Mit Heimchen möchte niemand seine Wohnung teilen. Das nächtliche Zirpen der männlichen Hausgrillen raubt uns den wohlverdienten Schlaf und die Weibchen legen bis zu 2600 Eier ab, sodass eine lästige Plage daraus entstehen kann. Als wäre das nicht schon Unheil genug, vertilgen die Allesfresser unsere Lebensmittel. Um die Heimchen loszuwerden, können Sie sich dennoch den Griff zum chemischen Insektizid ersparen. Dieser Ratgeber ist bestückt mit 5 Hausmitteln gegen Grillen. So bekämpfen Sie die Lästlinge im Einklang mit der Natur.

Wie sehen Heimchen aus?

Heimchen gehören zur Familie der Echten Grillen und sind verwandt mit Heuschrecken. Der botanische Name Acheta domesticus nimmt Bezug auf zwei herausragende Attribute dieser Insektenart. Acheta heißt übersetzt 'Sänger' und domesticus steht für 'häuslich'. Der nächtliche Gesang stammt von den männlichen Grillen
und kann eine nervenzerfetzende Frequenz von bis zu 3.800 Hertz erreichen. Häuslich sind Heimchen zwangsläufig, da sie in freier Natur den Winter nicht überleben können. Die Insekten sind in Mitteleuropa weit verbreitet, weil sie als Kulturfolger des Menschen ausreichend Lebensraum vorfinden. Bevorzugt halten sich Hausgrillen an warmen Orten auf mit ausreichend Nahrung und Wasser in der Nähe, wie Heizungsräumen, Vorratskammern, Gewächshäusern, Abfalltonnen; aber auch in sommerlichen Komposthaufen. An diesen Eigenschaften identifizieren Sie Heimchen auf einen Blick:
  • Körperfarbe: strohgelb bis gelblich-braun
  • Länge: 16 bis 20 mm (Weibchen zuzüglich 11 bis 15 mm für den stabförmigen Legebohrer am Hinterteil)
  • Flügel: Vorderflügel erkennbar kürzer, als die Hinterflügel
  • Besonderes Merkmal: deutlich verdickte Hinterbeine und zwei lange Antennen am Kopf
Hausgrillen sind zwar flugfähig, nutzen ihre Flügel allerdings selten für diesen Zweck. Um sich rasch fortzubewegen, kommen die kräftigen Hinterbeine zum Einsatz für kurze, hohe Sprünge.

Brutplätze beseitigen mit Staubsauger und heißem Wasser

Heimchen werden durchschnittlich 10 Wochen alt. In dieser Zeit legen die Weibchen zwischen 1.100 und 2.600 Eier ab, nachdem sie von den singenden Männchen begattet wurden. Bevorzugte Brutplätze sind feuchte Erde, organische Küchenabfälle oder Sägespäne. Haben sich Hausgrillen durch ihren zirpenden Gesang verraten, machen Sie sich primär auf die Suche nach möglichen Brutplätzen, weil sich von hier aus eine Grillenplage im Haus ausbreiten kann. Untersuchen Sie die Wohnung sorgfältig nach Eiern und Larven. Heimchen-Eier sind 0,3 x 2,3 mm lang, weißlich und gekrümmt. Die Larven sind ab 2,5 mm lang und grau-schwarz. So werden Sie die Brut los:
  • Eier und Larven mit dem Staubsauger aufsaugen
  • Den Filter in einer Plastiktüte verschließen und im Hausmüll entsorgen
  • Alle Brutplätze mit heißem Wasser gründlich reinigen
Verwenden Sie möglichst heißes Wasser für die Bekämpfung der Brut, da vor allem die Eier unempfindlich sind gegen zimmerwarme Feuchtigkeit.  

Grillenköder aufstellen

HeimchenNachdem Sie mit Staubsauger und heißem Wasser eine Grillen-Plage in der Wohnung verhindert haben, rücken die adulten Heimchen in den Fokus. Da die Insekten dämmerungs- und nachtaktiv sind, kommt es nur selten zu Sichtkontakt. Zu den erprobten Hausmitteln für die Bekämpfung zählen daher Grillenköder, die ohne giftige Zusätze auskommen. Vielmehr wird die Naschsucht den geflügelten Nervensägen zum Verhängnis. So gelingt es:
  • Zuckerrohr-Melasse verrühren mit heißem Wasser im Verhältnis 1 : 4
  • Abkühlen lassen und in kleine, flache Schüsseln füllen
  • An allen verdächtigen Befallsstellen im Haus aufstellen
Hausgrillen können der süßen Verlockung nicht widerstehen, hüpfen in die Melasse und ertrinken.

Klebefallen selber machen

In der ökologischen Schädlingsbekämpfung sind Klebefallen ein probates Mittel. Da hier auf giftige Inhaltsstoffe verzichtet werden kann, bedienen sich geplagte Wohnungsbesitzer dieser Methode gerne, um Heimchen loszuwerden. Sie können Klebefallen fix und fertig erwerben oder einfach selber basteln. So funktioniert es:
  • Doppelseitiges Klebeband vor den Schlupfwinkeln anbringen
  • Dünn mit Honig oder Melasse bestreichen
Ist eine Hausgrille der Klebefalle zum Opfer gefallen, tauschen Sie das Klebeband bitte zeitnah aus, damit Kadaver die Artgenossen nicht warnen.

Tipp: Kommt es in einem Mehrfamilienhaus wiederholt zu einem Befall mit Heimchen, liegt der Ursprung der Plage häufig in der Wohnung eines Terrarianers. Hausgrillen werden als Lebendfutter an verschiedene Terrarien-Tiere verfüttert und nutzen die Lüftungsschlitze des Terrariums zur Flucht.

Essig und Pfeffer als Vertreibungsmittel

Widerstrebt es Ihnen, harmlose Heimchen zum Tode zu verurteilen? Dann gestalten Sie das Umfeld in der Wohnung möglichst ungemütlich für Hausgrillen, damit sie freiwillig das Feld räumen. Die Zutaten für das Vergrämungsmittel stehen in jedem Küchenregal. So gelingt der Plan:
  • Alle potenziellen Nahrungsquellen in der Wohnung mit einer
    Barriere ausstatten
  • Rundherum Essig aufpinseln und mit scharfem Pfeffer bestreuen
  • Diese Wanderschranke alle 2 bis 3 Tage auffrischen
Die Kombination aus Essig und Pfeffer fungiert als unüberwindliche Schranke für Heimchen. Früher oder später müssen sich die Insekten nach neuen Nahrungsquellen umschauen und suchen das Weite.

Teichrosensaft und Milch - natürliches Insektizid selbst gemacht

HeimchenDie Berghöfe, Almen und Bauernhöfe in den Alpen werden seit jeher heimgesucht von Hausgrillen, die den Weg von den Almenwiesen ins Hausinnere finden. Auf der Suche nach wirksamen Hausmitteln gegen die Plagegeister werden wir fündig in einem österreichischen Wirtschaftsbuch von 1847. Hier ist ein Kapitel der Ungeziefer-Bekämpfung gewidmet und beschreibt ein wirksames Rezept gegen Grillen in der Wohnung. Haupt-Zutat ist der Saft von gelben Teichrosen (Nuphar lutea). Die darin enthaltenen Alkaloide sind giftig für Mensch und Tier. Der höchste Anteil an Toxinen befindet sich in den fleischigen Rhizomen. Um die cleveren Heimchen über den toxischen Bestandteil hinwegzutäuschen, kommt etwas Milch dazu. So stellen Sie das Hausmittel selber her:
  • Handschuhe anlegen
  • Rhizom der Teichrose zerreiben und auspressen
  • Alternativ die Blätter zerkleinern und auspressen
  • Den Pflanzensaft auffangen und mit frischer Milch (keine H-Milch) mischen im Verhältnis 2 : 1
Für bessere Haftung und verstärkten Lockeffekt geben Sie noch einen Tropfen Honig oder Melasse hinzu. Verstreichen Sie das Hausmittel mit einem Pinsel an allen bekannten und verdächtigen Befallstellen. Die angelockten Grillen nehmen das giftige Mittel auf und gehen ein.

Tipp: Im Lexikon des Hauswesens von 1828 ist eine Bekämpfungsmethode für Hartgesottene nachzulesen: Man werfe des Abends frische Blätter und Zweige des Holunders auf ein recht glühendes Kohlenfeuer; dies ergibt einen gewaltigen Dampf, der in alle Ritze zieht. Des andern Morgens liegen die meisten Heimchen tot herum; andre Hausgrillen sitzen matt auf den Wänden, sodass man sie ergreifen kann.

Tipps für die Vorbeugung

Tummeln sich Heimchen erst einmal in der Wohnung, sind die nachtaktiven Insekten schwer ausfindig zu machen und noch schwieriger loszuwerden. Damit Sie sich erst gar nicht mit den Radaubrüdern herumschlagen müssen, empfehlen wir folgende Maßnahmen für eine wirksame Vorbeugung:
  • Fenster und Türen auf Löcher untersuchen, um diese mit Silikon abzudichten
  • Risse in Wänden mit Spachtelmasse verschließen
  • Abfallbehälter in der Küche und vor dem Haus mit Deckeln verschließen
  • Abends und bei Nacht zuerst die Vorhänge zuziehen, wenn Fenster geöffnet werden
  • Den abendlichen Sitzplatz auf dem Balkon beleuchten mit gedämpften Speziallampen gegen Insekten
Im sommerlichen Garten nisten Grillen vorzugsweise an feucht-warmen Orten. Wenn im Herbst die Temperaturen fallen, finden die Insekten von hier aus den Weg ins Haus, um sicher und warm zu überwintern. Diesem Treiben schieben Sie einen Riegel vor, indem Sie regelmäßig den Rasen mähen, Sträucher und Büsche auslichten und zurückschneiden. Der Standort von Holzstapeln oder dem Komposthaufen sollte sich in möglichst großer Entfernung zum Haus befinden. Reinigen Sie Regenrinnen regelmäßig von Blättern, weil Heimchen an diesen Stellen mit Vorliebe ihre Eier ablegen.