Ameisen sind lästig, aber nur in Ausnahmefällen gefährlich. Anders die Pharaoameise. Ob ein Befall gemeldet werden muss und wie Sie die Tiere wieder entfernen, erfahren Sie bei uns in aller Kürze.

Meldepflichtig oder nicht?

Wer Schädlinge in den eigenen vier Wänden entdeckt, wird sich zuallererst Gedanken machen, wie die Tiere möglichst schnell und einfach wieder loszuwerden sind. Doch halt! Immer dann, wenn von Schädlingen eine Gefahr für das Leben der Bewohner ausgeht, darf der Befall nicht einfach still und heimlich bekämpft werde. Stattdessen müssen Sie das

Auftreten der Tierart beim zuständigen Gesundheitsamt melden - die Schädlingsart ist "meldepflichtig".

Auf die Pharaoameise trifft genau das zu, denn entgegen zahlreicher anderer, harmloser Ameisenarten gilt sie als Überträger unzähliger für den Menschen gefährlicher Krankheiten:

  • Streptokokken
  • Staphylokokken
  • Salmonellen
  • Typhus
  • Meningitis
  • Lungenentzündungen
  • Lebensmittelvergiftungen
  • Wund- und Harnwegsinfektionen

HINWEIS: Für die Meldepflicht gibt es keine Untergrenze. Bereits bei geringem oder gerade erst einsetzendem Befall müssen Sie diesen melden. Nur so kann eine frühzeitige Bekämpfung eingeleitet und gegebenenfalls durch das zuständige Amt begleitet werden!

Selbst bekämpfen wenig erfolgreich

Das große Problem mit Pharaoameisen ist ihre mit 1,5 bis 2,0 Millimetern sehr geringe Körpergröße in Kombination mit ihrer hohen Affinität zu protein- oder stärkehaltigen Lebensmitteln. Denn einerseits suchen sie gezielt die Nähe des Menschen mit seinen aus ihrer Sicht unerschöpflichen und oft sehr einfach zugänglichen Nahrungsangeboten. Andererseits sind sie wegen ihrer geringen Größe in der Lage, selbst in kleinsten Ritzen, Fugen und Spalten zu verschwinden und dort ein Nest zu etablieren.

Oft nehmen Sie einen Befall erst dann wahr, wenn die Population eine enorme Größe erreicht hat. Während ein einzelnes dieser kleinen Tiere am Boden oder an der Wand kaum zu erkennen ist, fallen die typischen Ameisenstraßen auch bei den vorherrschenden hellgelb-goldenen Körperfärbungen dieser Ameisenart leicht ins Auge.

Besonders schwierig gestaltet sich jeder eigene Beseitigungsversuch, da Pharaoameisen auf die gängigen

Hausmittel, allen voran Backpulver oder Natron, nicht anspringen. Insektenspray etc. zeigt dagegen nur kurzzeitigen Erfolg, da lediglich die sichtbaren Individuen getötet werden. Die im versteckten Nest lebende Population dagegen ist für Sprays nicht erreichbar und kann die Dezimierung innerhalb kurzer Zeit wieder ausgleichen.

Wie geht die Schädlingsbekämpfung vor?

SchädlingsbekämpferProfessionelle Schädlingsbekämpfer stehen selbstverständlich vor denselben Problemen bei einem wirkungsvollen Vorgehen gegen die Pharaoameise, wie es für Sie als Laie bereits geschrieben wurde. Daher gehen die Profis hier einen anderen Weg und setzen auf Kontaktgifte, die in Form von Fraßködern zu den Tieren gebracht werden. Die Schwierigkeit für die Fachleute besteht dabei darin, die Fraßköder so zu gestalten, dass sie für die Ameisen attraktiver als die ohnehin vorhandenen Nahrungsangebote erscheinen.

Was fressen Pharaoameisen?

Um verstehen zu können, wie Köder für die Pharaoameisen attraktiv gestaltet werden können, ist zunächst von Belang, wovon sich die Tiere überhaupt ernähren. Insgesamt lassen sich die bevorzugten Nahrungsstoffe zwei grundlegenden Kategorien zuteilen:

1. Proteine / Eiweiß

  • Fleisch
  • Fleischerzeugnissen, z.B. Wurst
  • Milchprodukten (Quark, Joghurt, Käse)
  • andere vorhandene tote Insekten (z.B. bereits vorhandener Schädlingsbefall)

2. Kohlenhydrate, v.a. in Kombination bzw. als Produkte mit hohem Zuckergehalt

  • Nudeln
  • Gebäck
  • Süßigkeiten
  • Mehl, Linsen, Kartoffeln, Zucker etc.

Hinweis: Experimente und Beobachtungen haben gezeigt, dass die Pharaoameise zwar grundsätzlich Proteine den Kohlenhydraten vorzieht. Allerdings neigen die Völker genauso dazu, ihre Nahrung durch die jeweils andere Gruppe zu ergänzen.

Damit die Tiere die angebotenen Köder auch wirklich akzeptieren und die vergiftete Nahrung in ihr Nest transportieren, wo sie ihre Wirkung auf das gesamte Volk einschließlich der Nachwuchs erzeugenden Königinnen ausüben kann, gehen die Schädlingsbekämpfer wie folgt vor: Sie identifizieren die ohnehin vorhandenen Nahrungsquellen und

erstellen Köder, die gezielt die jeweils andere Nährstoffgruppe bedienen. Plakativ lässt sich als Beispiel der Befall in Metzgereien oder Bäckereien anführen: In der Metzgerei liegen vor allem Proteine vor, so dass die Köder mit süßen Kohlenhydraten bestückt werden. In der Bäckerei sind diese ohnehin in Hülle und Fülle da, so dass die Köder auf Proteinbasis funktionieren.

Ordnung als Hausmittel

In den eigenen vier Wänden ist das Nahrungsangebot natürlich nie so einseitig, wie in den angeführten Beispielen. Hier kommen Sie als Bewohner ins Spiel, der den Fachleuten bereist möglichst gute Arbeitsbedingungen schaffen kann:
Beseitigen so viele Nahrungsquellen wie möglich, damit das Ameisenvolk von vorn herein weniger, vor allem aber einseitigere Nahrungsquellen vorfindet. Reduzieren Sie die Zahl offener Lebensmittel so weit wie möglich.

TIPP: Da die komplette Abschottung kohlenhydrathaltiger Lebensmittel im durchschnittlichen Haushalt kaum oder nur mit extremem Aufwand möglich ist, konzentrieren Sie sich auf proteinhaltige Lebensmittel. Dann können die Profis gezielt Proteinköder einsetzen, um dem Befall gezielt zu Leibe zu rücken.