Igel überwintern + im Winter füttern - Igelfutter selber machen

Igel beim NestbauAb Anfang Oktober nimmt das Nahrungsangebot für Igel deutlich ab. Zu dieser Zeit haben die meisten mehrjährigen männlichen Tiere bereits ihr Winterquartier aufgesucht. Begegnen Ihnen jetzt Igel im Garten, handelt es sich fast immer um Muttertiere oder Jungigel. Die Igelin, die womöglich noch von der Aufzucht der Jungen geschwächt ist, braucht nun dringend energiereiches Futter, um sich noch den Winterspeck anzufressen. Häufig beobachtet man eine Igelin dabei, dass sie sich über einen Topf Katzenfutter hermacht.

Igelkinder

Die meisten Igelkinder kommen im August auf die Welt. In warmen

Regionen wie den Weinbaugebieten kann das auch schon etwas früher sein. Eine Igelmutter wirft in der Regel zwischen zwei und sieben Jungtiere, die übrigens bereits mit Stacheln auf die Welt kommen. Die Stacheln sind zu diesem Zeitpunkt aber noch sehr weich. Die Augen öffnen sich nach etwa zwei Wochen. Im Garten zu sehen sind die Igelkinder frühestens mit drei Wochen, wenn sie mit der Mutter erste Ausflüge machen. Bis spät in den September finden die Igel noch ausreichend Futter im Garten und können pro Nacht problemlos an die 10 g Gewicht zulegen. Normalerweise verlassen die Jungigel gegen Ende September die Mutter und wandern in andere Gebiete.

Auch den jungen Igelkindern sagt ihr Instinkt, dass sie nur mit guten Fettpolstern den Winter überleben. Die Nahrungssuche ist in dieser Zeit sehr anstrengend für die Igel und benötigt außerdem sehr viel Zeit. Jungigel vergessen über die Nahrungssuche manchmal, sich rechtzeitig um den Bau eines Nestes zu kümmern. Das schützende Nest wird dann erst sehr spät und nicht mit der nötigen Sorgfalt errichtet. Einer der wichtigsten Gründe, warum so viele Jungigel in der kalten Jahreszeit sterben.

Winterschlaf

Ein paar Wochen später als die Igelmännchen rollen sich auch die Igelinnen und die Jungigel zu einer Kugel zusammen und beginnen ihren Winterschlaf. Ihr Stoffwechsel wird in dieser Zeit auf ein Minimum reduziert. Die Körpertemperatur sinkt von 36 Grad auf fünf Grad und das Herz schlägt nicht mehr um die 200 Mal pro Minute, sondern nur noch acht bis zwanzig Mal. Und auch die Atemfrequenz reduziert sich von vierzig bis fünfzig auf gerade einmal drei bis vier. Manchmal wachen die Igel zwischendurch kurz auf, bleiben dann aber in ihrem Nest. Gegen Ende März beenden zuerst die männlichen Tiere den Winterschlaf, im April dann die weiblichen Igel.

Fütterung im Herbst

Während eine Zufütterung von Igeln in der Zeit zwischen Mai und September nicht notwendig oder sogar schädlich ist, können Sie die Tiere ab Ende September, wenn das Nahrungsangebot stark nachgelassen hat, unterstützen, indem Sie ihnen Nahrung anbieten. Wenn Sie einen Igel füttern, sollten Sie das allerdings richtig machen. Um sich eine Fettschicht anzufressen, brauchen die Tiere fett- und eiweißreiche Kost. Obst und Gemüse vertragen Igel nicht, denn auch in der Natur ernähren sie sich fast ausschließlich von Insekten und anderen wirbellosen Tieren. Geeignet sind:
  • Katzen- oder Hundenassfutter
  • Rührei (ungewürzt)
  • gekochtes Geflügelfleisch
  • gegartes, ungewürztes Hackfleisch
Zu trinken bekommen die Tiere Wasser, das - wie auch das Futter - in eine flache, stabile Schale auf den Boden gestellt werden sollte. Igel mögen zwar Milch, sie bekommt ihnen aber nicht. Milch enthält Milchzucker, die die Tiere nicht vertragen und starken Durchfall bekommen.

Tipp: Igeltrockenfutter sollte nicht als Alleinfutter gegeben werden, sondern lediglich in kleinen Teilen unter oben genannte Eiweißfutter gemischt werden. Die käuflichen Igelfutter haben einen sehr hohen Anteil an Kohlenhydraten.

Überwinterung im Haus

Nur in absoluten Ausnahmefällen sollten Sie Igel zum Überwintern zu sich ins Haus aufnehmen. Tiere, die bei moderaten Temperaturen bis November draußen unterwegs sind, sollten nur gefüttert und bei ihrem Nestbau durch geeignete Materialien unterstützt werden. Ein Igel benötigt wirklich Hilfe, wenn:
  • er tagsüber bei anhaltender Kälte oder Schnee unterwegs ist
  • er Anzeichen von Unterernährung zeigt
  • er krank oder verletzt ist
Ist ein Igel untergewichtig, ist das an der Einbuchtung hinter dem Kopf zu erkennen. Diese Einbuchtung nennt man Hungerlinie. Kranke Igel sind im Allgemeinen apathisch, ihre Augen sind schlitzförmig und eingefallen. Berührt man das Tier, rollt es sich meist nicht zusammen.

Tierarztbesuch

IgelWährend Sie untergewichtige Igel mit Nahrung, einer Unterkunft im Haus und dem notwendigen Winterschlaf unterstützen können, brauchen kranke und verletzte Tiere dringend medizinische Hilfe. Setzen Sie sich deshalb umgehend mit einem Tierheim, dem örtlichen Tierarzt oder einer Igelstation in Verbindung.

Winterschlafgewicht

Erreicht ein Igel das für den Winterschlaf notwendige Mindestgewicht erst kurz vor oder sogar nach Wintereinbruch, muss bis zum Frühjahr gewartet werden, bis man ihn wieder in die Freiheit entlässt. Je nach Alter und Größe sind folgende Werte als Richtmaß anzusetzen:
  • Jungigel: 600 bis 700 g
  • ältere Tiere: je nach Größe 1000 bis 1400 g
Im warmen Quartier muss der Igel so lange mit geeignetem Futter und Trinkwasser versorgt werden, bis er sein Futter nicht mehr anrührt. Kontrollieren Sie in Abständen das Gewicht des Igels, um sicherzustellen, dass das Tier zunimmt. Bis zu diesem Zeitpunkt können entweder einige Tage, oder bei stark untergewichtigen Igeln auch Wochen vergehen. Reinigen Sie das Häuschen und den Auslauf täglich.

Fütterung im Haus

Eine abwechslungsreiche Nahrung ist das A und O für eine gesunde Fütterung des Igels bei menschlicher Überwinterung. Deshalb muss das Futter mit sehr viel Sorgfalt zusammengestellt werden. Folgende Dinge sollten dabei beachtet werden:

Grundnahrungsmittel

Als Insektenfresser benötigen die Tiere vor allem Eiweiße und Fette. Da die Insekten aus dem eigenen Garten jedoch Überträger von Parasiten sein können, ist es nicht sinnvoll, diese an einen Igel zu verfüttern. Stattdessen eignen sich:
  • Katzenfutter (ohne Soße)
  • Hundefutter (Nassfutter)
  • Eier (entweder hart gekocht oder als Rührei)
  • gekochtes Geflügelfleisch
  • Hackfleisch (nur kurz durchgaren)
Zum Anbraten ist Maiskeimöl ideal, da es viele für die Tiere günstige Komponenten enthält.

Zusatzstoffe

Zur guten Verdauung sind Ballaststoffe und auch ein paar Kohlenhydrate unerlässlich. Mischen Sie die folgenden Produkte einfach unter die Grundnahrungsmittel:
  • Haferflocken
  • Weizenkleie
  • Trockenfutter speziell für Igel
Zusätzliche Vitamine oder Mineralstoffe müssen nur nach tierärztlicher Verordnung gegeben werden. Sie können auch einzelne Grundnahrungsmittel miteinander mischen oder die Zusatzstoffe variieren. Pro Portion (etwa ein 150-g-Joghurtbecher voll) Grundnahrung wird ein Esslöffel Kleie oder zwei Esslöffel Haferflocken beziehungsweise Igeltrockenfutter gemengt. Eventuell ist zum Anfeuchten noch etwas Wasser notwendig. Füttern Sie das Futter immer zimmerwarm (niemals heiß oder aus dem Kühlschrank).

Tipp: Igel neigen zur Zahnsteinbildung. Geben Sie ihnen deshalb einmal pro Woche etwas gekochtes Hühnerklein (Flügel, Hals) mit Knochen aber ohne Haut zum
"Zähneputzen".

Nicht füttern

Variieren Sie das Futter spätestens alle zwei bis drei Tage, damit der Igel nicht einseitig ernährt wird. Es gibt einige Dinge, die Igel zwar fressen, aber nicht vertragen. Dazu gehören:
  • Milch (als Getränk Wasser anbieten)
  • Nüsse und Rosinen
  • Obst
  • gewürzte Speisen
  • Gemüse und Salat
  • Milchprodukte (wie Joghurt, Quark und Käse)
Tipp: Bekommt der Igel Durchfall, sollten Sie unbedingt einen Tierarzt aufsuchen.

Futterrezepte

Für die Fütterung eines mittelgroßen Jungigels haben sich folgende Varianten als Tagesration bewährt:
  • 1 Rührei (60 g) mit 1 Teelöffel Maisöl anbraten, dazu 2 Esslöffel Igeltrockenfutter mischen
  • 60 g Rinderhackfleisch mit 1 Teelöffel Maiskeimöl anbraten, 1 Esslöffel Weizenkleie untermischen
  • 30 g Rinderhackfleisch mit Maiskeimöl anbraten, 1 gekochtes Ei, 2 Esslöffel Haferflocken und etwas Wasser untermischen
  • 100 g Katzennassfutter mit 2 Esslöffel Igeltrockenfutter mischen
  • 100 g gekochtes Geflügelfleisch mit 2 Esslöffel Haferflocken und 1 Teelöffel Maiskeimöl mischen

Winterschlaf auslösen

Es kann passieren, dass ein Igel einfach nicht schlafen gehen will. In diesem Fall wird dem Tier für einen Zeitraum von drei Tagen jegliches Futter entzogen und nur noch frisches Trinkwasser bereitgestellt. Da auch ein Mangel an Nahrung zu den Auslösern des Winterschlafes zählt, wird ein gesunder Igel in den Winterschlaf übergehen. Stellen Sie vorsichtshalber nach drei Tagen eine Notration aus einem Gemisch aus Katzenfutter und Igeltrockenfutter ins Gehege.

Unterbringung während des Anfütterns

Das Igelgehege sollte mindestens zwei Quadratmeter groß und ausbruchsicher sein. Da die Tiere normalerweise tagsüber schlafen und geräuschempfindlich sind, sollte ihnen ein ruhiger Raum mit Lichteinfall bei Zimmertemperatur zur Verfügung gestellt werden.
  • Seitenwände: mindestens 40 cm Höhe
  • Holz- oder Spanplatten
  • mit mehreren Lagen Zeitungspapier auslegen
  • Schlafhaus: mindestens 30 cm breiter Karton (nach oben aufklappbar)
  • mit Schlupfloch versehen (10 x 10 cm)
  • mit zerknülltem Zeitungspapier füllen
IgelBenutzen Sie sowohl für die Füllung des Häuschens als auch als Bodenabdeckung kein Sägemehl, Katzenstreu, Stroh, Lappen oder dergleichen. Die Bodenabdeckung wird täglich (morgens) und die Füllung des Hauses bei Bedarf (mindestens einmal wöchentlich) ausgewechselt.

Unterbringung während des Winterschlafes

Solange das Tier aufgepäppelt und gesund gepflegt wird, muss es in einem warmen Raum untergebracht werden. Ein gesundes Tier sollte aber auch bei häuslicher Überwinterung unbedingt einen Winterschlaf halten. Für den Winterschlaf sollte der Igel an einem Ort mit niedrigen Temperaturen untergebracht sein, damit er auch wirklich schläft.

Und vergessen Sie nicht: Igel sind Einzelgänger, deshalb braucht jedes Tier sein eigenes Haus und Gehege.
  • Temperatur: ähnlich wie Außentemperatur
  • bei über 6 Grad fällt das Tier nur in einen kräftezehrenden Dämmerzustand
  • keine direkte Sonneneinstrahlung
  • besser im Freiland überwintern
  • geschützter Platz auf Balkon oder Terrasse
  • Gartenhaus
Tipp: Kellerräume oder Zimmer im Haus sind in der Regel ungeeignet, da sie zu warm sind.

Schlafhaus

Als Schlafhaus für die Zeit des Aufpäppelns eignet sich ein Karton, den Sie mit etwas Laub oder Stroh füllen können. Für den Winterschlaf können Sie dieses Schlafhäuschen in einen größeren Karton stellen oder folgende, besser vor Feuchtigkeit geschützte Variante wählen:
  • Konstruktion aus Spanplatten
  • Kantenlänge etwa 40 cm
  • Isolationsmaterial: zusammengeknülltes Zeitungspapier
  • auch unter dem Haus isolieren
  • kein Styropor verwenden (ist nicht atmungsaktiv)
  • Schlupfloch in geeigneter Größe einbauen (Frontseite gegenüber dem Schlafhauseingang)
Kontrolle
Stören Sie den Igel nicht, wenn er erst einmal zum Winterschlaf zurückgezogen hat. Wenn Sie ständig nachsehen, ob er wirklich schläft, wecken Sie ihn womöglich auf. Eine ganz einfache und effektive Kontrolle ist mit einem Klebeband und einem Stück Toilettenpapier möglich. Kleben Sie das Toilettenpapier oben und unten mit zwei Streifen Klebeband vor den Ausgang des Häuschens. Ist das Tier aufgewacht und hat sein Haus verlassen, ist das Papier zerstört.

Falls Sie beunruhigt sein sollten, weil Sie Ihren Winterschläfer schon lange nicht mehr gesehen haben, können Sie vorsichtig ins Schlafhaus schauen. Während man bei einem schlafenden Igel lediglich die Stacheln erkennt, die sich im Zeitlupentempo aufrichten, wenn man sie berührt, sieht man bei einem toten Igel häufig den Kopf und die Pfötchen.

Aufwachen

Wann der Winterschläfer aufwacht, hängt nicht nur von den Witterungsbedingungen, sondern auch stark vom Geschlecht ab. Männliche Igel wachen normalerweise ab Ende März auf, weibliche Tiere etwa drei Wochen später gegen Mitte April. Zum Ende des Winterschlafes hat der Igel stark an Gewicht verloren. Würde das von Ihnen überwinterte Tier jetzt in die Natur entlassen, findet es zum einen nur wenig Futter, zum anderen hat es im Garten kein Winterschlafnest, in das es sich noch einmal zurückziehen könnte. Füttern Sie also den Igel erst einmal wieder so weit an, bis er so viel wiegt wie vor dem Winterschlaf. Das geht recht schnell und innerhalb von zwei bis drei Wochen sollte er sein ursprüngliches Gewicht wieder erreicht haben.

Auswildern

Im Haus überwinterte Igel sollten so bald wie möglich wieder in die Freiheit entlassen werden. Wie diese Auswilderung vonstattengeht, ist davon abhängig, ob es sich um einen Jungigel oder ein älteres Tier handelt.

Ältere Tiere

Ein Igel hat ein ausgezeichnetes Ortsgedächtnis. Bringen Sie ihn deshalb unbedingt wieder an die Stelle zurück, an der Sie ihn gefunden haben. Dort kennt das Tier bereits Unterschlupfmöglichkeiten, Zäune, Mauern und besonders nahrungsreiche Orte. Wird ein Tier nicht am Fundort ausgewildert, muss es sich erst komplett neu orientieren und ist in der ersten Zeit daher sehr stark gefährdet. Alle Igel über einem Fundgewicht von über 250 g sollten an ihren Fundort zurückgebracht werden, wenn sie gesund sind und ihr ursprüngliches Gewicht nach dem Anfüttern im Haus erreicht haben.
  • der Transport sollte möglichst stressfrei erfolgen
  • vorzugsweise am Abend auswildern
  • geschützte Stelle unter einer Hecke oder im Gebüsch auswählen
  • Nest aus Heu für das Tier anlegen
  • noch etwas Futter auslegen
Lassen Sie der Umwelt zuliebe keine Kartons oder Futterteller in der freien Natur zurück. Haben Sie den Igel bei sich im Garten gefunden, können Sie ihm ein Holzhäuschen mit Stroh oder Heu in eine geschützte Ecke des Gartens stellen. Bieten Sie ihm für bis zu zwei Wochen sein gewohntes Futter und Wasser, das Sie in einem Schüsselchen vor den Eingang stellen.

Jungtiere

Nestjung aufgenommene Tiere (unter 250 g Fundgewicht) sollten bei der Auswilderung ein Mindestgewicht von 600 bis 700 g erreicht haben. Da sie im Herbst noch zu jung waren, um sich bereits in ihrer Umgebung zu orientieren, muss sich der Igel erst an die Freiheit gewöhnen. Das gilt auch für Fundtiere, die nicht an den Fundort zurückgebracht werden können.
  • Auswilderung über ein Freigehege
  • beispielsweise ein Kaninchen- oder Meerschweinchengehege
  • Mindesthöhe: 50 cm
  • Mindestgröße: 4 m² pro Igel
  • regensicheres Haus unter eine Hecke oder Gebüsch stellen
  • etwa zwei Wochen weiterfüttern
  • dann einfach das Gehege öffnen (nicht entfernen)
  • die Futterstelle für weitere zwei Wochen aufrechterhalten
So hat der Igel die Möglichkeit, sich aus seinem gewohnten, kleinen Umfeld langsam in die neue Umgebung vorzutasten. Stellen Sie das Gehege und das Haus aber niemals einfach auf eine freie Fläche, sondern geschützt unter Bäumen oder Sträuchern auf. Sauberkeit ist auch hier ein absolutes Muss. Reinigen Sie deshalb das Haus und Gehege täglich und spülen Sie gebrauchte Wasser- und Futterschüsseln mit heißem Wasser ab.

Fazit
Igel sollten nur im Ausnahmefall im Haus überwintert werden. Draußen haben sie die größeren Chancen zu überleben. Nehmen Sie ein krankes oder untergewichtiges Tier bei sich auf, sollten Sie es zunächst beim Tierarzt untersuchen lassen. Füttern Sie den Igel bis zu seinem normalen Überwinterungsgewicht an und versuchen Sie unbedingt, ihn zum Winterschlaf zu animieren.