Obstbaumkrebs behandeln und richtig bekämpfen

Obstbaumkrebs behandeln und richtig bekämpfen Apfelbaum gesundAnders als in der Humanmedizin beschreibt das Krankheitsbild des Obstbaumkrebses kein Vorliegen entarteter Zellen bei einem betroffenen Baum - vielmehr handelt es sich bei der Baumkrankheit um eine Pilzerkrankung, die sowohl Holz als auch Rinde von Obstbäumen befällt.

Symptomerkennung

Das frühzeitige Erkennen eines vorliegenden Obstbaumkrebses kann dazu beitragen, das Fortschreiten der Pilzinfektion zu verhindern.

Typische frühe Krankheitsanzeichen sind beispielsweise platte Stellen an Stamm oder Ästen, die mit einem Abblättern oder Einfallen der Rinde einhergehen. Auch

eine bräunliche oder orangene Färbung von Rindenbereichen kann auf Obstbaumkrebs hinweisen. Zeigen sich entsprechende Symptome an einem Obstbaum, so ist es sinnvoll, auch den angrenzenden Bestand auf eventuell vorliegenden Obstbaumkrebs zu überprüfen.

Um festzustellen, in welchem Ausmaß ein beginnender Obstbaumkrebs an auffälligen Stellen bereits ins Holz vorgedrungen ist, empfiehlt sich der Einsatz einer sogenannten Hippe: Mithilfe eines solchen scharfen Gärtnermessers kann eine aufgetretene Wunde ausgeschnitten werden - zeigt ein entsprechender Ausschnitt eines betroffenen Astes beispielsweise, dass infiziertes Holz noch von gesundem (weißem) Holz umgeben ist, so kann der Ast in der Regel erhalten werden.

Ernte vom ApfelbaumWährend fortgeschrittener Obstbaumkrebs an jüngeren Trieben zu einem Absterben des Baumes führen kann, breitet sich die Pflanzenkrankheit beispielsweise an dicken Ästen älterer Obstbäume häufig über mehrere Jahre hinweg aus - der Baum stirbt dabei zunächst nicht vollständig ab. An befallenen Stellen bilden sich häufig sichtbare Kragen, die an Geschwulste erinnern - dieser Tatsache verdankt die Pflanzenkrankheit ihre Bezeichnung.

Akutbehandlung

Sehr gering ausgeprägte Wunden durch den Obstbaumkrebs sind in der Regel durch fachkundiges Ausschneiden der Wundstelle hinreichend zu behandeln. Der bis ins gesunde Holz ausgeschnittene Bereich sollte im Anschluss mit Wundbalsam bestrichen werden, um die Heilung zu unterstützen. Bei einem Ausschneiden an Ästen ist zu beachten, dass mindestens ein Drittel deren jeweiligen Umfanges erhalten bleibt - nur so ist die Nährstoffversorgung des kompletten Astes gewährleistet.
Beschränkt sich die durch den
Obstbaumkrebs hervorgerufene Symptomatik nicht auf kleine Wunden, so kann es notwendig werden, befallene Äste teilweise zu entfernen. Auf welche Weise eine entsprechende Entfernung erfolgen sollte, hängt unter anderem von der Lokalisation auftretender Wunden ab: Sind starke Äste vom Obstbaumkrebs betroffen, ist ein Absägen auf Astring möglich - das bedeutet, dass ein zu setzender Schnitt nicht parallel zum Stamm oder einige Zentimeter von Letzterem entfernt gesetzt wird. Vielmehr wird der Schnitt in leicht schrägem Winkel entlang des Astrings geführt. Der Sinn eines so beschriebenen Abtrennens auf Astring liegt darin, die entstehende Wunde möglichst klein zu halten, um deren Verschließen zu beschleunigen. Sind Astbereiche von der Virusinfektion betroffen, die weiter vom Stamm entfernt liegen, kann ein sogenanntes Ableiten erfolgen - hierbei wird der erkrankte Ast unmittelbar vor einem nicht befallenen Seitenzweig abgetrennt. Auf diese Weise findet eine Ableitung zu entsprechendem gesunden Zweig statt.

Um eine Erregerübertragung zu vermeiden, sollten entfernte Holzteile unmittelbar entsorgt werden; außerdem empfiehlt es sich, verwendetes Werkzeug zu desinfizieren.

Obstbaumkrebs vorbeugen

Da für den Obstbaumkrebs verantwortliche Erreger vor allem über Risse oder Schnitte in Holz und/oder Rinde eindringen, kann es sich empfehlen, entsprechende Stellen im Auge zu behalten und

regelmäßig zu kontrollieren bzw. fachkundig zu verschließen - dies gilt im Besonderen für Obstbaumsorten, die bekanntermaßen sehr anfällig für die Pilzinfektion sind. Bereits aufgetretene kleine Wunden können außerdem mithilfe eines Spritzens bestimmter Wirkstoffe abgeschirmt werden, sodass sich Erreger nicht ausbreiten können.

Sollen Obstbäume in gefährdeten Gebieten kultiviert werden, ist es sinnvoll, gering anfällige Baumsorten auszuwählen. Bei der Pflege von Obstbaumbestand kann schließlich auch eine nicht zu ausgeprägte Stickstoffversorgung zur Vermeidung auftretenden Obstbaumkrebses beitragen.

Akute Behandlungsmaßnahmen im Überblick:
  • kleine Wunden: fachgerecht ausschneiden
  • Abtrennen starker Äste: auf Astring
  • Absägen stammferner Astbereiche: auf nicht infizierten Seitenzweig ableiten
  • abgestorbene Äste: komplett entfernen
  • unmittelbares Entsorgen entnommenen bzw. abgetrennten Holzes
Steckbrief

Betroffene Pflanzen: Apfel

Schadbild

An Rinde und Stamm offene, teilweise von Umwallungsgewebe umgebene Wucherungen. Oft löst sich die Rinde ab, das Holzgewebe liegt dann frei. Im Herbst bilden sich dort, rote, kugelförmige Überdauerungsformen des Pilzes. Früchte mit scharf begrenzten braunen Flecken im Bereich der Kelchgrube. Besonders empfindlich sind die Sorten `Berlepsch`, `Cox- Orange- Renette, `James Grieve`und `Weißer Klarapfel`

Gefährlichste Zeit: gesamte Vegetationsperiode

Abwehr
  • Vorbeugend: Gesundes Pflanzgut wählen, unempfindliche Sorten bevorzugen.
  • Ausgewogene Düngung: Schnitte nur mit sauberen Werkzeug durchführen. Wunden Immer mit Baumwachs behandeln.
  • Sanft: Kranke Zweige und Rindenpartien bis ins gesunde Holz zurück schneiden. Schnittwerkzeuge desinfizieren, sonst ist eine Übertragung der Krankheit möglich. Wunderverschlussmittel auftragen.
  • Härter: Nicht ratsam, da nur regenwurmgiftige Kupferpräparate eine gewisse Wirksamkeit zeigen.