Haus

Latexfarbe überstreichen: Wie geht es?

Echte Latexfarbe ist nicht nur sehr schwierig zu überstreichen, sie lässt sich auch nicht gerne tapezieren.

Gerade habe ich dem Sohn einer Bekannten geholfen, die Hausbar für seine erste eigene Wohnung zusammenzustellen. Er hat mir dabei die Wohnung natürlich beschrieben und auch so einige Probleme geklagt, zum Beispiel sei ein Zimmer komplett in Latexfarbe gestrichen, wie die Vermieterin stolz hervorgehoben habe. Er will aber keine glänzenden Wände – ob er die Latexfarbe überstreichen könne, wollte er wissen. Ich würde sagen, es kommt darauf an!

Möglichkeiten, Latexfarbe zu überstreichen

    • (1) Echte Latexfarbe enthält als Bindemittel natürliches Latex, also den Saft des Kautschukbaumes, der eine Emulsion aus Kautschuk und Wasser ist. Diese klassischen Latexfarben sind wasserfest und wasserdampfundurchlässig, ziemlich scheuerfest, elastisch und glänzend, wie man es eben von einer Latexfarbe erwartet. Sie sind aber auch sehr teuer und deshalb heute eigentlich fast vom Markt verschwunden.

 

    • (2) Wenn Ihr ein altes Gebäude übernommen habt, in dem die Wände glänzend gestrichen sind (zum Beispiel eine Arztpraxis), könnte es sich tatsächlich noch um echte Latexfarbe handeln. Dann bekommt Ihr Schwierigkeiten bei jedem Versuch, diese Beschichtung zu überstreichen: Echte Latexfarbe ist nicht nur sehr schwierig zu überstreichen, sie lässt sich auch nicht gerne tapezieren. Leider kann sie auch nicht abgewaschen werden, die übliche Arbeit in diesem Fall sieht also folgendermaßen aus: Die Latexfarbe muss mechanisch entfernt werden, Ihr müsst sie also z. B. mit Unterstützung durch einen Dampfreiniger herunterkratzen oder mit einer Fassadenfräse abtragen oder einfach komplett mit dem gesamten Putz abschlagen.
      Auch wenn Ihr Euch diese Arbeit vielleicht erleichtern könnt, indem Ihr vor der Durchfeuchtung eine Stachelwalze und Tapetenlöser für dicke Tapeten einsetzt, wenn die Latexfarbe auf eine Tapete gestrichen wurde, bleibt es unangenehm und arbeitsintensiv.

 

    • (3) Solltet Ihr wirklich auf eine echte alte Latexfarbe treffen, wird anstatt kompletter Entfernung geraten, die Latexfarbe mit Latexfarbe zu überstreichen. Es ist zwar richtig, das das theoretisch funktionieren würde, echte Latexfarbe zum Überstreichen werdet Ihr jedoch nirgendwo mehr finden, weder bei Speziallieferanten noch zum selber Ansetzen. Denn die alte Latexfarbe kann aus heutiger Sicht mit keinerlei guten Eigenschaften überzeugen: Sie neigt zum vorzeitigen Gerinnen, kann wegen ihrer Dichtigkeit Schimmelprobleme verursachen, ist schlecht überstreichbar und wurde noch nicht einmal in historisch bedeutsamer Hinsicht eingesetzt, sodass noch nicht einmal Restaurateure einen Bedarf an dieser alten Farbe haben.
      Auch neuzeitliche Fans natürlicher Farben, die viele alte Farbmischungen gerne einsetzen, wollen die Latexfarbe nicht wiederbeleben, da Latex eine heute unbeliebte dichte Beschichtung herstellt, die die Wand nicht atmen lässt und außerdem ein nicht unerhebliches Allergierisiko in sich birgt.

 

    • (4) Ihr könntet deshalb nur einen speziellen Haftgrund einzusetzen, um anschließend moderne Latexfarbe aufzutragen. Aber auch davon raten Experten nachdrücklich ab, Ihr würdet eine nicht atmungsaktive Wandbeschichtung herstellen, aus der auch noch kritische Stoffe aus der untersten Schicht (der alten Latexfarbe) ausgasen könnten. Es bleibt also dabei: Echte alte Latexfarbe muss runter.

 

    • (5) Allerdings ist die Chance ziemlich gering, dass Euch ein solches Schicksal ereilt, denn echte Latexfarbe wurde zuletzt in nennenswerten Umfang vor der Entwicklung der Dispersionsfarbe eingesetzt, und das ist jetzt etwa 50 Jahre her. Ab 1952 wurden Malerfarben auf Kunststoffdispersionsbasis gefertigt, die bekannte Brillux GmbH & Co. KG (damals noch Hobrecker & König) nahm z. B. 1968 die Massenproduktion der Dispersionsfarben auf. Im Laufe der Zeit wurden Dispersionsfarben entwickelt, die die gleichen Farbeigenschaften haben wie die alte Latexfarbe, also ebenso scheuerbeständig und strapazierfähig sind.

 

    • (6) Die Latexfarbe von heute ist also im Regelfall eigentlich eine ganz gewöhnliche Dispersionsfarbe. Ihr wurden beim Mischen nur einige spezielle Eigenschaften gegeben, wie sie auch die echten Latexfarben hatten, und die sie besonders geeignet zum Streichen hoch beanspruchter Räumlichkeiten machen. Diese Farbe ist abwaschbar, und sie nimmt nicht so schnell Schmutz auf wie gewöhnliche Dispersionsfarbe. Manchmal soll der Beiname “Latexfarbe” auch nur auf besondere dekorative Eigenschaften einer Dispersionsfarbe hindeuten. Diese Latexfarben verwenden als Bindemittel Kunstharz, wie jede Dispersionsfarbe, sie enthalten überhaupt kein Latex mehr.

 

  • (7) Diese Latexfarben sind also ganz normale, aber scheuerbeständige Dispersionsfarben, die auch ganz normal mit einer Dispersionsfarbe überstrichen werden können. Es droht nur eine Gefahr: Wenn matte Farbe auf die “Latexfarbe” gestrichen wird (“magere” Farbe im Gegensatz zur “fetten” glänzenden Dispersionsfarbe), kann diese sich auf der glänzen Farbe beim Trocknen zusammenziehen, sodass sich Risse bilden. Um dieses Restrisiko zu minimieren, solltet Ihr am besten eine Teilfläche Probe streichen. Geringer wird die Gefahr der Rissbildung, wenn Ihr keine sehr matte, sondern eine leicht glänzende Farbe auswählt.

Unser Fazit

In der Wohnung von Sebastian handelte es sich natürlich um glänzende Dispersionsfarbe, er konnte sie problemlos mit seidenmatter Dispersionsfarbe überstreichen, die er beim ersten Anstrich leicht verdünnt hat.

Eure Kommentare

Leider keine Kommentare.

Dein Kommentar

Hinweis: Die Redaktion behaelt es sich vor Kommentare, die der Werbung dienen, nicht freizuschalten oder die Werbung aus den Kommentaren zu entfernen.