Schlehenlikör selbst herstellen - 7 beliebte Zutaten & Rezepte

schlehdorn flDie Schlehe (Prunus spinosa), auch Schlehendorn, Schlehdorn, Heckendorn oder Schwarzdorn genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Prunus, weshalb die Lateiner unter den Lesern ihn bei den Pflaumenbäumen einordnen werden.

Tatsächlich ist die Schlehe die Stammform der Kulturpflaume, in aufsteigender Systematik gehören diese Steinobstgewächse (Amygdaleae) übrigens zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae).

Schlehen ernten und verarbeiten

Diese Urform der Pflaume bringt auch pflaumenähnliche Früchte hervor, ebenfalls bläulich (daher kommt auch der Name, vom indogermanischen Wort Sli =

bläulich), nur etwas kleiner. Und aus diesen Früchten lässt sich köstlicher Likör herstellen:
  1. Dazu braucht es natürlich zunächst einen Schlehenbaum, der gerne abgeerntet werden möchte. Schlehen können Sie schon im Frühjahr erkennen, sie gehören zu den ersten Büschen, die ihre zarten, weißen Blüten am noch blattlosen Baum zeigen. Die Blüten erscheinen meist in Mengen und ähneln Pflaumenblüten, sie wachsen gerne an sonnigen Plätzchen und oft auf steinigem oder kargem Boden. Am Waldrand oder an Wegrändern sind häufig Schlehen zu finden, da sie sich über Wurzeltriebe sehr gut ausbreiten können, findet man durchaus große Areale. Wenn die Schlehen sich ungestört verbreiten können, können sie undurchdringliche Hecken bilden.
  2. Die Früchte sind normalerweise spätestens Mitte Oktober reif, schmecken dann aber noch eher schrecklich. Deshalb sollte man für die Ernte den ersten Frost abwarten, der den Geschmack der Früchte entscheidend verbessert. Sie werden dann süßer und saftiger, ein Teil der enthaltenen Gerbsäure wird abgebaut. Leider werden die Schlehen nach dem Frost nicht nur süßer und aromatischer, sondern auch weicher, sie platzen dann beim Pflücken gerne auf.
  3. Deshalb wird oft geraten, die noch festen Früchte vor dem Frost zu pflücken und sie dann für einige Tage ins Gefrierfach zu legen. Das ist keine so gute Idee, weil nur der Frost und die längere Reifezeit dafür sorgen, dass der Tanningehalt (Gerbsäure) in den Schlehen enzymatisch abgebaut wird.
  4. Die Schlehenkerne enthalten ein giftiges Blausäureglykosid (Amygdalin) und dürfen deshalb nicht verzehrt werden. Folgen Sie bitte deshalb auch nicht dem Rat mancher Rezepte, dem Likör einige zerstoßene Kerne zuzugeben. Da die Kerne der Schlehen sich nicht mit vernünftigem Aufwand entfernen lassen, besteht
    ohnehin immer die Gefahr, dass nicht intakte Kerne im Schlehenlikör ein wenig Amygdalin freisetzen, das muss nicht noch forciert werden.
Von der Ernte zum Likör
  1. Nicht nur wegen der weichen Konsistenz nach Frosteinwirkung, sondern auch wegen der beeindruckenden Stacheln ist die Schlehenernte mühsam. Dafür sind die Möglichkeiten, aus den Schlehen Likör herzustellen, umso vielfältiger - alle mit köstlichem Ergebnis! Das ist das Grundrezept für Schlehenlikör oder Schlehenfeuer: Etwa 1,5 kg Schlehen werden in einer Kunststofftüte durchgeknetet oder in einer Schüssel mit einem Stampfer bearbeitet, bis sie aufplatzen (vorsichtig, Kerne nicht verletzen). Die Schlehen kommen mit 1 bis 2 kg Zucker oder Kandis, einer aufgeschnittenen Vanilleschote und 1 bis 3 Litern Doppelkorn (40 %) in ein großes Gefäß, in dem der Likör etwa 2 Monate an einem warmen Ort ziehen darf. Er muss nur gelegentlich geschüttelt werden. Anschließend wird der Likör durch ein feines Sieb gefiltert und in Flaschen abgefüllt.oel-oelflaschen fl
  2. Wenn behauptet wird, dass der Likör besser schmecke, wenn jede Schlehe

    einzeln mit einem spitzen Instrument angestochen wird, glauben Sie es nicht. Wenn Sie Ihre Schlehen zur richtigen Zeit geerntet haben (voll- bis überreif und nach den ersten Frösten), hat sich der Tanningehalt der Schale bereits so weit reduziert, dass Sie diese ruhig an mehreren Stellen verletzen können (wie es beim Kneten oder Stampfen passiert). Das Anpiken ist nur der Versuch, an sich nicht verarbeitungsreife Früchte dazu zu bringen, möglichst viel Aromastoffe aus dem Inneren und möglichst wenig Stoffe aus der Schale freizugeben.
  3. Je nach Fantasie und Geschmack können Sie dieses Grundrezept abwandeln: Anstatt Doppelkorn können Wodka, Rum, Kirschwasser oder Weinbrand verwendet werden, oder jedes andere hochgeistige Getränk, das um 40 % Alkohol hat und Ihrer Meinung nach mit dem Geschmack der Schlehen harmoniert. Schlehen mit Gin beispielsweise sind in England sehr beliebt, das als Sloe Gin bekannte Getränk wird von vielen Engländern zu Hause selbst angesetzt. Auch bei den Gewürzen kann viel experimentiert werden, vorstellbar wäre die Zugabe von Chili, Holunder, Honig, Ingwer, Kaffeebohnen, Kardamom, Koriander, Muskatnuss, Nelken, Piment, Rosinen, Sternanis, Wacholderbeeren, Zimtstangen, Zitronenmelisse und/oder Zitronenschale.
Tipps der Redaktion

Puristen legen ihre Schlehen nur mit reinem Weingeist und Gewürzen ein, außerdem gibt es viele weitere spannende Rezepte:
  • Man kann Schlehen einlegen (unreif wie Oliven, pikant oder süßsauer), Schlehensaft, Schlehenwein oder Schlehenmarmelade herstellen, Schlehenessig ansetzen oder die Schlehen trocknen wir Rosinen.
  • Schlehen wurden und werden auch als Heilpflanze eingesetzt: Tee aus Schlehenblüten und Aufgüsse aus Rinde oder Früchten sollen adstringierend (zusammenziehend), harntreibend, schwach abführend, fiebersenkend, magenstärkend und entzündungshemmend wirken.