Ratten übertragen gefährliche Krankheiten, plündern Vorräte bzw. machen diese unbrauchbar, nagen Elektroleitungen und andere Kabel an und vor allem vermehren sie sich rasend schnell. Haben Sie einen Befall bemerkt, ist rasches Handeln extrem wichtig, um den Schaden einzugrenzen. Allerdings sind nicht alle empfohlenen Maßnahmen tatsächlich wirksam. Lesen Sie, was wirklich hilft.

Ratten sind Kulturfolger

Es gibt zwei Rattenarten, die sich bevorzugt in der Nähe des Menschen ansiedeln und von dessen Anwesenheit profitieren: Immerhin finden die Tiere im Garten einen reichlich gedeckten Tisch sowie zahlreiche geschützte Unterschlupfmöglichkeiten. Am häufigsten ist die Wanderratte (Rattus norvegicus) im Garten anzutreffen. Sie wird bis zu 50 Zentimeter lang und 500 Gramm schwer. Sie bevorzugt Lebensräume in der Nähe fließender Gewässer. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um einen Fluss handeln, denn Wanderratten fühlen sich auch in der Kanalisation sehr wohl.

Die Wanderratte hat die deutlich kleinere Hausratte (Rattus rattus) mittlerweile fast verdrängt, weshalb diese wiederum auf der roten Liste der gefährdeten Arten steht. Stellen Sie im Garten einen Rattenbefall fest, so hat sich in den meisten Fällen die Wanderratte eingenistet. Vermuten Sie statt eines Ratten-
jedoch einen Mäusebefall, so sollten Sie genauer hinschauen: Hausratten werden des Öfteren mit Mäusen verwechselt.

Tipp: Gemäß bundes- und landesrechtlicher Gesetzgebung wie dem Bundesseuchengesetz gelten Ratten als Gesundheitsschädlinge. Wird ein Befall festgestellt, muss dies in manchen Bundesländern dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Zudem gilt mancherorts die gesetzliche Verpflichtung, einen professionellen Kammerjäger mit der Bekämpfung der Rattenplage zu beauftragen.

Wie kommen die Ratten in den Garten?

Gerade Wanderratten leben bevorzugt zu unseren Füßen in der Kanalisation. Da sich die Tiere allerdings sehr schnell vermehren, kommen sie bei einem großen Befallsdruck - eine Rattenpopulation kann 100 Tiere und mehr umfassen - an die Oberfläche, um hier nach neuem Lebensraum für die überzähligen Tiere zu suchen. Dabei siedeln sie sich bevorzugt in Grünanlagen wie Parks und natürlich Gärten an, da es hier für die wenig wählerischen Allesfresser Nahrung und Versteckmöglichkeiten im Überfluss gibt. Hausratten wiederum bevorzugen warme, geschützte Standorte und sind daher eher innerhalb von Gebäuden zu finden.

So erkennen Sie einen Rattenbefall im Garten

Da Ratten scheue Tiere sind, werden Sie lebende Exemplare nur in sehr seltenen Fällen zu Gesicht bekommen. Läuft Ihnen am helllichten Tag eine Ratte über den Weg, dann nur, weil sie nicht genug zu fressen findet oder die Population in Ihrem Garten mittlerweile gigantische Dimensionen angenommen hat. Dies erhöht den Druck auf die eigentlich nachtaktiven Tiere, das Revier zu vergrößern und so mehr Lebensraum zu schaffen. Des Weiteren halten sich gerade Wanderratten bevorzugt an lichtarmen Orten auf, wo sie nur schwer zu finden sind.

Wenn Sie in Ihrem Garten auf die folgenden Hinweise stoßen, ist die Wahrscheinlichkeit einer Rattenplage hoch:

Größere Löcher
- in der Erde, im Komposter oder im Schuppen -
Wanderratten bauen sich gerne Erdhöhlen, deren Eingänge recht versteckt liegen können. Zudem verschaffen sie sich mit ihren Nagezähnen Zugang zu unzureichend verschlossenen Nahrungsquellen.

Nagespuren
- an Komposter, an Mülltonnen und Vorratssäcken oder anderswo -
Diese Nagespuren befinden vor allem dort, wo sich Nahrung befindet, die nicht weggeschleppt werden kann.

längliche Kotspuren
- etwa in den Vorräten -
RattenkotWo Rattenkot zu finden ist, haben sich die Nager angesiedelt. Frischer Kot ist länglich, weich und glänzt. Fassen Sie diesen auf keinen Fall mit bloßen Fingern an, Sie könnten sich mit gefährlichen Krankheitserregern infizieren! Ziehen Sie unbedingt Schutzkleidung an und entfernen Sie den entdeckten Kot umgehend, um die Infektionsquelle zu beseitigen.

Tote Ratten
Wo eine tote Ratte ist, befinden sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit viele lebende.

Ammoniak-Geruch
Riecht es in einer oder mehreren Gartenecken leicht oder auch stark nach Ammoniak, so sollten Sie in diesem Bereich nach weiteren Anzeichen suchen. Der unangenehme Geruch ist ein typisches Kennzeichen für einen Rattenbefall, da die Tiere ihr Revier mit Urin kennzeichnen.

Tipp: Wenn Sie Rattenkot oder tote Tiere beseitigen, sollten Sie den Bereich anschließend desinfizieren und - ganz wichtig! - den Geruch neutralisieren. Dieser könnte weitere Tiere anlocken und so das Problem nur vergrößern.

So werden Sie Ratten wieder los

Ratten effektiv wieder loszuwerden, ist ein schwieriges Unterfangen. Ohne große Not werden die Tiere ihr Revier nicht verlassen, da dies für die Tiere massiven Stress bedeutet. Sie
müssten ihr sicheres Schlaraffenland verlassen, um sich im Ungewissen ein neues Revier zu suchen und höchstwahrscheinlich mit einem anderen Rattenclan um diesen kämpfen. Das bedeutet für Sie: Fahren Sie gleich die harten Geschütze auf, je schneller desto besser. Machen Sie es den Ratten in Ihrem Garten so ungemütlich wie möglich und erhöhen Sie so die Wahrscheinlichkeit, dass die Tiere wieder das Weite suchen und nicht wiederkommen.

Katzen gegen die Rattenplage

Schaffen Sie sich unbedingt eine oder mehrere Katzen an, wobei Sie allerdings von hochgezüchteten Rassekatzen Abstand nehmen sollten. Bevorzugen Sie auf Bauernhöfen groß gewordene Hauskatzen, da diese schon von klein auf das Jagen und Erlegen von Ratten und Mäusen erlernen. Ein fleißiger Jäger kann zwar die Ratten nicht ausrotten, aber die Plage gut in einem verträglichen Rahmen halten.
Katze gegen Ratten im Garten
Tipp: Bei freilaufenden Katzen im Garten muss die Vogelwelt jedoch gut geschützt werden, da die schnurrenden Räuber auch gerne Rotkehlchen, Blaumeise und Co. erlegen. Hängen Sie aus diesem Grund Nistkästen und Futterstellen bestenfalls frei hängend oder anderweitig unzugänglich für Vierbeiner auf. Das hat zudem den praktischen Nebeneffekt, dass sich auch die Ratten nicht mehr am Vogelfutter gütlich tun können.

Helfen Hausmittel gegen die Rattenplage?

Natürlich wären ungiftige Hausmittel im Gegensatz zu den problematischen Giftködern eine wunderbare Möglichkeit, um die Rattenplage wieder loszuwerden. Vielleicht wurde auch Ihnen schon eines der folgenden Möglichkeiten empfohlen oder Sie haben das Mittel bereits ausprobiert:
  • Chili- oder Chayennepfefferpulver auf den Wegen der Ratten ausstreuen
  • mit Katzenurin getränkte Katzenstreu in der Nähe der Wege oder Nesteingänge deponieren
  • ätherische Öle wie Minz- oder Nelkenöl bzw. Gewürznelken sollen Ratten vertreiben
  • Wege und Nesteingänge mit Terpentin oder Essig bestreichen
  • Kalkanstrich an Wänden (z. B. im Keller oder im Gartenschuppen)
  • Aufstellen von Ultraschallgeräten
Leider ist die Wirksamkeit dieser Mittel sehr begrenzt, da sich Ratten wie gesagt nur schwer vertreiben lassen - und sich zudem rasch an unangenehme Gerüche und Geräusche (wie durch Ultraschallgeräte produziert) gewöhnen. Lediglich bei wenigen, noch nicht richtig etablierten und auf Reviersuche befindlichen Tieren könnten Sie mit solchen Methoden Erfolg haben.

Chlorkalk ist hochgefährlich

Insbesondere von der Chlorkalk-Essig-Mischung sollten Sie die Finger lassen, denn diese ist hochgefährlich auch für den Menschen. Die Mischung erzeugt giftige Dämpfe, ist ätzend und verursacht Brände. Zudem kann durch eine chemische Reaktion - beispielsweise mit Kohlendioxid aus der Luft - hochgiftiges und tödliches Chlorgas entstehen. Daher nehmen Sie bitte von diesem Mittel Abstand, es kann sonst böse Folgen auch für Sie und Ihre Familie haben.

Lebend- und Schlagfallen gegen Ratten richtig einsetzen

Befinden sich nur wenige Tiere in Ihrem Garten, so können Sie diese mit einer Falle einfangen und beseitigen. Auch wenn Ihnen das Töten unangenehm ist: Bevorzugen Sie die effektiveren Schlagfallen vor den vermeintlich humaneren Lebendfallen. Mit einer Lebendfalle - bei der die Ratten womöglich an einer anderen Stelle wieder ausgesetzt werden - verlagern Sie das Problem nur, beseitigen es aber nicht.

Fallen werden dort aufgestellt, wo sich die Ratten regelmäßig bewegen. Optimal sind die Nesteingänge, aber auch entlang der Wege befinden sich gute Plätze. Wechseln Sie regelmäßig die Standorte und auch die Köder: Ratten sind sehr intelligent und ziehen schnell Schlüsse zwischen dem Tod ihres Artgenossen und der Falle bzw. des Stücks Salami. Von Vorteil ist es zudem, abwechselnd verschieden aussehende Fallen zu verwenden. Verwenden Sie möglichst Rattenfallen aus Kunststoff, da diese sich leichter reinigen lassen und zudem leichter zu handhaben sind.

So wenden Sie eine Rattenfalle richtig an:
  • den Ratten bekannte Köder verwenden
  • Tiere verschmähen unbekannte Nahrung
  • gut geeignet sind Wurst, Käse, Speck und Nussnougatcreme
  • Fallen im Bereich von Kot- und Laufspuren aufstellen
  • Standort so wählen, dass Kinder und Haustiere nicht hineingeraten
  • Fallen regelmäßig kontrollieren und leeren
Tipp: Fassen Sie gefangene Tiere auf keinen Fall ohne Schutzkleidung an und reinigen Sie die Falle nach Gebrauch gründlich.

Wann und wie Sie Rattengift verwenden dürfen

Je größer der Befallsdruck ist, desto wirkungsloser sind Maßnahmen wie Schlagfallen, Hausmittelchen und Co. Leben sehr viele Ratten auf Ihrem Grundstück, hilft oft nur noch Gift. Dabei allerdings müssen Sie eine Reihe von Regeln und Sicherheitshinweisen beachten, um die Vergiftungsgefahr für Kinder und Haustiere möglichst gering zu halten:
  • Köder niemals frei auslegen
  • immer unzugänglich für Kinder und Haustiere
  • zum Auslegen eine verschließbare Köderbox nutzen
  • nur Präparate mit den Wirkstoffen Coumatetralyl, Chlorophacinon und Warfarin bzw. Natrium-Warfarin nutzen
So lange der Hersteller auf der Verpackung darauf hinweist, dass das ´Rattengift nur von Personen mit Sachkundenachweis verwendet werden darf, ist jedes Mittel grundsätzlich frei verkäuflich. Gemäß Gesetz dürfen Sie jedoch viele der angebotenen Biozide selbst gar nicht anwenden, sondern müssten einen Profi - also einen Kammerjäger bzw. Schädlingsbekämpfer - beauftragen. Ohnehin ist dieses Vorgehen einem eigenmächtigen Handeln vorzuziehen, da das Hantieren mit Rattengift nicht nur für die Nager hochgefährlich ist.

So machen Sie Haus und Garten rattensicher

Ratte als Schädling im GartenDamit sich in Ihrem Garten Ratten gar nicht erst ansiedeln bzw. nach einer erfolgreich beseitigten Plage die Tiere nicht zurückkehren, sollten Sie in Ihrem Garten gründlich aufräumen und Versteckmöglichkeiten sowie Nahrungsangebote beseitigen. Diese Maßnahmen haben sich dabei als sinnvoll erwiesen:
  • keine Reste von Nahrungsmitteln auf den Kompost werfen
  • keine Küchenreste wie gekochte Speisen und Fleisch auf dem Kompost
  • keine Obst- und Gemüsereste auf dem Kompost
  • Kompost gut durchmischen
  • offene Komposthaufen vermeiden, diese gut verschließen
  • geschlossene Schnellkomposter meist rattensicher
  • Fallobst zeitnah aufsammeln
  • Tiergehege (Hühner, Ente, Tauben) sauber halten und regelmäßig reinigen
  • keine Reste von Tierfutter im Freien oder im Stall liegen lassen
  • sämtliche Vorräte sowie Tierfutter gut verschlossen aufbewahren
  • Vogelfutterstellen mit speziellen Manschetten schützen
  • keine Nahrungsmittelreste in der Toilette entsorgen, gehören in den Müll.
  • Mülltonnen gut und geruchsdicht verschließen
Zudem sollten Sie unaufgeräumte Ecken im Garten vermeiden, beispielsweise Holzhaufen und ähnliches unbedingt auf- und wegräumen. Solche Stellen verwenden Ratten gern als geschützte Nistplätze. Aus demselben Grund ist aufgestapeltes Kaminholz regelmäßig zu kontrollieren, auch hier verstecken sich die Nager gern. Des Weiteren dürfen keine Schlupflöcher am Haus zu finden sein, Ratten quetschen sich selbst durch engste Löcher hindurch in gelangen so ins Hausinnere. Gefahrenquellen sind dabei offene und ungeschützte Terrassen- und Kellertüren, Kellerfenster, Löcher im Mauerwerk oder
Fallrohre.