Birnenschorf bekämpfen - die Blattkrankheit bei Birnen

BirnenbaumGegen Birnenschorf gibt es verschiedene bewährte Bekämpfungs- und Reduktionsmethoden, auch abseits kritischer Pflanzenschutzmittel, und ein leichter Befall stört eine Birne in einem gesunden Umfeld wenig. Wenn sanfte Bekämpfung nicht klappt, stimmt etwas grundsätzlich nicht mit dem ökologischen Umfeld, nachfolgend erhalten Sie einen Überblick über die Zusammenhänge:

Befall mit Birnenschorf erkennen

Birnenschorf wird durch den Pilz Venturia pirina (pyrina) verursacht, der sich auf Birnbäume spezialisiert hat. Leider, dieser Erreger des Birnenschorfs ist weltweit der wichtigste Verursacher von Pilz-Schäden an Birnen. Schorfpilze

gibt es in ganz Deutschland, je nach Region in unterschiedlicher Dichte. Im ökologischen Erwerbsobstbau versucht man mit komplizierten Berechnungsmodellen, dem Schorf auf die Spur zu kommen, z. B. mit der Schaderregerprognose des fruitweb.info (siehe www.e-wetter.eu/fruitwebinfo.php), um rechtzeitig und so sanft wie möglich etwas gegen den Schorf zu unternehmen (im konventionellen Erwerbsobstbau werden meist einfach vorbeugend Fungizide gespritzt).

Ob bei Ihnen in der Nähe irgendwo Schorfpilze auf Birnbäumen überwintern, werden Sie schwer feststellen können, wenn nicht gerade der Birnbaum Ihres Nachbarn im Vorjahr auffällig schorfbefallen war. Meist steht der schorfbefallene Birnbaum aber weiter entfernt - wie weit entfernt, kann man nicht so genau sagen, die Sporen sollen um einen halben Kilometer fliegen; mit starkem Wind, Wasser, Jackenfalten, Tierfell etc. aber noch ein gutes Stück weiter kommen ... Diese Wintersporen (Schorfgrind) überwintern auf Birnbäumen, in befallenen Zweigen der Krone, aber auch auf dem Falllaub, dem abgestorbenen Laub des letzten Jahres.

Die Sporen entwickeln sich im Frühjahr, die Sporenkeimung beginnt bei einer Temperatur von ca. 16 °C und braucht gerade einmal 9 Stunden, von Frühjahrsbeginn bis etwa Juni können Sporen ausgeschleudert werden. Die Sporen werden vom Wind auf die jungen Blätter und Früchte getragen, mit Start des Austriebs der Birnbäume im Frühjahr beginnt die Befallsgefahr bei feuchter Witterung. Der Pilz infiziert Blüten, Blätter, Triebe und Früchte (alle oberirdischen Pflanzenteile, deren Abschlussgewebe noch nicht verholzt ist), je nach deren Erscheinen ab Frühjahr bis zum Herbst (die ersten sog. Ascosporen werden später von Sommersporen abgelöst).

Ob eine Infektion stattfindet, hängt stark von der Witterung ab, vor allem davon, wie lange die Blätter der Birne während der Zeit, in der die gerade erwähnten Mindesttemperaturen für die Sporenkeimung erreicht sind, durchgehend nass bleiben (unter Profis: Blattnassdauer). Der Pilz schädigt die Birne, in einer "richtig schön nassen Saison" kann er schon einmal erhebliche Ernteverluste verursachen. Mehr dazu weiter unten, wo es auch darum geht, dass Birnenschorf vor allem ein Problem im gewerblichen Obstanbau und nicht im Hausgarten ist.

Sie erkennen den Befall an Flecken an den Blättern, die werden erst olivgrün und dann gräulich-schwarz, auf den Blattunterseiten entlang der Mittelrippe kann sich ein grünlich-schwarzer Pilzrasen zeigen. Der Schorfbefall zeigt sich meist auch an jungen Trieben, deren Rinde "verkorkt" (eine dicke Schicht von unregelmäßigem, braunem Pflanzengewebe ausbildet) und stellenweise aufreißt ("Zweiggrind"). Bei starkem, unbehandelten Befall vergilben die Blätter irgendwann und fallen ab. Dann werden auch die Früchte befallen, sie bilden Schorfstellen aus usw., mehr dazu gleich unten bei "Schäden". Hier: pflanzenschutzdienst.rp-giessen.de/pflanzenschutzinfothek/obst/birne/schaeden-an-fruechten/birnenschorf können Sie sich vergrößerbare Fotos vom Birnenschorf in verschiedenen Stadien ansehen.

Verwechslungsmöglichkeiten

Wenn Sie Schäden wie die abgebildeten bemerken, wird es wohl Birnenschorf sein, alle anderen bei uns bekannteren Birnenkrankheiten zeigen andere Symptome:
  • Monilia Fruchtfäule färbt die Früchte gleichmäßig braun und

    übersät sie mit weißen "Pickeln"
  • Birnengallmücken lassen winzige, verformte Früchte wachsen, die schwarz werden und abfallen
  • Obstmaden (Apfelwickler) machen außen nur ein mit Kotkrümeln behaftetes Bohrloch in die Frucht und krabbeln innen dick und fett (2 cm lang) herum
  • Birnengitterrost macht kleine gelbe bis große knallorange Flecke auf die Blätter und im Spätsommer höckrige Sporenlager auf die Unterseiten, aber keine Schäden an den Früchten
  • Die Birnenpockenmilbe "schmückt" die Blätter mit erst hellgrünen, dann rötlichen, noch später schwarzbraunen Pocken, nur die Blätter
  • Der Frostspanner frisst im Frühjahr Blätter und Fruchtansätze in sichtbaren Buchten an und krabbelt ab Frühsommer dann selbst gut sichtbar herum, ganz in Grün und mit dem typisch larvenartigen Katzenbuckel-Gang
  • Blattläuse und Birnenblattsauger saugen die Blätter aus, die sich spiralig oder blasig einrollen, verkrüppeln und irgendwann gelblich-braun bis schwarz werden
  • Birnbaumprachtkäfer zerfressen den Baum über Jahre von innen, sind zu erkennen an kreisrunden Bohrlöchern und abgestorbenen Rindenpartien, erst wenn der Baum schon fast tot ist, zeigen auch die Blätter (der befallenen Äste) Welkesymptome
BirnenblattWenn sie irgendwo lesen, dass durch den Bakterienbrand der Birne ähnliche Symptome an den Trieben hervorgerufen werden können wie bei Birnenschorf, ist das zwar grundsätzlich richtig, aber als allein stehende Feststellung nicht besonders hilfreich. Bakterienbrand wird hervorgerufen durch ein Bakterium (Pseudomonas syringae), das 1902 als Pflanzenpathogen des Gemeinen Flieders (Syringa vulgaris) entdeckt wurde und einige andere Pflanzenarten befällt, bei Birnen aber eher unbekannt ist (in den 1990er Jahren wurde im Zusammenhang mit Feuerbrand eine Zunahme von Bakterienbrand an jungen Birnen verzeichnet, aber vor allem an belgischen Birnen und nur unter besonderen Bedingungen). Der Bakterienbrand verursacht aber eine charakteristische Schädigung, mit der er sicher vom Birnenschorf abzugrenzen ist: Die Blütenknospen der Birne entfalten sich im Frühjahr nicht, sondern vertrocknen und bleiben am Baum hängen. Nur wenn Sie das beobachten (und Blütenfrostschäden ausschließen können), müssten Sie sich auch über Bakterienbrand an Birnen informieren.

Welche Schäden sind zu erwarten?

Wohl wichtigste Information vorab, damit Sie bei gerade festgestelltem Befall schnell das Ausmaß der Bedrohung abschätzen können. Wenn Sie das abschätzen können, wissen Sie auch, dass Sie das Problem überlegt und ruhig angehen können:

Wenn Sie den Birnenschorf früh im Frühjahr entdecken, lohnt es sich, mit den gleich empfohlenen Maßnahmen gegen ihn vorzugehen, dann können Sie den Schorf höchstwahrscheinlich soweit eindämmen, dass er sich kaum weiterverbreitet und die Birnen höchstens ein paar kleine Schorfflecken zeigen. In früheren Zeiten, als noch "ganz normales Obst" in den Handel kam, waren kleine Schorfflecken nichts ungewöhnliches und auch kein Grund zur Aufregung, schorfige Birnen mit ein paar Flecken auf der Schale wurden genauso gegessen und verarbeitet wie "glattgrünes" Obst - und sie können heute ebenso problemlos verzehrt und eingekocht usw. werden.

Unser Obst-Handel läuft aber inzwischen ganz anders: Der "Verbraucher" kauft nicht mehr direkt beim Obstbauern oder in kleinen Obst- und Gemüseläden, in denen ihm als Kunde im Zweifel erklärt wurde, warum eine Birne mit etwas Schorf auf der Schale genauso gut ist wie eine Birne ohne Schorf. Sondern zwischen Erzeuger und Abnehmer schaltete sich in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ein zunehmend konzentrierender Lebensmittel-Handel (maßgebliche "Verdienste" in diesem Bereich dürfen die Aldi-Brüder für sich verbuchen), der direkte Kundenkontakt im Tante-Emma-Laden wurde Geschichte; die Supermärkte und Discounter übernahmen den "Kunden"-Kontakt mit dem Erzeuger - und gaben unreflektiert und unkritisch jeden vernünftigen oder unvernünftigen Kundenwunsch weiter.

Das hat zur "Lebensmittelproduktion" (mit teils schlimmen Auswüchsen) geführt, auch dazu, dass für einen Obstbauer eine Birne mit ein wenig Schorf heute ein Ertragsausfall ist (weil vom Handel nicht abgenommen), dem er mit mehrfach gespritzten Fungiziden begegnet, gegen die der Pilz immer resistenter wird ... Deshalb ist Birnenschorf vor allem ein Problem im gewerblichen Obstanbau (gegen das Sie nur per Protest gegen Anbaumethoden und Handelsvorgaben vorgehen können), im Hausgarten müssen Sie "das Drama" nicht mitmachen.

Wenn Sie den Birnenschorf erst sehr spät entdeckt haben, die Birne also mit viel Schorf in die Fruchtreife geht, können Früchte vorzeitig abgestoßen werden. Außerdem kann es passieren, dass die Birnen nicht nur Schorfstellen haben, sondern die Früchte beim Wachsen verkrüppeln oder die Schorfstellen immer rissiger werden (Frucht oder Schorfstelle, einer von beiden muss nachgeben). Dann werden auch Sie bei der Ernte dieser Saison ein paar Ausfälle hinnehmen müssen, und Sie werden ein paar Maßnahmen einleiten müssen, damit der Schorfbefall im nächsten Jahr ausbleibt oder sanfter ausfällt. Das wird nur dann nicht gelingen, wenn Sie das seltene Pech haben, neben einem gewerblichen Obstbauern zu wohnen, der im schlimmsten Fall auch noch ein Fungizid einsetzt, gegen das "sein Pilz" bereits resistent ist - dann werden Sie sich wohl von einer schorfanfälligen Birne trennen müssen und einen schorfresistenten Birnbaum pflanzen müssen (oder ganz auf Birnbäume verzichten).

Das war's dann aber auch schon, der Birnenschorf-Pilz mag nur Birnen und "fällt keine andere Pflanze in Ihrem Garten an"; noch nicht einmal Apfelbäume, obwohl der Birnenschorf-Pilz Venturia pyrina eng mit dem Apfelschorfpilz Venturia inaequalis verwandt ist.

Wenn sie lesen, dass Schorf die Eingangspforte für Monilia bildet, ist das für Monilia-Fruchtfäule richtig, bedeutet aber nicht, dass Schorf-Pilze und Monilia-Pilze ein geheimes Kommunikationssystem unterhalten, das dazu führt, dass dem Schorf-Pilz immer gleich der Monilia-Pilz folgt. Es ist einfach nur so, dass die ebenfalls "weitverbreitet in der Luft herumfliegenden" Monilia-fructigena-Pilze nur verletzte Früchte befallen, durch Schorf verletzte Früchte ebenso wie mechanisch oder durch Würmer verletzte Früchte. Monilia-Spitzendürre, die Obstgehölze (seltener Birnen, vor allem Sauerkirschen) über die Blüten infiziert, kann unabhängig von Schorf auftreten, wenn Sporen in der Nähe herumfliegen und es feucht genug ist.

Wie (lange) lebt der Schorfpilz, wie verbreitet er sich
 
BirneÜberwinterung im Falllaub oder in befallenen Zweigen wurde oben schon erwähnt, auch die Sporenkeimung im Frühjahr, und dass ab beginnendem Austrieb der Birnbäume die Befallsgefahr um so größer ist, je feuchter die Witterung ist.

Wenn eine Erstinfektion der jungen Blätter erfolgte, lebt der (ungestörte) Pilz auf dem Baum weiter und bildet auf den befallenen Blättern und Früchten sogenannte
Sommersporen, die für Weiterverbreitung der Krankheit sorgen.

Im Herbst beginnt der Pilz mit der Ausbildung seiner weniger aktiven Überwinterungsform, die Wintersporen überleben als Schorfgrind auf den Zweigen; bis sie im Frühjahr von freundlichen Temperaturen "geweckt" werden und (bei ausreichender Feuchtigkeit) keimen und der Lebenszyklus von vorne beginnt.

Akuten Befall mit Birnenschorf bekämpfen

Genau diesen Neubeginn des Lebenszyklus sollten Sie versuchen zu unterbinden. Wenn Sie (möglichst im Frühjahr) einen Befall mit Birnenschorf feststellen, haben Sie folgende Möglichkeiten der unmittelbaren Reaktion:

1. Birnenschorf wegschneiden
Wenn Sie eher das Gefühl haben, der Befall befindet sich noch im Anfangsstadium, und Ihrem Birnbaum ein gründlicher Beschnitt ohnehin nicht schaden kann, könnten Sie versuchen, den Schorf wegzuschneiden.

Unter dem Baum eine wasserdichte Plane auslegen, sodass Sie möglichst wenig Sporen in der Gegend verteilen, alle Äste, an denen sich Blätter mit Befallsspuren zeigen, großzügig wegschneiden.

Bei diesem Beschnitt sollten Sie die Krone gleich gründlich auslichten - es ist ziemlich wahrscheinlich, dass Sie nicht jede Spore erwischen, aber Pilzsporen brauchen Feuchtigkeit zum Leben. Und wenn nach dem Beschnitt der Wind durch die Krone weht (und das Wetter in der nächsten Zeit schön warm und trocken wird), steht der Birnbaum mit etwas Glück solange trocken, dass alle restlichen Sporen absterben ...

Danach Gartenschere sofort desinfizieren, Plane einrollen und weit weg von jeglicher Schorf-anfälligen Pflanze (besser überhaupt weit weg von jeder Pflanze) entsorgen. Im Herbst das Falllaub aufkehren und sicherheitshalber ebenfalls separat entsorgen.

2. Biologischer Pflanzenschutz
Es gibt einige Pflanzen, die Abwehrstoffe gegen Bedrohungen aus dem Umfeld, z. B. gegen Pilze, entwickelt haben. Zum Beispiel die Lebermoose, und die können Sie als Lebermoosextrakt oder "Lebermooser" kaufen. Moose sind mit ihrer zarten und dünnen Oberfläche (keine Dornen, Haare, Rinde o.ä.) auf die Verteidigung mit sekundären Pflanzenstoffen angewiesen, und sie haben "ein wenig" Übung in der Entwicklung dieser Stoffe - die Moose gibt es seit "schlappen" 350 Millionen Jahren.

Auch Saponine werden von Pflanzen höchstwahrscheinlich gebildet, um sich gegen Pilzbefall und Insektenfraß zu wehren. Gegen Pilze sollen die saponinhaltigen Pflanzenextrakte folgender Pflanzen wirken: Basilikum, Bibernelle (Pimpinella magna, saxifraga), Birkenblätter, Bitterklee, Efeu, Ehrenpreis, Gänseblümchen, Königskerze, Löwenzahn, Mistel, Schlüsselblume, Seifenkrautwurzeln, Stiefmütterchen, Taubnessel, Veilchen.

Beide Mittel werden auf den Birnbaum gespritzt, da es bei diesen im Zweifel nährenden Biologika ein Zuviel eigentlich nicht gibt, gerne mehrfach (wenn Sie die Extrakte kaufen, gibt es eine Anwendungsempfehlung, wenn Sie sie selbst herstellen, wird in der Herstellungsanleitung auch etwas zur Ausbringung stehen).

Ins Gießwasser können Sie jedes natürliche Pflanzenstärkungsmittel geben, die Birne braucht jetzt Kraft. Baumscheibe schön locker halten und ausreichend bewässern, am besten mit Knoblauch oder Schnittlauch bepflanzen, stickstoffbetonte Düngung unterlassen.

3. Kritische Pflanzenschutzmittel
Auch Saponine sind "chemische Substanzen", allerdings natürliche, von Pflanzen gebildete chemische Substanzen - die sich in aller Regel bei Anwendung auf andere Pflanzen nicht schädigend auswirken. Pflanzen haben dem Menschen in Bezug auf friedliche Koexistenz einiges voraus: Es gibt zwar Konkurrenzen um Nährstoffe, aber auf einem Stück Land leben üblicherweise eine ganze Menge verschiedener Pflanzen zum gegenseitigen Vorteil zusammen, in wechselnder Kombination der Arten - man könnte sagen, Pflanzen haben mit dem typischen Wachstum in vielen zufällig gemischten Arten nebeneinander "Integration zum Lebensprinzip erhoben".

Der Mensch hat nicht nur bei Veränderungen innerhalb der eigenen Art Schwierigkeiten mit der Integration in Richtung "gedeihliches Miteinander", sondern er tut auch viel dafür, selbst den Pflanzen ein solches friedliches Leben zu verleiden. Zum Beispiel, indem er in der Natur vorkommende chemische Substanzen in Umgebungen ausbringt, in denen sie nichts zu suchen haben:

a) Netzschwefel
Schwefel kommt zwar in der Natur vor, aber nur in winzig kleinen Mengen; in vulkanischem Gestein, in Steinkohle, in Schwefelwasserstoff und sogar im Menschen vor (wenn auch nur zu 0,25 %). Es handelt sich nicht um ein Element, mit dem man unkritisch bzw. in größeren Mengen herumfummeln sollte, auch nicht mit dem im Garten und in der Landwirtschaft eingesetzten Netzschwefel:

Netzschwefel ist ein fein vermahlenes Pulver mit Netzmittelzusatz, das sich gut in Wasser löst und gut Blätter benetzt und deshalb zum Spritzen im Pflanzenschutz (v.a. gegen Echten Mehltau, aber auch gegen Schorf) eingesetzt wird. Die Schwefelpartikel, die sich auf den Blattoberflächen ablagern, bilden im Zusammenspiel von Feuchtigkeit, Licht und Sauerstoff Schwefeldioxid, eine gefährlich giftige Substanz, die schon in schwacher Konzentration Pilze tötet.

Da Pilze normalerweise einiges abkönnen, fragt man sich sofort, wie der Schwefel auf Menschen wirkt, und tatsächlich, nicht so gut: In höheren Konzentrationen vergiftet Schwefeldioxid Menschen. Bei der Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen (Braunkohle, Steinkohle, Erdöl) werden große Mengen Schwefeldioxid freigesetzt, diese Oxidationsprodukte sind Bestandteil des gesundheitsgefährdenden Smogs und führen zu „saurem Regen“, der die Ökosysteme der Wälder und Seen gefährdet, Gebäude und weitere Materialien angreift.
Netzschwefel soll zwar bei Eintreten der Schadschwelle um 16 °C ausgebracht werden, aber Haus- und Kleingärtner halten sich gerne einmal nicht ganz an die Anwendungsvorschriften, und bei Temperaturen über 28°C, in der prallen Sonne, kann sich auch beim Spritzen Schwefeldioxid bilden ...

Auf jeden Fall schreiben unsere Regierungen wegen der Gefährlichkeit des Schwefeldioxids seit den 1970er Jahren Maßnahmen zur Rauchgasentschwefelung vor, seit einigen Jahren wird die Entschwefelung von Fahrzeugkraftstoffen forciert, und die Internationale Seeschifffahrts-Organisation IMO senkt laufend die Grenzwerte für Schwefel in Schiffsabgasen.

Tiere und Pflanzen vergiftet Schwefeldioxid auch, z. B. Nützlinge wie Marienkäfer, nützliche Raubwanzen und Raubmilben, Wasserorganismen wie Fischnährtiere, in Präparaten in Verbindung mit Kupferoxychlorid auch Algen und Fische. Und die Birnbäume können die Schwefeldusche auch nicht alle ab, empfindlich auf Schwefelspritzungen reagieren Alexander Lucas, Bosc`s Flaschenbirne, Charneux, Esperence Bergamotte, Gräfin von Paris, Gute Luise, Josefine von Mecheln, Vereins-Dechantsbirne, Williams Christ, mehr zum Ganzen siehe oekologischerlandbau.jki.bund.de/index.php?menuid=55.

Schwefeldioxid wurde übrigens von der faschistisch-terroristischen Ustascha im Zweiten Weltkrieg für Experimente im kroatischen KZ Stara Gradiška genutzt, als Giftgas anstatt Zyklon B, für Frauen und Kinder (de.wikipedia.org/wiki/Schwefeldioxid#cite_note-13) - und wir versprühen diese "KZ-Schwefelbrühe" in unseren Gärten (drei Schwefelmittel sind für den Haus- und Kleingarten auch heute noch zugelassen)? Hier steigt die Autorin aus und rät von der Anwendung von Netzschwefel im Privatgarten ab; die auch deshalb nicht wirklich Spaß macht, weil Sie mit dem Kontaktfungizid jedes befallene Blättchen erwischen müssten, um Erfolg zu haben.

b) Kupfer
Kupferhaltige Pflanzenschutzmittel werden seit ca. zwei Jahrzehnten gegen Pflanzenkrankheiten eingesetzt, sie gehören damit zu den ältesten Pflanzenschutzmitteln, die noch heute eine Bedeutung haben. Schlimm genug, Kupfer kommt natürlich nur in sehr kleinen Mengen vor und ist in größeren Mengen nicht lebensförderlich; er ist ein wirklich leistungsfähiger Regenwurm-Killer (und damit sozusagen ein Killer guter lebendiger Erde, die ohne Regenwürmer nicht entstehen kann).

Genau das ist der Fehler der Kupferbrühe, der uns heute zunehmend stört: Kupfer bleibt im Boden und wird nicht abgebaut, nur durch Bindung an mineralische und organische Substanzen festgelegt oder als unlösliches anorganisches Salz ausgefällt und damit nicht mehr ganz so giftig für Regenwürmer; was er sonst so tut, wird wohl gerade erst erforscht.

Auf jeden Fall steht fest, dass schon das frisch ausgebrachte Kupfer bei langjähriger Anwendung viele Arten von Bodenorganismen auf einmal schädigt, auf kupferbelasteten Standorten sinkt die Biodiversität mit steigendem Kupfergehalt. Es scheint nicht richtig gut auszusehen mit dem Kupfer, inzwischen gibt es ein "Strategiepapier zur Minimierung des Kupfereinsatzes im Pflanzenschutz", erarbeitet von Anbauverbänden der ökologischen und der konventionellen Landwirtschaft.

Weil Kupfer für unsere Umwelt und damit für uns offensichtlich nicht ganz ohne ist, lässt das zuständige Bundesamt nur noch sehr zurückhaltend kupferhaltige Pflanzenschutzmittel für Haus- und Kleingärten zu. Wie immer zu spät? Na ja, die Regierungsvertreter repräsentieren das Volk nur, und sie können nur Menschen repräsentieren, deren Wünsche sie kennen. Die sich also politisch engagieren ... solange viele Menschen das nicht tun (weder per Wahl noch in einem Interessenverband), bestimmen Wirtschafts-Lobbys (mit gesamtgesellschaftlich oft eher unguten Ideen) das Geschehen.

Bei Kupfer hat sich aber schon was getan, die vier im Haus- und Kleingarten zugelassenen Mittel mit Kupfer-Wirkstoff sind nur für Mehltau und Fäule anwendbar, und das auch nur an ganz bestimmten, einzeln aufgeführten Pflanzen. Mehr zum Problem Kupfer auf kupfer.jki.bund.de, dort finden Sie (unter dem Menupunkt Kupfer-Minimierungsstrategie) auch das "Strategiepapier zu Kupfer als Pflanzenschutzmittel" zum Download, zur Bekämpfung von Birnenschorf im Privatgarten fällt Kupfer heutzutage aus.

c) "Menschengemachte" Chemie
Noch schlimmer verleidet der Mensch den Pflanzen das friedliche Miteinander, wenn er chemisch zusammengefügte/erfundene/manipulierte Elemente über ihnen ausschüttet, die in der Natur nicht vorkommen. Aus gutem Grund nicht vorkommen, die Natur hatte ein paar Milliarden Zeit zu überlegen, welche Elemente sie mit Rücksicht auf die Überlebensfähigkeit aller nicht entwickelt ...

Für den Haus- und Kleingarten sind als Fungizide gegen Schorf außer Netzschwefel zwei Mittel mit chemisch hergestellten Wirkstoffen zugelassen:
  • Difenoconazol: Entsteht durch Veretherung von 2,4-Dichloracetophenon mit 4-Chlorphenol, Bromierung des Zwischenproduktes mit elementaren Brom, Acetalisierung mit 1,2-Propandiol und nuclophiler Substitution mit 1,2,4-Triazol; verursacht schwere Augenschäden, lebensgefährlich beim Einatmen, sehr giftig für Wasserorganismen
  • Trifloxystrobin: Wird durch Reaktion von Methyl-(2E)-2-(2-(chlormethyl)phenyl)-2-methoxyiminoacetat mit 3-(Trifluormethyl)acetophenonoximnatrium gewonnen; kann allergische Hautreaktionen verursachen, sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung
  • Das noch 2015 zugelassene Myclobutanil ist 2016 nicht mehr zugelassen, schon vor ein paar Jahren wurden im Tierversuch Schäden an Embryos nachgewiesen, vielleicht fand man das Warten auf Schäden an menschlichen Embryos dann doch zu riskant
Zur Resistenzbildung des Schorfpilzes bei Behandlung mit Trifloxystrobin (Flint) sagt das "Fungicide Resistance Action Committee"  (Fungizidresistenz-Aktionskomitee, FRAC): Hohes Risiko, Resistenzen in verschiedenen Pilzarten bekannt, Kreuzresistenzen zwischen allen Mitgliedern der Wirkstoffgruppe, FRAC-Richtlinien für Resistenz-Management beachten.

Bei Difenoconazol sieht das FRAC nur ein "mittleres Risiko", aber das wollen kopfklare Hausgärtner wahrscheinlich sowieso nicht im Garten haben.

Womit für Hausgärtner, die gesund bleiben und auch keine resistenten Pilze züchten wollen, die Sache mit dem Fungizid-Einsatz sowieso gestorben ist, Resistenz-Management ist nämlich schon im Pflanzenschutzmittel-Verzeichnis geregelt: Bei Pflanzenschutzmitteln mit demselben Wirkstoff oder Wirkstoffen mit Kreuzresistenz soll beim Einsatz der Wirkstoff gewechselt werden ... Was schwierig ist,  wenn mit zwei Mitteln mindestens 4 Spritztouren in 7 bis 14-tägigem Abstand ausgebracht werden müssen.

Fazit: Birnenschorfpilze leben unter uns und können Birnen immer mal ein wenig befallen, normalerweise kein Drama und durch gute Pflege, Auslichtung und Vorbeugung vor erneutem Befall (über den Sie sich im Zweifel separat informieren müssten) zu korrigieren. Wenn der Birnenschorf aus dem Ruder läuft, stimmt etwas nicht, mit dem ökologischen Gleichgewicht in Ihrem Garten, mit dem Birnbaum oder (mit dem Fungizid-Einsatz) im Umfeld, das wäre dann jeweils gesondert zu erkunden.