Die chinesische Stachelbeere, wie die Kiwi auch genannt wird, kann man unter bestimmten Voraussetzungen auch im heimischen Garten anbauen. Größtenteils werden zweihäusige Sorten, also nur männliche oder nur weibliche angeboten, wobei eine männliche mehrere weibliche befruchten kann. Selbst fruchtende Kiwisorten gibt es deutlich weniger. Bei ihnen handelt es sich um männliche, sogenannte Jungfernfrüchte, die auch ohne eine Bestäubung Früchte entwickeln.

Besonderheiten selbstfruchtender Kiwis

Die Befruchtung ist in der Regel die Basis bzw. Voraussetzung für viele leckere und gesunde Früchte. Die selbst fruchtende Kiwi kann theoretisch ganz ohne eine zusätzliche Bestäubersorte auskommen. Die Selbstfruchtbarkeit dieser Sorten beruht eigentlich nicht auf einer effizienten
Selbstbefruchtung, sondern der Fähigkeit dieser Pflanzen auch ohne einen Befruchter regelmäßig Früchte auszubilden, was bei den verschiedenen Sorten auch mehr oder weniger zuverlässig der Fall ist. Das tut ihrem Geschmack aber keinen Abbruch.

Tipp: Trotz selbst fruchtender Eigenschaften empfehlen Experten, die Bestäubung durch eine zusätzliche männliche Kiwisorte abzusichern, um so die Fruchtgröße und den Fruchtertrag deutlich zu steigern.

Selbstfruchtende Sorten

Trauben- oder Säulenkiwi 'Issai'
Die Traubenkiwi 'Issai' ist eine der best tragenden, selbst fruchtbaren Sorten, mit einer guten Blattgesundheit. Unter den vielen Kiwisorten fällt diese etwas aus der Reihe, denn ihre traubenartigen Früchte können mit Schale gegessen werden. Die ist im Gegensatz zur klassischen Kiwi glatt. Die Früchte haben ein sehr angenehmes, feigenähnliches Aroma und schmecken leicht nach Wildbeeren. Die Traubenkiwi 'Issai' hat einen kletternden Wuchs und benötigt demzufolge eine geeignete Kletterhilfe. Sie wächst 300-400 cm in die Höhe und zwischen 400 und 800 cm in die Breite. Erntezeit ist von September bis Oktober. Sie blüht, trägt aber nicht jedes Jahr zuverlässig.

Tipp: Sind die Früchte überreif, haben sie in der Regel eine mehlige Konsistenz.
Kiwi - Actinidia deliciosa
Actinidia deliciosa 'Jenny'/'Yennie'
Diese selbst fruchtende Sorte besticht mit einem raschen Wuchs, Wuchshöhen von bis zu 500 cm und walzenförmigen Früchten mit der typisch haarigen Schale. Im Mai/Juni erscheinen die zarten cremefarbenen Blüten, aus denen sich die aromatischen, süß-säuerlich schmeckenden Früchte entwickeln. Die können von Mitte Oktober bis in den November hinein geerntet werden. Die Früchte können roh verzehrt aber auch zur Herstellung von Marmeladen verwendet werden. Auch bei dieser Sorte kann die zusätzliche Pflanzung einer weiteren selbst fruchtenden oder einer männlichen Sorte den Ertrag deutlich steigern.

Actinidia deliciosa 'Solo'
Diese robuste und reich tragende Kiwi bringt an sonnigen Standorten viele Jahre hintereinander sehr gute Erträge. Sie erreicht Wuchshöhen von 300-400 cm und wächst zwischen
400 und 800 cm in die Breite. Ihr schlingender, aufrechter und buschiger Wuchs sowie die gefüllten, cremeweißen Blüten sorgen zudem für eine schöne Optik. Die bis zu 4 cm langen Früchte erreichen gegen Ende Oktober ihre Genussreife und ihren charakteristischen süß-säuerlichen Geschmack.

Großfruchtige Kiwi 'Solissimo'
Auch wenn selbst fruchtende Sorten in der Regel eher reich tragend sind, kann es passieren, dass sie trotz gutem Blütenansatz keine Früchte ausbilden. Die großfruchtige Kiwi 'Solissimo' ist genauso eine Sorte. Das liegt daran, dass selbstfruchtende Kiwisorten ausschließlich dazu tendieren, Früchte ohne Befruchtung auszubilden und eigentlich gar nicht selbst fruchtend sind. Das hat zur Folge, dass sie nicht Jahr für Jahr zuverlässig wieder tragen.

Tipp: Speziell bei dieser großfruchigen Kiwi ist es vermutlich besser, sich für eine andere Sorte zu entscheiden und falls nicht, eine männliche Befruchterpflanze dazu zu pflanzen.

Actinidia arguta 'Julia'
Dank ihrer glatten Schale kann die Kiwi Actinidia arguta 'Julia(R)' direkt vom Strauch verzehrt werden. Unter optimalen Bedingungen fruchtet sie teilweise schon im ersten oder zweiten Jahr. Im Gegensatz zu vielen anderen Kiwisorten wächst sie maximal 300 cm in die Höhe, sodass sie sich auch für eine Kübelpflanzung eignet. Die beachtliche Größe ihrer Früchte von 4-5 cm macht sie unter den klein fruchtigen Kiwisorten zu einer ganz Großen. Ihre Genuss- und Pflückreife und somit ihr volles Aroma erreicht sie im September.

Scharfzahniger Strahlengriffel 'Kokuwa'
Die scharfzahnige Strahlengriffel 'Kokuwa' ist eine japanische, zwittrige Minikiwi. Ihre glattschaligen Früchte sind etwa 2 cm lang und können wieder mitsamt der Schale genossen werden. Die Pflanzen klettern bis zu 600 cm in die Höhe mit einem jährlichen Zuwachs von 100-200 cm. Erntereif sind sie im September/Oktober, wobei erstmalig nach frühestens 2-3 Jahren mit Blüten und einem Fruchtansatz gerechnet werden kann.

Actinidia arguta 'Vitikiwi'
Auch Actinidia argute 'Vitikiwi' setzt ganz ohne Befruchter regelmäßig und zuverlässig samenlose Früchte an, was bei dieser Sorte wesentlich zuverlässiger funktioniert als bei der Traubenkiwi 'Issai'. Bereits im ersten und zweiten Jahr nach der Pflanzung setzt diese samenlose Beerenkiwi Früchte an. Die sind ebenfalls glattschalig und demzufolge komplett essbar. Im Oktober sind sie reif und können geerntet werden. Actinidia argute 'Vitikiwi' erreicht Wuchshöhen zwischen 600 und 800 cm. Auch hier kann die Nähe einer männlichen Pflanze den Ertrag erhöhen und sich zudem positiv auf die Größe der Früchte auswirken.

Wenn die Blüte ausbleibt

  • Bis zur ersten Blüte kann es, je nach Zuchtform mehrere Jahre dauern
  • Meist fünf oder sechs, teilweise sogar zehn Jahre
  • Erst dann Blüten und nennenswerte Erträge
  • Blüht die Kiwi nach dieser Zeit nicht, sind mehrere Ursachen möglich
  • Beispielsweise ein zu starker Rückschnitt und/oder eine zu stickstoffbetonte Düngung
  • Oder der Boden ist zu kalkhaltig oder gar nicht gedüngt
  • Folge kann ein Mangel an Spurenelementen sein, die Blüte bleibt aus
  • Mögliche Blütenansätze gegebenenfalls Spätfrösten zum Opfer gefallen
Kiwi - Actinidia deliciosaKiwis benötigen generell einen sauren, gleichmäßig feuchten Boden, der zu keiner Zeit komplett austrocknen sollte. Bei der Wahl des richtigen Düngers ist darauf zu achten, keine chloridhaltigen Dünger zu verwenden und zu kalkhaltige Böden zu meiden.

Trotz Blüte keine Früchte

Blüht die Kiwi endlich, heißt das noch lange nicht, dass sie auch Früchte ansetzt. Bleibt die Fruchtbildung trotz üppiger Blüte aus, hat man möglicherweise eine Pflanze erworben, die über eine sogenannte In-vitro-Vermehrung gezüchtet wurde, was bei den meisten im Handel angebotenen Pflanzen der Fall ist.
  • In-vitro-Vermehrung auch als Meristemvermehrung bezeichnet
  • Betreffende Pflanzen im Reagenzglas oder der Petrischale gezüchtet
  • Pflanzen unter der Zugabe von Hormonen herangezogen
  • Auf diese Weise gezüchtete Pflanzen müssen ein gewisses Alter erreichen
  • Erst dann können sie Blüten und Früchte ansetzen
  • Bis es so weit ist, können sechs, sieben oder sogar zehn Jahre vergehen
Tipp: Anders sieht es bei Pflanzen aus, die auf herkömmliche Art und Weise über Stecklinge vermehrt wurden, sie blühen meist schon nach 2-3
Jahren.