Fossiliengleich tritt der Stör mit seinen Hornplatten, seiner markanten Schwanzflosse und seiner langen, spitzen Nase in Erscheinung. Es verwundert daher nicht, dass viele Menschen ihn gerne im eigenen Gartenteich beheimatet wissen wollen. Der Sterlet, einer der häufigsten Vertreter der Störe für die Teichhaltung, ist allerdings anspruchsvoll. Worauf man bei seiner Haltung achten sollte, erfahren Sie hier.

Lebensbedingungen

Wer die natürlichen Lebensbedingungen des Sterlets, oder mit biologischem Namen Acipenser ruthenus, kennt, hat bereits eine gute Vorstellung davon, was diese anspruchsvollen Tiere von ihrem Teich erwarten. Für alle, denen die Lebensgewohnheiten dieser Stör Art noch nicht

bekannt sind, folgen hier die wesentlichen Merkmale ihres Lebensraums:
  • Bevorzugt Süßwasser und Übergangsbereiche zu Brackwasser in Flussmündungen
  • Fließgewässer mit mäßiger bis starker Strömungsgeschwindigkeit
  • Dauerschwimmer, daher hoher Platzbedarf
  • Nahrungssuche durch Gründeln im Schlick oder Sand des Gewässergrunds
  • Neigen in dichtem Pflanzenbestand zum Verheddern und Verenden
  • Liebt kühle Wassertemperaturen von vier bis maximal 20 Grad
  • Lebt als ganzjährig aktiver Schwimmer ohne winterliche Ruhephase
  • Lebt als Fluchttier, entzieht sich Gefahren daher durch ein schnelles Entkommen aus der Gefahrenzone

Aus diesem idealen Natürlichen Lebensumfeld des Sterlets ergibt sich dann auch recht einfach die Mindestausstattung des Teichs für die Haltung der Tiere:

  • Wasservolumen mindestens 30 Kubikmeter
  • Wassertiefe ab 1,20 Meter und tiefer, um frostfreie Tiefenschicht sicherzustellen, idealerweise Bereiche mit mehr als 2,00 Metern vorhanden
  • Mäßiger bis geringer Bewuchs
  • Teichgrund mit Sand oder Teicherde abdecken, um Gründeln zu ermöglichen
  • Strömungspumpe für erforderliche Wasserströmung im Teich und zugleich hohen Sauerstoffgehalt
  • Gute Beschattung des Teichs für möglichst moderate bis niedrige Wassertemperaturen

Sterlet im GartenteichDa der Sterlet als Fluchttier auf ein schnelles Entkommen setzt, sollte ein Teich unabhängig vom Wasservolumen ausreichend Platz bieten, so dass sich dem Tier die Möglichkeit bietet, bei Stress seinem Fluchtreflex zu folgen. In der Fachliteratur findet sich immer wieder die Forderung von mindestens der zwölffachen Körperlänge als Fluchtdistanz, was bei einer ausgewachsenen Größe von rund 1,20 Metern eine Teichlänge in relevanter Wassertiefe von knapp 15 Metern bedeuten würde. Dennoch sollten die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten hinsichtlich des Platzangebots ausgeschöpft werden!

HINWEIS: Die hier angegebenen Bedingungen stellen die

Mindestanforderungen für den Sterlet für ein dauerhaft stressfreies Leben im Teich dar. Die Haltung gelingt aber umso einfacher, je besser die Voraussetzungen sind. Lassen sich einzelne Aspekte vorteilhafter gestalten, wird dies der Stör natürlich gerne annehmen.

Entwicklung und Wachstum

Unter günstigen Rahmenbedingungen kann ein ausgewachsener Sterlet eine Größe von bis zu 1,20 Metern erreichen und seinen Lebensraum bis zu einem Alter von 30 bis sogar 40 Jahren bevölkern. Zuchtfische für die Teichhaltung weisen dagegen im Jungen alter meist 20 bis 30 Zentimeter Länge auf, so dass man hinsichtlich ihrer Anforderungen an den Lebensraum auf Grund der geringen Größe zunächst überrascht sein mag.

Im Alter von drei bis fünf Jahren wird das Männchen mit einer Größe von rund 30 bis 40 Zentimeter geschlechtsreif, während das Weibchen für die Geschlechtsreife vier bis sieben Jahre benötigt und dabei eine Länge von bis zu 45 Zentimetern erreicht.

Wer nun auf eine Vielzahl junger Sterlets im Gartenteich hofft, wird aber in den meisten Fällen enttäuscht werden. Zwar laichen die eigentlich als Zugfische zur Eiablage die Flüsse aufwärts wandernden Tiere bei Niedrigwasser auch in ihren Nahrungsgründen. Allerdings erfolgt die Eiablage nur bei Wassertemperaturen von 12 bis 17 Grad Celsius, sowie einer mäßigen Fließgeschwindigkeit, auf sandigen oder kiesigen Grund. Während sich diese Voraussetzungen für die Fortpflanzung im Teich noch einigermaßen reproduzieren lassen, ist häufig die bevorzugte Wassertiefe von mindestens 2 Metern und mehr das Ausschlusskriterium für die erfolgreiche Vermehrung dieses Störs im Gartenteich.

Gemeinsame Haltung

Sterlets lassen sich grundsätzlich mit anderen Fischarten gemeinsam halten. Allerdings sollte man dabei folgende Eigenheiten dieser Fischart berücksichtigen, um keine der gemeinsam residierenden Arten unnötigem Stress auszusetzen:

  • Keine Winterruhe, daher meist störend für Fischarten mit winterlicher Ruhephase
  • Sehr langsame Fresser, bei Kombination von Fischen mit gemeinsamen Futterinteressen meist Unterliegen der Sterlets mit folgender Abmagerung und Verhungern
  • Dauerschwimmer, versetzt Fischarten mit hohem Zeitanteil in Ruhephasen schnell in Stress

Das Futter

Wie alle Störarten ernährt sich der Sterlet ausschließlich tierisch, also beispielsweise von:

  • Kleinkrebsen
  • Muscheln
  • Schnecken
  • anderen Wasserbewohnern

Sterlet HaltungBei der Haltung im Gartenteich besteht auch die Möglichkeit der Fütterung über energiereiche Störpellets, wobei Grillen, Mehlwürmer und anderes tierisches Futter dem Sterlet eine willkommene Abwechslung bieten können.

Pflege und
Krankheiten

Wie alle Teichfische, leidet auch der Sterlet natürlich unter verschiedenen Krankheiten. Da die Behandlung möglicher Krankheiten meist nur durch einen fachkundigen Tierarzt möglich ist, sollte sich die Bemühung des Teichbesitzers diesbezüglich auf das generelle Erkennen einer Erkrankung des Tiers konzentrieren. Anzeichen für einen kranken Sterlet sind:

  • erhöhte Atemfrequenz
  • Schwimmen an der Wasseroberfläche
  • Flossenschäden
  • Hautveränderungen (Pünktchen, rote Flecken, Beläge)

Im Mittelpunkt der Pflege sollte jedoch unbedingt die Aufrechterhaltung günstiger Umgebungsbedingungen stehen:

  • hoher Sauerstoffgehalt durch funktionierende Pumpe
  • gute Wasserqualität durch funktionstüchtigen Filter, durch Sauerstoffverbrauch von Bakterien häufig reduzierter Sauerstoffgehalt und schlechtere Lebensbedingungen für Sterlet
  • geringer Algenbefall, Fadenalgen für Jungtiere sehr gefährlich durch Verheddern und Verenden - gegebenenfalls Algizid zufügen
  • niedrige Wassertemperatur für optimalen Sauerstoffgehalt und geringe Vermehrung von die Wasserqualität mindernden Keimen
  • gute Funktionalität der Strömungspumpe zur Gewährleistung der erforderlichen Strömung

Durch die Gewährleistung einer optimalen Umgebung sinkt das Stresslevel des Sterlets deutlich und die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung nimmt ab.