Der Klimawandel ist in aller Munde und nicht mehr zu leugnen. Meteorologen warnen vor häufiger auftretenden Starkregenfällen und lang anhaltenden Regen- und Trockenzeiten. Schon seit hunderten von Jahren regulieren Menschen den Wasserhaushalt des Bodens mit Hilfe von Sickerpackungen, auch Drainage oder Dränung genannt. Hierbei werden trockene Bereiche geschaffen, in denen sich das überschüssige Wasser sammeln und kontrolliert abgeführt werden kann.

Wirkungsprinzip von Drainagen

Die ältesten Berichte über Entwässerungen kommen aus dem babylonischen Reich. Die Römer verwendeten anfangs noch Gräben mit Steinen und Strauchwerk, um Sümpfe trocken zu legen und ihre Straßen vor Wasserschäden zu schützen. Das Prinzip der Entwässerung durch Drainage oder Sickerpackung ist bis heute gleich geblieben. Durch die Herstellung von offenen oder verfüllten Gräben schafft man trockene Bodenbereiche, in denen sich das überschüssige Wasser sammeln kann. Die
Drainage nutzt die physikalische Eigenschaft von Flüssigkeiten, von feuchten zu trockenen Bereichen zu fließen. Da dies nur in Verbindung mit der Schwerkraft funktioniert muss ein entsprechendes Gefälle zu den Drainage-Gräben geschaffen werden. Dort führt das Drainage-Rohr das Wasser schnellst möglich in einen Vorfluter ab. Das Zusammenwirken von Kohäsions- und Adhäsionskraft bewirkt nach einiger Zeit einen stetigen Wasserstrom im drainierten Boden.

Ursachen erkennen und analysieren

Drei Hauptursachen haben eine Bodenvernässung und damit Schäden an Garten, Pflanzen und Bauwerken zur Folge. Für eine erfolgreiche Verhinderung und Beseitigung von Wasserschäden ist es fundamental wichtig, diese Ursachen benennen zu können. Ist der anstehende Boden sehr bindig mit einem hohen Anteil an schluffigen und tonigen Bestandteilen (Bodenbestandteile kleiner als 1 mm) nimmt er nur langsam Wasser auf und hält dieses lange. Wenn das Gefälle zu schwach ausgeprägt oder die Fläche eben ist, staut sich das Wasser.

In Regionen mit hohem Grundwasserspiegel kann es vorkommen, dass das Fundament und die Bodenplatte des Hauses ständig vom Grundwasser umspült sind. Aufsteigende Feuchtigkeit bis in die Wände ist die Folge. Eine weitere Form der Staunässe wird verursacht durch Bauwerke, die den natürlichen Abfluss des Wassers verhindern (Mauern, Straßen).

Tipp
  • feststellen, woher das überschüssige Wasser kommt
  • Oberfläche gleichmäßig modellieren

Die richtigen Maßnahmen ergreifen

DrainagerohrDurch Bauwerke verursachte Staunässe ist einfach zu beseitigen. Der Einbau einer Sickerpackung direkt vor dem Bauwerk in etwa 30-40 Zentimetern Tiefe genügt. Das Gefälle der Drainageleitung sollte 0,5 bis maximal 1,0 Prozent betragen. Bleibt Wasser auf der Fläche stehen, ist zunächst dafür zu sorgen, dass diese Fläche ein deutliches Oberflächen-Gefälle erhält. In Abhängigkeit der seitlichen Möglichkeiten wählt man mindestens zwei bis vier Prozent Gefälle. (Pro Längenmeter zwei bis vier Zentimeter Höhendifferenz). Ist ein Tafelgefälle in eine Richtung nicht möglich, kann auch ein Dachgefälle ausgeführt werden. Nun werden im Abstand von zwei bis vier Metern (je nach Bodenbeschaffenheit) quer zum Oberflächen-Gefälle Drainagestränge verlegt (sog. Sauger). Hier sollte die Tiefe nicht mehr als 30-40 Zentimeter betragen. Die Sauger münden in eine Sammelleitung, den sogenannten Sammler.

Bauwerke auf Dauer vor Wasserschäden schützen

Um hohes Grundwasser dauerhaft von der Bodenplatte und den Fundamenten des Hauses abzuführen ist es notwendig, die Drainageleitung leicht unterhalb dieser Bodenplatte einzubauen. Die Leitung wird direkt an der Außenwand um das gesamte Gebäude verlegt.
Einbautiefen von 60 bis 80 Zentimetern sind hierbei keine Seltenheit. Da diese Arbeiten nachträglich sehr aufwendig und teuer sind, sollten sie möglichst schon während der Bauphase durchgeführt werden. Besonders effektiv ist diese Maßnahme, wenn der Graben bis zur Oberkante mit Kies oder ähnlichem gefüllt wird. So kann das Oberflächenwasser direkt auf dem kürzesten Weg in die Drainageleitung gelangen und abgeführt werden. Die Hauswand kann atmen. Eine schicke Optik erreicht man dabei durch Verwendung von grobem Kies oder Schotter als oberste Schicht.

Der fachgerechte Einbau?

Schon bei der Erstellung des Sickergrabens muss die Grabensohle das Längsgefälle von 0,5 bis 1,0 Prozent erhalten. Das Drainrohr wird nun direkt auf der Grabensohle verlegt und der Graben mit wasserdurchlässigem Material verfüllt. (Details zum Material weiter unten). Die Rohre werden an die vorhandene Regenwasserleitung (Fallrohr oder ähnliches) angeschlossen damit das Wasser abfließen kann. Ideal wäre die Einleitung des Wassers in Vorfluter, wie Bäche, Gräben oder andere Oberflächengewässer. Verlaufen die Drainagegräben durch Rasenflächen sollte eine Abdeckung mit sandigem Oberboden erfolgen. 15 Zentimeter Schichtstärke reichen, um den Rasen anschließend wieder gut wachsen zu lassen. Sehr wichtig ist der Einbau eines Filtervlieses zwischen Oberboden und wasserdurchlässigem Material. Dadurch werden nachträgliche Versackungen der Rasenfläche und ein Verschlämmen der Drainage verhindert.

Tipp
  • Sickergräben immer quer zum Oberflächengefälle verlegen
  • Drainagen direkt vor baulichen Hindernissen verlegen
  • Drainagen müssen immer einen funktionierenden Abfluss besitzen
  • Oberboden und Drain-Material durch Filtervlies trennen

Sonderfälle bei schwierigen Höhenanschlüssen?

Die meisten Grundstücke liegen in Siedlungen mit direkt angrenzenden Nachbarn. Hier sind die Anschlusshöhen durch das umgebende Gelände fixiert. Vielfach ist es daher nicht möglich, das Gelände so zu modellieren, dass die Führung des Oberflächenwassers mit natürlichem Gefälle stattfinden kann. In diesen Fällen muss der Bauunternehmer an geeigneter Stelle (Stromanschluss, kurze Leitungswege) einen Sickerschacht einbauen. Dieser sammelt das durch die Drainrohre aufgenommene Wasser. Eine Pumpe mit automatischer "Schwimmer-Schaltung" fördert es in die höher gelegenen Regen-Abwasserleitungen.

Geeignete Materialien

grobe Seine als DrainageDie Art des Materials zum Verfüllen der Sickerpackung hängt stark von der regionalen Verfügbarkeit ab. Hierbei ist es nicht wichtig, ob Sie Kies, Schotter oder Granulate verwenden. Entscheidend ist die starke Drainfähigkeit, also Wasserdurchlässigkeit des eingebauten Materials. Daher dürfen keine Bestandteile, kleiner als ein Millimeter darin vorkommen. Es ist auch möglich, Materialien mit unterschiedlichen Körnungen zu verwenden. Dabei muss die sogenannte Filterregel Anwendung finden. Sie besagt, dass die Korngrößen nach oben immer zunehmen müssen. Dadurch wird verhindert, dass kleine Kornanteile durch die Schwerkraft in die Hohlräume der darunter liegenden groben Körnungen rieseln.

Tipp
  • nie den Graben mit demselben Aushub wieder verfüllen
  • nur grobkörniges Material ohne 0-Anteile verwenden
Materialliste:
  • Filterkies 2-8 mm oder 16-32 mm
  • Schotter 16-32 mm
  • Glasgranulat aus Hochöfen 2-8 mm oder 8-16 mm
  • Filtervlies zum Schutz vor Verschlämmung
  • Geschlitzte Drainrohre mit oder ohne Kokosummantelung
  • Geschlitzte Drainrohre mit flachem,
    geschlossenem Bodenteil (schnellerer Wasserabfluss)
  • Sammelschächte aus Kunststoff mit bis zu drei Einlässen

Instandhaltung

Eine handwerklich und fachlich professionelle Ausführung ist der Grundstein für eine langfristig funktionierende Sickerleitung. Ganz ohne Wartung und Pflege kommt eine Drainage jedoch nicht aus. Schon beim Einbau sollte an jedem Drainagestrang eine Spülöffnung vorgesehen werden (Revisionsrohr). Spätestens alle zwei Jahre muss die Leitung mit einer geeigneten Düse durchgespült und von Ablagerungen befreit werden. Das Gleiche gilt für den Sickerschacht. Eine regelmäßige Funktionsüberprüfung der Pumpe schützt vor bösen Überraschungen.

Tipp
  • schon beim Einbau Spülöffnungen vorsehen
  • regelmäßige Wartung durchführen

Preise für Material und Ausführung

Die Materialpreise hängen stark von der Region und der benötigten Menge ab und können nur ein grober Anhaltspunkt sein. Bei Abnahme von ganzen Rollen (50 m) gibt es einen Mengenrabatt. Bei schweren Materialien, wie Kies, sind die regionale Verfügbarkeit und der Transportweg entscheidend für den Preis. Hochwertiges Filtervlies wird als Rollenware in verschiedenen Längen und Breiten angeboten. Auch hier ist die Abnahme ganzer Verpackungseinheiten preiswerten als ein Anschnitt. Bei Ausführung der Arbeiten durch eine Fachfirma inklusive Materiallieferungen und Entsorgung des Aushubs müssen Sie von einem Meterpreis von rund 35-50 Euro in fertiger Arbeit ausgehen.
  • PVC-Vollsickerrohr, je nach Durchmesser ab 1,75 EUR/m
  • Gleiches Rohr mit Kokosfasern als Filterschicht ab 2,80 EUR/m
  • Drainkies 2/8 mm oder 16/32 mm ab 60,00 EUR/to. (1 m³ entspricht etwa 1,70 to.)
  • Filtervlies, je nach Qualität und Stärke ab 0,85 EUR/m2
  • Revisionsschacht, je nach Durchmesser ab 70,00 EUR/Stck