Ein eigenes Kräuterbeet bereichert den Garten oder den Balkon nicht nur optisch, sondern auch praktisch. Ganz besonders wenn Gewächse wie das marokkanische Olivenkraut darin gedeihen. Damit der Anbau eine ertragreiche Ernte bringt, ist die richtige Pflege unerlässlich. Aber wie sollte der Gärtner Santolina viridis zurückschneiden? Und was passiert nach dem Ernten? Eignen sich die würzigen Stiele zum Trocknen? Antworten auf diese Fragen sowie vier verschiedene Anleitungen zum Vermehren des Olivenkrauts findet der Gärtner in diesem Ratgeber.

Schneiden

Tipp 1: Zeitpunkt

Wer sein Olivenkraut gerade erst gepflanzt hat, sollte dem Gewächs etwas Zeit geben, sich an den Standort zu gewöhnen. Ansonsten kann es passieren, dass die mehrjährige Pflanze nur ein einziges Mal einen Ernteertrag erbringt. Bereits nach zwei Wochen hat das Kraut für gewöhnlich starke Wurzeln ausgebildet. Der erste Rückschnitt sollte trotzdem erst im zweiten Standjahr erfolgen.

Tipp 2: Vorm Verholzen schützen

Das immergrüne Santolina viridis neigt zum Verholzen. Ein Verjüngungsschnitt im Frühjahr oder Herbst wirkt dem Prozess entgegen. Dabei gilt, umso verholzter die Triebe, desto weniger tief setzt der Gärtner die Schere an.

Tipp 3: Technik

Da Santolina viridis mehrjährig austreibt, erfolgt der Schnitt wie bei herkömmlichen Stauden:

  • auf die Hälfte oder höchstens auf ein Drittel kürzen
  • verblühte Stiele komplett entfernen
  • heranwachsende Triebe nur leicht kürzen (auf die Hälfte oder ein Drittel)
  • nie ins alte Holz schneiden (Schere mindestens 1 cm darüber ansetzen)
  • dicke Halme schräg abschneiden, damit das Regenwasser ablaufen
    kann

Hinweis: Da Olivenkraut sehr schnitttolerant ist, eignet es sich bestens für die Kübelhaltung.

Vermehren

Olivenkraut - Santolina viridisUm Santolina viridis zu vermehren, stehen dem Gärtner vier verschiedene Methoden zur Auswahl:

Tipp 4: Vermehrung durch Aussaat

  • Samen im Spätsommer nach der Blütezeit entnehmen
  • an einem warmen Ort trocknen lassen
  • bis zum Frühjahr in einem luftdichten Gefäß lagern
  • frühestens im Februar mit der Aussaat beginnen
  • Samen für 24 Stunden in Wasser weichen
  • Anzuchttopf mit nährstoffarmem Substrat füllen
  • Samen leicht in die Erde drücken
  • Keimlinge bei entsprechender Größe umpflanzen

Hinweis: Die direkte Aussaat ins Freiland ist nicht empfehlenswert, da die Samen mit hoher Wahrscheinlichkeit gefräßigen Schnecken und Vögeln zum Opfer fielen.

Tipp 5: Keimung fördern

  • Olivenkraut ist Kaltkeimer – braucht kältereiz
  • Plastiktüte mit Sand füllen
  • Samen hineingeben
  • 3 bis 4 Wochen an einem kühlen Ort (zum Beispiel im Kühlschrank) lagern

Tipp 6: Vermehrung durch Teilung

  • Mutterpflanze im Frühjahr ausgraben
  • Wurzel mit einem scharfen Messer teilen
  • erneut einpflanzen
  • Pflanzabstand: 30 cm

Tipp 7: Vermehrung durch Absenker

  • Funktioniert gut, weil herabhängende triebe
  • Rinne neben der Pflanze ziehen
  • einen Trieb hineindrücken
  • mit Erde bedecken
  • Zweigspitze schaut aus der Erde
  • mit einem
    Stein fixieren
  • neue Triebe abschneiden, wenn diese 10 cm lang sind
  • an einem anderen Ort einpflanzen

Tipp 8: Vermehrung durch Stecklinge

Die beste Zeit, um die Stecklinge zu entnehmen, ist das Frühjahr. Da Santolina viridis relativ langsam Wurzeln bildet, ist ein Bewurzlungspulver empfehlenswert. Dieses erhält der Gärtner im Fachhandel.

  • Bewurzlungspulver mit Erde und Sand mischen
  • in kleine Töpfe füllen
  • 20 cm lange, leicht verholzte Stecklinge entnehmen
  • Blätter am unteren Bereich des Stiels entfernen
  • in die Töpfe setzen
  • angießen
  • eine durchsichtige Kunststofftüte über den Topf stülpen (erhält die Feuchtigkeit)
  • nachgießen, wenn keine Wassertröpfchen mehr an der Tüte zu sehen sind
  • nach zwei Wochen pikieren
  • erst nach Abklingen der Nachtfröste ins Freiland setzen

Tipp 9: Alternatives Bewurzlungspulver selber herstellen

Das im Handel erhältliche Bewurzlungspulver stammt in der Regel aus synthetischer Herstellung. Chemische Zusätze sind daher nicht ausgeschlossen. Mit einfachen Hausmitteln gelingt es dem Gärtner allerdings, eine vergleichbare Alternative herzustellen.

  • frische, zarte Weidenblätter sammeln oder Weidenrinde abkratzen (etwa 3 Tassen), klein hacken, mit kochendem Wasser übergießen, den Sud ziehen lassen und anschließend auffangen
  • Stielende des Stecklings in Zimt tauchen
  • 1 EL Apfelessig in 6 Tassen Wasser rühren und Steckling hinein tauchen
  • Steckling in Honig tauchen
  • unbeschichtete Aspirintablette in Wasser lösen und den Steckling für einige Zeit hineinstellen
  • Loch in eine Kartoffel bohren und den Steckling hineinstecken
  • 1 EL Aloe Vera Saft in Wasser lösen, den Steckling etwa eine Woche hineinstellen
  • 100 g Trockenhefe mit lauwarmem Wasser übergießen, Steckling hineinstellen

Hinweis: Wer sich gegen die eigene Vermehrung entscheidet und seine Pflanze bereits vorgezogen aus der Baumschule bezieht, sollte beim Kauf unbedingt auf das Substrat achten. Meistens sind Kräuter aus dem Fachhandel übergossen. Da Santolina viridis keine Staunässe verträgt, kommt dieser Pflegefehler über kurz oder lang besonders zum Tragen. Moos im Pflanztopf ist ein deutliches Zeichen für schlechte Qualität.

Ernten

Tipp 10: Ernte Zeitpunkt

Hat sich das Gewächs erst einmal an seinen Standort gewöhnt, kann der Gärtner es dauerhaft ernten. Am wohlsten fühlt sich Santolina viridis

  • an einem vollsonnigen Standort
  • in
    gut durchlässiger Erde
  • in überwiegend sandigen, nährstoffarmen Böden.
  • beste Erntezeit ist der Vormittag.

Tipp 11: Ernte und Schnitt verbinden

Olivenkraut - Santolina viridisDie Zweige des Olivenkrauts schmecken frisch am besten. Daher empfiehlt es sich, die Stiele stets in bedarfsgerechten Mengen abzuschneiden. Oft genügen bereits ein oder zwei Stiele für die kulinarische Verwendung. Jedoch spricht nichts dagegen, das Gewächs komplett zurück zu schneiden. Ganz im Gegenteil, in diesem Zuge fördert der Gärtner einen buschigeren Wuchs durch Verzweigung. Dafür reicht das Zurückschneiden der Triebspitzen um ein paar Zentimeter, bereits aus.

Trocknen

Tipp 12: Trocknung an der Luft

Der Gärtner bindet die Zweige in einzelnen Bündeln zusammen und hängt sie kopfüber auf. Der Ort sollte

  • schattig
  • warm
  • geschützt
  • und luftig

sein. Ist die Feuchtigkeit vollständig entwichen, streicht er die Blätter ab und füllt sie in einen luftdichten Beutel.

Tipp 13: Trocknung im Backofen

Die schnellere Variante ist die Trocknung im Backofen. Hierzu breitet der Gärtner die Zweige auf einem Backblech aus und erhitzt den Ofen auf etwa 40°C. Die Tür sollte einen Spalt breit offenstehen, damit die Feuchtigkeit entweichen kann.

Tipp 14: Trocknung im Dörrautomat

  • Zweige auf den Etagen verteilen
  • entsprechendes Programm auswählen

Hinweis: Die getrockneten Zweige des Olivenkrauts sind kulinarisch vielseitig einsetzbar. Der Aromaverlust durch den Dörrvorgang lässt sich allerdings bei keiner der genannten Methoden vermeiden. Um diesen möglichst gering zu halten, sollte die Trocknung bei geringer Temperatur auf eine möglichst schonende Weise erfolgen. Der Gärtner sollte die Zweige daher nur trocknen, um sich einen Vorrat anzulegen oder das Gewürz bei einem versehentlichen Ernteüberschuss haltbar zu machen. Ansonsten empfiehlt sich der Frischverzehr.

Tipp 15: Andere Arten der Konservierung

Die Blätter des Olivenkrauts erinnern geschmacklich an die mediterrane Küche. Manche Menschen vergleichen das Aroma mit Thymian, andere erkennen deutlich die Verwandtschaft zur Olive. Daher lässt sich Santolina viridis ähnlich wie die Ölfrucht verarbeiten. Zum Beispiel

  • in Salzlake einlegt
  • in Öl einlegt
  • in Essig eingelegt
  • zu Pesto verarbeitet
  • eingefroren