Jeder kennt Osterglocken. Mit ihnen beginnt im Grunde das Gartenjahr. Weit weniger bekannt ist hingegen die Dichternarzisse, obwohl es sich bei beiden Blumen um Narzissenarten handelt. Dass die Dichternarzisse etwas im Schatten der Osterglocke steht, ist eigentlich nicht gerechtfertigt - und Grund genug, sich einmal näher mit dieser herrlichen Pflanze, ihrer Kultivierung im Garten und ihrer Pflege auseinanderzusetzen.

Steckbrief

Die Dichternarzisse, deren lateinische Bezeichnung Narcissus poeticus lautet und die ihrer weißen Blüten wegen auch gerne Weiße Narzisse genannt wird, ist in der freien Natur heute vom Aussterben bedroht. Sie gehört deshalb auch zu den geschützten Arten. Dichternarzissen in unseren Gärten sind eine spezielle Züchtung, die auf die wilde Urart zurückgeht. Eine der am weitesten verbreiteten Züchtung ist die sogenannte Actaea.

Im Gegensatz zu anderen Narzissenarten wie etwa der Osterglocke oder der bei uns deutlich bekannteren Gelben Narzisse verströmt sie einen leichten, angenehmen Duft. Sie erreicht
eine Höhe von bis zu 40 Zentimetern und punktet vor allem mit ihren weißen, zierlichen Blütenblättern. Narcissus poeticus blüht etwas später als andere Narzissen, nämlich meist erst Ende April bzw. Mitte Mai.

Pflanzung

Dichternarzissen wachsen aus einer Zwiebel heraus. Folglich sind sie in Gärtnereien, im Gartenfachhandel oder in Baumärkten meist auch nur als Zwiebeln erhältlich. Sie können grundsätzlich vom Spätsommer bis in den Herbst hinein im Garten gepflanzt werden. Als ideale Pflanzzeit haben sich die Monate September bis November erwiesen. Allerdings muss beim Pflanzen sichergestellt sein, dass der Boden frostfrei und relativ locker ist.

Sowohl beim Lagern der Zwiebeln wie beim Pflanzen sollte man vorsichtig sein und Handschuhe tragen. Die Zwiebeln sind nämlich giftig und können zu Hautreizungen führen. Gleichzeitig sorgt diese Giftigkeit dafür, dass die Zwiebel im Boden vor Fressfeinden sicher und insbesondere von Wühlmäusen gemieden wird. Beim Pflanzen geht man wie folgt vor:
  • Boden vorab gut auflockern und Pflanzlöcher ausheben
  • Zwiebeln bis zu 15 Zentimeter tief in die Erdmulde legen und anschließend locker mit Erde bedecken
  • die Zwiebelspitze muss dabei nach oben weisen
  • Faustregel: Die Pflanztiefe sollte in etwa das Doppelte bis Dreifache der Zwiebelgröße betragen
  • beim Pflanzen mehrerer Zwiebeln einen Abstand von etwa zehn Zentimetern zwischen ihnen halten
  • direkt nach dem Pflanzen gut gießen, aber Staunässe vermeiden
Tipp: Dichternarzissen wachsen in der freien Natur häufig in großen Gruppen auf sogenannten Narzissenwiesen. Wer im eigenen Garten einen ähnlichen Effekt erzielen möchte, wirft vor dem Pflanzen eine Handvoll Zwiebeln wahllos auf den Boden und steckt sie dann an den Stellen, auf denen sie gelandet sind, in die lockere Erde.

Boden bzw. Erdreich

Narcissus poeticus, DichternarzisseDie Dichternarzisse ist in vielerlei Hinsicht eine wirklich anspruchslose Pflanze. Das gilt explizit auch für den Boden. Er sollte vor allem relativ kalkarm, locker und einigermaßen humusreich sein. Hat man es im Garten mit einem stark lehmhaltigen Erdreich zu tun, empfiehlt es sich, den Boden umzugraben und gut mit Sand und Humus zu durchmischen. Darüber hinaus sollte auch im Pflanzloch für Narcissus poeticus unbedingt eine Drainageschicht aus Sand oder Kieselsteinchen angelegt werden. Dichternarzissen vertragen nämlich keine Staunässe, weshalb es für sie überlebenswichtig ist, dass überschüssiges Gieß- oder Regenwasser problemlos abfließen kann.

Standort

Damit Pflanzen optimal wachsen und gedeihen können, spielt der richtige Standort eine große Rolle. Das gilt natürlich auch für Narzissen und für Narcissus poeticus. Sie fühlen sich an einem sonnigen bis halbschattigen Standort am wohlsten. Gleichzeitig sollte sichergestellt sein, dass es dort relativ feucht ist, sich aber keine Staunässe bilden kann. Darüber hinaus muss man in diesem Zusammenhang auch die Nachbarspflanzen zu
den Dichternarzissen im Blick behalten. Es kann nämlich sehr leicht möglich sein, dass diese die Blumen einfach überwuchern und ihnen damit das Sonnenlicht nehmen.

Hinweis: Auch wenn die Standort- und Bodenverhältnisse ideal sind, kann es dennoch vorkommen, dass Narcissus poeticus im ersten Jahr und zweiten nach dem Pflanzen etwas mickrig blüht und sich nicht so richtig entfalten will. Dies ist vollkommen normal und kein Grund zur Sorge. Die Blühfreudigkeit muss sich vielmehr erst entfalten - und das kann dann schon mal ein bis zwei Jahre dauern.

Pflege

Die Pflege von Narcissus poeticus ist verhältnismäßig einfach und stellt in der Regel auch für Gartenneulinge kein Problem dar. Im Grunde ist die Pflanze nämlich sehr anspruchslos.

Wichtigster Punkt: Sie muss vor allem regelmäßig gegossen werden.

Gießen und Düngen
Dichternarzissen mögen es feucht, es darf allerdings auch nicht zu nass sein. Beim Gießen ist also etwas Fingerspitzengefühl gefordert. Am besten man kontrolliert täglich kurz den Boden um die einzelnen Pflanzen. Er sollte stets locker und etwas feucht, aber niemals angetrocknet sein. Mit dem Gießwasser bekommen die Dichternarzissen nach der Blütezeit auch einmalig im Jahr etwas Flüssigdünger verabreicht. Über diesen Dünger erhalten die Pflanzen übrigens Unterstützung bei der Einlagerung von Nährstoffen in die Zwiebel, von denen sie dann den Winter über zehren können.

Blätter schneiden
Im Zusammenhang mit der Einlagerung von Nährstoffen in der Zwiebel spielen kurioserweise auch die Blätter eine besondere Rolle. Durch sie werden nämlich ebenfalls Nährstoffe in der Zwiebel gesammelt, die dann unerlässlich für die Blüte im Frühjahr sind. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, die biologischen Vorgänge dahinter zu erklären. Merken sollte man sich hingegen unbedingt, dass darin der Grund liegt, warum die Blätter der Dichternarzisse erst dann abgeschnitten werden dürfen, wenn sie vollkommen verwelkt sind. Darunter leidet zwar etwas die Optik der Pflanze, ihrer Vitalität, Wuchs- und Blühfreudigkeit gewinnt allerdings
Narcissus poeticus, Dichternarzisse
Hinweis: Werden Dichternarzissen direkt auf einer Rasenfläche gepflanzt, sollte man mit dem Mähen auf jeden Fall warten, bis sie verwelkt sind. Im Übrigen eignet sich Narcissus poeticus nur bedingt dazu, einen Rasen zu verschönern. Der Grund dafür: Da die Blume erst relativ spät blüht, muss auch der erste Rasenschnitt erst relativ spät erfolgen.

Rückschnitt
Dichternarzissen sind hart im Nehmen. Sie können, sobald sie verblüht und die Blätter vollständig verwelkt sind, bis auf den Boden zurückgeschnitten werden. Es macht ihnen folglich auch nichts aus, wenn man beispielsweise mit dem Rasenmäher über sie hinweg mäht. Wichtig für den Fortbestand der mehrjährigen Pflanze ist nur, dass die Zwiebel im Boden nicht beschädigt wird oder zum Faulen beginnt. Ein Rückschnitt ist im Übrigen auch nicht zwingend erforderlich.

Überwintern
Während der Wintermonate belässt man die Zwiebeln der Dichternarzissen ganz einfach im Boden. Sie sind winterhart, Frost und Schnee können ihnen nichts anhaben. Ein spezielles Überwintern ist demnach nicht erforderlich. Nur in Gegenden, in denen es erfahrungsgemäß im Winter ganz besonders kalt wird, empfiehlt es sich, die Stellen oberhalb der Zwiebeln mit etwas Laub oder Reisig abzudecken.

Umsetzen
Wie alle anderen Narzissenarten können auch Dichternarzissen über viele Jahre hinweg an einen einmal gewählten Standort verbleiben. Sie werden dort zuverlässig jedes Frühjahr neu zu blühen beginnen. Allerdings empfiehlt es sich nach rund sechs Jahren die Zwiebeln umzusetzen, also den Standort zu wechseln. Dies geschieht am besten im Sommer nach der Blüte und nachdem die Blätter verwelkt sind.

Vermehrung
Narcissus poeticus lässt sich ganz einfach
vermehren, indem man die Zwiebel teilt. Dafür muss sie natürlich im Sommer nach der Blüte ausgegraben werden. Für die Teilung benutzt man am besten ein sehr scharfes und sehr sauberes Messer. Die Teilung sollte in etwa mittig erfolgen, so dass zwei ungefähr gleich große Zwiebelteile entstehen. Im Anschluss werden diese dann ganz einfach neu eingepflanzt.

Giftpflanzen

Narcissus poeticus, DichternarzisseWie bereits im Zusammenhang mit den Zwiebeln angedeutet: Dichternarzissen sind in all ihren Pflanzenteilen giftig. Im Prinzip handelt es sich bei Narcissus poeticus und allen anderen Narzissenarten um Giftpflanzen. Beim Kontakt mit einzelnen Pflanzenteilen - egal, ob nun Blüten, Blätter, Stiele oder die Zwiebel - kann es zu sehr unangenehmen Hautreizungen bis hin zu einer sogenannten Narzissendermatitis kommen. Beim Umgang mit den Pflanzen und bei allen Pflegemaßnahmen müssen deshalb unbedingt Gartenhandschuhe getragen werden, um den direkten Kontakt mit der Haut zu vermeiden. Darüber hinaus können auch lange Ärmel angeraten sein.

Schnittblumen

Wer die herrlichen Dichternarzissen mit ihren prachtvollen weißen Blüten im Garten stehen hat, kommt natürlich auch leicht in Versuchung, sie sich in die Wohnung zu holen. Tatsächlich eignen sich Narzissen grundsätzlich ganz wunderbar als Schnittblumen, die sich in jeder Vase ausgesprochen gut machen. Im Hinterkopf sollte man dabei allerdings stets behalten, dass es sich bei Narzissen um giftige Pflanzen handelt, die auch in einer Vase Giftstoffe abgeben. Besonders betroffen davon ist vor allem das Wasser in der Vase.

Es muss anschließend definitiv entsorgt werden und darf auf gar keinen Fall zum Gießen anderer Pflanzen verwendet werden. Außerdem sollten Haustiere unbedingt von den giftigen Narzissen in er Vase ferngehalten werden. Frisst etwa eine Katze einzelne Pflanzenteile, kann das für sie dramatische Folgen haben. Für Menschen wiederum gilt, dass die Blumen nur mit Handschuhen angefasst bzw. arrangiert werden sollten.