Störe, biologisch auch als Acipenseridae bezeichnet, gelten als urtümliche Knochenfische und nahezu als lebende Fossilien. Deshalb und wegen ihrer markanten Optik wünscht sich so mancher Hobbygärtner ein Exemplar im heimischen Zierteich. Bei uns erfahren Sie zahlreiche Tipps und Anregungen zur richtigen Haltung der Tiere im Teich. Am besten und dauerhaftesten Entwickelt sich der Stör im Teich dann, wenn die dort geschaffenen Lebensbedingungen seinem natürlichen Lebensraum möglichst nahekommen. Damit das gelingt, sollten Sie folgende Dinge beachten:

Die Störart

Insgesamt sind rund 26 Störarten bekannt. Davon eignen sich allerdings nur wenige Arten für die Haltung im Teich. Ausschlaggebend ist hierbei einerseits die Größe, andererseits aber auch das Fressverhalten. Große Tiere mit Körperlängen über 2,00 Metern finden im Gartenteich kaum mehr genügend Platz für eine ungestörte Entwicklung. planktonfressende Arten, wie der nordamerikanische

Schaufelstör oder der See-Stör, würden im begrenzten Teichvolumen dagegen schlicht auf Grund von Nahrungsmangel verhungern.

Beliebte Störarten für die Teichhaltung sind:

  • Sterlet, Körperlänge bis ca. 1,50m, Gewicht bis ca. 10 kg
  • Sternhausen (Acipenser Stellatur), Länge bis 1,50m, Gewicht bis ca. 25 kg
  • Güldenstadi (Acipenser Güldenstaedtii), Länge bis 2,00m, Gewicht bis ca. 80 kg
  • Waxdick (vergleichbar Güldenstadi)
  • Sibirischer Stör (Acipenser baerii), Länge bis 2,00m, Gewicht bis ca. 100 kg
  • Diamantstör (Kreuzung aus Sterlet und Waxdick)

Das Beckenvolumen

Stör im GartenteichDer Stör gehört zu den Vielschwimmern und braucht dafür Platz. Daher sollte ein Teich hinsichtlich seiner Größe und Tiefe gewisse Mindestmaße einhalten:

  • Maximaltiefe mindestens 1,50 bis 2,00 Meter
  • Länge dieser Tiefwasserzone mindestens 12 Mal ausgewachsene Körperlänge (entspricht Fluchtdistanz des Störs)
  • Tiefwasserbereich also in Abhängigkeit von Störart ca. 12 bis ca. 20 Meter (!!) lang
  • Mindestteichvolumen je Tier minimal 1.000 Liter

ACHTUNG: Immer wieder liest man, dass sich die Störe in ihrem Größenwachstum am zur Verfügung stehenden Teich orientieren und gegebenenfalls nur geringere Körpergrößen erreichen. Das stimmt jedoch nicht! Im zu kleinen Becken erreicht ein Stör deshalb nie seine volle Größe, weil er auf Grund schlechter Lebensbedingungen auch nicht sein mögliches Alter ausschöpft.

Die Strömung

Als bewegungsaktives Tier bevorzugen Störe Fließgewässer mit mäßiger bis sogar starker Strömung. Gerade im stark limitierten Gartenteichvolumen sollte daher eine Strömungspumpe für Bewegung im Wasser sorgen. So lässt sich das Fließgewässer imitieren. Außerdem erhalten die Tiere die Möglichkeit, die geschwommene Strecke gegen die Strömung trotz geringer Teichdimension gefühlt zu verlängern.

Die Wasserqualität

Von ihrem natürlichen Lebensraum Fließgewässer ist der Stör eine sehr hohe Wasserqualität mit folgenden Eigenschaften gewohnt:

  • Hoher Sauerstoffgehalt (durch gute Belüftung bzw. Umwälzpumpe erzielbar)
  • Gute Bodenabfuhr (durch geeignete Umwälzung) für ausreichend Sauerstoff in den tieferen Wasserschichten es Teiches (= beliebte Aufenthaltszone des Störs)
  • Niedrige Wassertemperatur bis maximal 20 Grad Celsius (sicherzustellen über großes Volumen und gute Belüftung)
  • Geringes Maß an Verunreinigungen (zu gewährleisten über ausreichend dimensionierte
    Filteranlage)

HINWEIS: Weicht das Teichwasser von den optimalen Parametern ab, kann der als unempfindliche Stör auch damit umgehen. Allerdings wird er mit abnehmender Wassereignung mehr und mehr darunter leiden und in erster Linie in seiner Entwicklung gehemmt. Außerdem nimmt die Gefahr von Erkrankungen oder Parasitenbefall zu, da die Erreger im Gegensatz zum Stör warmes Wasser mit hohem Nährstoffgehalt schätzen.

Die Teichform

Stör (Sterlet) im GartenteichHäufig hält sich der Stör am Gewässergrund auf, wo er mit seiner langen Schnauze im weichen Grund nach Muscheln, Schnecken und Würmern wühlt. Ein klassischer Koiteich mit steil abfallenden Seitenwänden würde daher dazu führen, dass sich der Stör vor allem am Teichgrund aufhält und kaum zu sehen ist. Besser ist daher ein terrassierter Teich mit unterschiedlichen flachen oder geneigten Ebenen. Dazu sollte am Boden die bereits erwähnte Gründelschicht aus Teicherde oder Lehm aufgebracht werden. Kies oder Sand mag der Stör dagegen gar nicht, da seine robust wirkende Schnauze überraschend empfindlich auf spitze Steine oder scharfe Kanten reagiert.

Die Bepflanzung

Wie in Strömungsgewässern üblich, bevorzugen Störe einen lockeren Bewuchs, zwischen dem sie problemlos hindurchschwimmen können. Vor allem die Fadenalge gilt als Feind des Störs, da er sich in jungen Jahren leicht in ihr verheddert und sich noch nicht aus eigener Kraft befreien kann. In der Folge stirbt das gefangene Tier. Wichtig für den Bewuchs ist daher:

  • Bewuchs gering halten
  • Bei Bedarf auslichten
  • Fadenalgen regelmäßig kontrollieren und beseitigen
  • Wasserqualität hoch halten, um übermäßige Entwicklung von Algen etc. einzudämmen

ACHTUNG: Wie andere Strömungsfische auch kann der Stör nicht rückwärts schwimmen. Ist er einmal in Fadenalgen gefangen, gibt es für ihn daher keinen Ausweg mehr. Ein regelmäßiger Blick in den eigenen Teich lohnt daher, um im Bedarfsfall helfend eingreifen zu können.

Die Gesellschaft

Ein Stör lässt sich bei ausreichender Teichgröße gut mit anderen Tieren vergesellschaften. Angriffe auf andere Tiere durch den Stör sind kaum bekannt. Allerdings sollte dann darauf geachtet werden, das Teichvolumen so zu wählen, dass für alle eingesetzten Arten und Individuen ausreichend Raum und geeignete Umgebungsbereiche geschaffen sind.

Kritisch bei der gemeinsamen Haltung kann lediglich die Fütterung werden. Da der Stör als extremer Langsamfresser gilt, können Jungtiere im Extremfall verhungern, wenn Kois und andere Mitbewohner ihnen das Futter im wahrsten Sinne des Wortes vor der Nase wegschnappen. So gelingt aber auch das Füttern bei gemeinsamer Haltung recht gut und problemlos:

  • Störe regelmäßig zur gleichen Uhrzeit und am selben Ort füttern, in Folge Gewöhnung der Tiere und schnelleres Finden des Futters
  • Mitbewohner durch zeitgleiche Futtergaben an anderer Stelle ablenken
  • Dabei gezielt individuelle Futter für jede Fischart einsetzen, um Trennung zu begünstigen

Das Futter

Bis auf wenige, für die Teichhaltung jedoch ungeeignete Planktonfresser, ernähren sich Störe von tierischem Futter:

  • Würmer
  • Insektenlarven
  • Wassertiere, wie Schnecken oder Muscheln

Stör im GartenteichAber auch klassisches Forellenfutter ist durchaus für die Fütterung geeignet. Wichtig ist ein hoher Energiegehalt, also fett- und proteinreiche Kost. Durch sie gewinnen die Tiere die für das intensive Schwimmen erforderliche Energie.

  • Optimaler Fütterungszeitpunkt ab ca. 18 Uhr, da Aktivität der Tiere am Abend am intensivsten
  • Regelmäßigen Fütterungsplatz etablieren für einfaches Auffinden des
    Futters
  • Absinkendes Futter als Anreiz für das arteigene Gründeln mitverwenden
  • Im Winter ebenfalls absinkendes Futter einsetzen, da mit sinkenden Temperaturen bevorzugt Aufenthalt am Teichgrund
  • Ab Wassertemperatur von sechs Grad Celsius und darunter Futter reduzieren, da Tiere dann Aktivitäten zurückfahren und in Kältestarre verfallen

Die Krankheitsvorsorge

Störe gelten im Allgemeinen als sehr robuste und widerstandsfähige Tiere. Dennoch kann es immer wieder dazu kommen, dass sie von Parasiten oder Krankheiten befallen werden. Ist es erst einmal soweit gekommen, sollte unbedingt ein fachkundiger Tierarzt hinzugezogen werden. Allerdings lässt sich durchaus einiges in Sachen Krankheitsvorsorge selbst erledigen:

  • Hohe Wasserqualität mit niedrigen Temperaturen und geringem Schmutzbefall sicherstellen, um Vermehrung von Erregern einzudämmen
  • Tiere regelmäßig auf Hautveränderungen oder anhaftende Parasiten (z.B. Fadenwürmer) kontrollieren
  • Verhalten der Tiere beobachten, da Verhaltensveränderungen meist Folge von Erkrankung oder Schwächung des Störs
  • Bei auffälligen Veränderungen Tierarzt konsultieren

Die Vermehrung

Zuletzt soll der Vollständigkeit halber kurz das Thema der Vermehrung der Störe im Teich angesprochen werden. Da die Tiere sehr alt werden und erst nach bis zu 8 Jahren die Geschlechtsreife erlangen, ist eine gezielte Züchtung im eigenen Teich meist schwierig. Auch lässt sich die Paarung kaum aktiv befördern. Sind ausreichend Männchen und Weibchen im paarungsfähigen Alter vorhanden, kann lediglich durch einen möglichst optimalen Lebensraum die Wahrscheinlichkeit erhöht werden, dass sich die Tiere wohl fühlen und von selbst mit der Reproduktion beginnen. Seien Sie sich gewiss, sollte es tatsächlich einmal soweit sein, haben Sie in Ihrem Gartenteich dazu beigetragen, diese stark bedrohten Tiere ein Stück weit in Ihrer Art zu erhalten.