Winterharte Kakteen - Arten, Pflanzen und Pflege

Opuntia-Kakteen im Freiland überstehen Frost und KälteViele Hobbygärtner sind der Meinung, dass exotische Pflanzen - speziell Kakteen - in der kalten Jahreszeit ins Haus oder zumindest ins Gewächshaus gehören. Wenn die wichtigsten Anforderungen erfüllt werden, gedeihen allerdings einige Kakteenarten auch im heimischen Garten auf der Terrasse oder im Beet. Zahlreiche Arten sind in der Wüste beheimatet, wo sie tagsüber den heißen Temperaturen trotzen und nachts unbeschadet Minusgrade überstehen. So gedeihen und blühen Arten der Gattung Echinocerus, Opuntia und Escobaria auch in unseren Breitengraden

prächtig und werden im verschneiten Garten zum wahren Blickfang.

Besonderheiten

Damit die stacheligen Gesellen die kalte Jahreszeit überstehen, bedienen sie sich einem faszinierenden Verfahren. Sie sind in der Lage, ihren Zellsaft so zu verdunsten, bis lediglich eine zuckerhaltige Flüssigkeit übrig bleibt. Dieser Vorgang nennt sich Fotosynthese. Bereits im Herbst nehmen winterharte Kakteen kein Wasser mehr auf, damit das vorhandene Wasser im Körper der Pflanze in Zucker umgewandelt werden kann. Der eingelagerte Zucker sorgt dafür, dass sich die grüne Farbe der Oberhaut rötlich braun färbt. Dies ist völlig normal und schützt die Pflanze vor Schädigungen durch niedrige Temperaturen. Einige Arten legen ihre Triebe sogar fast auf den Boden, als wollen sie sich vor dem Schnee ducken. Einen weiteren Schutz erhalten winterharte Kakteen durch die Schneedecke, die eine isolierende Schicht bietet. In ihrer Heimat ist die Strategie überlebenswichtig, da es in Gebirgsregionen Amerikas, in den Halbwüsten und im Himalaya nachts recht kalt wird. Mit steigenden Temperaturen im Frühjahr füllen sich die Kakteen mit Wasser und richten sich wieder selbstständig auf.

Pflege der Exoten

Für die erfolgreiche Kultivierung winterharter Kakteen ist einiges zu beachten. Wobei nicht die niedrigen Temperaturen, sondern die hohe Luftfeuchtigkeit im Winter in unserer Region, das größere Problem darstellt. Stimmt Standort, Wasserdosierung, Pflanzsubstrat und Regenschutz verschönern die zahlreichen Arten der winterharten Kakteen das ganze Jahr hindurch den Garten.
  • Drainage
Die Grundvoraussetzung für ein gesundes Wachstum der winterharten Zeitgenossen ist eine Drainage aus Schotter oder groben Kies. Mit einer guten Drainage kann schmelzender Schnee oder Wasser nach Regen schneller versickern. Die Drainageschicht ist mindestens zehn Zentimeter dick und mit Vlies abgedeckt. So wächst kein Unkraut hindurch und in die Hohlräume der Drainage gelangt kein Pflanzsubstrat.
  • Von den Säulenkakteen gibt es einige winterharte SortenSubstrat
Auf die Drainage wird eine zehn Zentimeter dicke Schicht des Pflanzsubstrats aufgebracht. Diese besteht zu einem Drittel aus handelsüblicher Kakteenerde. Die mineralischen Anteile bilden zur Hälfte grobe Bestandteile wie Blähton, Bimskies oder Split und zur Hälfte feine Bestandteile wie Ziegelgrus, Quarzsand oder gewaschener Sand. Humus- und Torfanteile sollten nicht untergemischt werden, da sie das Wasser zu sehr speichern und sich die Gefahr von Fäulnis erhöht. Tipp: Der Wurzelhals bleibt trocken, wenn die Kakteen ein Drittel über der Erde eingepflanzt werden und die oberste Schicht aus Kieselsteinen besteht.
  • Standort
Damit winterharte Kakteenarten in der kalten Jahreszeit zum Blickfang werden, ist es ratsam einen möglichst sonnigen und vor Regen geschützten Standort zu wählen. Für ausgepflanzte winterharte Kakteen lässt sich von Oktober bis April einfach ein Gestell aus Holz errichten, dass mit Plastik oder stabiler Folie abgedeckt wird. Jedoch sollten die Seitenwände offenbleiben. So sind die stacheligen Exoten ideal vor Regen geschützt und erhalten genügend Licht.

Das sturmsichere Regenschutzdach sollte sich etwa einen halben Meter über die Pflanzen befinden. Schnee, der unter das Dach geweht ist, kann liegen bleiben. Denn erbietet zusätzlichen Schutz.
Kakteen in Pflanzgefäßen werden nahe ans Haus oder ins unbeheizte Gewächshaus gestellt. Außerdem bewährt sich ein vor Wind geschütztes Plätzchen.
  • Düngen
Um einen Mangel an Nährstoffen zu vermeiden, erfolgt die erste Düngegabe bereits im März. Bis Juni erweist sich eine 14-tägige Düngung als optimal. Im Juni nur noch sparsam düngen. Im August erhalten die stacheligen Kollegen als Abschluss einen Kaliumdünger. Dadurch reifen die Neutriebe aus und die Pflanze wird weniger empfindlich gegen Kälte.
  • Gießen
Mit geringen Wassermengen werden die winterharten Kakteen im März aus ihrer Winterruhe geweckt. Nach langsam steigenden Wassergaben benötigen sie für ein gesundes Wachstum bis Juli ausreichend Wasser. Es reicht dennoch aus, einmal in der Woche oder alle zwei Wochen zu gießen. Außer in den Regenperioden. Staunässe unbedingt vermeiden. Ab September nicht mehr gießen.

Beliebte winterharte Sorten

Die meisten Sorten aus der Gattung der Opuntien (Kakteen mit feigenähnlichen Früchten) sind winterhart. Sie lassen sich von der Kälte im Winter bis minus 25 °C nicht beeindrucken. Vorausgesetzt, sie werden vor Nässe geschützt. Zu den beliebtesten winterharten Arten zählen unter anderem:
  • Opuntia aurea
  • Opuntia fragilis
  • Opuntia howeyi
  • Opuntia polyacantha
  • Opuntia rutila
Die zweite Familie der winterharten Kakteengewächse ist die Pflanzengattung Echinocereus - Igelsäulenkaktus. Mit Nässeschutz sind beispielsweise folgende Sorten bis minus 20 °C winterhart:
  • Der Schwachpunkt von Opuntia-Kakteen ist anhaltende Feuchtigkeit im WinterEchinocereus adustus
  • Echinocereus albispinus
  • Echinocereus caespitosus
  • Echinocereus chloranthus
  • Echinocereus davisii
  • Echinocereus mojavensis
  • Echinocereus reichenbachii
  • Echinocereus triglochidiatus
  • Echinocereus viridiflorus
Auch unter der Pflanzengattung Escobaria (Warzenkaktus), die den mexikanischen Brüdern Numa Pompilio Escobar Zerman und Rómulo Escobar Zerman ihren Namen verdankt, gibt es winterharte Arten, wie:
  • Escobaria leei
  • Escobaria vivipara
  • Escobaria sneedii
  • Escobaria missouriensis
Häufig gestellte Fragen
  • Hilfe, mein Kaktus schrumpft und sieht nicht mehr schön aus. Was tun? - Kein Grund zur Sorge. Es ist normal, dass sich die stacheligen Wüstenbewohner im Herbst verfärben und runzelig werden. Das ist die Folge der oben beschriebenen Fotosynthese. Einfach bis zum Frühjahr abwarten. Spätestens dann erholt sich der Liebling.
  • Mein winterharter Kaktus fault. Was hab ich falsch gemacht? - In der Regel wird die Wurzelfäule durch Botrytis oder Phytophthora hervorgerufen. Die Schadpilze dringen durch den Wurzelhals oder verletzte Wurzeln ein und lassen die Pflanze nach etwa zwei Wochen absterben. Befallene Kakteen in der Mülltonne entsorgen. Auch Hygiene und optimale Standortbedingungen achten.
  • Was tun gegen rostfarbige Flecken auf meiner Opuntia compressa? - Opuntia compressa und Opuntia phaeacantha sind besonders anfällig für rostfarbige Flecken nach schneereichen und langen Wintern. Meist sind die Flecken auf der Sonnenseite zu sehen. Dies sind Verbrennungen, die verhindert werden, wenn die Pflanze zwischen Februar und März langsam an die Sonne gewöhnt wird.
Wissenswertes zu winterharten Agaven

Agaven und Kakteen werden oftmals als ganz besondere Dekoration im Garten verwendet. Sie können ins Freiland gepflanzt werden, aber auch als Kübelpflanzen auf dem Balkon oder der Terrasse ihren Platz finden. Während es einige wenige Kakteenarten gibt, die auch im Winter ohne weiteres im Freien bleiben können, sieht es bei der Agave ein wenig anders aus:

  • Sobald die Temperaturen unter die Null-Grad-Grenze gehen, muss ein geeigneter Standort für die Überwinterung der Agave gefunden werden.
  • Am besten geeignet sind helle Standorte, an denen nicht geheizt wird. Ein Eingangsbereich oder ein heller und kühler Kellerraum sind ideal.
  • Auch in der Garage kann die Agave ohne weiteres überwintern. In keinem Fall aber darf der Raum dunkel sein, denn dann geht die Pflanze kaputt.
  • Es gibt Agaven, die problemlos in unseren Breiten im Freien überwinternNoch entscheidender ist aber die Temperatur am Ort der Überwinterung. Die Agave kann recht kalt überwintern.
  • Damit sie sich an die kühlen Temperaturen gewöhnen kann, sollte man sie so lange wie möglich im Freien halten.
  • Gleichzeitig ist darauf zu achten, dass im Raum, in dem sie dann überwintern wird, ungefähr die gleichen Temperaturen herrschen.
Was bedeutet winterhart eigentlich genau?

Durch den Begriff Winterhärte wird das Klima für ein bestimmtes Landschaftsgebiet definiert. Das gilt auch im kleineren Rahmen, also beispielsweise die Südseite an Hauswänden. Ist von winterharten Kakteen die Rede, können sie in so gut wie allen Teilen von Deutschland kultiviert werden. Handelt es sich um rein winterharte Kakteen, kann man sie im Freien auspflanzen und im Winter auch ohne Regenschutz stehen lassen. Sie vertragen bis zu minus 20 Grad Celsius, wobei es auch einige wenige Arten gibt, die Temperaturen von bis zu minus 30 °C unbeschadet überstehen. Daneben gibt es bedingt winterharte Kakteen. Sie können ebenfalls frei ausgepflanzt werden, benötigen aber im Winter einen Regenschutz und vertragen Frost meist nur bis minus 15 °C.