Sichtschutzzäune schützen die Privatsphäre, sie sind Windschutz und sollen oftmals auch den Lärm abhalten. Allerdings steht auch der Sichtschutzzaun unter ständiger Attacke: Die auf die Sichtschutzfläche wirkenden Kräfte zerren an der Verankerung und ermüden das Material von Fläche, Verbindungen und Pfosten. Bei der Planung des Sichtschutzzauns sind seine Breite, Höhe und die erwartete Windlast zu berücksichtigen. Was ist beim Aufstellen von Sichtschutz, Pfosten und Verankerung zu beachten?

Schutz und Gestaltung des Sichtschutzzauns

Beim Aufstellen des Sichtschutzzauns stehen Privatsphäre und Wetterschutz im Vordergrund. Der Sichtschutzzaun kann den Garten in Nutzungsbereiche unterteilen oder den Ausblick auf eine unattraktive Umgebung versperren. Neben der Begrenzung von Terrasse, Pool- und Sonnenbereich können entsprechend hohe Schutzzäune Schatten spenden. Sichtschutzzäune sind mindestens 1,40 Meter hoch. Für einen ausreichenden Sichtschutz werden Höhen von 1,80 Meter oder mehr gewählt. Je nach Region und Bundesland können bauliche Beschränkungen zum Aufstellen eines Sichtschutzes sowohl Höhe als auch Ausführung einschränken. Wird der Sichtschutzzaun an der Grenze zum

Nachbarn aufgestellt, sollte beim Bauamt Abstand und zulässige Höhe erfragt bzw. eine Baugenehmigung eingeholt werden. Innerhalb der Nachbarschaft muss der geplante Sichtschutz "ortsüblich" sein und zum Gesamtbild der Bebauung passen.

Kriterien für die Planung

  • Sichtschutz ab 1,40 Meter Höhe
  • Ortsübliche Gestaltung, evtl. Baugenehmigung erforderlich
  • Stabilität unter Windlast
  • Verankerung im Boden
  • Materialien für Sicht-, Wind- und Lärmschutz

Der Sichtschutzzaun muss hohen Belastungen standhalten und nicht immer ist das vermeintlich stabilste und widerstandsfähigste Material auch windfest und sturmsicher. Der Sichtschutzzaun sperrt den Wind aus. Damit liegt ein hoher Druck auf den Sichtschutzelementen. Vergessen wird häufig, dass neben den physikalischen "Ausweichmanövern" starker Winde auch Blumen und Pflanzen eine regelmäßige Brise erfordern. Einerseits kann das Aufstellen eines Sichtschutzes die Bepflanzung vor ungünstigen Witterungsbedingungen schützen, zum anderen brauchen Pflanzen den Wind, der bei Pollenflug und Bestäubung eine wichtige Rolle spielt. Bei einem komplett luftundurchlässigen Sichtschutzzaun weicht der Wind nach oben aus und erzeugt auf der andere Zaunseite unangenehme Luftwirbel. Der Sichtschutz muss möglichst windsicher und sturmfest sein, sollte allerdings auch das biologische Mikroklima der Bepflanzung berücksichtigen.

sichtschutzzaun holz 09 2019 pb

TIPP: Pilzanfällige Pflanzen, wie etwa Rosen profitieren von einer frischen Brise.

Materialien für stabile Sichtschutzzäune

Optisch sollte das Material zum Stil des Grundstücks passen. Zäune aus Glas, Holz, Bambus und geflochtene Strukturen aus Kunststoffen und Metallen sind erhältlich. Da Holz im Außenbereich pflegeintensiv und weniger dauerhaft ist, setzen sich Alternativmaterialien aus Kunststoff und Stein durch. WPC (Wood Plastic Composite) ist ein Kunststoff-Verbundmaterial, das mit seiner Holzoptik besticht und dabei pflegeleicht und langlebig ist. Nach robuster ist ein Sichtschutz aus Fenster-Kunststoff. Bei der Auswahl eines geeigneten Materials können neben der Wetterfestigkeit auch die Kürzbarkeit von Länge und Höhe wichtig sein.

Absoluten Sichtschutz garantiert der Gabionen-Zaun aus Stein. Sehr dekorativ sind die in den Haltegittern aufgeschütteten Steinzäune, um Grillplätze oder Poolbereiche abzugrenzen. Eine Pflege zur Erhaltung der Stabilität ist nicht erforderlich. Auf der Terrasse nimmt ein blickdichter Sichtschutzzaun dem Innenraum allerdings viel natürliches Licht. Vorteilhaft ist ein Sichtschutzzaun aus Glas, die vollflächig oder nur teilweise blickdicht ausgelegt sind. Der beliebte Sichtschutz aus lebenden Pflanzen erfordert hingegen eine ständige Pflege. Zudem ist der naturgewachsene Sichtschutz wenig windfest bzw. sturmsicher und nur für wettergeschützte Plätze geeignet. Dasselbe gilt für die flexiblen Zäune. Der Sichtschutz aus Markisenstoff wird horizontal über die gewünschte Fläche ausgezogen. Damit sind Seitenarm-Markisen ideal für kleine Balkone, denn auch sie sind nur begrenzt windsicher je nach Wetterlage einzuziehen und zu sichern.

TIPP: Kombinieren Sie verschiedene Sichtschutzmaterialien, wie Pflanzen mit Steinen und Kunststoffzäune.

Sichtschutzzaun aufstellen - wichtiges zur Höhenwahl

Eine ausreichende Höhe des Sichtschutzes ist

erforderlich, wenn er nicht nur als Sicht- und Wetterschutz, sondern auch als Schallschutz dienen soll. Straßenverkehr und eine beständige Lärmkulisse können die Lebensqualität beeinträchtigen. Insbesondere bei kleinen Baugrundstücken müssen die Sichtschutzwände oft zusätzliche Aufgaben, wie etwa den Lärmschutz übernehmen. Zur Stabilität haben besonders hohe Windschutz- und Sichtschutzzäune kleine Öffnungen und Schlitze, um den Wind in abgeschwächter Form durchzulassen. Form und Gewicht des Fundaments beeinflussen erheblich die Standfestigkeit des Sichtschutzzauns. Bei einer Windgeschwindigkeit von 5 Metern pro Sekunde lasten bereits fast zwei Kilo Winddruck auf einem Quadratmeter des Sichtschutzes. Bei 20 Metern/Sekunde (Windstärke 8 Beaufort) sind es bereits fast 30 Kilo pro Quadratmeter. Orkanartige Winde treten nicht nur in Gebirgslagen oder in Küstennähe auf.

Bei Höhen ab 1,50 Meter nimmt die Windlast erheblich zu und die üblichen Einschlag-Bodenhülsen reichen für eine windsichere und sturmfeste Konstruktion nicht mehr aus. Meist werden für hohe Zäune einbetonierte H- und U-Pfostenträger verwendet (Punktfundamente). Bei hohem Zaun und starker Windlast sollte für Pfostenträger eine Materialstärke von 5 oder 6 Millimeter gewählt werden. Können die Träger mit einem stabilen Fundament verbunden werden, sind auch Pfostenträger zum Aufdübeln möglich. Beim Verbinden der Sichtschutzelemente wird ein Spalt belassen. Bereits ein etwa 1 Zentimeter breiter Spalt kann Wind durchlassen und damit die Angriffsfläche entlasten. Zwar ist der Effekt begrenzt, allerdings trägt letztlich die Summe der Maßnahmen zur Stabilisierung des Sichtschutzes bei.

TIPP: Kombinieren Sie Sichtschutzelemente in verschiedenen Höhen.

sichtschutzzaun gabionen 09 2019 pb

Sichtschutzzaun windfest und sturmsicher aufstellen

Auch Material und Höhe des Sichtschutzzaunes geben die erforderliche Bodenbefestigung vor. Aufgrund der großen Windangriffsfläche und der daraus resultierenden Windlast müssen die Sichtschutzwände fest mit dem Untergrund verbunden werden.

Einschlag-Boden-Hülsen
Bei Zäunen über 150 Zentimeter Höhe sind die üblicherweise verwendeten Einschlag-Boden-Hülsen für eine dauerhafte Befestigung kaum geeignet. Sie können die auftretenden Windkräfte nicht mehr ausreichend ableiten. Hohe Zäune können gegebenenfalls an einer in der Nähe befindliche Mauer befestigt werden. Das Bodenfundament der Mauer sollte 60 bis 80 Zentimeter tief sein.

Punktfundamente
Zur Befestigung von höheren Sichtschutzzäunen werden häufig Punktfundamente angelegt. Wie auch beim Bau von Carports werden die Zaunsteher in die betonierten Fundamente eingelassen. Bei Punktfundamenten sollte das Erdreich nicht zu weich oder nass sein. Die Punktfundamente müssen in ausreichender Tiefe angelegt werden.

Sockelmauer
Wird der Sichtschutz zur Straßenseite hin oder auf abfallendem Gelände aufgestellt, empfiehlt sich immer eine Sockelmauer. Im Winter wird Schnee an die Straßenseiten geschoben, was die Verankerung eines Sichtschutzes zusätzlich belastet. Die Sockelmauer wird 30 bis 40 Zentimeter hoch angelegt.

Fundamente gegen den Erddruck

Eine Sockelmauer ist auch dann empfehlenswert, wenn das Gelände zur Straße- oder Nachbargrundstück um 30 Zentimeter oder mehr abfällt. Bei einem Gefälle halten die Punktfundamente ihre Elemente zwar noch fest, allerdings können die Fundamente Veränderungen im Erddruck nicht abfangen.

In den Boden eingelassene zementierte Fundamente bewegen sich über die Stützpfosten minimal mit dem Wind. Ist das Erdreich nicht ausreichend befestigt, weiten die natürlichen Bewegungen den Spielraum der Fundamente weiter aus. Damit die Befestigung im Erdreich auch dauerhaft hält, sind bei der Planung der Fundamente die Bodeneigenschaften zur berücksichtigen. Auch ein steigender Wassergehalt im Boden, z. B. nach anhaltend nasser Witterung, kann sich destabilisierend auf die Bodeneigenschaften auswirken. Auftriebskräfte können entstehen oder das Bodengefüge an Zusammenhalt verlieren.

Sichtschutzzaun mit Sturmanker sichern

Eine weitere Möglichkeit zum Stabilisieren der Pfosten sind zusätzlich schräg angebrachte Stützpfosten, die fest verankert werden. Dabei haben sich Sturmanker aus verzinktem Stahl bewährt. Mit Erddorn versehene Sturmanker stabilisieren die einzelnen Elemente des Sichtschutzzauns. Der Sturmanker wird mit Schrauben im Pfostenbeton und zusätzlich über den Erddorn im Erdreich gesichert. Wie auch bei Stützpfosten wird eine zusätzliche Stabilität durch eine schräge Befestigung erreicht. Die Feuerverzinkung der Sturmanker bietet einen hohen

Korrosionsschutz. Ein typischer Sturmanker hat eine Länge von etwa 60 bis 65 Zentimeter und einen Erddorn mit etwa 70 Zentimeter. Sturmanker können aufgedübelt und eingeschlagen werden.

Bei sehr langen Sichtschutzwänden kann die Windlast durch Auslassen von Elementen unterbrochen werden. Die Auflockerung in der Sichtschutzwand lässt einen Teil des Windes durch. Beispielsweise wird nach zwei Sichtschutzelementen eine kleine Lücke gelassen.

TIPP: Bepflanzen Sie Windlücken mit dichten, immergrünen Sträuchern oder Zypressen.

Sichtschutzzäune - wie erreicht man eine gute Stabilität?

  • Feste Bodenbeschaffenheit
  • Windlücken einplanen
  • Befestigung von Trägern in Fundamenten
  • Fundamenttiefe von 60 Zentimeter
  • Hochwertige Verbindungen zwischen Elementen und Mauerwerk
  • hochwertige Elementprofile, z. B. aus Alu

Damit der Sichtschutzzaun windfest und sturmsicher ist, genügt eine feste Verankerung nicht. Beim Aufstellen müssen die Elemente fest miteinander verbunden werden. Getackerte Verbindungen von Sichtschutzelementen lösen sich unter Belastung schnell auf. Verbindungen mit Edelstahlschrauben halten auch größeren Belastungen stand, sind wetterfest und rosten nicht. Die Stabilität der Sichtschutzelemente wird durch den Rahmen bzw. der Profilierung mitbestimmt. Sind sie zu dünn und leicht, wird die gesamte Konstruktion bereits bei leichten Winden instabil. Frei stehende Sichtschutzelemente, sogenannte Freisteller lassen sich seitlich nach Belieben verlängern. Entlang der gesamten Sichtschutzstrecke werden einzelne Elemente eines modularen Systems passgenau miteinander verbunden. Mit Modulen lassen sich leicht Sichtschutz-Variationen mit unterschiedlichen Höhenverläufen, Rundbögen, Toren und Durchgängen gestalten. Werden allerdings weniger feste Materialien für den Sichtschutz verwendet, müssen die Profile der einzelnen Elemente besonders stabil sein.

Sichtschutzzäune müssen aus Sicherheitsgründen und zum Ausgleich der aufliegenden Windlast im Boden verankert werden. Berücksichtigt werden muss beim Aufstellen des Sichtschutzzaunes auch eine Winddurchlässigkeit von Material und Elementen. Umso weniger Wind den Sichtschutz passieren kann, desto größer wird der Druck auf das Material und die Stützpfosten. Ein Sichtschutzzaun, der windfest und sturmsicher ist, wird etwas Wind durchlassen müssen.