Sie sind wahre Prachtstücke und eine Zierde für jeden Garten - Freilandorchideen. Kein Wunder also, dass sie sich zwischenzeitlich großer Beliebtheit erfreuen. Manch einer schreckt allerdings vor den faszinierenden Gewächsen zurück, weil er befürchtet, sie würden viel Arbeit machen und spezielle Kenntnisse erfordern. Diese Furcht ist freilich absolut unbegründet. Im Gegenteil: Freilandorchideen sind sogar ausgesprochen pflegeleicht - vorausgesetzt, man beachtet ein paar wenige Grundregeln.

Arten

Wenn von Freilandorchideen die Rede ist, dann bezieht sich das immer auf Orchideenarten, die hierzulande auch grundsätzlich wild in der Natur zu finden sind. Das sind immerhin so um die 60. Wer also davon träumt, eine tropische Orchideenart in seinem Garten zu kultivieren, ist zum Scheitern verurteilt, da die Pflanze mit unseren klimatischen Verhältnissen nicht zurecht kommen würde. Ganz anders verhält es sich mit den heimischen bzw. nordeuropäischen Arten. Sie sind sogar winterhart. Man sollte sich allerdings davor hüten, wilde Orchideen in der Natur einfach auszugraben und dann in den Garten zu pflanzen.

Damit würde man nämlich mindestens eine Ordnungswidrigkeit begehen, stehen die mittlerweile sehr selten gewordenen Gewächse doch unter Artenschutz. Sie dürfen in freier Natur folglich nicht ausgegraben, abgeschnitten, gepflückt oder beschädigt werden. Tut man es doch, droht ein saftiges Bußgeld. Freilandorchideen für den eigenen Garten müssen deshalb unbedingt im Fachhandel gekauft werden und sollten zwingend einen Herkunftsnachweis haben. Dieser Nachweis belegt, dass es sich um spezielle Züchtungen handelt, die auf den bei uns wild wachsenden Orchideenarten basieren, aber nicht direkt der Natur entnommen worden sind. Folgende Züchtungen erfreuen sich dabei großer Beliebtheit:
  • Cypripedium (Frauenschuh)
  • Dactylorhiza (Knabenkraut)
  • Epipactis (Stendelwurz)
  • Pleione (Bergorchideen)
  • Aceras anthropophorum (Ohnhorn)
  • Bletilla striata (Japanorchidee)
  • Orchis purpurea (Purpurknabenkraut)
Bei allen diesen Orchideenarten handelt es sich um sogenannte Erdorchideen. Sie werden also tatsächlich in Erde gepflanzt und bedürfen zum Gedeihen kein spezielles Substrat. Am beliebtesten und auch am weitesten verbreitet ist dabei sicherlich der Frauenschuh.

Tipp: Faszinierende Arten wie etwa die Japanorchidee sind für gewöhnlich im Fachhandel nur sehr schwer zu bekommen. Werden sie dennoch einmal angeboten, sollte man sich unbedingt gleich mehrere Exemplare sichern.

Standort

KnabenkrautDamit die Kultivierung von Freilandorchideen im Garten auch wirklich gelingt, kommt es vor allem auf den richtigen Standort an. Die Standortwahl ist deshalb auch der alles entscheidende Aspekt. Am besten, man überlegt sich schon im Vorfeld sehr genau, ob sich die notwendigen Standorteigenschaften auch wirklich erfüllen lassen. Das spart nicht nur Kosten, sondern meist auch herbe Enttäuschungen. Der richtige Standort für Freiland- bzw. Erdorchideen muss folgende Kriterien erfüllen:
  • er sollte im Halbschatten liegen
  • er sollte nur eine mäßige Sonneneinstrahlung haben
  • er sollte nicht der Mittagssonne ausgesetzt sein
  • er sollte vor zu starkem Wind und Regenfällen geschützt sein
Hinweis: Manche Orchideenarten wie Bletilla striata oder Epipactis vertragen zur Not zwar auch einen vollsonnigen Standort, jedoch ist man mit einem halbschattigen
Plätzchen auch bei ihnen definitiv auf der sicheren Seite.


Freilandorchideen werden im Garten gerne in Gesellschaft sogenannter Begleitpflanzen kultiviert. Vor allem solche, die ein eher lichtes Gehölz ausbilden sind ideal. Wichtig ist allerdings, dass die Orchidee trotz der Begleitpflanzen noch genügend Licht bekommt. Der perfekte Standort wäre deshalb an der Nordseite eines derartigen lichten Gehölzes, weil die Orchidee dann in der Regel auch einigermaßen vor Starkregen oder gar Hagel geschützt ist.

Boden

Wie bereits erwähnt benötigen Freilandorchideen kein spezielles Substrat, auf dem sie gedeihen können. Sie werden folglich auch einfach nur in den vorhandenen Gartenboden gepflanzt. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Orchidee auf jedem Boden auch gleich gut gedeiht. Freilandorchideen bevorzugen in der Regel kalkreiche Böden, die zusätzlich noch einen hohen pH-Wert aufweisen sollten. Orchideen sind demnach also kalkliebend. Der pH-Wert eines sogenannten neutralen Bodens liegt bei 6.5. Bei Orchideen sollte er grundsätzlich darüber liegen.

Tipp: Mit sogenannten Indikatorstäbchen, die es im Fachhandel zu kaufen gibt, lässt sich der pH-Wert eines Bodens kinderleicht feststellen.

Um den pH-Wert für die Orchidee zu erhöhen, empfiehlt es sich am Pflanzstandort dem Erdreich ungedüngten Gartenkalk beizumischen. Außerdem ist es ratsam, Kalkstein beizugeben, da dadurch auch eine länger anhaltende Wirkung erzielt werden kann. Darüber hinaus sollte der Boden außerordentlich gut wasserdurchlässig sein. Orchideen mögen es zwar grundsätzlich feucht, vertragen aber unter keinen Umständen Staunässe. Bei sandigen Böden ist das normalerweise auch kein Problem. Ist der Boden aber stark lehmhaltig, muss am Standort der Pflanze unbedingt reichlich grober Sand untergemischt werden.

Hinweis: Der Boden für Freilandorchideen darf auf gar keinen Fall mit Kompost angereichert werden, da dies sehr schnell zur Überdüngung führen kann, worunter die Pflanze definitiv leiden würde.

Einpflanzen

Ist der Boden entsprechend aufbereitet und vor allem der Kalkgehalt erhöht worden, geht es ans Einpflanzen der im Handel gekauften Orchidee. Der ideale Zeitpunkt dafür ist entweder das Frühjahr (April bis Mai) oder der Frühherbst (September bis Oktober). Beim Einpflanzen wird als erstes eine Grube mit einer Tiefe von etwa 40 Zentimetern ausgehoben. Anschließend legt man in der Grube eine circa 15 Zentimeter starke Drainage aus Kies oder sehr grobem Blähton an. Um für eine zusätzliche Erhöhung des Kalkgehalts zu sorgen, empfiehlt es sich, der Drainage noch Kalksteinchen beizumischen.

Auf die Drainage
folgt dann eine circa 25 bis 30 Zentimeter dicke Schicht des aufbereitetet Erdreichs. In dieses Erdreich wird schließlich auch die Pflanze eingesetzt. Die Triebspitzen sollten dabei knapp mit Erdreich bedeckt sein. Die Erde darf allerdings nicht festgedrückt werden, sondern muss locker bleiben. Schließlich folgt noch eine maximal zwei Zentimeter dicke Abdeckung aus Buchenlaub oder besser noch feinem Blähtonschotter.

Pflege

Frauenschuh Orchidee Cypripedium PaphiopedilumAuch wenn gerne mal etwas anderes behauptet wird - Freilandorchideen sind ausgesprochen anspruchslos und deshalb auch relativ pflegeleicht. Der Aufwand, der für die Pflege nötig ist, hält sich jedenfalls in Grenzen. Im Prinzip muss nur regelmäßig gegossen werden. Dafür gilt:
  • den Boden um die Pflanze regelmäßig kontrollieren
  • darauf achten, dass der Boden stets feucht bis etwas sumpfig ist
  • gegebenenfalls Gießanzeiger verwenden
  • bei Bedarf gießen
  • dabei Staunässe unbedingt vermeiden
  • ruhig kalkhaltiges Wasser verwenden
An der Frage, ob Freilandorchideen gedüngt werden müssen oder nicht, scheiden sich seit vielen Jahren die Geister. Grundsätzlich gilt: Lieber zu wenig düngen als zu viel. In den ersten beiden Jahren nach der Pflanzung ist eine Düngung nicht erforderlich. In den Folgejahren gilt es dann darauf zu achten, wie sich die Pflanze entwickelt. Will sie nicht mehr so richtig wachsen, mit etwas Flüssigdünger im Gießwasser nachhelfen. Dafür gibt es im Handel spezielle, auf die Bedürfnisse von Freilandorchideen abgestimmte Dünger. Alternativ können aber auch Dünger für Zimmerorchideen und für Blühpflanzen verwendet werden. Dann allerdings sollte man sich auf ein Viertel der angegebenen Menge beschränken.

Hinweis: Freilandorchideen müssen nicht geschnitten werden. Sie gedeihen auch ganz ohne Schnitt unter den richtigen Bedingungen prächtig.

Überwintern

Freiland- bzw. Erdorchideen aus unseren Breiten sind grundsätzlich winterhart. Sie müssen demnach auch nicht überwintert und aus dem Erdreich genommen werden. Die Pflanzen überstehen problemlos Fröste, manche Arten halten sogar Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius stand. Andere Arten hingegen sind etwas empfindlicher. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten die Pflanzen deshalb in den Wintermonaten mit Tannenreisig oder Laub gut abgedeckt werden. Sie mögen zwar alle winterhart sein, eine wärmende Schutzschicht tut ihnen dennoch gut. Das gilt dann natürlich auch für Schnee, der sie im Winter hoffentlich gut zudeckt.