Baumfällgenehmigung: Wann ist ein Antrag nötig?

Schöne Bäume adeln ein Grundstück, können jedoch auch stören. Weil dort, wo ein Baum steht, Ihr Haus stehen soll. Weil ein Baum so vor das Fenster wächst, dass Sie im Arbeitszimmer dauernd Licht anmachen müssen. Weil Ihnen der schöne Baum einfach nicht gefällt und Sie lieber einen flachen Zengarten anlegen möchten. Vor allem im letzten Fall wird es aber nicht ganz so einfach werden, einen alten großen Baum loszuwerden. Wenn Sie einen Baum fällen wollen, sollten folgende Fragen der Reihe nach durchgegangen werden:

baumfaellung flIst

der betreffende Baum geschützt?


Nicht jeder Baum darf einfach entfernt werden, je größer der Baum, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass vor dem Fällen eine Genehmigung eingeholt werden muss. In jeder Stadt und jeder Gemeinde gibt es eine Baumsatzung oder eine Baumschutzverordnung, die regelt, wann welcher Baum gefällt werden darf.

Die Berliner Baumschutzverordnung schützt beispielsweise Bäume ab einem Stammumfang von 80 cm, die Brandenburger Baumschutzverordnung ab einem Stammumfang von 60 cm, jeweils gemessen in einer Höhe von 1,30 Metern. Berlin schützt alle Laubbäume, Waldkiefern, Walnüsse und Türkische Baumhasel und nennt dann nicht geschützte Sorten, Brandenburg schützt erst einmal generell jeden Baum und nennt dann viele Ausnahmen. Wenn die Durchsicht Ihrer Baumschutzverordnung ergibt, dass der betreffende Baum in ihrem Wohnort geschützt ist, brauchen Sie eine Fällgenehmigung.

Wann muss die Genehmigung erteilt werden?

Ebenfalls im Gesetz geregelt ist, unter welchen Voraussetzungen die Baumfällgenehmigung erteilt werden muss. In Berlin werden z. B. Ausnahmen genehmigt, wenn
  • der Baum krank ist oder
  • seine ökologischen Funktionen weitgehend verloren hat oder
  • vom Baum Gefahren für Personen/Sachen ausgehen bzw. konkret bevorstehen und dem Eigentümer nicht zuzumuten ist, diese Gefahren bei Erhaltung des Baumes abzuwenden oder
  • wenn der Baum die zulässige Grundstücksnutzung unmöglich macht oder unzumutbar beeinträchtigt (auch durch unzumutbare Verschattung oder Schadensverursachung am Haus) oder
  • wenn Denkmalschutzmaßnahmen die Fällung erforderlich machen oder
  • wenn die Beseitigung des Baumes der Entwicklung des Gesamtbestandes dient oder
  • wenn der Baum sich aufgrund des Standortes nicht arttypisch entwickeln kann.
Leider liegt die Beweislast dafür, dass diese
Voraussetzungen vorliegen, im Zweifel beim Antragsteller und die Beurteilung, ob die Voraussetzungen erfüllt sind, meist im Ermessen des zuständigen Beamten. Man kann sich schon denken, dass reiche Interpretationsspielräume nicht selten die Gerichte beschäftigen, wenn geklärt werden soll, wann das Arbeitszimmer unzumutbar verschattet ist oder ob sich ein Baum nicht arttypisch entwickelt.
 
baumfaellung2 flManche Baumschutzverordnungen sehen übrigens vor, dass Sie bei akuter Gefahr selbst tätig werden und erst hinterher Anzeige und Begründung an die Behörde senden, andere Gemeinden verlangen auch in diesem Fall vor dem Tätigwerden einen formlosen Antrag an das zuständige Ordnungsamt.

Muss eine Ersatzleistung erfolgen?

Dann kann die Baumschutzsatzung auch noch vorsehen, dass eine Fällgenehmigung nur unter der Auflage einer Ersatzleistung erteilt werden kann. Als Ersatzleistung kann ein Geldbetrag vorgesehen sein oder eine Neupflanzung, die auf Antrag meist auch im öffentlichen Grünraum erfolgen kann.

Für den Baumfällantrag gibt es in der Regel Formulare. Meist muss ein Lageplan des Grundstückes beigefügt werden, in dem der Baumbestand (Anzahl, Standort, Art, Höhe und Stammumfang in Messhöhe) festgehalten ist. Der Baum, der gefällt werden soll, muss hier markiert

werden, außerdem muss meist ein Foto des Baumes angelegt werden. Dann muss noch die Begründung des Antrages angelegt werden und ein Schreiben über bereits vorgesehene Ersatzpflanzungen.

Zeiten zum Baumfällen

Vom 1. März bis zum 30. September des Jahres, während der Nist- und Brutzeit, verbietet das Naturschutzgesetz die Fällung von Bäumen. Fällgenehmigungen werden deshalb in der Regel zwischen dem 1. Oktober und Ende Februar erteilt. Wollen Sie zu anderen Zeiten fällen, muss eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden, meist bei der unteren Naturschutzbehörde.

Vorschriftsgemäße Durchführung

Ist die Genehmigung endlich durch, sind Sie dann noch verpflichtet, den Baum so zu fällen, dass weder Menschen noch Sachen gefährdet werden. Das richtige Werkzeug, die richtige Sicherung und die richtige Fällrichtung sollten also verwendet bzw. eingehalten werden, vor dem ersten Umgang mit einer Kettensäge empfiehlt sich ein Kettensägen-Kurs. Wenn Sie nicht sicher sind, einen Baum gefahrlos fällen zu können, empfiehlt sich die Unterstützung durch einen Fachmann, bevor unangenehme Ersatzansprüche auf Sie zukommen oder Sie sogar andere Menschen verletzen. Das wird im Zweifelsfall auf jeden Fall billiger: Die Baumfällgenehmigung kostet rund 100,- Euro, diese Kosten entstehen auf jeden Fall. Das Fällen eines ca. 15 Meter hohen Baumes wird schon für rund 250,- Euro angeboten, wenn das Holz nur in Stücke gesägt wird und die Wurzel im Boden bleibt. Da ist der neue Wagen vom Nachbarn, den Sie bezahlen dürfen, weil Ihr Baum darauf gefallen ist, schon um einiges teurer. Unter (ungünstigen) Umständen kostet natürlich auch das Fällen des Baumes wesentlich mehr, zum Beispiel wenn die Arbeiter nicht richtig an den Baum herankommen.