Schambereich. Aber auch unter eng anliegender Kleidung tauchen Bissstellen auf, beispielsweise unter den Strümpfen, dem Gürtel oder den Gummizügen von Wäschestücken.

Tipp: Da vor allem Haustiere als Wirte der Herbstmilbe infrage kommen, sind auch bei ihnen Symptome wie Ausschlag und Juckreiz anzutreffen. Achten Sie also auch auf entsprechende Symptome bei Ihrem Hund oder Katze als erstes Warnsignal für Ihre eigene Gesundheit.

Bisse erkennen

Grasfloh - HerbstgrasmilbeEinmal in der oberen Hautschicht festgebissen, injiziert die Larve der Erntemilbe Speichel mit Enzymen, die die Haut aufweichen und verflüssigen. So gelangt sie an die Zellsäfte und die Lymphe des Wirtes, um diese aufzusaugen. Meist sind die geröteten Stellen ziemlich klein, etwa ein bis drei Millimeter im Durchmesser. Ab und zu werden die Quaddeln aber auch bis zu einem Zentimeter groß und ähneln Mückenstichen.

Für den Grasfloh typisch, erscheinen viele kleine Bisse direkt nebeneinander auf der Haut. Die Tiere selbst findet man nur selten, da die juckenden Quaddeln erst 24 Stunden nach einem Biss auftreten. Dann weiß man oft nicht, wer eigentlich für die Stiche verantwortlich ist und verdächtigt in der Regel völlig andere Insekten. Auch Ärzte stoßen bei der Identifizierung immer wieder an ihre Grenzen, denn die Verwechslungsgefahr mit den Bissen von Flöhen und Bettwanzen ist groß.

Symptome

Nach einem Biss leiden Menschen und auch Haustiere oft wochenlang unter starkem Juckreiz. In der Regel handelt es sich um kleine gerötete Stellen, die oft auch pustelig hervorstehen. Diese Erscheinung nennt man im Fachjargon Trombidiose, umgangssprachlich Erntekrätze oder Herbstbeiß.

Ein Juckreiz stellt sich in der Regel erst nach einem Tag ein; und jeder Mensch reagiert ganz unterschiedlich auf die Bisse der Herbstgrasmilbe. Einige bemerken fast überhaupt nichts, bei anderen juckt es tagelang unerträglich. Viele Menschen reagieren auf die Bisse von Grasflöhen mit einer allergischen Reaktion oder einer Entzündung in der Haut, vor allem, wenn intensiv an den juckenden Hautstellen gekratzt wird. Sehr empfindliche Personen können auch Fieber bekommen.
  • starker Juckreiz
  • Rötung an der Einstichstelle
  • mit Flüssigkeit gefüllte Blasen
  • Pusteln
  • Quaddeln mit krustiger Oberfläche
  • Sekundärinfektionen
  • in seltenen Fällen Fieber
Bevorzugt sind die Hautreaktionen in Bereichen von Hautfalten (Achseln, Kniekehlen) und oberhalb und unterhalb der Gürtellinie zu finden. In der Regel sind gleich viele einzelne Bisse auf kleinem Areal anzutreffen.

Tipp: Wie stark die Reaktion ausfällt, ist von vielen individuellen Faktoren abhängig. Während bei einem Familienmitglied keine Symptome auftreten, kann dies bei anderen Angehörigen ganz anders aussehen.

Behandlung beim Menschen

Wirklich gefährlich sind die Bisse von Grasflöhen glücklicherweise nicht, denn die Larven übertragen keine Krankheiten, wie beispielsweise Zecken. Zur Verhinderung von Sekundärinfektionen ist es wichtig, die Stichstellen mit 70%igem Alkohol oder einem anderen geeigneten Mittel zu desinfizieren. Gegen den Juckreiz können Juckreiz stillende Gels, Cremes oder Tinkturen eingesetzt werden. Gute Erfolge sind auch mit einer kurzen Schockwärmebehandlung zu verzeichnen. Dazu nutzen Sie am besten einen elektronischen Stichheiler oder einen erhitzten Teelöffel, den Sie kurz auf die entsprechende Stelle drücken.
  • mit Alkohol desinfizieren
  • Wärmeschock mit heißem Löffel oder elektronischem Stichheiler
  • feuchte Umschläge (Kühlung)
  • Juckreiz lindernde Salbe oder Gel
  • Hausmittel wie Zwiebelsaft oder Zitronensaft
  • nicht kratzen
Wiese - Rasen - GrasBei einer größeren Anzahl von Bissen kann der Juckreiz unerträglich werden. Ist er nicht mehr auszuhalten oder entzünden sich die Hautstellen, sollten Sie frühzeitig zum Arzt gehen. Dieser kann Ihnen eventuell eine Kortisonsalbe oder ein Antihistamin verschreiben und die entzündete Hautstelle mit einem Antibiotikum behandeln.

Behandlung bei Tieren

Während die Larven der Herbstgrasmilbe beim Menschen meist nach wenigen Stunden wieder verschwinden, sieht das bei Haustieren oft ganz anders aus. Auf tierischen Wirten leben
die Parasiten oft so lange, bis sie ausgewachsen sind. Um Ihrem Tier die Qualen zu ersparen und das Risiko zu minimieren, sich auch selbst mit den hartnäckigen Plagegeistern zu infizieren, bedarf es einer ausgeklügelten Bekämpfungsmethode.
  • befallene Haustiere mit antiparasitärem Shampoo waschen
  • Bisse mit Alkohol oder anderem Desinfektionsmittel behandeln
  • lindernde Lotion oder Tinktur für die entsprechende Tierart auftragen
  • Entzündungen vom Tierarzt behandeln lassen
  • zur Vorbeugung Spot-On-Produkt gegen Flöhe, Milben und Zecken verwenden (beispielsweise mit dem Wirkstoff Fipronil)
  • vorsichtshalber alle Decken und Schlafplätze bei hoher Temperatur waschen
  • Umgebungsspray für die Schlafplätze des Haustieres und schwer erreichbare Stellen benutzen

Vorkommen und Verbreitung

Die Herbstmilbe kommt von in Westeuropa bis Ostasien vor. An manchen Orten treten Grasflöhe massenhaft auf, die Verbreitung ist aber in der Regel regional stark beschränkt. In Deutschland sind solche Trombidiose-Herde weit verbreitet. Besonders im Raum Stuttgart, München, Frankfurt und im Rheinland sind sie in den letzten 10 bis 15 Jahren zu einer echten Plage geworden. Bei warmer und sonniger Witterung befallen sie ihre Wirte, zu denen Kleinsäuger, Hunde, Katzen, Vögel und auch Menschen gehören, in Parks, Grünanlagen oder auch Hausgärten. Grasflöhe bevorzugen niedrige Vegetation, deshalb sind sie meist auf Rasenflächen, in Moosen oder in gemulchten Beeten zu finden.

Es kann durchaus vorkommen, dass Sie in Ihrem Garten Erntemilben haben und ihr Nachbar völlig unbehelligt bleibt. Milbenpopulationen passen sich schnell an örtliche Gegebenheiten an, in diesem Fall wahrscheinlich ihren potenziellen Wirten. Leben bei Ihnen also bestimmte Kleinsäuger (Mäuse, Ratten, Kaninchen etc.) oder Hunde und Katzen, ist Ihr Garten besonders attraktiv für die Parasiten.

Das bedeutet aber noch lange nicht, dass Sie wegen Ihrer Haustiere oder der besonders ökologischen Gartenbewirtschaftung Opfer der Grasmilben sind. Ein vermehrtes Aufkommen dieser Quälgeister unterliegt darüber hinaus auch einem unerforschten zeitlichen Wechsel und ist von vielschichtigen makro- und mirkoklimatischen Gegebenheiten abhängig. Glücklicherweise dauert eine Plage mit diesen Laufmilben in der Regel nicht länger als etwa zwei Monate.

Lebenszyklus

Die ausgewachsenen Spinnentiere leben eigentlich im Erdreich und bevorzugen ganz bestimmte Bodenverhältnisse. Bei feuchtwarmer Witterung kommen sie nahe an die Erdoberfläche. Bei Regen und Frösten dringen sie tief in den Boden ein. Adulte Grasflöhe sind für Mensch und Tier nicht gefährlich, da sie nicht parasitär leben. Die Eiablage erfolgt im Boden. Nach etwa vier Wochen schlüpfen die Milbenlarven und wandern auf der Suche nach einem Wirt an die Erdoberfläche.
  • Hauptvorkommen: Juli bis Oktober (Larven)
  • je nach Witterung aber auch schon ab April anzutreffen
  • Mindesttemperaturen: dauerhaft über 10 Grad
  • am aktivsten sind sie bei Temperaturen um die 25 Grad
Grasfloh - Herbstgrasmilbe lebenszyklusAus niedriger Vegetation lassen sie sich dann von ihrem Wirt abstreifen, um mit ihren kräftigen Kieferklauen die Hornhaut aufzuritzen und die Zellsäfte zu trinken. Je nach Wirt dauert dieser Saugvorgang zwischen einigen Stunden (Mensch) und mehreren Tagen (bei kleineren Tieren). Anschließend lassen sie sich wieder auf den Boden fallen und entwickeln sich zu Nymphen. Nach einer Häutung und einem weiteren Ruhestadium entwickelt sich der adulte Grasfloh, der sich im Boden aufhält und nur noch von Pflanzenmaterial und Insekteneiern ernährt. Lediglich die mobilen Larven parasitieren an Säugetieren.

Milben im Garten aufspüren

Ob und wie viele Erntemilben sich in Ihrem Garten angesiedelt haben, ist nur sehr schwer herauszufinden. Adulte Milben sind überhaupt nicht aufzuspüren, da sie ganzjährig unter der Erdoberfläche leben. Erst die unzähligen Larven kommen aus dem Erdreich heraus, um sich an exponierter Stelle im Gras auf die Lauer nach einem Wirt zu legen. Die Larven der Grasflöhe bemerkt man meist erst dann, wenn erste Bisse auftreten. Und auch in diesem Fall haben bisher nur wenige Menschen einen dieser Parasiten jemals zu Gesicht bekommen. Sie sind so klein, dass man nicht einmal bemerkt, wenn die Tierchen gerade über die Haut laufen oder zubeißen.
Haben Sie den Verdacht, dass sich in ihrem Garten eine Kolonie Grasmilben angesiedelt hat, ist es nicht hilfreich, sich auf den Knien im Gras auf die Suche nach ihnen zu machen. Legen Sie einfach ein weißes Blatt Papier an die Stelle und warten ab. Sind massenhaft Larven unterwegs, wird das Blatt einen rötlichen Schimmer bekommen, denn die Larven sind gelblich bis Organgerot gefärbt.

Bekämpfung

Eine schnelle und effektive Bekämpfung und Ausrottung der Grasmilben ist nicht möglich. Denn chemische oder biologische Bekämpfungsmittel, die speziell diese Parasiten abtöten, gibt es nicht. Grasflöhe zu bekämpfen, bedeutet daher in erster Linie Vorbeugung und Dezimierung des Bestandes. Besitzer eines Gartens sollten versuchen, den Herbstgrasmilben ihren Lebensraum zu nehmen. Da sich die Parasiten bevorzugt im Rasen aufhalten, ist dieser kurz zu halten. Auch Nistplätze jeglicher Art müssen entfernt oder vermieden werden.
  • Rasen mehrfach wöchentlich sehr kurz mähen
  • Rasenschnitt sofort entsorgen (Hausmüll)
  • Schutzkleidung tragen (Gummistiefel, lange Hose, Handschuhe beim Aufnehmen)
  • Hosenbeine in die Schuhe oder Socken stecken
  • Rasen täglich wässern
  • Nistplätze von Nagetieren entfernen (in Holzstapeln, Geräteschuppen etc.)
  • Komposthaufen umsetzen (Nistplatz für Mäuse)
  • Moose aus dem Rasen entfernen (vertikutieren)
  • kleinere Flächen mit Neemöl besprühen
  • Rasen im Mai mit Kalkstickstoff düngen (im Vorfeld mähen)

Schutzmaßnahmen

Wiese - Rasen - GrasSind Sie bereits von Herbstgrasmilben gebissen worden oder haben Sie eine Population in Ihrem Garten entdeckt, heißt es, jeden möglichen Kontakt mit den Larven zu vermeiden. Zur Abwehr der Erntemilbenlarven kann das Einreiben mit einem Repellent helfen, das mit Duftstoffen Insekten wie Mücken oder Zecken vertreibt. Sprühen Sie die Schuhe und Hosenbeine bis zur Kniehöhe damit ein. Auch die Einnahme von Vitamin-B-Präparaten soll die Parasiten vertreiben, da sich in diesem Fall der Körpergeruch verändert und ihn die Larven nicht mehr mögen.
  • Wiesen mit bekanntem Milbenbefall nicht betreten
  • im Bedarfsfall Gummistiefel und geschlossene Kleidung tragen
  • keinesfalls auf den Boden setzen oder legen
  • nach dem Kontakt mit befallenen Flächen sofort Kleidung wechseln und duschen
  • Repellentien (Vergrämungsmittel) gegen Insekten und Zecken benutzen (Wirkungsdauer etwa 5 Stunden)
  • nur mit dichtem Schuhwerk und langer Hose in den Garten oder auf Spaziergänge gehen
  • Strümpfe über die Hosenbeine ziehen
  • Mittel, die synthetisches oder natürliches Pyrethrum (Extrakt einer bestimmten Chrysanthemenart) enthalten, verwenden
  • Vitamin-B-Komplex einnehmen (Dosierung und Dauer eventuell mit Ihrem Arzt absprechen)
Insektizide sollten wegen der Umweltbelastung und Gefährdung von Mensch und Tier im eigenen Hausgarten nicht eingesetzt werden. Gegen die Erntemilbe ist außerdem kein ausreichend wirksames Mittel bekannt.

Fazit
Die Stiche von Erntemilben sind sehr lästig, manchmal schier unerträglich, aber für den Menschen nicht gefährlich. Die juckenden Ausschläge können mit Juckreiz stillenden Mitteln oder kortisonhaltigen Präparaten sowie Antihistaminen (vom Arzt) behandelt werden. Gegen die Parasiten selbst ist leider noch kein Kraut gewachsen. Hier hilft es nur, sich selbst gut zu schützen und es den Grasflöhen so unbequem wie möglich auf dem eigenen Grundstück zu machen.