So manch einer kann sich vielleicht noch daran erinnern, eine Eidechse beim Sonnenbad auf einer Mauer oder einem Stein in freier Wildbahn beobachtet zu haben. Viele Kinder und jüngere Menschen werden kaum noch die Gelegenheit haben, denn heimische Eidechsen sind gefährdet und nur noch selten anzutreffen. Umso wichtiger ist es, den Nützlingen im eigenen Garten einen geeigneten Lebensraum zu gönnen.

Heimische Arten

In Deutschland beziehungsweise Mitteleuropa heimische Eidechsen-Arten sind:
  • Mauereidechse
  • Zauneidechse
  • Östliche und Westliche Smaragdeidechse
  • Waldeidechse
  • Kroatische Gebirgseidechse
Ihre Verbreitungsgebiete unterscheiden sich stark, ihnen allen ist aber der Nutzen im Garten gemein. Da Insekten auf ihrem Speiseplan stehen, können sie übermäßige Ausbreitungen von Schädlingen verhindern und tragen somit zum Schutz der Pflanzen bei. Wer sie gezielt im eigenen Garten fördern und somit als natürliche Schädlingsbekämpfer nutzen möchte, muss ihnen dafür einen entsprechenden Lebensraum bieten. Dazu muss natürlich zunächst bekannt sein, um welche Eidechsen-Art es sich handelt.

Mauereidechse

Größe: 22bis 25 cm

Körperbau: sehr schlank mit verhältnismäßig langem Schwanz

Farbe: braun bis grau, Männchen mit schwarzen Punkten oder Netzmuster auf dem Rücken

Verbreitung: südliches und westliches Deutschland, Weingebiete um Mosel, Neckar und Rhein

Lebensraum: Trockenmauern, Felsen, steinige Gebiete

Paarungszeit: März bis Juni

Nahrung: Insekten, Spinnen

Mauereidechsen sind streng geschützt und befinden sich aufgrund der schwindenden Anzahl bereits auf der Vorwarnliste der sogenannten roten Liste. Auf der roten Liste werden bedrohte Tierarten aufgeführt, die eines besonderen Schutzes bedürfen.
Mauereidechse
Wer die Mauereidechse im eigenen Garten willkommen heißen möchte, sollte eine Trockenmauer, Steinhaufen oder einen Steingarten anlegen, der besonders sonnig und warm liegt. Mauerritzen, Spalten und kleine Höhlen werden von den Eidechsen sehr gerne angenommen und dienen
ihnen als lebensrettendes Versteck - sowohl für sich selbst, als auch für ihre Gelege. Von diesen gibt es zwischen März und Juni bis zu drei. Der Schlupf erfolgt zwei bis drei Monate nach der Eiablage. Um die in den Gelegen der Mauereidechsen befindlichen Eier nicht zu stören oder gar zu beschädigen, sollten in dieser Zeit keine Veränderungen an der Steinlandschaft erfolgen.

Zauneidechse

Größe: bis zu 24 cm, meist kleiner

Körperbau: kräftiger Körper, deutlich abgesetzter Kopf, kurze Beine und verhältnismäßig kurzer Schwanz

Farbe: grün, grau und braun möglich, meist gemustert

Verbreitung: ganz Deutschland aber selten

Lebensraum: Mauern, dicht bewachsene Bereiche, Wildgärten, Steinbrüche, Waldränder und Heiden

Paarungszeit: März bis Juli

Nahrung: Würmer, Insekten, Spinnen

Zauneidechsen waren einst weit verbreitet, da sie nicht auf einen Lebensraum festgelegt sind. Sie bevorzugen Gebiete, mit dichtem Pflanzenwachstum und offenen Flächen. Dadurch kommen sie oft in Grenzbereichen, wie einem trockenen Waldrand vor.
Zauneidechse
Im heimischen Garten kann dieser Eidechsen-Art ein passender Lebensraum geboten werden, wenn ein Abschnitt des Gartens verwildern darf oder auf anderem Wege sehr dicht bewächst - und keine Pflegemaßnahmen erfolgen müssen. Steine und warme, trockene Mauern werden ebenfalls gerne angenommen. Wiederum sollte beachtet werden, dass von März bis etwa September oder Oktober keine Eingriffe in dem für die Zauneidechsen reservierten Bereich erfolgen. Sowohl die Tiere als auch ihre Gelege könnten dadurch geschädigt und verschreckt werden.

Östliche und Westliche Smaragdeidechse

Größe: bis zu 35 cm

Körperbau: schlank, spitzer Kopf

Farbe: anfangs bräunlich, später grün am Körper, teils mit blauen Abzeichen am Kopf

Verbreitung: Östliche Smaragdeidechse in Ostdeutschland und entlang der östlichen Donau, Westliche Smaragdeidechse in Hessen und dem Rheintal

Lebensraum: Bewachsene Hänge mit feuchten

Böden

Paarungszeit: März bis etwa Juni

Nahrung: Schnecken, größere Insekten, Spinnen, kleine Wirbeltiere (wie Jungmäuse)

Die Smaragdeidechsen sind aufgrund ihrer Färbung und Größe sehr beeindruckende Tiere, leider aber nur noch ausgesprochen selten anzutreffen. Durch einen sehr kleinen Genpool bei der östlichen und westlichen Population treten trotz verhältnismäßig großer Gelege von bis zu 15 Eiern vermehrt unfruchtbare Nachkommen auf. Die Anzahl der Eidechsen schrumpft daher zunehmend.
Smaragdeidechse
Ihr bevorzugter Lebensbereich besteht aus Hängen, die jedoch nicht zu trocken sein dürfen. Aufgrund zunehmender Änderungen in der Landwirtschaft, werden diese Gebiete mehr und mehr abgebaut. Ein Lebensraum im Garten kann ihnen eigentlich nur geboten werden, indem ein wildbewachsener, feuchter Hang geboten wird. Das ist wiederum in den wenigsten Fällen möglich.

Waldeidechse

Größe: etwa bis zu 18 cm

Körperbau: schlank, sehr langer Schwanz von bis zu zwei Dritteln der gesamten Körperlänge

Farbe: bräunlich, teils mit Streifen auf dem Rücken

Verbreitung: in gesamt Europa

Lebensraum: Heiden, Moore, Steinbrüche, Berglandschaften, Flachland, Waldränder, Grasfluren

Paarungszeit: April bis Mai

Nahrung: kleine Insekten und Spinnen

Die Waldeidechse ist zwar weit verbreitet, kommt aber ebenso wie andere Eidechsen insgesamt nur noch selten vor. Im heimischen Garten kommt es darauf an, ihr ausreichend Versteckmöglichkeiten und ungestörte Bereiche zu bieten. Wiederum sind Steine und trockene, warme Mauern, verwilderte Abschnitte und möglichst wenig Eingriffe optimal.
Waldeidechse
Aufgrund ihrer geringen Größe stehen auf dem Speiseplan der Waldeidechsen ebenfalls nur kleine Insekten, wie Raupen, Fliegen und kleine Käfer.

Kroatische Gebirgseidechse

Größe: 16 bis 18 cm

Körperbau: schlank und zierlich, Schwanz deutlich länger als Körper

Farbe: beige bis bräunlich mit dunkleren Streifen auf dem Rücken aber auch hellgrau oder grün

Verbreitung: Kroatien, Slowenien, Österreich, Norditalien und deutsche Alpen

Lebensraum: steinige, bebuschte Bereiche, in eher feuchten und kühlen Gebieten

Paarungszeit: Frühjahr bis Sommer, über die Fortpflanzung ist bisher wenig bekannt

Nahrung: Schnecken, Insekten und Spinnen

Die kroatische Gebirgseidechse kann gelegentlich in Gruppen beobachtet werden, ist jedoch sehr flink und behände und zudem an ihren bevorzugten Untergrund sehr gut angepasst. Im eigenen Garten kann ihr durch trockene Steingärten und eine dichte Bepflanzung ein geeigneter Lebensraum geschaffen werden.

Nahrung

Damit die heimischen Eidechsen im Garten ausreichend und geeignete Nahrung vorfinden, dürfen keine Pestizide zum Einsatz kommen. Denn durch diese werden die Insekten nicht nur reduziert, sondern auch zum potentiellen Giftköder für die Eidechsen.

Wer die Reptilien nicht aus dem Garten vertreiben, sondern ihnen entsprechende Lebensräume und Nahrungsgrundlagen bieten möchte,
achtet daher auf die folgenden Faktoren:
  • Aufstellen eines Insektenhotels
  • Ausschließlich bei Bedarf Pestizide auf natürlicher Basis verwenden, wie beispielsweise Pflanzenjauche
  • Eine Ecke des Gartens verwildern lassen
  • Insekten-anziehende Gewächse pflanzen
  • Rissige Mauern oder Steinhaufen, in denen sich Insekten ansiedeln können
  • Morsches Holz liegen lassen
  • Wildstauden einbringen
  • Garten möglichst naturnah belassen

Überwintern

MauereidechseEidechsen sind wechselwarme Tiere, die bei sinkenden Temperaturen in eine Starre verfallen. Um den Winter auf diese Art und Weise gut zu überstehen, benötigen sie einerseits ausreichende Reserven und andererseits ein möglichst frostfreies Versteck. Reserven können sie anlegen, sofern ausreichend Insekten in ihrer Umgebung vorhanden sind. Als Verstecke bevorzugen sie die verlassenen unterirdischen Bauten anderer Tiere, wie Mäusen, Maulwürfen und Kaninchen. Der Mensch hat hierauf zunächst keinen direkten Einfluss, sollte aber davon absehen, vorhandene Gänge zu verschließen oder die Eingänge zu blockieren. Auch Laub- oder Steinhaufen, die mit Reisig und Laub geschützt werden, bieten den Eidechsen Versteckmöglichkeiten während des Winters.

Wird eine Eidechse außerhalb eines Verstecks gefunden, kann diese in einem kühlen aber frostfreien Raum beherbergt werden. Geeignet ist ein Terrarium, das leicht mit Laub gefüllt wird, um der Eidechse Schutz und Sicherheit zu bieten. Weiterhin ist bei dieser Form der Überwinterung wichtig, die Eidechse häufig aber vorsichtig zu überprüfen. Sie sollte nicht täglich gestört werden, es muss aber bekannt sein, ob sie wirklich in der Winterstarre liegt oder aufgrund zu hoher Temperaturen bereits wieder aktiv ist. Ist sie aktiv, weil die Temperaturen über 10°C steigen, muss sie auch gefüttert werden.

In der Regel ist es daher besser - sofern noch Plusgrade herrschen - die Eidechse tagsüber nahe an einen geschützten Bereich zu bringen und sie dort selbst nach einem geeigneten Versteck suchen zulassen. Wiederum sind Laubhaufen oder Steinhaufen als Ort des Absetzens gut geeignet.

Gartenpflege

Mit Ausnahme der Waldeidechse legen alle heimischen Eidechsen ihre Eier ab. Die Waldeidechse trägt sie hingegen bis zum Schlüpfen in einem Sack am Körper und bringt ihre Nachkommen somit lebendig auf die Welt. Auf diese Gelege und die heranwachsenden Nachkommen sollte von Frühjahr bis Herbst besondere Rücksicht genommen werden. Wiederum können einige Punkte beachtet werden, um den Reptilien im eigenen Garten eine möglichst hohe Überlebenschance einzuräumen. Zu diesen gehören:
  • Verstecke schaffen, wie Mauern und Steinhaufen mit Hohlräumen sowie dichte Bepflanzung
  • Einen Gartenbereich verwildern lassen
  • Kein Umgraben oder Rasenmähen im verwilderten Gartenbereich
  • Während der jeweiligen Paarungszeit möglichst keine sehr lauten oder groß angelegten Pflegemaßnahmen durchführen
  • Den "wilden" Bereich an die Besonderheiten der jeweiligen Eidechsen-Art anpassen
Tipp: Auch mit den erwähnten Maßnahmen gibt es leider keine Garantie, dass sich heimische Eidechsen auf Dauer ansiedeln. Eine "wilde" Gartenecke, angebotene Verstecke und schonende Pflege des eigenen Grüns gibt aber zahlreichen Tierarten die Möglichkeit, den Garten zu bewohnen.