Ein weiser Meister japanischer Gartenkunst sagte einst: "Bonsai ist keine Pflanzenart und verfolgt kein endgültiges Ziel, sondern bedeutet eine niemals endende Reise." In der Tat schlägt die gekonnte Bonsai-Pflege eine Brücke von gärtnerischem Wissen zur faszinierenden Gartenkunst. Die erfolgreiche Haltung von Bonsaibäumen bedeutet ein permanentes Ringen zwischen Gärtner und Pflanze. Damit ein ursprünglich majestätischer Baum in einer Schale gedeiht, sind wichtige Grundregeln der Bonsai-Kultivierung zu beachten. Dieser Ratgeber macht Einsteiger vertraut mit der richtigen Bonsai-Pflege von A-Z.

Anfänger-Bonsai im Fachhandel kaufen

Für einen gelungenen Einstieg in die Bonsai-Haltung ist der Kauf eines vorgezogenen Bäumchens aus dem Fachhandel hervorragend geeignet. Bei richtiger Pflege kann ein Bonsai mehrere Generationen einer Familie überdauern, wie die weltberühmte Mädchenkiefer der Yamaki-Familie. Der legendäre Bonsai ist mehr als 400 Jahre alt und hat die Atombombe von Hiroshima überlebt. Von einem Billigangebot aus dem Baumarkt können Sie eine solche Meisterleistung nicht erwarten. Einfache Bonsais aus sachkundiger Züchtung kosten zwischen 100 und 500 Euro. Exemplare in Premium-Qualität schlagen mit mehreren tausend Euro zu Buche und sind für Anfänger nicht zu empfehlen.
Je nach Baumart und Herkunft eignet sich ein Bonsai für die Kultivierung drinnen oder draußen. Ein bewährter, Anfänger-tauglicher Zimmer-Bonsai ist die Birkenfeige (Ficus benjamini). Weitere subtropische Baumarten mit dem Potenzial zum Indoor-Bonsai sind Jadebaum oder Geldbaum (Crassula) und Fukientee (Carmona retusa). Für andere tropische Baumarten liegt die Messlatte auf einem Niveau, das Bonsai-Novizen überfordert. Deutlich größer ist die Auswahl heimischer und japanischer Baumarten, die einem Einsteiger den Weg in die Bonsai-Kultur ebnen, wie Ahorn (Acer), Azalee (Rhododendron), Liguster (Ligustrum), Chinesischer Wacholder (Juniperus chinensis) oder Kiefer (Pinus).

Standort im Sommer

Einen Bonsai dauerhaft im Zimmer zu halten, ist eine sichere Methode, ihn umzubringen. Das gilt für tropische, subtropische und heimische Baumarten gleichermaßen. Zumindest die warme Jahreszeit sollte Ihr erster Bonsai an der frischen Luft verbringen und reichlich Sonne tanken. Der beliebte Feigen-Bonsai beispielsweise bleibt ein Schatten seiner selbst, wenn er das ganze Jahr unter Hausarrest steht. Winterharte Bonsai-Arten verweilen idealerweise ganzjährig im Freien. Gehölze aus tropischen Regionen verbringen den Winter hinter Glas, um pünktlich im Frühling umzusiedeln in den Garten oder auf
den Balkon. Unabhängig von einer konkreten Bonsai-Art sind für die Standortwahl im Sommer diese Prämissen zu beachten:
  • Sonnige bis halbschattige Lage
  • Idealerweise geschützt vor starkem Wind und prasselndem Regen
  • Kälteempfindliche Arten: von April/Mai bis September/Oktober
  • Winterharte Arten: ganzjährig
Bonsai Pflege für AnfängerBevor Sie Ihren Zimmer-Bonsai im Frühling ausräumen auf Balkon oder Terrasse, härten Sie das Bäumchen für zwei Wochen ab. Am halbschattigen Standort können sich die Blätter an das ungewohnte Sonnenlicht gewöhnen und erleiden keinen Sonnenbrand. Nicht immer bieten Garten und Balkon die idealen Rahmenbedingungen. Das ist kein Grund, einem Bonsai den vorteilhaften Aufenthalt unter freiem Himmel zu verweigern. Vor praller Mittagssonne auf dem Südbalkon schützt ein einfaches Schattiernetz. Gegen trockene Luft an heißen Sommertagen wirkt ein leichter Sprühnebel am frühen Morgen und späten Abend wahre Wunder.

Gießen

Richtiges Gießen nimmt in der Bonsai-Pflege eine Schlüsselfunktion ein. Wässern Sie einen Baum in der Schale nicht nach einem fest zementierten Zeitplan, sondern bei Bedarf. Mannigfaltige Faktoren beeinflussen, wann und wie oft Sie Ihren Bonsai gießen. Baumart, Größe, Substratvolumen, Jahreszeit und lokale Standortbedingungen bestimmen über den idealen Gießrhythmus. Die folgenden Richtlinien dienen als praxisbezogene Anhaltspunkte:
  • Bonsai gießen, sobald die Erde merklich angetrocknet ist
  • Finger 1 Zentimeter tief ins Substrat stecken
  • Leicht feucht bis nass: nicht gießen
  • Keine Feuchtigkeit fühlbar: gießen
  • Zimmerwarmes, abgestandenes Wasser direkt auf die Wurzelscheibe laufen lassen
  • Gießvorgang beenden, wenn erste Tropfen unter der Schale heraus laufen
  • Einige Minuten warten und nochmals wässern
Verwenden Sie eine spezielle Gießkanne mit integrierter Brause. Die Konstruktion verhindert, dass beim Wässern Erde aus der Schale gespült wird. Achten Sie bitte darauf, dass der gesamte Wurzelballen getränkt wird. Indem Sie im Abstand von einigen Minuten erneut gießen, werden alle Wurzelbereiche zuverlässig mit Wasser versorgt.

Substrat beeinflusst Wasserversorgung
Zwischen Substratqualität und Wasserversorgung besteht eine enge Wechselwirkung. Mehrheitlich gedeihen Bonsai-Bäume in einer locker-durchlässigen Erdmischung aus Akadama, feinkörnigem Kies und
Humus im Verhältnis 2:1:1. Die markante Durchlässigkeit von Bonsaierde macht häufiges Gießen erforderlich. An heißen Sommertagen ist es am sonnigen Standort keine Seltenheit, dass ein Bonsai morgens und abends zu gießen ist. Fehlt es Ihnen an Zeit, regelmäßig mit der Gießkanne zu patrouillieren, sollten Sie den Humusanteil verdoppeln und den Kiesanteil halbieren.

Düngen

Bonsaibäume sind während der Wachstumssaison auf eine kontinuierliche Nährstoffversorgung angewiesen. Im Gegensatz zu ihren großen Brüdern in Wald und Garten können Bäume in der Schale nicht auf ein raumgreifendes Wurzelsystem zurückgreifen. Vom Frühjahr bis zum Herbst verabreichen Sie regelmäßig einen ausgewogenen Dünger, der die verbrauchten Energiereserven ausgleicht. Spezieller, pelletierter oder flüssiger Bonsai-Dünger aus dem Fachhandel ist zusammengesetzt nach überlieferten japanischen Rezepten. So düngen Sie einen Bonsai mit gärtnerischem Sachverstand:
  • Im Frühjahr Stickstoff-betonten Dünger verabreichen mit NPK 12+6+6
  • Im Sommer ausgewogen düngen mit NPK 10+10+10
  • Im Herbst Kalium-betont düngen mit NPK 3+10+10
Bonsai Pflege für AnfängerVerabreichen Sie das Düngemittel gemäß Anleitung des Herstellers. Im fortgeschrittenen Alter reduziert sich die benötigte Nährstoffmenge. Bis dahin haben Sie als Anfänger einen respektablen Erfahrungsschatz angesammelt, um die Veränderungen in der Dosierung sachkundig zu berücksichtigen. Wichtig zu beachten ist, dass Sie vor und nach jedem Düngen klares, weiches Wasser auf das Substrat geben. Auf trockener Erde können Düngesalze Wurzelschäden verursachen. Anschließendes Wässern sorgt für eine gleichmäßige und tiefgründige Aufnahme von Nährstoffen.

Tipp: Damit fester Bonsaidünger beim Gießen nicht weggeschwemmt oder von Vögeln aufgepickt wird, gibt es die praktischen Düngekörbchen. Pellets oder Granulat werden in ein Körbchen gefüllt und kopfüber ins Substrat gesteckt. Durch die perforierte Oberfläche der Körbchen kann Gießwasser ungehindert fließen, damit die enthaltenen Nährstoffe an die Wurzeln transportiert werden.

Schneiden

Die Schnittpflege an Bonsaibäumen setzt sich zusammen aus Pflegeschnitt und Gestaltungsschnitt. Beide Schnittarten werden im Folgenden näher beschrieben.

Pflegeschnitt

Ein Pflegeschnitt fokussiert auf die Erhaltung von Form und Vitalität Ihres Bonsais. Die Schnittführung zielt in erster Linie ab auf die Entfernung ungünstiger und abgestorbener Triebe für eine lichtdurchflutete Krone. Zugleich werden kontinuierlich Spitzenknospen entfernt, um das Wachstum im Kroneninneren zu forcieren. So absolvieren Sie einen tadellosen Bonsai-Pflegeschnitt:
  • Zeitfenster ist geöffnet vom Frühjahr bis zum Spätsommer (tropische Baumarten ganzjährig)
  • Laubbaum-Bonsai: aus der Kronenform ragende, nach innen oder überkreuz wachsende Zweige beschneiden
  • Schnittführung: Bonsaischere ansetzen 2 Millimeter über einer nach außen weisenden Knospe
  • Nadelbaum-Bonsai: zu entfernende Triebe nicht abschneiden, sondern manuell zupfen oder abbrechen
  • Zupf-Technik: Triebspitze zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen und ziehen oder abbrechen

Ergänzend zum Pflegeschnitt gibt es für Laubbäume den Blattschnitt. Wenden Sie diese Schnitt-Technik an, wenn Sie die Blattgröße reduzieren und eine üppigere Verzweigung erzielen möchten. Zwischen Ende Juni und Mitte Juli schneiden Sie alle oder einige Blätter so ab, dass der Blattstiel stehen bleibt. Für die Maßnahme geeignet sind ausschließlich gesunde, vitale Bonsaibäume, die den kräftezehrenden Eingriff verkraften können.

Gestaltungsschnitt

Bonsai Pflege für AnfängerEin Gestaltungsschnitt verleiht dem Bonsai seine charakteristische Form. Im Laufe einer mehr als zweitausend Jahre andauernden Entwicklung haben sich in der Bonsai-Kunst zahllose Gestaltungsformen herauskristallisiert mit individuellen Attributen. Anfänger-geeignet sind beispielsweise die streng aufrechte Bonsaiform (Chokkan), die Wald-Bonsaiform (Yose-ue) oder die spektakuläre Felsenform über Stein (Seki-joju). Obschon die konkrete Bonsai-Gestaltung ganze Bibliotheken zu füllen vermag, sind folgende Grundregeln für den Anfänger von Belang:
  • Bester Zeitpunkt: zeitiges Frühjahr, rechtzeitig vor Beginn des Austriebs
  • Ausnahme: frühlingsblühende Baumarten nach der Blütezeit verschneiden
  • Bonsai auf ein rundum zugängliches Podest in Augenhöhe stellen
  • Bonsaischere und Konkavzange frisch gereinigt und griffbereit hinlegen
  • Zu Beginn abgestorbene, kümmerliche Triebe auslichten und vertrocknete Blätter entfernen
  • Zurücktreten, um weitere Schritte der Schnittführung zu planen
  • Senkrechte, unnatürlich verdrehte und die Stammvorderseite kreuzende Äste abschneiden
Für die Gestaltung einer natürlichen Baumkrone sollten sich im oberen Kronenbereich keine dicken Äste befinden. Scheuen Sie sich nicht, einen kräftigen Trieb in Nähe der Baumspitze abzuschneiden, wenn er dicker wächst, als die Äste im unteren Kronenbereich. Um die Narbenbildung nach einem umfangreicheren Gestaltungsschnitt zu reduzieren, ist die Verwendung einer Konkavzange hilfreich. Diese hinterlässt an der Schnittstelle eine leichte Vertiefung, die rascher und unauffälliger verheilt.

Drahten und Biegen

Komplettiert wird ein kunstvoller Bonsaischnitt durch richtiges Drahten und Biegen. Verschneiden alleine genügt nicht, um einem Bonsai die anvisierte Form zu verleihen. Erst eine Kombination aus wohlüberlegter Schnittführung und gekonntem Drahten mit anschließendem Biegen geleitet den Mini-Baum Schritt für Schritt zur ersehnten Silhouette. Für Anfänger ist Aluminiumdraht die richtig Wahl, weil das Material einfacher zu verarbeitet ist, als Kupferdraht. Mit einem Vorrat an Draht in den Stärken 1 bis 8 Millimeter sind Sie für den Start gut ausgerüstet. Als Faustformel gilt: Drahtstärke entspricht einem Drittel des Astdurchmessers. So gehen Sie fachkundig vor:
  • Passende Drahtlänge abschneiden
  • Draht zweimal im 45-Grad-Winkel um Stamm oder Leitast wickeln
  • Von dort aus weiterwickeln bis zur Astspitze
Wenn Sie mehrere Äste Ihres Bonsais drahten, achten Sie bitte darauf, dass die Drähte am Ausgangspunkt von Stamm oder Leitast ordentlich nebeneinander und nicht übereinander liegen. Sind alle vorgesehenen Äste am Bäumchen verdrahtet, wird jeder Trieb in die gewünschte Form und Richtung gebogen.

Überwintern

Wenn im Herbst das Thermometer die 15-Grad-Marke unterschreitet, siedeln tropische und subtropische Bonsaibäume um auf die helle, warme Fensterbank. Um den akuten Lichtmangel von November bis Februar auszugleichen, ist eine ergänzende Beleuchtung durch Pflanzenlampen empfehlenswert. Gegen trockene Heizungsluft helfen Luftbefeuchter oder ein sanfter Sprühnebel aus weichem Wasser.

Die Wurzelballen winterharter Freiland-Bonsais sind auf einen Schutz vor Frost angewiesen. Obschon Stamm und Krone bis zu - 20 Grad Celsius frostfest sind, kann der Wurzelbereich ab - 5 Grad Celsius erfrieren. Umhüllen Sie die Schalen bitte mit Noppenfolie oder Vlies. Alternativ versenken Sie Bonsaibäume mitsamt Schale in der Erde. Balkongärtner stellen die Mini-Bäume in eine Holzkiste, gefüllt mit Stroh, Laub oder Rindenmulch. Alternativ räumen Sie einen Freiland-Bonsai ein ins helle, frostfreie Winterquartier bei Temperaturen unter 10 Grad Celsius.