Im Anbau von Süßkirschen im Hausgarten hat die Bekämpfung der Kirschfruchtfliege oberste Priorität. Der einheimische Schädling verseucht die reifenden Früchte mit Maden, sodass im schlimmsten Fall die gesamte Ernte ungenießbar ist. Hausgärtner stehen dem schändlichen Treiben dieser Bohrfliegen-Art nicht wehrlos gegenüber. Dieser Ratgeber macht Sie vertraut mit ökologischen Bekämpfungsmethoden für einen Maden-freien Kirschgenuss.

Wie sieht die Kirschfruchtfliege aus?

Das signifikante Erscheinungsbild erleichtert betroffenen Hausgärtnern, die Kirschfruchtfliege zuverlässig zu identifizieren. Die folgenden optischen Attribute machen eine Rhagoletis cerasi unverwechselbar:
  • Körperzeichnung: schwarz-glänzend mit gelben Punkten an Thorax und Kopf
  • Flügel: durchsichtig mit blau-schwarzen Querbändern
  • Körperlänge: 3,5 bis 5 mm
  • Augen: grüne Facettenaugen
Die Larven haben einen für Maden
typischen creme-weißen Körper und erreichen eine Länge von bis zu 6 mm.

Wie kommen Maden in die Kirschen?

Das Unheil nimmt ab Anfang/Mitte Mai seinen Lauf. Zu dieser Zeit schlüpfen die Kirschfruchtfliegen, nachdem sie im Schutz der Erde den Winter verbracht haben. Für 8 bis 10 Tage durchlaufen die Bohrfliegen zunächst einen Reifungsfrass an Vogelexkrementen oder Bakterienkolonien auf Kirschbaumblättern. Pünktlich zum Farbumschlag der Früchte von grün nach gelb sind die Weibchen bereit für die Eiablage. Bei trockener Witterung und Idealtemperaturen von 20 Grad Celsius legt ein einziges Kirschfruchtfliegen-Weibchen 200 bis 400 Eier knapp unter die Epidermis der reifenden Kirschen. Da lediglich ein Ei je Kirsche abgelegt wird, reichen wenige Fliegen aus, um die gesamte Ernte zu vernichten.

Innerhalb von 8 bis 10 Tagen schlüpfen die Larven und bohren sich weiter ins Fruchtfleisch. Nach etwa 3 Wochen Völlerei in der Nähe des Kirschkerns fallen die Maden mitsamt der reifen Früchte zu Boden, wo sie sich verpuppen und überwintern. Sofern die Kirschen nicht zu Boden fallen, seilen sich die Maden an dünnen Fäden ab, um in ihr Winterquartier unter der Erdoberfläche zu gelangen.

Baumscheibe rechtzeitig mit Vlies abdecken

Kirschbaum SauerkirscheIm ersten Ansatz einer wirksamen Bekämpfung sollte der Flug der geschlüpften Kirschfruchtfliegen auf den Baum unterbunden werden. Zu diesem Zweck decken Sie die Baumscheibe rechtzeitig ab mit Folie oder einem engmaschigen Kulturschutznetz. Mehr als 0,8 mm darf die Maschenweite nicht betragen, damit die winzigen Fliegen am Zuflug gehindert werden. Die Folien- oder Netzränder werden lückenlos mit Erde bedeckt, um zuverlässig alle Schlupflöcher zu verschließen.

Sofern sich im Vorjahr in der Nähe mit Maden befallene Kirschbäume befanden, werden sämtliche Baumscheiben auf einer Distanz von 200 Metern mit Vlies bedeckt, weil sich hier überwinterte Schädlinge versteckt haben könnten. Erst nach dem Ende der Erntezeit kann die Abdeckung wieder entfernt werden.

Tipp: Damit sich keine weitere Kirschfruchtfliegen-Generation im Boden verpuppen kann, kehren Sie bitte regelmäßig abgefallene Kirschen zusammen und vergraben die Früchte mindestens 20 cm tief. Am Ende der Erntezeit sollten sämtliche Fruchtmumien aus dem Baum entfernt und ebenfalls vergraben werden.

Schutznetze verhindern Eiablage

Lückenloser Schutz gegen anfliegende Kirschfruchtfliegen ist erst gewährleistet, wenn zusätzlich zur Bodenabdeckung die Kronen in Schutznetze gehüllt sind. Die Insekten sind zwar von Natur aus träge und fliegen nicht mehr als 100 Meter weit. Bei schlechtem Fruchtbehang durch feucht-kalte Witterung scheuen sich die Schädlinge freilich nicht, Entfernungen von bis zu 1000 Metern zurückzulegen. Aufgrund der umständlichen und mühsamen Handhabung von Schutznetzen, eignet sich diese Bekämpfungsmethode vornehmlich für kleine Kirschbäume. Zahlreiche Hausgärtner sind dazu übergegangen, große Kirschbäume regelmäßig auf die passende Wuchshöhe für die Einnetzung zurückzuschneiden.

Gelbtafeln reduzieren Befallsdruck

Die Farbwandlung der Kirschen von grün zu gelb ist für die weiblichen Kirschfruchtfliegen das Signal, ihre Eier in die Früchte abzulegen. Diesen Prozess machen sich Gelbtafeln zunutze, um die Schädlinge einzufangen. Gelbtafeln sind mit einem Spezialleim überzogen und mit UV-beständiger Farbe behandelt. Da hier auf chemische Zusätze verzichtet wird, sind gelbe Klebefallen im Bio-Obstanbau erlaubt und werden gerne von Hausgärtnern für die Bekämpfung der Kirschfruchtfliege verwendet. So wenden Sie Gelbtafeln richtig an:
  • Ab Mitte Mai Klebefallen im Kirschbaum aufhängen
  • Zwischen 3 und 10 Exemplare in der Krone verteilen
  • Bis Mitte/Ende Juli die Tafeln im Baum belassen
Für die Verteilungsdichte der Gelbtafeln haben sich folgende Werte in der Praxis bewährt: Kronendurchmesser kleiner 200 cm: 3 bis 4 Fallen. Kronendurchmesser 200 bis 600 cm: 5 bis 7 Stück. Größere Bäume: 8 bis 10 Stück.

Tipp: Die Schlagkraft von gelben Klebefallen gegen Kirschfruchtfliegen kann erheblich verstärkt werden mit einem Köder. Füllen Sie einen intensiv riechenden, organischen Flüssigdünger in eine kleine PET-Flasche ohne Verschluss. Diese hängen Sie unterhalb einer Gelbtafel auf, woraufhin sich die Fang-Effektivität verdoppelt.

Frühe Sorten bleiben verschont

Frühe Kirschsorten haben bei Beginn der Eiablage das gelbfarbene Reifestadium längst überschritten. Diese Kirschen werden von den weiblichen Kirschfruchtfliegen nicht als möglicher Brutplatz wahrgenommen und bleiben von Maden zumeist
verschont. Schlagen Sie den unappetitlichen Schädlingen ein Schnippchen, indem Sie folgenden Sorten in Ihrem Garten den Vorzug geben:
  • Kassins Frühe Herzkirsche: Premium-Sorte mit braun-roten, sehr saftigen Kirschen; Wuchshöhe 3,5 bis 5 m (nicht selbstfruchtend)
  • Rote Maikirsche: ertragreich, süß im Geschmack, gut steinlösend; Wuchshöhe 3,5 bis 5 m
  • Giorgia: begeistert mit platzfesten, dunkelroten Kirschen und süßem Aroma; 3,5 bis 5 m
  • Burlat: große, dunkelrote Früchte mit aromatischem, festem Fruchtfleisch; Wuchshöhe 2,5 bis 4 m (nicht selbstfruchtend)
  • Earlise: etwa 3 Tage vor Burlat reif, jedoch platzempfindlich; Wuchshöhe 3,5 bis 4,5 m (nicht selbstfruchtend)
Die erste Kirschwoche erstreckt sich vom 24. Mai bis 6. Juni. Die zweite Woche beginnt am 8. Juni und endet am 18. Juni. Kirschsorten mit einer später beginnenden Erntezeit sind deutlich anfälliger für Madenbefall. Lassen Sie sich bei der Sortenauswahl nicht durch die Handelsbezeichnung irreführen. Die Sorte 'Frühe Rote Meckenheimer' beispielsweise ist erst ab der dritten Kirschwoche (20.06. bis 30.06.) reif und steht somit im Visier weiblicher Kirschfruchtfliegen für die Eiablage.

Nützlinge - wertvolle Schützenhilfe bei der Bekämpfung

Kirschbaum SüßkirscheDie erfolgreiche Bekämpfung verfolgt das Ziel, die Verpuppung von Kirschfruchtfliegen zu verhindern und die Anzahl der Puppen nachhaltig zu dezimieren. Mit folgenden Nützlingen erhalten Sie wirksame Schützenhilfe aus dem Tierreich:
  • Hühner picken mit Begeisterung Maden und Puppen aus dem Boden
  • Mauersegler, Schwalben und andere Vögel machen Jagd auf adulte Kirschfruchtfliegen
  • Laufkäfer, Spinnen oder Schlupfwespen haben die Larven zum Fressen gern
Indem Sie Ihren Garten naturnah gestalten, laden Sie Nützlinge zum Verweilen ein. Mischhecken aus Blütensträuchern mit herbstlichen Beeren ziehen Vögel magisch an, weil sie hier Nahrung und einen Brutplatz finden. Haufen aus Herbstlaub und Totholz dienen Käfern und Spinnen als wichtiger Rückzugsort.

Fernerhin haben sich Nematoden als ökologisches Bekämpfungsmittel mit hohem Wirkungsgrad erwiesen. Fadenwürmer der Gattung Steinernema werden vom Fachhandel in einem Tonmineralpulver angeliefert und sollten zeitnah ausgebracht werden. Zu diesem Zweck rühren Sie die Nematoden in abgestandenem Wasser an und füllen die Mischung in eine Gießkanne. Verteilen Sie die Flüssigkeit auf der Baumscheibe rechtzeitig vor Flugbeginn der Kirschfruchtfliegen, werden die Schädlinge von den Fadenwürmern parasitiert und vernichtet.

Biozid - letzte Rettung bei hohem Befallsdruck

Werden Sie mit einer hartgesottenen Kirschfruchtfliegen-Meute konfrontiert, setzen Sie der Maden-Plage mit einem biologischen Bekämpfungsmittel ein Ende. Das Biozid Naturalis basiert auf den Sporen von Beauveria bassiana, einem natürlich vorkommenden Pilz. Die Sporen heften sich an Maden und adulte Kirschfruchtfliegen gleichermaßen, breiten sich im Wirtsorganismus aus, woraufhin dieser innerhalb kurzer Zeit eingeht. Das Mittel ist für den Haus- und Kleingarten zugelassen.

Das Pulver wird gemäß Anleitung des Herstellers mit Wasser angerührt und mit einem herkömmlichen Spritzgerät ausgebracht. Wichtig zu beachten ist eine vollständige Benetzung der gesamten Baumkrone einschließlich der Blattunterseiten. Bester Zeitpunkt für die Anwendung ist der frühe Morgen oder der späte Abend, weil die adulten Fliegen in diesen Phasen ihre Aktivität reduzieren.

Der Zeitraum der Bekämpfung erstreckt sich von 7 Tagen nach Beginn der Flugzeit bis 7 Tage vor Beginn der Ernte. Erfahrungsgemäß reichen 3 bis 5 Applikationen aus, um Maden-freie Kirschen ernten zu können.