Naturgarten anlegen
Auch der naturgemäße Garten hat mit einem von Menschenhand unberührten Fleckchen Natur wenig gemein. Doch der Biogärtner nimmt sich zumindest die Natur zum Vorbild.
Vieles, was wir gemeinhin für natürlich ... halten, ist erst durch menschliches Gestalten entstanden. Die heutigen mitteleuropäischen Wälder sind angepflanzt, echte Urwälder gibt es, absehen von wenigen Ausnahmen, nicht mehr. Die offenen, saftiggrünen Wiesenlandschaften, in denen friedlich Kühe grasen, waren einst von Urwäldern bedeckt.
Und selbst im naturnahen Garten ist dies nicht gänzlich anders, nur sind die Eingriffe hier besser an die Natur angepasst. Auch hier ist der Gärtner die gestalterische Kraft. Nicht umsonst sollte daher von naturnah gesprochen werden, denn einen natürlichen Garten kann es nicht geben.
Garten heißt gestalten
Im naturnahen Garten herrschen Pflanzenformen vor, die auch in der Natur zu finden sind. Am einfachsten ist dieses Prinzip im Zier- und Freizeitgarten einzusetzen. Weiche Linien und sanfte Übergänge bestimmen die Optik. Streng geometrische waagerechte oder senkrechte Linien, Kreise und Rechtecke fehlen hingegen. Exakt abgestochene Rasenkanten, mit dem Zirkel gezogene Rabatten und figürlich gestutzte Ligustersträucher bleiben den Prunkgärten des Rokoko und des Barocks vorbehalten.
Der Garten, der der Natur ...
am nächsten kommt, ist der angepasste Naturgarten. Hier sind die menschlichen Eingriffe am geringsten, denn die Natur wird lediglich kopiert. Obst- und Gemüsegärten sind eindeutig naturferner, ganz gleich, auf welche Art und Weise gedüngt und gespritzt wird. Daher sollte jede Fläche, die nicht zum Lebensmittelanbau benötigt wird, diesen Eingriff durch eine gezähmte Wildnis ausgleichen.
Einheimische Gehölze oder höhere Stauden, die aus niedrigeren Pflanzungen herausragen, schaffen räumliche Strukturen. Wichtig ist, Arten auszuwählen, die mit dem Standort gut zurechtkommen. Auf die Faktoren Temperatur, Licht, Bodenfeuchte und Bodenreaktion (pH - Wert) sollte geachtet werden.
Mustergültig wäre eine Zusammenstellung von Pflanzen, die in dieser Nachbarschaft auch in der Natur vorkommen. Der Rote Hartriegel ist zum Beispiel mit den Gehölzen Schlehe, Weißdorn, Hasel, Waldrebe sowie Pfaffenhütchen vergesellschaftet. Wildstauden kommen als gelungene Unterpflanzung in Betracht.
Weiche, fließende Formen sind im Ziergarten am richtigen Platz, im Naturgarten werden die Gemüsebeete zweckmäßigerweise rechteckig angelegt. Aber auch hier kann durch Randbepflanzung mit Wildgewächsen die geometrische Strenge optisch aufgelockert werden.
Der Naturgarten und seine Grenzen
Trotz alle positiven Wirkungen, die eine sanfte Gestaltung und Bewirtschaftung mit sich bringt, sind die Grenzen des Naturgartens sehr eng gesteckt, was den Umweltschutz betrifft. Er kann kein Naturschutzgebiet und erst recht keinen Park ersetzen. Selbst die am meisten gefährdeten Tagfalterarten lassen sich nicht im garten ansiedeln. Sie sind Arten der Hochmoore oder Kalkmagerrasen, und in solchen Regionen wird es Gärten nicht geben können.
Auch ist es kaum möglich, geschlossene Stoffkreisläufe in Gärten zu realisieren. Pflanzen, Ernten und Düngen bleiben unnatürliche Eingriffe.
Andrerseits ist der garten für die meisten Menschen die einzige Möglichkeit, ein Stückchen Erde zu bewirtschaften, und die Methode des naturnahen Gärtnerns ist allemal die umweltverträglichste. Wenn sich mehrere Nachbarn zusammenschließen, ist die positive Wirkung auf die Umwelt schon größer als in der Summe der Einzelflächen. Zäune - die oft Igel und andere Nützlinge aussperren - können dann wegfallen oder durch Wildhecken und Gehölzpflanzungen ersetzt werden.
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