Die Kultivierung von Bonsai-Pflanzen ist ein sehr komplexes Thema. Von der Anschaffung über die Gestaltung bis hin zum richtigen Standort sind viele Punkte zu beachten. Die Pflege eines Zimmerbonsais gestaltet sich in einigen Punkten sehr unterschiedlich von der Kultur anderer Zimmerpflanzen. Und ein Hobbygärtner wird nicht umhinkommen, sich ein gewisses Basiswissen anzueignen. Die wenigsten Bonsai-Arten eignen sich für die ganzjährige Zimmerkultur. Deshalb ist es zunächst wichtig, sich für eine Baumart zu entscheiden, die auch ganzjährig im Haus herangezogen werden kann.

Nach Klimazone unterscheiden

Zu den größten Missverständnissen gehört der Irrglaube, dass alle Bonsai-Arten in der Wohnung gehalten werden können. Tatsächlich ist es bei den meisten Bäumchen notwendig, sie im Freiland zu kultivieren. Sie haben die gleichen Ansprüche wie ihre großen Verwandten und müssen dem natürlichen Verlauf der Jahreszeiten ausgesetzt werden, da sie sonst nicht überleben. Je nach Heimat eignet sich ein Gehölz mehr oder weniger gut als Indoor-Bonsai:

Gemäßigtes Klima
Bäume aus gemäßigten Klimazonen haben in ihrem Wachstumszyklus eine Winterruhe vorprogrammiert. Um dauerhaft gesund wachsen zu können, ist diese Vegetationspause eine der wichtigsten Voraussetzungen. Dieser Zyklus wird empfindlich gestört, wenn ein Laub abwerfender Baum im Haus kultiviert wird. Deshalb eignen sich diese sogenannten
Outdoor-Bonsais nicht für eine Zimmerkultur.

Mediterrane Pflanzen
Hierzu gehören Gehölze, die aus mediterranen Regionen stammen und wegen ihrer fehlenden Frosthärte bei uns den Winter im Haus verbringen müssen, wie beispielsweise der Olivenbaum. Eine ganzjährige Kultur im Haus schadet den Pflanzen. Sie müssen von Frühjahr bis Herbst bei geeigneten Temperaturen unbedingt ins Freie. Außerdem ist eine eher kühle Überwinterung bei ausreichenden Lichtverhältnissen notwendig, um den natürlichen Lebensraum der Pflanze nachzuempfinden.

Tropen und Subtropen
In unseren Zimmern wachsen und gedeihen auf Dauer nur Bonsaipflanzen, die aus tropischen oder subtropischen Gebieten stammen, wo die Temperaturen ganzjährig konstant und relativ hoch sind. Aber auch ein sogenannter Indoor-Bonsai steht gerne im Sommer an einem geschützten Platz im Freien. Reine Indoor-Bonsai-Arten werden auch als Warmhaus- oder Zimmerbonsai bezeichnet.

Geeignete Baumarten

Die Auswahl an Bäumen und Sträuchern, die sich zur Anzucht eines Bonsais im Zimmer eignen, ist nicht besonders groß. Folgende Gehölze gehören zu den pflegeleichten Indoor-Bonsai-Arten, die auch schon mal den einen oder anderen Pflegefehler tolerieren:
Bonsai aus Ficus Ginseng
Feigenbaum (Ficus)
Die Gattung Ficus gehört zu den Maulbeergewächsen (Moraceae), von denen zwischen 800 und 2000 Arten in allen tropischen Regionen der Erde vorkommen. Die tropischen Feigenbäume gehören zu den immergrünen Bäumen, Sträuchern oder Kletterpflanzen. Einige Arten bilden auch hübsche Blüten. Charakteristisch für alle Feigenarten ist der weiße Milchsaft, der aus den Wunden austritt. Ihr Stamm ist meist grau gefärbt und hat eine glatte Rinde. Es gibt aber auch einige Arten wie beispielsweise den Ficus microcarpa Tigerbark, der ein besonders schönes Rindenmuster aufweist. Die Bäume müssen außerhalb der Reichweite von Haustieren aufgestellt werden, da der Ficus für sie giftig ist.
  • Standort: möglichst hell, auch volle Sonne (im Sommer auch draußen)
  • Temperatur: konstant warm, dauerhaft über 15 Grad (verträgt keinen Frost)
  • Luftfeuchtigkeit: erträgt auch trockene Luft, bei hoher Luftfeuchte Ausbildung von Luftwurzeln
  • Boden: normales Bonsaisubstrat
  • Gießen: großzügig wässern, wenn die Erde trocken geworden ist (kalkarmes, zimmerwarmes Wasser)
  • Düngen: fester oder flüssiger Universaldünger, im Sommer alle zwei Wochen
  • Schneiden: regelmäßig auf 2 Blätter pro Trieb zurückschneiden (verträgt auch starke Schnitte)
  • Umtopfen: im Frühling jedes zweite bis dritte Jahr
Funkientee (Carmona retusa)
Ursprünglich stammt der Funkientee aus China. Mit seinen kleinen grünen Blättern gehört der Baum auch bei uns zu den häufig angebotenen Zimmerbonsaiarten. Seine glänzenden Blätter haben auf der Oberseite kleine weiße Pünktchen, die Blattunterseite ist mit feinen weißen Härchen besetzt. Über das ganze Jahr hinweg können an der Pflanze kleine weiße Blüten erscheinen. Eine Befruchtung bringt später gelbliche bis rote Beeren hervor, die eine ganz besondere Zierde an diesem Bonsai darstellen.
  • Standort: viel Licht, am besten an einem hellen Fenster (im Sommer auch im Freiland)
  • Temperatur: idealerweise ganzjährig um 20 Grad (nicht unter 15 Grad)
  • Luftfeuchtigkeit: hoch (verträgt keine trockene Heizungsluft)
  • Boden: durchlässiges Substrat mit hoher Speicherfähigkeit für Wasser
  • Gießen: eher feucht halten, verträgt keine Trockenheit (keine Staunässe produzieren)
  • Düngen: fester, organischer Dünger nach Packungsbeilage von April bis August (Wurzeln reagieren empfindlich auf mineralische Flüssigdünger)
  • Schneiden: verträgt Rückschnitte gut, regelmäßige Schnitte fördern die Verzweigung
  • Umtopfen: alle zwei bis drei Jahre im Frühjahr
Jadebaum (Portulacaria afra)
Der Jadebaum, auch Speckbaum oder Strauchportulak genannt, ist in Afrika beheimatet und wächst als fleischiger kleiner Baum oder Strauch mit dickem Stamm. Der immergrüne, reich verzweigte Baum bildet im Alter rötliche Zweige mit ovalen, Wasser speichernden Blättern, die je nach Sorte rot gerandet sein können. Der Jadebaum gehört zu den Sukkulenten und entwickelt kleine weiße Blüten, wenn er in der Wachstumsperiode die eine oder andere Trockenphase durchlebt hat.
  • Standort: sonnig bis vollsonnig (im Sommer auch im Freiland)
  • Temperatur: gleichmäßig warm, niemals unter 5 Grad
  • Luftfeuchtigkeit: verträgt hohe und niedrige Luftfeuchtigkeit
  • Boden: gut durchlässiges Substrat
  • Gießen: sparsam gießen, Erde muss zwischen dem Wässern gut antrocknen
  • Düngen: einmal pro Monat von Frühling bis Herbst
  • Schneiden: gut schnittverträglich, kein Wundverschlussmittel verwenden (Fäulnisgefahr)
  • Umtopfen: alle zwei Jahre im Frühling, danach eine Woche nicht gießen
Bonsai aus Ficus Ginseng schneiden
Steineibe (Podocarpus macrophyllus)

Die Steineibe ist häufig als Zimmerbonsai anzutreffen, da der immergrüne Baum nur langsam wächst und sehr pflegeleicht ist. Der knorrig wachsende Nadelbaum ähnelt der Eibe. Das Laub sieht weniger nadelförmig als vielmehr abgeflacht langkettig aus. Natürliche Vorkommen der Steineibe sind in tropischen Gebirgsregionen zu finden.
  • Standort: hell, aber vor der Mittagssonne geschützt, Freilandaufenthalt im Sommer vorteilhaft
  • Temperatur: im Sommer
    gleichmäßig warm (um 20 Grad), im Winter etwas kühler (um 15 Grad)
  • Boden: durchlässiges, leicht saures Substrat
  • Gießen: Sommer wie Winter leicht feucht halten, bei kühler Überwinterung etwas trockener
  • Düngen: zwischen Frühling und Herbst alle zwei Wochen, bei warmer Überwinterung einmal monatlich
  • Schneiden: ganzjährig möglich
  • Umtopfen: alle drei Jahre, Wurzeln dürfen nicht zu stark geschnitten werden
Sageretie (Sageretia theezans)
Ursprünglich ist die Sageretie, auch als Falscher Tee bezeichnet, in China beheimatet. Sie gehört mit ihren immergrünen, kleinen Blättern zu den beliebten Indoor-Bonsai-Arten, die im Frühjahr kleine weiße Blüten treiben kann, aus denen im Laufe des Sommers schwarze Früchte reifen. Ihre Rinde ist grau bis bräunlich und hat teilweise helle Flecken.
  • Standort: vorzugsweise Morgensonne, nachmittags schattig
  • Temperatur: mindestens 12 Grad, nicht frostverträglich (im Sommer gerne im Freiland)
  • Boden: normales Bonsai-Substrat
  • Gießen: darf niemals komplett austrocknen, Feuchtigkeit täglich überprüfen
  • Düngen: alle zwei Wochen im Frühling und Sommer
  • Schneiden: häufiges Schneiden notwendig, bis auf zwei Blätter zurücknehmen
  • Umtopfen: nur, wenn die Schale komplett durchwurzelt ist, Wurzelrückschnitt notwendig
Pfefferbaum (Zanthoxylum piperitum)
Wer einen ungewöhnlichen, aber einfach zu pflegenden Indoor-Bonsai sucht, ist beim Pfefferbaum genau richtig. Der Bonsai fällt durch seine grünen Fiederblätter auf und verströmt einen süßlich-pfeffrigen Duft. Außergewöhnlich sind beim Pfefferbaum auch sein gelbes Holz und die gelblichen Wurzeln. Im Frühjahr bildet das Gehölz, das im Himalaja beheimatet ist, gelblich-weiße Blüten, die in Gruppen an den Trieben wachsen. Im Handel ist der Pfefferbaum auch als Szechuanpfeffer, Japanischer Pfeffer, Bergpfeffer oder Anispfeffer erhältlich.
  • Standort: sonnig bis halbschattig
  • Temperatur: mindestens 5 Grad, nicht frostverträglich, im Sommer eventuell im Freiland
  • Boden: durchlässiges Substrat mit guter Wasserspeicherkapazität
  • Gießen: hoher Wasserbedarf, immer leicht feucht halten (keine Staunässe)
  • Düngen: zwischen April und August alle zwei Wochen
  • Schneiden: Mai bis September alle vier Wochen
  • Umtopfen: alle zwei Jahre in frisches Substrat

Bonsai kaufen

Bonsai BäumchenViele der genannten Indoor-Bonsai-Arten gibt es in Supermärkten und Gartencentern als Billigbonsai zu kaufen. Häufig haben diese Pflanzen aber starke Vernarbungen, eingewachsene Drähte, schlechtes Substrat oder zu kleine Töpfe. Wer einen wirklich schönen Bonsai haben möchte, sollte ein wenig mehr Geld ausgeben und ihn im Fachhandel kaufen. Die Investition lohnt sich.

Pflege

Zwar stellt ein Bonsai andere Ansprüche an seine Pflege als normale Zimmerpflanzen, trotzdem ist es nicht besonders schwierig, ihn am Leben zu erhalten. Da die kleinen Bäume aber in winzige Schalen gepflanzt werden, haben sie nur begrenzte Speichermöglichkeiten für Wasser und Nährstoffe. Das bedeutet vor allem, dass man sie regelmäßig gießen und düngen muss. Und auch ein guter Standort ist für den Miniaturbaum existenziell.

Standort

Tropische Bonsai-Arten bevorzugen einen möglichst hellen Platz am Fenster, der im Sommer bei großer Hitze etwas schattiert ist. Im Allgemeinen mögen es die Bäumchen zwar ganzjährig warm, im Winter sollten die Temperaturen jedoch etwas niedriger liegen als in der Wachstumsperiode. Wünschenswert wäre ein geschützter Platz im Freiland zwischen Mitte Mai und Anfang September. Es ist immer notwendig, sich im Vorfeld ganz genau über spezielle Ansprüche der einzelnen Indoor-Bonsai-Arten zu informieren. Die meisten Zimmerbonsai benötigen:
  • Lichtbedarf: so hell wie möglich
  • in den Mittagsstunden schattiert
  • konstante Temperaturen im Sommer: 20 bis 25 Grad
  • West- oder Südfenster

Gießen

Zu den wichtigsten Elementen bei der Kultivierung eines Bonsai-Bäumchens gehört die richtige Bewässerung. Wie häufig Sie gießen müssen, ist von mehreren Faktoren abhängig:
  • Baumart
  • Substratmischung
  • Größe des Gehölzes
  • Größe der Schale
  • Jahreszeit
  • Standort
Wässern Sie den Baum niemals routinemäßig, sondern sobald das Substrat angetrocknet (nicht völlig ausgetrocknet!) ist. Gießen Sie nicht, solange sich die obere Erdschicht noch feucht anfühlt. Wässern Sie am besten in den Morgen- oder Abendstunden, und zwar immer mit zimmerwarmem, abgestandenem Wasser. Wegen des begrenzten Substratvolumens ist es wichtig, den gesamten Wurzelballen immer sehr durchdringend zu tränken.

Substrat/Umtopfen

Bonsai BäumchenUm zu verhindern, dass die Wurzeln irgendwann die ganze Schale einnehmen und der Bonsai verhungert, ist ein regelmäßiges Umtopfen notwendig. Wie häufig der Baum umgetopft werden muss, hängt davon ab, um welche Baumart es sich handelt und wie groß der Topf ist. Junge und schnell wachsende Bäume müssen spätestens alle zwei Jahre, ältere oder langsam wachsende Pflanzen nur jedes dritte bis fünfte Jahr umgetopft werden.
  • Zeitpunkt: zeitiges Frühjahr
  • Substrat muss das Wasser gut ableiten können, aber auch ausreichend Feuchtigkeit speichern
  • einige Bäume benötigen eine spezielle Substratmischung
  • Mischung für die meisten Bäume: 50% hochwertige Pflanzerde, 25% Bimskies, 25% Lavagranulat
  • für bessere Wasserspeicherung zusätzlich Humus zufügen

Überwintern

In ihrer ursprünglichen Heimat können die Gehölze ganzjährig von hohen Temperaturen, hoher Luftfeuchtigkeit und guten Lichtverhältnissen profitieren. Deshalb sind bei der Überwinterung im Haus ein paar Dinge zu beachten, damit der Miniaturbaum gesund über die kalte Jahreszeit kommt. Das größte Problem ist, dass in den Wintermonaten die Lichtintensität in der Wohnung meist deutlich zu gering ist.
  • an sehr hellen Standort stellen (auch vollsonnig)
  • alternativ eine Pflanzenleuchte aufstellen (10 Stunden Licht täglich)
  • nicht über einem warmen Heizkörper überwintern
  • eventuell im kühleren Schlafzimmer oder einem Gästezimmer aufstellen
  • bei kühlem Standort etwas weniger gießen
  • tropische Indoor-Bonsai-Arten ganzjährig warm
  • subtropische Bäume: etwas kühler (je nach Pflanzenart zwischen 6 und 18 Grad)
Fazit
Möchten Sie einen Bonsai als reinen Indoor-Bonsai halten, ist es wichtig, die richtige Baumart auszuwählen. Nur die wenigsten Gehölze vertragen ganzjährig warme Temperaturen. Aus diesem Grund sind es vor allem die tropischen Gehölze, die hier infrage kommen. Halten Sie sich an die spezielle Pflegeanleitung und sorgen vor allem im Winter für einen Standort mit viel Licht, dann werden Sie auch Erfolg mit der Kultivierung haben.