Wespennest am FensterIm Spätsommer kommt die Zeit der Wespen. Wenn es die örtlichen Gegebenheiten erlauben, den Gefahrenbereich eines Wespennestes zu umgehen und weder Personen noch Haustiere damit in Kontakt kommen, muss es nicht zwangsläufig beseitigt werden. Anders sieht es aus, wenn von den Wespen eine direkte Gefahr für Mensch und Tier ausgeht. Auf dem Höhepunkt der Wespenpopulation im Sommer ist es ratsam, einen Fachmann damit zu beauftragen. Ist das Nest unbewohnt, kann man es gefahrlos selbst entfernen, wenn man dabei einige Dinge beachtet.

Wespennest entdeckt, was tun?

Wespennester sind ein fester Bestandteil des Ökosystems und hervorragende Schädlingsbekämpfer. In den meisten Fällen kann man auch gut mit ihnen leben. Meist wird man erst im Spätsommer darauf aufmerksam, wenn der Höhepunkt des Wespenjahres erreicht ist. Am häufigsten lassen sich die Nester der Deutschen und Gemeinen Wespe zuordnen, die bis in den Oktober/November hinein aktiv sind. Dabei variieren sowohl die Größe der Nester als auch die des Wespenvolkes, das bis zu 10.000 Individuen umfassen kann.

Alle Staaten bildenden Wespen, zu denen auch diese beiden Wespenarten
gehören, werden ihr Nest in einem Umkreis von bis zu 6 m aggressiv verteidigen. Unter Umständen können Wespen ein Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier darstellen. Aufgrund dessen, dass Insekten unter Naturschutz stehen, ist das Zerstören und Töten von Wespen nur in Ausnahmefällen erlaubt.

Zunächst sollte man nicht in Panik verfallen und in Ruhe überlegen, was zu tun ist. Versucht man in Eigenregie ein Wespennest zu beseitigen, drohen nicht nur empfindliche Bußgelder. Darüber hinaus macht ein unsachgemäßes Verhalten die Tiere nur aggressiv. Sind Allergiker, Kleinkinder oder ältere Menschen durch ein Wespenvolk unmittelbar gefährdet, sollte man die Hilfe eines Schädlingsbekämpfers in Anspruch nehmen. Bei akuter Gefahr besteht die Möglichkeit, sich an einen Wespennotdienst zu wenden. Keinerlei Gefahr besteht, wenn das Nest nicht mehr bewohnt ist, was in der Regel im Winter der Fall ist.

Wann ein Nest beseitigt werden darf

Wie alle Tiere fallen auch Wespen unter das Tierschutzgesetz, wobei einige Arten wie die Hornisse, besonders geschützt sind, da ihre Bestände bedroht sind. Unter den allgemeinen Schutz fallen auch die Deutsche und die Gemeine Wespe. Entscheidet man sich dazu, das Nest von einem Fachmann beseitigen zu lassen, muss ein gewichtiger Grund vorliegen, der das Ganze rechtfertigt. Der liegt vor, wenn von dem Nest eine unmittelbare Gefahr für Personen ausgeht.
Eine mögliche Gefährdung ist beispielsweise gegeben, bei unsachgemäßem Verhalten von Personen bei Kontakt mit Wespen, bei bestimmten Wespenarten, einer ungünstigen Lage des Nestes oder zu einer bestimmten Jahreszeit bzw. Entwicklungsstadium des Wespenvolkes. Darüber hinaus können Allergiker, kleine Kinder und spielende Haustiere in der Nähe eines Wespennestes Grund für die Beseitigung sein.

Tipp: Ansprechpartner hierfür sind Kammerjäger, Schädlingsbekämpfer sowie Imker oder die zuständige Naturschutzbehörde.

Bewohntes Nest selbst beseitigen und umsetzen

Grundsätzlich ist davon abzuraten, ein bewohntes Nest selbst entfernen zu wollen, denn fühlen sich die Wespen bedroht, können sie blitzschnell auf ihren Angreifer losgehen. Wer es dennoch wagen möchte, sollte das nicht ohne entsprechende Schutzkleidung tun, bestehend aus langärmeliger Kleidung, Gesichts- bzw. Mundschutz und Handschuhen. Ideal wäre ein Ganzkörperschutz, wie ihn ein Imkerschutzanzug bietet.   
  • Bester Zeitpunkt ist am frühen Morgen oder abends
  • Dann ist es kühler und die Tiere sind kaum noch aktiv
  • Zuerst sprüht man etwas Wasser in das Nest
  • Das macht die Wespen kurzzeitig flugunfähig
  • Wespennester verfügen über ein oder mehrere 1-2 cm große Einfluglöcher
  • Die sollten im nächsten Schritt verschlossen werden
  • Anschließend das Nest mit einem engmaschigen Netz oder einer Gardine umwickeln
  • Dann das Nest an seiner Verbindungsstelle abtrennen
  • Sofort in einen fest verschließbaren Behälter geben
  • Das Nest in dieser Box an seinen neuen Standort transportieren
  • Der sollte mindestens vier Kilometer vom alten entfernt sein
  • Das Nest am neuen Standort in etwa derselben Höhe absetzen
  • Die Gardine vorsichtig und ohne hektische Bewegungen entfernen
  • Einfluglöcher wieder freilegen und auf Abstand gehen

Nest vorzugsweise im Winter entfernen

WespeIm Winter ist grundsätzlich der beste Zeitpunkt für die Beseitigung von Wespennestern, denn ab Spätherbst sind sie in der Regel leer. Im Herbst stirbt die alte Königin ab und nach und nach das komplette Wespenvolk. Die jungen, befruchteten Königinnen überwintern an einem frostsicheren Platz und begeben sich ab April/Mai auf die Suche nach neuen Nistplätzen. Das Alte bleibt unbewohnt und kann jetzt problemlos entfernt werden. Dem Entfernen des Nestes sollte sich immer eine gründliche Reinigung anschließen, um zu verhindern, dass sich in unmittelbarer Nähe des alten Nestes wieder Wespen ansiedeln.

Wespenschaum oder Wespenspray einsetzen

Geht von dem Nest eine konkrete Gefahr aus und ist ein Umsetzen nicht möglich, bietet sich bei entsprechender Genehmigung, die Verwendung von Wespenschaum oder Wespenspray an. Beide Mittel töten die Tiere relativ schnell. Auch hier ist Schutzkleidung zu tragen, vor allem aber ein Mundschutz. Wespenschaum sollte nur frühmorgens oder abends eingesetzt werden.
  • Wespenschaum in Hohlräumen und bei frei hängenden Nestern einsetzbar
  • Sicherheitsabstand von mindestens zwei Metern einhalten
  • An ungünstigen Standorten den Schaum über ein kleines Röhrchen einbringen
  • So lange in Einfluglöcher sprühen, bis Fluchtwege verschlossen sind
  • Schaum tötet die Tiere relativ schnell ab
  • Nach einiger Zeit fällt er in sich zusammen
  • Wirkung hält lange genug an, sodass auch zufliegende Wespen erreicht werden
  • Ist Ruhe im Nest eingekehrt, kann
    es beseitigt werden
  • Frühestens einen Tag später
  • Anschließend den kompletten Bereich reinigen
Wespenspray sollte aufgrund seiner Inhaltsstoffe ausschließlich im Freien und nur im äußersten Notfall verwendet werden, denn es tötet die Tiere auf besonders qualvolle Weise. Darüber hinaus sind einige Inhaltsstoffe giftig für Wasser und Umwelt. Es kann aus einer größeren Distanz direkt ins Nest gesprüht werden, sodass man auch ungünstig gelegene Nester erreicht.

Tipp: Bei der Verwendung von Wespenspray ist der Selbstschutz besonders wichtig. Dementsprechend sollte man auf jeden Fall eine Atemmaske, Schutzbrille und Handschuhe tragen.

Warum vom Profi entfernen lassen?

Hilfe vom Profi ist besonders im Hochsommer angeraten, wenn ein Wespenvolk Probleme verursacht und die Gesundheit von Menschen ernsthaft gefährdet ist. Zu Beginn des Wespenjahres ist ein Wespennest noch relativ klein, was sich aber mit steigenden Temperaturen, besserem Nahrungsangebot und zunehmender Stärke des Wespenvolkes schnell ändert. Im Hochsommer, wenn das Volk komplett ist und das Nest seine optimale Größe erreicht hat, treten die häufigsten Probleme auf.

Das ist u.a. dann der Fall, wenn sich das Nest an einer ungünstigen, schwer zugänglichen und stark frequentierten Stelle befindet. Spätestens jetzt sollte der Fachmann zurate gezogen werden. Er ist in der Lage, das Wespennest auf sicherere und schonende Weise für Wespen und Anwohner zu, sofern dies begründet und erlaubt ist. Der Profi verfügt über das nötige Wissen und die entsprechende Ausrüstung, um sich dem Nest gefahrlos nähern zu können und es mittels moderner Bekämpfungsmethoden beseitigen zu können. Ein Laie hat all dies in der Regel nicht und gefährdet gegebenenfalls nicht nur seine Gesundheit, sondern auch die anderer Personen.

So geht der Profi vor

Der Schädlingsbekämpfer informiert sich zunächst vor Ort über die vorherrschende Situation und macht sich ein Bild von der Größe des Wespenvolkes und dessen Flugverhalten. Auch er entfernt Nester vorzugsweise während des Winters, wenn sie unbewohnt sind. Sollte es in dringenden Fällen erforderlich sein, ein bewohntes Nest zu beseitigen, wird es vom Schädlingsbekämpfer meist zerstört und die Tiere getötet. Dazu nutzt er ausschließlich die frühen Morgenstunden oder die Abenddämmerung, wenn die Tiere kaum noch aktiv sind.
Wespe
Sind die Nester noch klein, umhüllt er sie mit einem Papiersack, trennt die Verbindung zum Untergrund und transportiert es in einer speziellen Kiste ab. Bei bereits großen Populationen saugt der Profi zunächst alle herumfliegenden Arbeiterinnen auf. Die werden über einen Schlauch in eine Kiste geleitet. Danach entfernt er das Nest. Stellt es kein direktes Risiko dar, beschränken sich die Maßnahmen auf den Schutz der Anwohner. Dabei versucht er beispielsweise das Wespennest einzuzäunen, den Einflugsort zu verlegen oder die Flugbahn der Wespen umzulenken.

Tipp: Wer daran interessiert ist, das Nest samt Wespen möglichst unversehrt  und an einem anderen Ort wieder aussetzen zu lassen, sollte sich an einen Imker oder die zuständige Naturschutzbehörde wenden.

Was man keinesfalls tun sollte

Um Gefahren durch ein bewohntes Nest weitestgehend ausschließen zu können, sollte man einige wichtige Verhaltensregeln einhalten. So kann man sich gegebenenfalls bis zum Winter mit den Tieren arrangieren.
  • In der Nähe des Nestes Ruhe bewahren und keine hektischen Bewegungen machen
  • Nicht in der direkten Flugbahn der Insekten aufhalten
  • Erschütterungen im Nestbereich vermeiden
  • Wespen nicht anpusten
  • Niemals mit Gegenständen ins Nest stochern, Wespen reagieren auf Bedrohung aggressiv
  • Immer auf Sicherheitsabstand zum Nest von mindestens 6 m achten
  • Bei Nestern im und am Haus, Einfluglöcher nicht abdecken oder verschließen
  • Niemals ohne Schutzkleidung selbst Hand anlegen

Dem Nestbau vorbeugen

Wespen bauen ihre Nester mit Vorliebe unter Dachvorsprüngen, auf Dachböden, in Rollladenkästen oder unter Fensterstürzen. Ab April begibt sich die Königin auf die Suche nach einem geeigneten Unterschlupf. Fällt in dieser Zeit eine einsame große Wespe auf, die wiederholt in der Nähe des Hauses herumschwirrt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um eine Wespenkönigin handelt, die dabei ist ein Nest zu bauen.

Um dem entgegenzuwirken, sollte man vor Beginn der Wespensaison sämtliche Schlupfwinkel über die Wespen ins Haus gelangen können, verschließen. Bauschäden sollten vermieden bzw. behoben und mögliche Nistplätze durch Fliegengitter geschützt werden. Da Holz den Wespen als Grundbaustoff dient, ist es ratsam, ihnen das nötige Baumaterial zu entziehen. Nester aus dem Vorjahr sollte man entfernen, denn sie erhöhen die Gefahr einer wiederholten Ansiedlung in diesem Bereich. Mindestens ebenso wichtig ist eine anschließende gründliche Reinigung des alten Nestbereiches.
Wespe
Da es einige Pflanzen gibt, die Wespen überhaupt nicht mögen, macht es Sinn, sie in der Nähe möglicher Nistgelegenheiten anzupflanzen oder aufzustellen. Dazu gehören z.B. Geranien, Lavendel, Pelargonien und Stiefmütterchen. Dagegen können Pflanzen, die sie anziehend finden, wie Holunder, Liguster, Wildrosen, Löwenzahn oder Obstbäume dazu beitragen, die Wespen in bestimmte Bereiche zu dirigieren und so vom Haus fernhalten. Allerdings können diese Pflanzen allein weder Wespen dauerhaft fernhalten noch diese zu anderen Orten lenken.

Fazit
Für unser Ökosystem sind Wespen unverzichtbar. Sie vertilgen unzählige Schädlinge und auch zum Bestäuben von Pflanzen werden sie dringend gebraucht. Wespen sind nicht grundsätzlich aggressiv und stellen nur dann eine Gefahr dar, wenn sie sich bedroht fühlen. Nester, von denen eine Gefahr ausgeht, sollten grundsätzlich von einem Fachmann entfernt werden. Ansonsten ist es sinnvoll, damit bis zum Winter zu warten. Dann ist das Nest leer und kann gefahrlos auch ohne fachmännische Hilfe beseitigt werden.