Fruchtweine erfreuen sich nach wie vor einer relativ großen Beliebtheit. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass es Spaß macht, selbst zum Winzer zu werden und Alkohol zu produzieren. Damit Alkohol entstehen kann, muss bekanntlich Zucker vergoren werden. Und das wiederum ist nur möglich, wenn Hefe zugegeben wird. Dabei handelt es sich meist um Reinzuchthefe, die man auch selbst vermehren kann.

Weinhefen

Hefen spielen bei praktisch allen Gärprozessen eine ausgesprochen große Rolle - vor allem beim Wein. Kein Wunder also, dass sogenannte Weinhefezellen in den Böden von

Weinbergen vorkommen. Sie sind quasi ein vollkommen natürlicher Bestandteil des Bodens. Von dort werden sie dann auf natürlichem Weg auf die Reben übertragen - zum Beispiel durch den Wind, durch Regen oder auch durch Insekten. Im Prinzip würde eine Vergärung der Früchte früher oder später von alleine stattfinden.

Hinweis: In der Natur existiert eine unglaublich große Fülle an unterschiedlichen Weinhefen, die jeweils eigene Eigenschaften haben.

Da Wein aber schmecken und insbesondere ein volles Bukett entfalten soll, tut man gut daran, den Gärprozess kontrolliert ablaufen zu lassen. Für diesen Zweck eignen sich x-beliebige Weinhefen nicht in jedem Fall. Gefragt sind vielmehr sogenannte Reinzuchthefen, die auf spezielle positive Eigenschaften hin gezüchtet werden. Dafür braucht es sehr viel Wissen und Erfahrung. Für Laien und Hobbywinzer, die allenfalls Fruchtwein erzeugen wollen, ist die Züchtung ein unglaublich schweres und aufwändiges Unterfangen. Zum Glück lassen sich vorhandene Weinzuchthefen aber relativ einfach vermehren.

Weinhefeansatz

Um Fruchtwein selber herstellen zu können ist ein Weinhefeansatz nötig. Dessen wichtigster Bestandteil ist selbstverständlich die darin enthaltene Reinzuchthefe, die man in der Regel als Trockenmasse beigibt und beispielsweise in Drogerien erhältlich ist. Bei einem Weinhefeansatz handelt es sich um ein flüssiges Gemisch aus mehreren Zutaten. Diese Zutaten sollen die Wirkung der Hefe unterstützen. Folgende Mischung hat sich bewährt:

  • Weinhefe als Trockenmasse oder in flüssiger Form
  • ein halbes Gramm Hefenährsalz
  • ein halber Liter Apfel- oder Traubensaft
  • 50 Gramm Zucker
  • zehn Gramm Mehl

Neben den Zutaten sind auch

noch ein paar Gerätschaften bzw. Hilfsmittel erforderlich, um den Weinhefeansatz herstellen zu können. Folgendes wird unbedingt benötigt:
  • eine ausreichend große Flasche
  • ein Wattebausch
  • alternativ ein Gummipfropfen
  • ein Gärröhrchen bzw. Gäraufsatz

Sind alle Zutaten beschafft und alle Hilfsmittel vorhanden, geht es daran, den Gärhefe-Ansatz herzustellen.

Hinweis: Der Weinhefeansatz wird gerne auch als Starterkultur bezeichnet, weil er den Start des Gärprozesses in der Maische befeuern soll.

Ansetzen

Weinhefe ansetzenZunächst muss die Flasche gut gereinigt werden. Empfehlenswert ist, sie mit kochend heißem Wasser zu spülen. Ziel ist es, etwaig vorhandene Bakterien abzutöten. Ganz ähnlich sollte man mit dem Gärröhrchen und dem Gummipfropfen verfahren. Das Zubehör sollte dann allerdings erst nach dem Abkühlen zum Einsatz kommen.

Schritt 1

Beginnend mit dem Fruchtsaft werden alle Zutaten in die Flasche gegeben. Ideal ist, wenn die Flasche ein Fassungsvermögen von etwa einem Liter hat, damit im oberen Bereich genügend Platz bleibt, in dem sich der bald beginnende Gärprozess entfalten kann. Anschließend wird die Flasche mit dem Gummipfropfen verschlossen und gut geschüttelt. Alternativ dazu kann auch ein dicker Wattebauch als Verschluss genutzt werden. Er erschwert aber ganz allgemein das Handling.

Schritt 2

In die Öffnung des Gummipfropfens wird nun der Gärverschluss bzw. der Gäraufsatz gesteckt. Es dient dazu, dass das durch den einsetzenden Gärprozess entstehende Kohlendioxid entweichen kann. Bei Verwendung eines Wattepfropfens

diffundiert es sowieso problemlos nach außen.

Schritt 3

Die Flasche wird an einem relativ kühlen Ort platziert. Ideal dafür ist in der Regel ein nicht beheizter Kellerraum. Nach etwa ein bis zwei Tagen beginnt der Ansatz normalerweise zu gären. Wenn besonders viel Kohlendioxid aus dem Röhrchen entweicht bzw. es im Gäraufsatz stark gluckert, ist der Höhepunkt des Gärprozesses erreicht. Der Ansatz ist fertig und kann in die Maische gegeben werden.

Schritt 4

Bevor man das jedoch tut, ist es wichtig, den Flascheninhalt auf Schimmel hin zu überprüfen. Schimmelbakterien haben im Fruchtwein nichts zu suchen und können gefährlich sein. Um Schimmel im Ansatz ausschließen zu können, riecht man einfach an der Flasche. Duftet es ausschließlich nach Hefe, kann das Gemisch ohne Bedenken verwendet werden. Riecht es hingegen beispielsweise nach Essig oder auch schimmlig muss es entsorgt werden.

Schritt 5

Der letzte Schritt besteht darin, dass der Ansatz in die Maische gegeben wird. Dabei kommt es auf das Mischverhältnis an. 50 bis 100 Millimeter Weinhefeansatz werden für rund zehn Liter Wein benötigt. Wichtig ist im Übrigen auch, dass die Flasche vor der Zugabe zur Maische noch einmal gut geschüttelt wird, damit die Durchmischung des Inhalts möglichst gleichmäßig ist.

Vorteile

Der Weinhefeansatz bzw. die Starterkultur bringen zwei große Vorteile mit sich. Zum einen kann man relativ wenig Weinhefe auf diesem Weg gewissermaßen vermehren. Zum anderen lässt sich testen, ob mit der gekauften Hefe alles in Ordnung ist. Kommt es nämlich im Ansatz zu keiner Gärung wird das später auch in der Maische der Fall sein.