Wenn der Aprikosenbaum in voller Blüte stehen und den Winter überleben soll, müssen Sie ihn vor einer der zahlreichen Krankheiten schützen. Prunus armeniaca gehört zu den empfindlichsten Obstbäumen, die Sie anbauen können. Sie benötigen nicht nur viel Pflege, sondern einen geeigneten Standort und regelmäßige Schnittmaßnahmen, um eine Erkrankung vorzubeugen. Wichtig ist dabei zu wissen, welche Krankheiten den Marillenbaum befallen können.

Marillenbaum: 10 typische Krankheiten

Der Aprikosenbaum kann aufgrund seiner Empfindlichkeit von einer Vielzahl von Krankheiten heimgesucht werden, die im schlimmsten Fall sogar zum Verenden des Gehölzes führen. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass Prunus armeniaca ursprünglich aus einem Gebiet stammt, das nicht die idealen Eigenschaften für die intensive Entwicklung der Bakterien, Viren und Pilze darstellt, wie es in Mitteleuropa der Fall ist. Selbst bei einer idealen Pflege sind die Bäume noch anfällig für die zehn Krankheiten, die Ihnen weiter unten vorgestellt werden. Es gibt jedoch einige Möglichkeiten, wie Sie den Marillenbaum resistenter gegen eine mögliche Erkrankung machen, wenn der Standort angepasst wird:

  • sonnig
  • warm
  • geschützt vor Feuchtigkeit durch Niederschläge

Neben der Standortoptimierung bietet sich ebenfalls die Auswahl einer resistenten Sorte an. Das Problem bei der Aprikose ist jedoch die Tatsache, dass es keine Sorte gibt, die gegen jede der Krankheiten immun ist. Einzelne Sorten sind resistenter gegen eine spezielle Krankheit wie andere. Aus diesem Grund müssen Sie überprüfen, welche Aprikosenkrankheiten in Ihrer Region vorherrschen und entsprechende Sorten pflanzen.

Tipp: Wenn Sie sich fragen, was der Unterschied zwischen Marillen und Aprikosen ist, werden Sie verwundert sein, dass es sich bei beiden Bezeichnungen um das gleiche Obst handelt. Die Aprikose wird in Österreich, Südtirol und südlichen Teilen Bayerns Marille genannt und aus diesem Grund handelt es sich nicht um eine andere Art.

Gummifluss

Der Gummifluss ist eine der häufigsten Aprikosenkrankheiten, die sich vor allem in den feuchten Regionen Deutschlands präsentiert. Beim Gummifluss handelt es sich um eine Störung physiologischen Ursprungs, die entweder alleine auftreten oder eine Krankheit begleiten kann. Sie zeichnet sich durch die folgenden Symptome aus, die sehr gut erkennbar sind:

  • gummiartige Flüssigkeit tritt aus
  • das geschieht bei Trieben und Zweigen
  • entweder farblos oder wie Bernstein

GummiflußGummifluss entsteht aufgrund einer Verflüssigung, die einzelne Teile des Holzes betrifft und diese zersetzt, bis sie anschließend austritt und die charakteristischen Gummikörper bildet. Da es sich beim Gummifluss nicht um eine einzelne Krankheit der Marillen handelt, sondern eine Begleiterscheinung, ist es nicht immer sicher, was diesen verursacht. Sie müssen daher nach einer der weiter unten folgenden Krankheiten suchen oder die Pflege überprüfen, um effektiv gegen den Gummifluss vorgehen zu können. Bekämpfen Sie den Gummifluss nicht, kommt es zu den folgenden Problemen:

  • verstopfte
    Leitungsbahnen
  • Nährstoff- und Wasserversorgung wird unterbunden
  • Äste und Triebe sterben ab
  • ganzer Baum stirbt ab

Besonders schlimm wird der Gummifluss, wenn eine längere Trockenzeit vorherrscht oder es besonders warm ist. Da der Aprikosenbaum dadurch viel Feuchtigkeit verliert und keine Flüssigkeit mehr über die Leitungsbahnen transportieren kann, kommt es zum intensiven Austrocknen und der Marillenbaum stirbt ab. Sie können dieses Problem etwas verlangsamen, wenn Sie die befallenen Triebe und Zweige entfernen und im Restmüll entsorgen. Anschließend sollten Sie die Aprikosen auf die möglichen Erkrankungen oder Pflegefehler untersuchen und entsprechende Maßnahmen zur Behandlung ergreifen.

Echter Mehltau

Der Echte Mehltau ist nicht selten in Deutschland anzutreffen, wenn Sie einen Aprikosenbaum kultivieren. Da Erysiphaceae an zahlreichen heimischen und eingebürgerten Gewächsen auftreten kann, ist der Marillenbaum ebenfalls nicht vor diesem geschützt und meist noch schlimmer betroffen. Zu erkennen ist der Echte Mehltau an Aprikosen, wenn die Blätter und jungen Triebe von einem weißen Belag überzogen sind, der mehlig erscheint. Die Pilze haben leichtes Spiel, wenn der Marillenbaum nicht über genügend Frischluft verfügt und dauernde Feuchtigkeit in der Krone herrscht. Folgende Maßnahmen helfen gegen den Mehltau, wenn dieser Ihre Marillen befällt:

  • befallene Pflanzenteile entfernen
  • nicht auf Kompost entsorgen
  • in Restmüll entsorgen

echter Mehltau - Spaerotheca fuliginea erysphie cichoracearumVorgebeugt wird dem Pilzbefall durch regelmäßige Auslichtungsschnitte der Baumkrone, da die Pilze in diesem viel Spielraum haben. Werden dem Baum zu viele Stickstoffe über den Dünger verabreicht, kann das ebenfalls die Anfälligkeit auf den Befall durch den Mehltau fördern. In Kombination wirken diese beiden Varianten sehr gut gegen die Pilze, nur sollten Sie immer Ausschau nach diesen halten. Ebenso kann es helfen, wenn der Boden gut gelockert ist, damit sich die Pilze nicht so einfach ausbreiten können. Präparate auf Niem-Basis können ebenfalls gespritzt werden, wenn Sie auf diesen Zugriff haben. Das ist vor allem als direkte Bekämpfungsmaßnahme zu empfehlen.

Hinweis: Sie können den Einsatz von Hausmitteln zur Bekämpfung des Mehltaus ausprobieren, wenn der Befall noch nicht so stark ist. Das ist vor allem zu empfehlen, wenn es sich noch um einen jungen Baum handelt, der unter einem Schnitt leiden würde.

Schwarzer Rußtau

Beim Schwarzen Rußtau handelt es sich um eine Krankheit, die dem Marillenbaum nicht wirklich schädigt. Sie entsteht durch einen Schädlingsbefall und stellt eine Nebenerscheinung dar. Grund dafür ist der bereits geschwächte Aprikosenbaum, der ein leichtes Ziel für die Pilze darstellt. Schwarzer Rußtau wird meist durch einen Schild- oder Blattlausbefall ausgelöst und lässt sich daher nur behandeln, wenn Sie gegen die Schädlinge vorgehen. Zu erkennen ist der Pilz an den folgenden Symptomen:

  • Zeitpunkt: Spätsommer
  • Blattoberseite mit schwarzen Flecken überzogen
  • können sehr groß sein
  • Blätter
    verwelken langsam
  • Honigtau erkennbar

Da der Marillenbaum aufgrund der schwarzen Flecken keine effektive Photosynthese mehr betreiben kann, sterben die Blätter langsam ab, was den Aprikosen aber nicht wirklich schadet. Neben der Bekämpfung der Schädlinge sollten Sie vorbeugende Maßnahmen zur Stärkung der Marillen nutzen. Das wirkt effektiv gegen die Schädlinge und den Pilz.

Bakterienbrand

Befällt der Bakterienbrand Ihren Aprikosenbaum, können Sie nichts dagegen tun und müssen Ihr Exemplar langsam über einen längeren Zeitraum wieder aufpäppeln. Zu erkennen ist die Krankheit, ausgelöst durch das Bakterium Pseudomonas syringae pv. morsprunorum, an den folgenden Symptomen:

  • Blattränder werden fleckig
  • Blätter sterben langsam ab
  • es wird verstärkt Harz ausgeschieden
  • Früchte werden fleckig
  • Rinde weist deutliche Vertiefungen auf (Rindennekrose)
  • im Extremfall sterben ganze Äste ab

Diese Symptome ähneln denen der Schrotschusskrankheit und dürfen nicht unbeachtet bleiben. Da es keine direkten Mittel gegen diese Krankheit gibt, müssen Sie Präventivmaßnahmen anwenden, die Ihren Aprikosenbaum stärken und auf diese Weise langsam wieder auf Trab bringen. Dazu gehören:

  • kalken (Stammweißen)
  • kupferhaltige Spritzmittel anwenden
  • vorsichtige Schnittmaßnahmen ausführen
  • nur auslichten
  • dabei Wunden vermeiden

Mehr können Sie in diesem Fall nicht tun.

Schrotschusskrankheit

Wie im vorherigen Abschnitt erklärt, überschneiden sich manche Symptome der Schrotschusskrankheit mit dem Bakterienbrand. Vor allem die zahlreichen Blattflecken sind hier zu nennen, die bei der durch den Pilz Wilsonomyces carpophilus verursachten Krankheit aussehen wie als wären die Blätter mit einer Schrotflinte angeschossen worden. Weitere Symptome sind:

  • Fleckenfarbe: rot, braun
  • Flecken werden zu Löchern
  • verstärkter Laubabwurf
  • Triebe werden fleckig
  • Triebe beginnen zu welken
  • Früchte fleckig
  • Flecken sinken in das Fruchtfleisch ein
  • sind rot umrandet
  • vertrocknen oder faulen bis zum Abwurf

SchrotschusskrankheitDie einzige direkte Maßnahme gegen diesen Pilz ist das Entfernen befallener Triebe. Hier ausschließlich bis ins gesunde Holz schneiden, nicht weiter. Anschließend wenden Sie spezielle Präparate gegen die Krankheit an. Diese basieren auf den folgenden Inhaltsstoffen:

  • Kupfer
  • Netzschwefel
  • Tonerde

Um weiteren Befällen vorzubeugen, pflanzen Sie um den Marillenbaum Knoblauch (bot. Allium sativum) und Zwiebeln (bot. Allium cepa). Diese wirken effektiv gegen den Pilz im Boden.

Hinweis: Da die Schrotschusskrankheit besonders häufig in Jahren mit viel Regen auftritt, sollten Sie für einen geschützten Standort sorgen. Die Blätter vertragen zu viel Regen einfach nicht.

Scharka-Krankheit

Eine der gefährlichsten Krankheiten, die Ihre Aprikosen befallen kann, ist die Scharka-Krankheit. Sie ist aufgrund ihrer hohen Ansteckungsgefahr meldepflichtig und kann nicht direkt bekämpft, aber vorgebeugt werden. Erste Anzeichen sind ab Mitte Mai erkennbar. Das Schadbild des Scharka-Virus (PPV) wie folgt:

  • Blätter zeigen Ringe in olivgrüner Farbe
  • Ringe werden zu schwarzen Flecken
  • Fruchtschale der Marillen wird pockig
  • gummiartiges Fruchtfleisch
  • Farbe: rot
  • verfrühter Fruchtabwurf

Meldepflichtig ist die Viruserkrankung aufgrund der Intensität. Sie kann komplette Ernten zunichtemachen und sollte sich nicht in der Nachbarschaft ausbreiten. Erkennen Sie einen Befall, sollten Sie unverzüglich handeln und den Baum komplett entfernen und anschließend verbrennen. Es reicht leider nicht, befallene Stellen zu entfernen, das Virus bleibt trotzdem erhalten. Nur das Roden und Verbrennen wirkt effektiv. Zur Vorbeugung bekämpfen Sie alle Blattläuse, die Ihren Aprikosenbaum auserwählt haben, da diese Krankheiten übertragen. Ebenso kann dies durch bereits infizierte Aprikosenbaum-Edelreißer geschehen. Aus diesem Grund sollten Sie ausschließlich gesunde Stücke pflanzen und wenn möglich, robuste Sorten wählen.

Kräuselkrankheit

Ebenfalls zu den Pilz-Krankheiten, die Ihren Marillenbaum befallen könnten, gehört die Kräuselkrankheit. Verursacht wird diese durch den Pilz Taphrina deformans und ist deutlich am Schadbild zu erkennen:

  • kräuselig austreibende Blätter
  • übersät von Bläschen
  • Bläschen rot oder grün gefärbt
  • Triebe oder ganze Äste können verenden
  • schwache Blüte
  • Ernteertrag nimmt stark ab

An sich ist die Kräuselkrankheit für den Aprikosenbaum nicht tödlich, wenn

sie behandelt wird und Vorsorgemaßnahmen für die nächste Saison getroffen werden. Dennoch kann der Befall nicht mehr unterbunden werden, wenn Sie schon die ersten, gekräuselten Blätter erkennen. Entfernen Sie alle betroffenen Pflanzenteile und entsorgen Sie diese im Restmüll, um eine Ausbreitung des Pilzes zu unterbinden. Mit ein wenig Glück breitet sich der Pilz nach dem Schnitt nicht mehr aus. Vorgebeugt wird diesem mit den folgenden Maßnahmen:
  • geschützt vor Regen pflanzen
  • Präparate (kupferhaltig) im Januar spritzen
  • Pflanzenstärkungsmittel im Frühjahr anwenden
  • abgestorbene Pflanzenteile entfernen
  • vorhandene Fruchtmumien sammeln
  • Fruchtmumien verbrennen

Kräuselkrankheit an PfirsichEin ganz wichtiger Punkt zur Vorbeugung ist das Entfernen von nassem Laub im Herbst. Dieses ist die ideale Grundlage für eine Ausbreitung der Pilze und muss aus diesem Grund komplett entfernt werden. Erfolgt dieser Schritt nicht, erkrankt der Aprikosenbaum im Großteil der Fälle und Sie müssen eine weitere Saison ohne die leckeren Früchte hinnehmen. Gehen Sie so gründlich wie möglich vor, um die Ausbreitung des Pilzes zu unterbinden.

Hinweis: Falls Sie Ihren Marillenbaum nicht unter einem Dach oder einen anderen Regenschutz pflanzen können, spannen Sie während starker und langanhaltender Regenfälle eine wasserdichte Plane über den Baum. Auf diese Weise wird dem Pilz die Grundlage für eine Infektion entzogen.

Monilia-Spitzendürre

Eine weitere der zahlreichen Pilz-Krankheiten, an der Ihre Marillen leiden können. Monilinia laxa befällt Ihre Aprikosen und sorgt für einen Ernteausfall, da vor allem die Blüten und Triebspitzen darunter leiden. Die Infektion durch den Pilz erfolgt immer im zeitigen Frühjahr, wenn es feucht und kalt ist und schon Blüten ausgebildet wurden. Über die Blüten gelangt der Pilz in die Pflanze und sorgt für die folgenden Symptome:

  • Triebspitzen von Länge 20 bis 40 cm befallen
  • Blätter verwelken
  • Blüten verwelken
  • Früchte verwelken in jungem Alter
  • Früchte nehmen dabei braune Färbung an
  • fallen nicht herunter
  • Pilzsporenlager in grauer Farbe werden ausgebildet
  • Gummifluss sichtbar

Leider lässt sich gegen die Monilia-Spitzendürre nicht wirklich etwas unternehmen, außer die befallenen Pflanzenteile komplett zu entfernen. Schneiden Sie am besten den gesamten Trieb so weit zurück, bis das gesunde Holz erreicht wird. Solange diese Teile entfernt wurden, müsste sich der Befall abwenden lassen. Auch hier die befallenen Pflanzenteile entweder im Restmüll entsorgen oder verbrennen. Bevor ein Neuaustrieb erfolgt, nutzen Sie ein Mittel zur Stärkung der Pflanze. Dadurch ist Ihr Marillenbaum vor zahlreichen Krankheiten besser geschützt.

Verticillium-Welke

Wie der Name schon andeutet, handelt es sich hier um eine Krankheit, die durch die Pilz-Gattung Verticillium hervorgerufen wird. Sie gehört zu den tödlichsten Krankheiten für Ihren Aprikosenbaum und entsteht durch die langjährige Ansiedlung der Pilze im Boden am Standort der Bäume. Da sie dort bis zu 15 Jahre bleiben können, müssen Sie einen guten Standort wählen und für die passenden Bodeneigenschaften sorgen. Die Welke Pilze verstopfen die Nährstoff- und Wasserleitungsbahnen der Bäume, was zu den folgenden Symptomen führt:

  • Blätter verwelken
  • Triebe, Äste und Zweige folgen
  • Baum stirbt über Zeitraum von mehreren Jahren ab

Verticillium WelkeDa der Prozess langsam abläuft, ist ein Befall manchmal in den ersten Jahren nicht einmal bemerkbar. Sammeln Sie unbedingt alle Blätter auf, die während dieser Zeit abfallen. Ebenfalls sollten Sie das Herbstlaub entfernen, um den Pilzen keine Möglichkeit zur weiteren Ausbreitung zu ermöglichen. Entfernen Sie alle befallenen Triebe und entsorgen Sie diese im Restmüll oder verbrennen Sie sie restlos. Es wird ausschließlich bis ins gesunde Holz getrimmt, ohne Stummel zu hinterlassen.

Valsa-Krankheit

Wenn die Valsa- oder Krötenhautkrankheit die Aprikosen trifft, müssen Sie einfach alle betroffenen Pflanzenteile entfernen, um den Befall einzudämmen. Zu erkennen ist diese Krankheit am Marillenbaum anhand der folgenden Symptome:

  • vertrocknete Äste und Zweige
  • Rinde vertrocknet
  • Flecken zeichnen sich auf Rinde ab
  • Flecken sind schwarz und schwach erhaben
  • Flecken färben sich anschließend weiß
  • sondern Schleim in roter Farbe ab
  • Früchte bilden faulige Stellen aus
  • Fäulnisstellen von Pusteln in roter Farbe umrandet

Die Krötenhautrinde ist das typische Anzeichen für die Krankheit.