Haushaltstipps

Wasseruhr richtig ablesen – Alles über Zähler und Zeiger

Ein herkömmlicher Flügelwasserzähler mit Zahlenrolle.

Das Flügelrad in der Wasseruhr im neuen Haus meiner Freundin scheint ein unheimliches Tempo vorzulegen, so viel Wasser verbraucht sie nie, nach ihrer Meinung. Das kann möglich sein, aber manchmal führt schon ein alter Druckspüler zu einem Wasserdurchfluss, den man nie vermutet hätte. Sie wollte von mir wissen, wie sie ihre Wasseruhr jetzt eine Weile zwischendurch ablesen kann, um dem Wasserverbrauch auf die Spur zu kommen, und was dann im Zweifel zu tun sei.

Was zeigen Wasseruhren wie an?

Ich habe ihr meine Notizen zur Verfügung gestellt, die ich mir neulich zum Thema Wasserzähler zusammengestellt hatte, weil meine Mutter ebenfalls einen unerklärlichen Mehrverbrauch beklagte:

    • Wasserzähler messen das Volumen der Wassermenge, die durch sie hindurchfließt. Der meist verwendete Wasserzähler für die Messung kleinerer Wassermengen von bis zu 15 Kubikmeter Nenndurchfluss pro Stunde ist der Flügelradwasserzähler. Bei dieser Art Wasseruhr wird mit einem Flügelrad der Durchfluss gemessen, entweder trifft ein Strahl auf das Flügelrad (Wohnungswasserzähler) oder mehrere (Hauswasserzähler). Die Mehrstrahlzähler, bei denen das Flügelrad symmetrisch angeströmt wird, gelten als messgenauer, weil hier die Wassermenge gleichmäßig auf das Flügelrad wirkt.

 

  • Die Wasseruhr zeigt den Verbrauch in erster Linie durch eine Zahlenrolle an. Der Messwert muss nach den gesetzlichen Vorschriften in Kubikmeter angezeigt werden. Das geschieht mit der Anzeige durch die schwarzen Ziffern. Sie erscheinen in einem fünfstelligen Feld, hinter dem die Kubikmeter-Einheit aufgedruckt ist. Wenn Ihr die jährliche Ablesung kontrollieren wollt, müsst Ihr nur die Zahlen in diesen fünf Feldern ablesen, die Wasserwerke sind an den Nachkommastellen nicht interessiert. Wenn eine Zahl noch nicht ganz erreicht ist, die 2 also gerade dabei ist, hochzurollen, gilt die Zahl davor, also die 1.

Wasseruhren ablesen – so geht’s

Wenn Ihr für eigene Kontrollzwecke auch die Nachkommastellen ablesen möchtet, geht das so: Diese Nachkommastellen, die die Bruchteile eines Kubikmeters messen, werden durch vier Zahlenkreise dargestellt, an denen mit der Aufschrift 0,1, 0,01, 0,001 und 0,0001 die jeweilige Nachkommastelle markiert ist, die angezeigt wird. Die Nachkommastellen sind also von rechts oben nach links unten abzulesen, wobei auch immer die Zahl gilt, die bereits überschritten wurde, also immer die nächstkleinere.

    • Die Flügelradwasserzähler werden zunehmend durch Wasserzähler mit digitalem Zählwerk mit LCD und Langzeitbatterie ersetzt. Diese Wasseruhren werden abgelesen, indem die Zahl aufgeschrieben wird, die links neben der Kubikmeter-Einheit auf dem Display zu sehen ist. Wenn keine Zahl zu sehen ist, befindet sich das Gerät im Stromsparmodus, dann müsst Ihr die Anzeige erst aktivierten. Dazu gibt es eine Taste an der Wasseruhr, die bei Betätigung die Möglichkeit gibt, in der Anzeige zu blättern. Meist erscheint auf den ersten Knopfdruck der aktuelle Verbrauchswert, wenn Ihr den Stichtagswert ablesen wollt, hat dieser Wert eine bestimmte Kennzeichnung (z. B. “M”), die Ihr der Anleitung entnehmen müsst.

 

    • Wenn ein elektronischer Wasserzähler neu eingebaut wird, müsst Ihr vom Wasserversorger eine solche Anleitung erhalten haben, in der der Wasserzähler und seine Ablesung erklärt werden. Habt Ihr keine Anleitung vorliegen, müsst Ihr Euch beim Wasserversorger erkundigen, wo Ihr Ersatz bekommt.

 

    • Bei der Ablesung für die Jahresabrechnung müsst Ihr außer dem Stichtagswert auch noch die Zählernummer aufschreiben, sie befindet sich am Rand des Zählers auf der Metallmanschette. Wenn Ihr z. B. bei Umzug Zwischenablesen wollt, notiert Ihr beim Flügelradwasserzähler einfach die angezeigten Zahlen, auch beim elektronischen Wasserzähler wird in diesem Fall der aktuelle Verbrauchswert, also der erste Anzeigewert notiert.

 

  • Bis wann eine Wasseruhr geeicht ist, erkennt Ihr am sogenannten Hauptstempel, der verplombt ist. Auf der einen Seite des Hauptstempels ist die Jahreszahl eingeprägt, auf der anderen Seite die Nummer des Eichamtes oder der Prüfstelle. Ein Kaltwasserzähler ist in Deutschland für sechs Jahre geeicht, ein Warmwasserzähler fünf Jahre. Die Eichgültigkeitsdauer für einen bei Euch eingesetzten Zählertyp kann aber um jeweils drei Jahre (auch mehrfach) verlängert werden, indem das Wasserversorgungsunternehmen bei einer staatlich anerkannten Prüfstelle eine Stichprobenprüfung durchführen lässt.

Wenn Ihr im Zweifel seid, ob Eure Wasseruhr richtig misst, könnt Ihr bei einer staatlich anerkannten Prüfstelle oder beim Eichamt eine Befundprüfung durchführen lassen. Wenn Ihr allerdings unrecht hattet und die Wasseruhr doch richtig misst, seid Ihr verpflichtet, diese Befundprüfung zu bezahlen.

Große oder kleine Wasseruhr – was ist besser?

Die Flügelradwasserzähler sind in Kritik gekommen, weil es sein kann, dass ein Flügelradwasserzähler zu groß für die jeweilige Verbrauchsstelle ist. Denn das Flügelrad im Wasserzähler dreht sich mit dem durchlaufenden Wasser, wird der Wasserhahn wieder geschlossen, hat es noch so viel Schwung, dass es eine Weile nachläuft. Je größer eine Wasseruhr ist, desto größer ist das Flügelrad, und größere Flügelräder haben mehr Schwung und laufen länger nach. Im Extremfall kann so ein Mehrverbrauch von bis zu 20 Prozent “gemessen” werden, es lohnt sich also unter Umständen, die Größe der Wasseruhr zu überprüfen.

Eine kleinere Wasseruhr führt übrigens auch zu einer geringeren Grundgebühr. Die Jahresgrundgebühr bemisst sich aber nicht nur nach der Zählergröße, auch der Jahresverbrauch an Wasser spielt eine Rolle. Welche Größe Eure Wasseruhr hat, könnt Ihr an einer Aufschrift wie QN 2,5, QN 6 oder QN 10 erkennen, je größer die Zahl, desto größer ist die Wasseruhr und damit auch die maximale Durchflussrate. Für normale Einfamilienhäuser reicht oft eine Wasseruhr mit QN 1,5, die also eine maximale Durchflussrate von 1,5 Kubikmeter pro Stunde hat (wenn Ihr keinen alten Druckspüler habt, der den Durchfluss sprunghaft erhöht).

Wenn Ihr Eure Wasseruhr für überdimensioniert haltet, solltet Ihr zuerst Kontakt mit Eurem Wasserversorger aufnehmen. Denn nicht immer ist der Austausch durch eine kleinere Wasseruhr empfehlenswert, vielleicht sind kurzzeitige Spitzenbelastungen zu berücksichtigen, an die Ihr nicht gedacht habt (Gartenbewässerung, Swimmingpool). Regeln und Informationen zur Größe der Wasseruhr findet Ihr in der EN 806-3, in DIN 1988 Teil 33 und in einem Arbeitsblatt des DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches) mit dem Kürzel W 406.

Wie ging’s weiter?

Bei meiner Mutter war übrigens nicht die Wasseruhr kaputt, sondern eine Verbindung des zugedrehten Gartenschlauchs hatte sich gelöst, der Schlauch hat eine ganze Zeit lang ihren Garten unter Wasser gesetzt. Meine Freundin sucht noch.
(von Halina)

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