Schnecken müssen weg! Darin sind sich alle Gärtner ausnahmslos einig. Vor allem in regnerischen Jahren kleben sie auf unseren Pflanzen. Einmal dran lassen sie nicht mehr von ihnen ab, bis von dem Grün nicht mehr viel übrig ist. Kleine blaue Schneckenkörner versprechen schnelle Abhilfe. Ausgestreut locken sie die ahnungslosen Schnecken in ihr Verderben. Für wen sind die Körner noch giftig?

Was ist Schneckenkorn?

Als Schneckenkorn werden kleine Giftköder bezeichnet. Sie sind in Körnerform gepresst und werden als Bekämpfungsmittel gegen Schnecken eingesetzt. Es handelt sich dabei um ein sog. Molluskizid. Die Verwendung und die Form haben zu dem harmlos klingenden Namen Schneckenkorn geführt.
  • die Körner sind leuchtend blau bis grünlich
  • sie werden im Garten ausgestreut
  • Schnecken werden von den darin enthaltenen Duftstoffen angelockt
  • sie fressen das Korn und verenden schnell daran
  • manches Schneckenkorn wirkt bei Kontakt
  • Schnecken nehmen den Giftstoff über die Schleimhaut auf
  • sie sterben meist unmittelbar an Ort und
    Stelle
  • tote Schnecken müssen aufgesammelt oder mit Erde bedeckt werden
  • manches Schneckenkorn tötet die Schnecken erst nach Tagen
  • sie können sich vorher in ihre Unterschlüpfe zurückziehen
  • sollen dann keine Gefährdung für andere Tiere darstellen
Hinweis: Schneckenkorn wirkt auf alle Schneckenarten giftig, unabhängig davon, ob diese zu den schädigenden oder harmlosen Schneckenarten gehören.

Giftige Wirkstoffe im Schneckenkorn

SchneckenIm Handel werden verschiedene Präparate zur Schneckenbekämpfung angeboten. Die inhaltliche Zusammensetzung dieser Bekämpfungsmittel unterscheidet sich voneinander. Gebräuchlich sind Alkaloide, Salze, hormonelle Wirkstoffe sowie Kombinationen dieser Stoffe. Bei unsachgemäßer Anwendung belasten die Giftstoffe das Grundwasser. Ist im Schneckenkorn Metaldehyd enthalten, ist besondere Vorsicht geboten. Die Einnahme dieses Giftes kann für Kinder und Säugetiere mit dem Tod enden.

Der früher in Schneckenkorn verwendete Wirkstoff Methiocarb ist tödlich für Menschen und Haustiere. Er ist seit Ende 2014 in Deutschland nicht mehr erlaubt. Dennoch können noch eventuell vorhandene Restbestände eine große Gefahr darstellen. Diese müssen unbedingt fachgerecht entsorgt werden.

Eisen(III)-phosphat wird als alternativer Wirkstoff angepriesen, er ist sogar für den biologischen Anbau zugelassen. Die Schnecken nehmen das Korn oral auf und verhungern nach einigen Tagen. Der Grund ist, dass dieses Schneckenkorn ihren Rachen verschließt und sie so an der Nahrungsaufnahme hindert. Bis sie sterben, können sie jedoch weiterhin Eier ablegen. Der Hautkontakt mit Eisen(III)-phosphat ist nicht unbedenklich. Die Hände müssen danach gründlich gewaschen werden.

Für wen ist Schneckenkorn giftig?

Schneckengifte sind giftig für Schnecken, doch von ihnen geht auch Gefahr für andere Tiere aus. Bleiben vergiftete Schnecken liegen, können sie von ihren natürlichen Fressfeinden gefressen werden. Diese werden dadurch selbst vergiftet. Betroffen sind:
  • Vögel
  • Frösche
  • Kröten
  • Käfer
  • Igel
  • Spitzmäuse und noch andere Tiere
Natürlich wirkt das Schneckenkorn auch auf Schneckenarten die nicht schädlich sind, sogar auf solche die unter Naturschutz stehen, wie die Weinbergschnecke. Schneckenkorn kann nicht nur für die frei lebenden Tiere lebensbedrohlich sein. In Schneckenkörnern sind oft starke Gifte enthalten, deren Einnahme auch tödliche Auswirkungen auf Haustiere haben kann. Katzen, Hunde, Kaninchen und andere Säugetiere sind häufig dieser Gefahr ausgesetzt, da sie sich im Lebensraum des Besitzers aufhalten und meist frei bewegen können.

Doch auch für Menschen sind diese Gifte keinesfalls harmlos. Besonders gefährlich sind sie für Babys und kleine Kinder. Einige Gramm Metaldehyd wirken selbst auf einen Erwachsenen tödlich. Doch während Erwachsene um die Gefahr wissen und sie meiden können, wirken die kleinen, blauen Körner anziehend auf Kinder und Haustiere.

Vorsichtsmaßnahmen bei der Verwendung von Schneckenkorn

Die wichtigste Vorsichtsmaßnahme, um Vergiftungen wirksam zu vermeiden, ist: Hände weg von giftigen Stoffen, ausnahmslos!

Für die meisten Problemfälle im Haushalt oder im Garten stehen uns verschiedene Bekämpfungsmittel zur Verfügung, viele davon sind nicht giftig. Bei so vielen Alternativen besteht nicht die Notwendigkeit, das Leben von Menschen und Tieren in Gefahr zu bringen. Wenn Sie dennoch aus irgendeinem Grund Schneckenkorn verwenden wollen, wählen Sie die Variante mit Eisen(III)-phosphat, die am wenigsten giftig ist. Halten Sie stets Vorsichtmaßnahmen ein.
  • nutzen Sie Schneckenkorn nur in Ausnahmefällen
  • streuen Sie nur so wenig Schneckenkorn wie nötig
  • verwenden Sie dabei Handschuhe
  • halten Sie Kinder und Haustiere fern
  • klären Sie andere Gartenbenutzer über die Giftigkeit auf
  • bewahren Sie das Schneckenkorn unzugänglich auf

Schneckenkorn ist interessant für kleine Kinder

Schneckenkorn Kleine Kinder sind neugierig und stecken schnell alles in den Mund, ganz besonders wenn sie sich von Erwachsenen unbeobachtet fühlen. Ein paar von den blauen kleinen Schneckenkörnern genügen, um beim Kind schlimme Vergiftungserscheinungen hervorzurufen. Bewahren Sie Schneckenkorn stets so, dass Kinder es nicht in die Hände bekommen.

Bedenken Sie jedoch, wenn das Korn im Garten ausgestreut ist, kann es von Kindern entdeckt und unbemerkt eingenommen werden. Weder werden sie Ihr Kind lange vom Garten fernhalten können, noch haben Sie eine Garantie, dass nach einer bestimmten Zeit alle Schneckenkörner weggefressen sind. Auch nach Tagen können Schneckenkörner herumliegen und ein erhebliches Gefährdungspotenzial für Kinder darstellen.

Hinweis: Schneckenkorn ist auch für erwachsene Menschen giftig. Jedoch ist Gefahr geringer, da diese kaum absichtlich das Schneckenkorn essen würden.

Vergiftungssymptome bei Kindern

Hat ein Kind Schneckenkorn zu sich genommen, zeigen sich innerhalb weniger Stunden schwere Vergiftungssymptome. Wenn Sie die Einnahme beobachtet haben, oder sonst wie davon Kenntnis bekommen, sollten Sie jedoch nicht warten, bis sich erste Symptome zeigen. Haben Sie die Gifteinnahme nicht bemerkt, können folgende Vergiftungssymptome als deutliches Alarmzeichen angesehen werden:
  • verstärkter Speichelfluss
  • Benommenheit
  • Übelkeit bis hin zu Erbrechen

Erste Maßnahmen bei Vergiftung von Kindern

Eltern oder andere Betreuer sollten sofort den Rettungsdienst rufen, wenn Verdacht auf Vergiftung durch Schneckenkorn besteht. Doch auch wenn die Quelle der Vergiftung noch nicht bekannt ist, muss bei derartigen Symptomen schnell gehandelt werden. Irgendwelche Hausmittel sind hier fehl am Platz, können in Unkenntnis der wahren Lage sogar schaden. Bringen Sie das Kind dazu Reste auszuspucken. Da manche Gifte sehr schnell und irreparabel die Gesundheit schädigen und gar tödlich wirken können, darf keine wertvolle Zeit vergeudet werden. Unterstützen Sie den behandelnden Arzt, indem Sie ihm die Diagnose erleichtern:
  • geben Sie gleich beim Anruf an, welche Vergiftung Sie vermuten
  • nehmen sie etwas von dem Erbrochenem mit zum Arzt
  • nehmen Sie die Verpackung des Giftstoffs oder das Etikett mit

Schneckenkorn und Haustiere

Auf den Verpackungen des Schneckenkorns sind die Warnhinweise, die auf die Gefährlichkeit für Haustiere hinweisen, meist sehr klein gedruckt.  Bei einigen Präparaten steht sogar, dass sie für Haustiere unbedenklich sind. Aus diesen Gründen wird das Schneckenkorn von vielen Tierbesitzern bedenkenlos gegen Schnecken eingesetzt. Doch Schneckenkorn, das Metaldehyd enthält, kann schnell eine Gefahr für Haustiere werden.
  • Hunde werden vom Schneckenkorn wie magisch angezogen
  • besonders kleine, neugierige Hunde könnten es schnell fressen
  • auch für eine Katze ist das Korn gefährlich
  • Giftstoffe bleiben an den Pfoten hängen
  • beim Ablecken der Pfoten, gelangen die giftigen Stoffe in ihren Körper
  • auch andere Haustiere wie Kaninchen reagieren auf das Gift
Nicht nur das ausgestreute Korn stellt eine Verlockung dar, auch offene Packungen, die leicht zugänglich stehen, können sich zu einer tödlichen Falle für Haustiere entwickeln. Dann ist auch die Gefahr besonders groß, dass innerhalb kurzer Zeit eine hohe Giftdosis eingenommen wird. Bis
sich die ersten Symptome zeigen und der Mensch die Gifteinnahme bemerkt, kann es schon zu spät sein.

Symptome bei Haustieren

Schneckenkorn gegen NacktschneckenDie Latenzzeit, bis das Gift seine Wirkung zeigt, ist bei Metaldehyd kurz. Etwa 1- 3 Stunden nach der Einnahme des Giftes treten akute Vergiftungserscheinungen auf. Diese können unterschiedlich stark ausgeprägt sein, je nachdem wie groß die in die Blutbahn gelangte Giftmenge ist.
  • zähflüssiger Speichelfluss, Hecheln
  • Erbrechen und/oder Durchfall
  • Muskelzittern
  • Herzrasen
  • Koordinationsstörungen
  • häufig Krampfanfälle bis hin zu Koma
  • Fieber erreicht kritische Werte über 41 Grad Celsius
  • hohes Fieber zerstört Körpereiweiße und Körperzellen
Hinweis: Das Erbrochene und der Kot weisen eine bläulich-grüne Färbung auf. Das ist ein deutliches Zeichen, dass eine Schneckenkorn-Vergiftung vorliegt.

Maßnahmen bei der Vergiftung von Haustieren

Gegen Metaldehyd gibt es kein Gegenmittel. Wenn Sie ihr Haustier beim Fressen des Schneckenkorns ertappen oder die aufgeführten Vergiftungssymptome beobachten, sollten Sie schnellstens einen Tierarzt aufsuchen. Sie selbst können nichts unternehmen, um die Vergiftungsfolgen zu lindern, außer das Tier vom weiteren Verzehr der Körner abzuhalten. Der Tierarzt muss das Tier zum Erbrechen bringen, damit möglichst wenig Giftstoffe in seine Blutbahn gelangen und ihre schlimme Wirkung tun können.

Medikamente zum Binden der Giftstoffe, Darmspülungen sowie künstliches Koma könnten zusätzlich erforderlich werden. Das alles macht die Rettungsaktion zu einer kostspieligen Angelegenheit, die leider oft erfolglos bleibt. Kann das Leben des Tieres gerettet werden, sind Spätfolgen nicht auszuschließen. Insbesondere könnte das Gift die Leber erheblich und dauerhaft geschädigt haben.

Tipp: Sollte das Tier daheim erbrochen haben, nehmen Sie etwas davon mit zum Arzt. Eine Analyse könnte wertvolle Aufschlüsse über die Vergiftung liefern, gerade wenn die Vergiftungsart noch unklar sein sollte.