Lavendel gegen Ameisen, Blattläuse und Flöhe - was ist dran?

Lavendel gegen Ameisen, Blattläuse und Flöhe - was ist dran?

Niemand mag Schädlinge im Garten. Die wenigsten Menschen sind jedoch heute noch bereit, Chemie in ihren Garten zu spritzen, und jede andere Schädlingsbekämpfung kann mühsam werden.

Lavendel ist nicht gleich Lavendel: Es gibt drei Unterarten und sieben SektionenDie einfachste Methode der Bekämpfung ist immer, sich die Natur selbst als Komplizen heranholen. Und zwar am besten, bevor sich überhaupt Schädlinge zeigen, die dann bekämpft werden müssen. Gewisse Pflanzen

sollen Schädlinge vertreiben, indem sie Gerüche ausströmen, die bestimmte Kleinstlebewesen nicht mögen. So soll Lavendel Ameisen, Blattläuse und Flöhe vertreiben, die Frage ist nur, ob das wirklich stimmt.

Lavendel als Schreck für Ameisen, Blattläuse und Flöhe - Ist was dran?

Ja, Sie müssen nur den richtigen Lavendel finden. Denn die Gattung Lavendel, botanisch Lavendula, besteht aus nicht wenigen Pflanzen, sie unterteilt sich in drei Unterarten und sieben Sektionen mit über 30 Arten. Die erste Unterart nennt sich auch wieder Lavandula, sie hat drei Sektionen mit insgesamt sieben Arten. Diese Arten (und Hybriden, die durch Kreuzung dieser Arten entstanden) sind die Lavendel, die Sie für den Garten kaufen können, alle bei uns erhältlichen Lavendel sind also eigentlich recht nah verwandt. Recht unterschiedlich sind jedoch die Aromen, die diese Arten ausbilden:
  • Der Echte Lavendel, der Lavandula augustifolia aus der Sektion Lavandula, ist häufig in unseren Gärten zu finden. Es ist ein kleiner Lavendel, der Weiss, Rosa und Blau bis dunkel Violett blühen kann. Der Duft ist eher zart und mild, wird aber als der echte Lavendelduft angesehen. Sein ätherisches Öl ist das teuerste Lavendelöl.

  • Ebenfalls aus der Sektion Lavendel kommt der Wollige Lavendel, der Lavandula lanata, der bei Gärtnern wegen seiner dekorativen silbrigen behaarten Blätter beliebt ist, bei uns aber nicht winterhart ist. Sein Duft ist eher zurückhaltend, aus dem Wolligen Lavendel wird kein Öl produziert.

  • Den prägnantesten Duft verströmt die dritte Art dieser Sektion, der Speiklavendel oder Lavandula latifolia (Lavandula spica). Er zeichnet sich durch lange Blütenstiele, reichliche Verzweigungen und Blütenrispen aus, und durch seinen strengen, kampferartigen Geruch. Aus ihm wird das Speiköl gewonnen, in dreimal höherer Ausbeute als Öl vom echten Lavendel, er ist aber nur eingeschränkt frosthart und müsste in Deutschland als Kübelpflanze gehalten
    werden.

  • Die einzige Art der zweiten Sektion Dentatae ist der Lavandula dentata, der Französische Lavendel oder Zahnlavendel, wegen der gezahnten Blätter. Sein Duft ist harzig und stark aromatisch, die Blüten sind immer blau. Er wird bei uns jedoch seltener vertrieben, kann auch nur als Kübelpflanze überleben.

  • Aus der dritten Sektion, den Stoechas, sind bei uns Schmetterlingslavendel, Lavandula pedunculata, Schopf-Lavendel, Lavandula stoechas L., und Grüner Lavendel, Lavandula viridis, erhältlich. Diese Arten tragen violette Blüten und vertragen alle nicht mehr als etwa minus 5 Grad, sie können also bei uns nur als Kübelpflanzen gehalten werden. Ihr Duft ist recht charakteristisch, mit süßem Kampferaroma.
Das Öl des Lavendels wirkt gegen FlöheDann gibt es noch viele verschiedene Kreuzungen, deren Duftstärke jeweils variieren kann: Echter und Wolliger Lavendel werden gekreuzt. Die Hybride hat die

silbernen Blätter und ist weitgehend winterhart, der Duft müsste aber eher zurückhaltend sein. Eine Kreuzung aus Wolligem und Französischem Lavandel könnte stärker duften, kann allerdings nur im Kübel gehalten werden. Die bekannteste Hybride ist der Lavendin, der Provence-Lavendel (Lavandula x intermedia, syn. Lavandula hybrida), eine Kreuzung aus Echtem Lavendel und Speiklavendel, der ebenfalls heftig duftet und recht groß wird.

Lavendel als Schädlingsschreck - auf den Duft kommt es an

Die Wirkung gegen Kleintiere wird stärker, je stärker der Lavendel riecht. Wobei zu vermuten ist, dass die meisten Tierchen den ursprünglichen, alten Speikduft ebenso als den unangenehmsten Lavendelduft identifizieren würden wie viele älteren Zeitgenossen, die diesen Duft noch vom Billigparfüm mancher alten Dame in der Nase haben.

Bei Anpflanzung schwach duftender Hybriden soll es dagegen sogar schon vorgekommen sein, dass die Blattläuse von den Rosen auf den Lavendel umgezogen sind - auch das heutige Lavendin wurde moderner gezüchtet und duftet jetzt viel süßer und aromatischer. Wenn Sie mit Ihrem Lavendel also Kleintiere verschrecken wollen, werden Sie mit den botanischen Namen der Lavendel-Arten und mit der Nase arbeiten müssen. Weiße Sorten duften übrigens meist weniger als blaue Sorten, Pflanzen im Halbschatten weniger als die in der Sonne, und auf die Zusammensetzung der verschiedenen Öle soll es auch ankommen ...  

Wenn die Vermutung tatsächlich richtig ist, dass Schädlinge vor allem vor dem klassischen Geruch des Speiklavendels fliehen, würden Sie also einen möglichst ursprünglichen Lavandula latifolia suchen müssen, der dann nicht den vornehmsten Lavendelduft verströmt, der denkbar ist. Sie könnten sich aber zumindest damit trösten, dass die Inhaltsstoffe dieser robust riechenden Lavendelart auch noch für die Behandlung von Atemwegserkrankungen eingesetzt werden könnten.

Gegen Ameisen und Blattläuse wirkt die Pflanze selbst oder ein Wasserauszug (hergestellt wie jeder Tee), gegen Flöhe wird meist Lavendelöl eingesetzt, einen Lavendelöl-Auszug können Sie aus Ihrem Garten-Lavendel leicht selbst anfertigen. Der wird dann tropfenweise in Wasser gegeben und mit einer Blumenspritze auf alle Sachen in der Wohnung gesprüht, die nicht waschbar sind, auf Teppichböden beispielsweise. Sie können das Lavendelöl auch ins Wischwasser für die Böden geben, mit etwas Geduld wird Ihre Wohnung flohfrei, ohne dass Sie Chemie mit durchaus bedenklichen Inhaltsstoffen großflächig verteilen müssen.

Es gibt noch zahlreiche andere Anwendungen für ein selbst gemachtes Lavendelöl, die Ihr Wohlbefinden erhöhen oder kleine Unpässlichkeiten lindern können, einfach der wohligen Entspannung dienen oder die Motten aus Ihren Schränken fernhalten.