Fleischfressende Pflanzen - Tipps zur Pflege

Von den Fleischfressenden Pflanzen ist vor allem die Venusfliegenfalle bekanntDie Fangmechanismen der karnivoren Pflanzen sind mannigfaltiger Art. Obwohl das Ziel - die Zusatzernährung durch Absorption tierischen Materials - in allen Fällen dasselbe ist, so sind die einzelnen Fangmechanismen doch reichlich verschieden.

Wenn man versucht, ein wenig Ordnung in dieses Thema zu bringen, fällt sofort auf, dass es zwei grundverschiedene Fangprinzipien gibt - die passive und die aktive Falle, wobei die Begriffe „passiv" und „aktiv" sich auf das Vorhandensein oder Fehlen

einer gezielten Bewegung zum Fangen des Opfers beziehen. Diese zwei „Arbeitstypen" lassen sich wiederum in unterschiedliche „Ausführungstypen" gliedern, die im Kapitel „Systematik" bereits den verschiedenen Pflanzengruppen der Karnivoren zugeordnet sind. Es gibt vier verschiedene Fallentypen:

Verschiedene Fallen der Fleischfressenden Pflanzen
  • 1. Die Klebfallen (Byblis, Drosera, Drosophyllum, Ibicella, Pinguicula und Triphyophyllum)
Die Klebfalle besteht immer aus gestielten Drüsen. Jede Drüse trägt einen Tropfen klebriges Sekret. Die Wirkungsweise ist sehr einfach: Insekten werden durch den Honigduft des Sekretes angelockt. Kleinere Insekten, die auf der Klebfalle landen, werden sofort durch den Sekrettropfen immobilisiert. Größere Insekten werden bei der ersten Berührung noch nicht bewegungsunfähig. Beim Versuch zu entkommen, müssen sie sich aber an mehreren Drüsenhaaren entlangschleppen, was zu einer Klebstoffakkumulation führt, die am Ende das Insekt so belastet, dass es seine Bewegungsfreiheit verliert. Gleichzeitig wird ein Bewegungsreiz an die Nachbardrüsenhaare weitergeleitet. Die Verklebung beginnt an der Unterseite des Insekts, aber nach und nach wird das ganze Tier mit klebrigem Sekret überzogen, entweder aufgrund des Absinkens des Insekts zwischen die Drüsenstiele (Drosophyllum) oder dadurch, daß die benachbarten Drüsenhaare sich zum Beutetier hinbiegen und zusätzliche klebrige Masse auf dem ganzen Insekt absetzen (Drosera).

  • 2. Die Klappfallen (Aldrovanda und Dionaea)
Bei den Gattungen Aldrovanda und Dionaea finden wir eine, auf den ersten Blick recht einfache Klappfalle. Da die erstgenannte Gattung ein rein aquatisches Dasein fristet, Dionaea aber terrestrisch wächst, kann wieder einmal festgestellt werden, dass ein Fallentyp nicht unbedingt auf eine bestimmte Lebensweise beschränkt ist. Klappfallen sind naturgemäß aktiv: Sie schließen sich blitzartig, wenn ein Insekt sie besucht. Dieser Schließmechanismus beruht grundsätzlich auf zwei physiologischen Vorrichtungen. Klappfallen sind erstens mit Fühlorganen ausgerüstet, die einen Bewegungsreiz in elektrische Impulse umsetzen können; und zweitens verfügen sie über bewegliche Pflanzenteile, die mit einer schnellen Schließbewegung auf die elektrischen Impulse reagieren können.

  • 3. Die Fallgruben (Brocchinia, Catopsis, Cephalotus, Darlingtonia, Heliamphora, Nepenthes und Sarracenia)
Fleischfressende Pflanzen sind äußerlich perfekt auf ihren Fallenmechanismus abgestimmt
6px; float: right;" height="167" width="250" />Auch die Fallgrubentechnik hat sich in mehreren Gruppen der karnivoren Pflanzen entwickelt (Cephalotaceae, Nepenthaceae und Sarraceniaceae, Bromeliaceae). Grubenfallen sind immer passiv. Die Verdauungskammer ist deshalb jeweils unmittelbar unter der Anlockzone zu finden. Die Pflanzen, die sich das Prinzip der Grubenfalle zu Eigen gemacht haben, werden im Allgemeinen als Schlauch- und/oder Kannenpflanzen bezeichnet, die zur Falle umgebildeten Blätter dementsprechend als Schlauch oder Kanne.

Die Grubenfalle basiert auf 2 Grundprinzipien:
- ein Stolpermechanismus, der dazu führt, dass das potentielle Beutetier in den „Verdauungsteil" der Pflanze gelangt
- Zurückhaltemechanismen, die verhindern, dass die einmal gefangene Beute nicht mehr fliehen kann

  • 4. Die Saugfallen (Biovularia, Genlisea, Polypompholyx und

    Utricularia)
Saugfallen sind an und für sich „nur" Kammern, in denen ein negativer, hydrostatischer Druck herrscht. Bei dem blitzartigen Aufspringen der Tür einer solchen Kammer wird durch den Unterdruck Wasser in die Falle gesogen und dabei das im Wasser lebende Kleingetier, das sich zufällig im Sogbereich aufhält, mitgerissen. Die Falle ist an und für sich aktiv, der Beutefang eigentlich passiv, da keine „gezielte Fanghandlung" vor sich geht. Diese Fangstrategie wird von Utricularia benutzt. Ein ähnlicher Mechanismus hat sich bei der Gattung Gen lisea ausgebildet. Die Falle dieser Gattung hat allerdings keine Tür. Es kann also nicht mit Unterdruck gearbeitet werden. Wie die Saugwirkung hier entsteht, ist noch nicht ganz geklärt. Wahrscheinlich spielt die Wasserbewegung eine Rolle.

Haltung von Fleischfressenden Pflanzen
  • 1. Geschlossene Zimmerkultur
Hier sehen die Möglichkeiten schon ganz anders aus. Wenn man aus irgendwelchen Gründen kein Gewächshaus betreiben kann oder darf, karnivore Pflanzen aber dennoch unter vernünftigen Bedingungen kultivieren will und genügend große Räumlichkeiten zur Verfügung hat, so kann man auf eine so genannte Zimmervitrine zurückgreifen:

Das Kultivieren von Fleischfressenden Pflanzen ist sehr aufwändig und voraussetzungsvoll- Geeignete Zimmervitrinen sind bei einer Reihe von Gewächshausbauern zu beziehen. Allerdings sind sie kostspielig. Grundsätzlich gilt für die Vitrine was unten für das temperierte und warme Gewächshaus zu sagen ist. Es ist aber oft angebracht, für Zusatzbeleuchtung zu sorgen. Die Temperaturen in der Vitrine sollten über ein vom Zimmer unabhängiges Heizungssystem gesteuert werden. Wie bei den Gewächshäusern ist es ratsam, ein oder mehrere Zerstäuber anzubringen, die, über einen Hygrostaten gesteuert, für die notwendige Luftfeuchte sorgen.

- Alpine Pflanzen, die sich für das Kalthaus eignen, sollte man in der Zimmervitrine nicht kultivieren, da eine Abkühlung des Kulturraumes nur in den seltensten Fällen ohne Beeinträchtigung des Wohnklimas durchzuführen ist. Grundsätzlich sei gesagt, dass Vitrinenbesitzer sich auf die Kultur von Pflanzen aus einem einzigen Klimabereich spezialisieren sollten. Unter dieser Voraussetzung können jedoch - mit etwas Fantasie - alle Wuchsformen, von aquatisch bis epiphytisch, in einer solchen Vitrine untergebracht werden. Um eine Pflanzenvitrine wohnzimmergemäß in „gutem, ansehnlichem Zustand" zu halten, bedarf es ausgiebiger und ständiger Pflege. Alle Pflanzen, die in temperierten und warmen Gewächshäusern kultiviert werden können, gedeihen auch in der entsprechend vorbereiteten und gepflegten Vitrine.

  • 2. Offene Zimmerkultur
Das Kultivieren von Karnivoren (und anderen Wildpflanzen) auf der Fensterbank ist sehr schwierig und wenig Erfolg versprechend. In den meisten Fällen sind unsere Wohnräume zentral beheizt; das führt zu einer relativ trockenen Raumluft. Ein Wohnzimmer auf eine Luftfeuchtigkeit von 70 bis 80 % zu bringen, ist zwar möglich, jedoch kaum ratsam. Abgesehen davon, dass eine derart hohe Luftfeuchtigkeit bei vielen Menschen Atmungsschwierigkeiten hervorrufen würde, fördert sie auch die Schimmelbildung, was zu beträchtlichen Sachschäden führen kann. Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich bei der offenen Zimmerkultur durch die relativ hohen Raumtemperaturen im Winter. Gerade wenn es die Pflanzen kühl haben wollen, wollen wir es warm.

Als Fazit kann man feststellen, dass die offene Zimmerkultur nur als kurzfristige Zwischenlösung zu empfehlen ist. Die Erfahrung zeigt, dass viele Liebhaber, die ihr Hobby in offener Zimmerkultur anfangen, dieses früher oder später auf geeignete Kulturräume ausdehnen.