Zecken sind tückische Feinde für Katzen, die sich in Garten, Feld und Wald frei bewegen können. Geduldig und nahezu unsichtbar lauern die winzigen Insekten in bodennaher Vegetation, um sich auf umherstreifende Freigängerkatzen zu stürzen und an deren Blut zu laben. Das schändliche Treiben der Parasiten wirft wichtige Fragen auf. Wie kann ich meine Katze vor Zecken wirksam schützen? Sind die Biester auf Menschen übertragbar? Gibt es eine Zeckenimpfung für Mensch und Tier? Lesen Sie in diesem Ratgeber fundierte Antworten und aufschlussreiche Hintergründe.

Was genau sind Zecken?

Zecken zählen zu den größten Milbenarten und werden somit den Spinnentieren zugeordnet. Alle bislang bekannten 900 Arten führen ein Leben als blutsaugende Parasiten, von denen in unseren Regionen insgesamt 19 Zeckenarten heimisch sind. Angst und Schrecken unter Katzenbesitzern verbreiten primär der Gemeine Holzbock (Ixodida) und die Buntzecke (Dermacentor). Andere heimische Zeckenarten haben sich auf Hunde, Igel oder Vögel spezialisiert und stellen für Katzen selten eine Gefahr dar. Folgende Merkmale zeichnen eine Zecke

aus:
  • Körperlänge: 2,5 bis 5 mm (vollgesogen deutlich größer)
  • Farbe: dunkelbraun, dunkelgrau oder rötlich
  • 8 Beine, in erkennbare Glieder unterteilt
  • ungeflügelt, häufig mit erkennbarem Chitinschild auf dem Rücken
  • weibliche Zecken mit dehnbarem Exoskelett
  • Lebenserwartung: 2 bis 3 Jahre
  • gute Frostverträglichkeit

ZeckenbissBevorzugter Lebensraum ist die bodennahe Vegetation. Auf Gräsern, Stauden und kleinen Gehölzen warten Zecken geduldig, bis eine Katze oder ein ähnlich geeigneter Wirt vorbeikommt. Im Gegensatz zu einem weit verbreiteten Irrtum springen die Insekten ihr Opfer nicht an und fallen auch nicht vom Baum herab. Vielmehr lassen sich Holzbock und Konsorten einfach von ihrer Warteposition abstreifen.

Tipp: Verwechseln Sie bitte nicht die Zecken-Art Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus) mit dem zerstörerischen Hausbock (Hylotrupes bajulus), auch bekannt als Großer Holzwurm. Es handelt sich um zwei völlig verschiedene Schädlings-Insekten, die unterschiedliche Vorgehensweisen bei Schutzmaßnahmen und Bekämpfung erfordern.

Warum ist Schutz vor Zecken wichtig?

Zecken verfügen über charakteristische Mundwerkzeuge, angelegt als raffinierter Stech- und Saugapparat. Sie stechen die Epidermis an und geben dabei mit ihrem Speichel einen Gerinnungshemmer ins Blut ab, der zugleich als lokale Betäubung wirkt. Die gebissene Katze bemerkt den Angriff nicht sofort und trifft daher keine instinktiven Gegenmaßnahmen. Fatalerweise dringen mit dem Sekret gefährliche Krankheitserreger in den Blutkreislauf ein. Betroffene Katzen sind bedroht durch Allergien, Infektionen, Blutvergiftung und ernste Krankheiten, wie Borreliose oder Gehirnhautentzündung Meningoenzephalitis (FSME). Der Saugvorgang selbst kann sich stunden- oder wochenlang hinziehen, sofern der Parasit nicht gestört wird. Erst wenn die Zecke prall gefüllt ist ihrer Blutmahlzeit, lässt sie sich zu Boden fallen.

Tipp: Natürliche Mittel und Hausmittel stoßen an ihre Grenzen, wenn es um den Schutz einer Katze vor Zeckenbissen geht. Die gut gemeinte Empfehlung, das Fell mit Zitronella-, Lavendel- oder Teebaumöl einzureiben, sollte bei Ihnen auf taube Ohren stoßen. Primär Teebaumöl ist für Katzen hochgiftig, weil sie ätherische Öle anders verstoffwechseln, als Hunde oder andere Fellträger.

Welche Schutzmaßnahmen gibt es?

Schutz vor Zecken bei KatzenDie gute Nachricht ist: Weil Katzen sich von Natur aus ständig putzen, finden listige Zecken im unruhigen Fellkleid seltener eine Angriffsfläche, als bei Hunden. Vollkommen gefeit ist eine Samtpfote vor den Vampiren nicht. Was also tun? Sie können das dichte Fell nach jedem Ausflug ins Freie penibel auf umherkrabbelnde oder festgebissene Zecken untersuchen. Damit ist nicht garantiert, dass Ihnen nicht doch der eine oder andere Winzling durch die Lappen geht. Gegen Zecken impfen können Sie das geliebte Haustier nicht. Beste Lösung für das Problem ist ein vorbeugender Schutz, der einen Befall im Keim erstickt. Zwei Methoden für die Zecken-Prophylaxe an Freigängerkatzen haben sich in der Praxis gut bewährt.

Spot-On-Mittel

Als

Spot-On-Mittel bezeichnet die Tiermedizin antiparasitische Lösungen zum Auftropfen oder Einreiben. Die flüssigen oder cremigen Präparate werden auf eine Stelle der Haut aufgetragen, die Ihre Katze nicht erreichen und somit nicht ablecken kann. Empfehlenswerte Auftrageorte sind zwischen den Schulterblättern oder im Genick. Nachweislich wirksame Spot-On-Mittel enthalten Giftstoffe, wie Fipronil. Folgende Produkte sind in Deutschland frei verkäuflich erhältlich:
  • Frontline(R) Spot on Katze, Pipette mit 0,5 ml Lösung für 2 Wochen zum Preis ab 15,99 Euro für 3 Pipetten
  • Bolfo Spot-on Katze, Pipette mit 0,5 ml Lösung wirkt auch gegen Flöhe zum Preis ab 14,99 für 3 Pipetten
  • Lyra Pet(R) 5 x 1 ml IPERON Spot-On gegen Zecken und Flöhe zum Preis von 13,38 Euro
  • bogadual(R) ANTI-PARASIT Spot-on Creme mit Margosan und EBAAP zum Preis ab 14,99 Euro für 4 Tuben

Zeckenhalsbänder

Damit ein Halsband Ihre Katze wirksam gegen Zecken schützt enthalten folgende Produkte Biozid-Mittel, wie Imidacloprid und Flumethrin. Über einen Zeitraum von 3 bis 4 Monaten werden die Wirkstoffe kontinuierlich freigesetzt, um Zecken abzuwehren und zu töten.

  • bogacare(R) ANTI-PARASIT Halsband für 3 Monate zum Preis von 3,99 Euro je Stück
  • beapar Zecken- & Flohschutz Halsband für 4 Monate zum Preis von 6,98 Euro je Stück (35 cm lang)
  • Ardap Zecken-/Flohschutz-Halsband für Katzen für 4 Monate zum Preis von 10,25 Euro je Stück

Achten Sie beim Kauf bitte darauf, dass es sich um ein selbstlösendes Halsband handelt. Diese Bänder verfügen über eine Sollbruchstelle und geben die Katze frei, sollte sie sich auf ihren Streifzügen einmal verheddern.

Naturmittel wirken nicht

Beim Schutz vor Zecken stoßen natürliche Mittel an ihre Grenzen. Stiftung Warentest ermittelte in 2017 in einem Laborversuch mit Probanden, dass einzig Biozid-Produkte einen Menschen vor Zecken schützen können. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) - dem österreichischen Pendant - stellte im selben Jahr fest, dass diese Prämisse sich auf Zeckenschutz für Katzen nahtlos übertragen lässt. Untersucht wurden 20 Spot-On-Mittel und Halsbänder, speziell für Katzen. Davon fungieren 12 Produkte mit biologischen Inhaltsstoffen lediglich als Zecken-Abwehr. Die verbliebenen 8 Produkte werden den Bioziden zugeordnet und töten die Parasiten ab auf Basis toxischer Substanzen.

Zecke - HolzbockDas Ergebnis war ernüchternd für Naturmittel-Anhänger. Sämtliche abwehrenden Bio-Mittel fielen im Test glatt durch. Zuverlässige Wirksamkeit konnte nur den Präparaten mit Nervengiften attestiert werden. In Deutschland sind diese Biozide gegen Zecken frei verkäuflich, wohingegen sie in Österreich verschreibungspflichtig sind.

Hinweis: Für Katzen vollkommen ungeeignet sind alle Anti-Zecken-Mittel für Hunde. Die chemische Zusammensetzung der Präparate induziert lebensgefährliche Nebenwirkungen im Katzenorganismus. Verwenden Sie bitte unbedingt einen Zeckenschutz, der ausdrücklich für Katzen geeignet ist.

Sind sie auf Menschen übertragbar?

Diese Frage ist mit einem eindeutigen Ja zu beantworten. Das beste Zeckenmittel bietet keinen 100-prozentigen Schutz. Es kann daher nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, dass Ihre Katze als Zeckentaxi ausgenutzt wird und das Gesindel unfreiwillig ins Haus transportiert. In der Tat nehmen sich die Weibchen mitunter viele Stunden Zeit, bis sie sich für eine Hautstelle entscheiden. Solange bleiben die Schädlinge mobil, winzig klein und sind schwer ausfindig zu machen. Tierärzte empfehlen daher, Freigänger nach jeder Rückkehr gründlich auf die Parasiten zu untersuchen. Dabei besteht die Gefahr, dass Sie eine Zecke unbemerkt abstreifen. Schon einfaches Streicheln zur Begrüßung könnten die Parasiten dreist für einen Wirtswechsel auf Sie oder Ihre Kinder nutzen. Vor allem dem Holzbock ist es einerlei, ob er seine Blutmahlzeit von einem menschlichen oder tierischen Wirt abzapft.

Wann ist eine Zeckenimpfung ratsam?

Die potenzielle Übertragbarkeit von Zecken auf Menschen wirft die Frage auf, ob Sie sich oder Ihre Familie gegen einen Befall impfen lassen können. Ein Impfstoff, der die Parasiten abwehrt, muss erst noch erfunden werden. Zumindest besteht die Möglichkeit, sich impfen zu lassen gegen eine Übertragung von Gehirnhautentzündung Meningoenzephalitis - kurz FSME.

Ist von einer Zeckenimpfung die Rede, ist eine vorbeugende Schutzimpfung gegen die Erreger gemeint. Einer ursächlichen Behandlung sind zahlreiche Forschungen gewidmet ohne fundierte Resultate. Treten Symptome, wie Fieber und Schmerzen, erst einmal auf, können Ärzte die Leiden lediglich lindern. Für weitere Krankheiten, die von Zecken übertragen werden können, wie Borreliose, hält Ihr Hausarzt keine Schutzimpfung bereit.

ZeckenschutzimpfungLängst nicht jede Zecke macht sich als Überträger von FSME unbeliebt. Für Bewohner in Norddeutschland kann an dieser Stelle Entwarnung gegeben werden, denn in diesen Gebieten waren bislang keine Patienten zu beklagen. In Süddeutschland, Österreich und der Schweiz sind hingegen bis zu 50 Prozent der Zecken mit dem gefürchteten Virus behaftet. Die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland veröffentlicht jährlich in Zusammenarbeit mit dem Robert Koch Institut ein Bulletin mit Empfehlungen, in welchen Regionen eine Zeckenimpfung sinnvoll ist. In 2019 gelten folgende Bundesländer als Risikogebiete für FSME:

  • Baden-Württemberg
  • Bayern
  • Hessen
  • Rheinland-Pfalz
  • Saarland
  • Sachsen
  • Thüringen

Empfohlen wird eine Grundimmunisierung mit zwei Impfungen im Abstand von 4 Wochen, rechtzeitig vor Beginn der Zeckensaison, die sich von April bis November erstreckt. Nach 9 bis 12 Monaten erfolgt eine dritte Zeckenimpfung. Nach 3 Jahren ist eine erste Auffrischung angezeigt für einen ununterbrochenen Schutz vor Zecken. Jenseits der Risikogebiete impfen lassen sollten sich gemäß Robert-Koch-Bulletin alle Personen, die beruflich regelmäßig in Wald und Feld unterwegs sind, wie Forstbeamte oder Landwirte.

Expertenrat

Die Experten raten dringend, sich und seine Familie auch dann gegen Meningoenzephalitis impfen zu lassen, wenn ein Urlaub geplant ist in den genannten Risikogebieten sowie in Österreich, Ungarn oder der Schweiz. Diese Länder gelten flächendeckend als Epidemie Gebiete für FSME. Wichtig zu beachten ist, dass Sie Ihren Arzt für die Zeckenimpfung vor einem Zeckenbiss konsultieren, denn es gibt keine Impfung für danach.