Den Weinreben machen zahlreiche Krankheiten und Infektionen zu schaffen. Wenngleich einige von ihnen der Pflanze großen Schaden zufügen können, stellen andere Krankheiten wiederum keine große Gefahr dar. Oft lassen sich die Erkrankungen an den Blättern erkennen und meist eindeutig zuordnen, sodass eine rechtzeitige und gezielte Bekämpfung durchaus möglich ist.

Rebenpockenmilbe (Eriophyes vitis)

Bei der Rebenpockenmilbe handelt es sich um eine kleine Gallmilbe, welche etwa 0,15 Millimeter groß sind. Die Schädlinge befallen die Rebstöcke meist im Sommer, wobei die Weibchen in weiterer Folge ihre Eier in den Knospen ablegen. Sofern sich die Tierchen besonders wohl fühlen, kann es dazu kommen, dass sie mehrere Generationen Nachwuchs pro Saison erzeugen. Obendrauf können die Schädlinge in hiesigen Regionen durchaus in den Knospen überwintern, sofern der Winter nicht mit äußerst frostigen Temperaturen einhergeht.
  • leben geschützt im Haarpilz auf der Blattunterseite
  • Befall ist eher ein "Schönheitsfehler"
  • hohe Luftfeuchtigkeit begünstigt die Ausbreitung der Milben
Schadbild
Wenn die Schädlinge die kalte Jahreszeit heil überstanden haben, besiedeln sie im Frühjahr direkt die Blätter. In weiterer Folge saugen die Milben an den Blättern und hinterlassen dort ihren Speichel. Durch diese Saugtätigkeit entstehen wiederum die typischen Merkmale dieses Schädlings:
  • pockenartige Aufwölbungen auf der
    Blattoberseite
  • das Blatt wirkt wie gewellt
  • Erhebungen sind anfangs gelblich
  • verfärben sich später grün und braun
  • auf der Blattunterseite bildet sich dichter Haarfilz
  • der Haarfilz ist weißlich oder rotbraun
  • dieser kann sich bei starkem Befall auf die Blüten ausbreiten
  • Blüten färben sich rötlich und sind ebenfalls von Haarpilz bedeckt
  • die Entwicklung der Blüten kann dadurch gehemmt werden
Wein - RebenpockenmilbenVorbeugung und Bekämpfung
Ein Befall der Rebenpockenmilbe muss grundsätzlich nicht zwingend bekämpft werden, da der Schaden meist nicht sonderlich groß ist. Lediglich bei einem besonders starken Befall ist es ratsam, die Pflanzen im Folgejahr mit rapsölhaltigen Mitteln zu behandeln. Zur Vorbeugung als auch zur Eindämmung der Schädlinge kann jedoch Folgendes getan werden:
  • Raubmilbe und Räuberische Gallmückenlarve sind natürlicher Feinde
  • befallene Blätter wegschneiden
  • im Idealfall direkt nach dem Auftreten der Symptome
  • dadurch kann eine Ausbreitung verhindert werden
  • entfernte Pflanzteile verbrennen

Echter Mehltau (Oidium tuckeri)

Der Echte Mehltau ist ein obligater Ektoparasit, welcher auf grünes, lebendes Pflanzgewebe angewiesen ist. Typisch für diesen Pilz ist, dass er nur oberflächlich auf den Blättern sitzt und sich dort ausbreitet. Allerdings dringt der Pilz auch in das Blattgewebe ein, um sich mithilfe von speziellen Saugfortsätzen vom Zellsaft zu ernähren.
  • Pilzsporen gelangen durch Wind an die Pflanze
  • aber auch eine Übertragung durch Insekten ist möglich
  • erste Befall bereits im Frühjahr ab Ende Mai
  • verbreitet sich auch bei Trockenheit
  • wird auch "Schönwetterpilz" genannt
Schadbild
Der Echte Mehltau lässt sich in erster Linie an einem mehligen Belag an den Blättern und Früchten erkennen. Allerdings sei hierbei erwähnt, dass die Früchte in der Regel nur befallen werden, solange sie noch grün sind. Erkrankte Trauben lassen sich ebenfalls an einem gräulich bis weißlichen Belag erkennen. Der Pilz zerstört zudem die Beerenhaut, wobei das Innere der Beeren jedoch weiterwächst. Dadurch platzen die Beeren irgendwann auf, und beginnen zu faulen. Der Echte Mehltau lässt sich zudem an folgenden Merkmalen erkennen:
  • junge Triebe bleiben im Wachstum zurück
  • Blattoberfläche ist mit mehligen Belag überzogen
  • das Laub wirkt schmutzig grau
  • Belag lässt sich abwischen
  • Blätter wölben sich und werden brüchig
Vorbeugung und Bekämpfung
Der Echte Mehltau lässt sich mit einfachen Pflegeschritten relativ effektiv vorbeugen. In jedem Fall sollte auf einen ausreichenden Pflanzabstand geachtet werden, sodass sich der Pilz nicht ohne weiteres ausbreiten kann. Gründliche Laubarbeit sowie die Erziehung zu einem lockeren Aufbau erweisen sich ebenfalls als Schutz vor der Pilzkrankheit. Zudem ist es ratsam, widerstandsfähige Sorten anzubauen und anfällige Rebsorten, wie beispielsweise Kerner, und Portugieser, zu meiden. Sind die Pflanzen trotz aller Vorkehrungen von dem Echten Mehltau befallen, können folgende Mittel zur Bekämpfung eingesetzt werden:
  • Kieselsäure
  • kupferhaltige Präparate
  • Netzschwefelpräparate
  • Frischmilch oder Molke
Tipp: Mehltau lässt sich auch mit natürlichen Helferlein effektiv bekämpfen, denn Tierchen wie Marienkäfer und Schlupfwespe fressen mit Vorliebe die Pilzsporen.

Wein Mehltau

Falscher Mehltau (Plasmopara viticola)

Der Falsche Mehltau ist zwar ebenfalls auf grünes, lebendes Pflanzgewebe angewiesen, allerdings handelt es sich hierbei um einen Endoparasiten. Denn im Gegensatz zum Echten Mehltau dringen die Sporen des Falschen Mehltaus tief in das Pflanzgewebe ein und breitet sich dort folglich aus. Diese Pilzkrankheit kann im voranschreitendem Verlauf zu hohen Ertrags- und Qualitätsverlusten führen.
  • tritt meist im Frühjahr und Herbst auf
  • feuchte Witterung begünstigt den Pilz
  • wird auch als "Schlechtwetterpilz"
    bezeichnet
  • Übertragung meist durch Wind oder Spritzwasser
Schadbild
Der Falsche Mehltau ist besonders tückisch, denn er kann in den Knospen überwintern und im Folgejahr erneut ausbrechen. Ein Befall macht sich sowohl an den Blättern als auch an den Früchten bemerkbar. Junge Beeren sind von einem Pilzrasen überzogen und sterben in weiterer Folge ab. Ältere Früchte verfärben sich zunächst zunehmend blau, schrumpfen zusammen ("Lederberen") und fallen schließlich ab. An den Blättern lässt sich der Falsche Mehltau an folgenden Merkmalen erkennen:
  • "ölige" Flecken auf der Blattoberseite
  • diese sind gelb und durchscheinend
  • verfärben sich später braun
  • weißer Pilzrasen auf der Blattunterseite
  • der Belag lässt sich nicht wegwischen
Vorbeugung und Bekämpfung
Um eine Infektion mit dem Falschen Mehltau vorzubeugen, ist ebenfalls ein ausreichender Pflanzabstand einzuhalten. Zudem hat sich eine Mischkultur mit Ringelblumen und/oder Tagetes als vorbeugende Maßnahme bewährt. Da der Pilz durch feuchte Witterung zusätzlich begünstigt wird, ist es ratsam, die Pflanzen vor Regen zu schützen und regelmäßig zurückzuschneiden. Ein ebenso wichtiger Aspekt ist das Jäten von Unkraut, da dieses die Krankheitserreger ebenfalls übertragen kann. Ist der Pilz dennoch ausgebrochen, kann er wie der echte Mehltau bekämpft werden.
  • Kieselsäure
  • kupferhaltige Präparate
  • Netzschwefelpräparate
  • Frischmilch oder Molke

Grauschimmel (Botrytis cinerea)

Wein - GrauschimmelDer Grauschimmel ist ein Endoparasit, welcher im Inneren der Pflanze lebt und als besonders gefährlicher Fäulniserreger gilt. Der Grauschimmel kann sowohl grüne als auch verholzte Pflanzteile beschädigen und betrifft meist rote Weinsorten. Zudem gibt es unterschiedliche Botrytisformen, welche zum Teil sogar erwünscht sind. Hierzu zählt beispielsweise die "Edelfäule", bei welcher sich der Pilz auf die bereits reifen Trauben ausbreitet. Dadurch wird die Verdunstung des Wassers gefördert und gleichzeitig der Zuckergehalt erhöht. Daraus ergibt sich zwar eine Qualitätssteigerung, allerdings ist mit großen Ertragsverlusten zu rechnen.
  • feuchtwarme Witterung begünstigt den Pilz
  • ideale Keimtemperatur liegt zwischen 22-25 Grad
  • wird meist durch Wind übertragen
  • aber auch durch Regen oder Spritzwasser
Schadbild
In den meisten Fällen werden geschwächte und/oder verletzte Pflanzen befallen, wobei hierbei alle Pflanzteile betroffen sein können. Bei einem Befall weitet sich der Grauschimmel immer weiter aus und zerstört das Pflanzgewebe, sodass die Pflanze in weiterer Folge fault. Ob die Pflanzen an Grauschimmel erkrankt sind, lässt sich an folgenden Merkmalen erkennen:
  • braune Flecken auf den Stielen und Blättern
  • grauer, samtiger Belag auf den Blättern
  • befallene Knospen färben sich braun
  • Stiele, Früchte und Blüten können ebenfalls betroffen sein
  • befallene Pflanzteile verwelken und verfaulen
Hinweis: Machen sich braune, glasige Stellen am Traubenstiel bemerkbar, handelt es sich womöglich um die sogenannte "Stielfäule". Der Grauschimmel zersetzt hierbei den Stiel, wodurch dieser seine Festigkeit verliert und die Früchte nicht mehr tragen kann. Die Früchte fallen schließlich ab ("Bodentrauben") und die Ernte wird gemindert.

Vorbeugung und Bekämpfung

Eine der wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung ist ein ausreichender Pflanzabstand. Die fachgerechte Pflege der Weinreben gilt ebenfalls als eine der wichtigsten Vorsichtsmaßnahmen. Demnach ist es ratsam, die Pflanzen stets von unten zu gießen und oberirdische Pflanzteile nicht zu befeuchten. Damit die Pflanzen nicht zu dicht wachsen, ist zudem ein regelmäßiger Rebschnitt empfehlenswert. Tritt der Grauschimmel trotz aller Vorkehrungen auf, wird am besten wie folgt vorgegangen:
  • Stickstoffbetonten Dünger verabreichen
  • Pflanze mit Urgesteinsmehl bestäuben
  • Polyversum spritzen
  • befallene Pflanzteile entsorgen
Tipp: Vorsicht beim Pflücken der Trauben, denn hierbei kann die Fruchthaut beschädigt werden! Durch die offene Wunde ist es dem Pilz leicht möglich, in die Frucht einzudringen.

Roter Brenner (Pseudopezicula Tracheiphila)

Wein - Vitis - roter BrennerDer Rote Brenner wird durch einen Endoparasiten übertragen, welcher im Gewebe der Pflanze lebt. In der Regel überwintert der Pilz auf am Boden befindlichen verdorrten Blättern und gelangt dadurch an die Pflanze. Der Rote Brenner gilt als besonders schädlich, da er bis zu 70 Prozent der Erträge vernichten kann.
  • tritt meist ab April bis Juni auf
  • allerdings ist ein Befall auch im Juli/August möglich
  • wird durch Regen und/oder Wind übertragen
  • kann an jeder Stelle in das Blattgewebe gelangen
Schadbild
Bei einem Befall dringt der Pilz zunächst in das Blattgewebe ein und breitet sich vor allem an den Blattadern aus. Dort verstopft er die Leitgefäße und beeinträchtigt dadurch die Wasser- und Nährstoffversorgung maßgeblich. Wird der Pilz nicht rechtzeitig bekämpft, kann der Befall zum vollständigen Verlust des Laubes führen. Allerdings lässt sich der Rote Brenner bereits vor der Blüte an Aufhellungen an den Blättern erkennen. Zudem treten oftmals folgende Symptome auf:
  • Flecken an den Blättern
  • rote Weinsorten: Rote Flecken mit gelben Rand
  • weiße Weinsorten: Gelbliche bis bräunliche Flecken
  • diese Stellen sind hellgrün umrandet
  • Blätter
    vertrocknen und fallen ab
Vorbeugung und Bekämpfung
Der Roter Brenner lässt sich nur bedingt vorbeugen, allerdings ist es stets ratsam, die Pflanzen ausreichend zu stärken. Mit dem Verabreichen von Pflanzenstärkungsmitteln sowie Düngemitteln wird die Widerstandskraft der Reben gestärkt und somit generell das Risiko von Pilzerkrankungen reduziert. Die Bodenqualität spielt ebenso eine essenzielle Rolle und kann unter anderem durch eine hohe Regenwurmaktivität verbessert werden. Zeigen sich dennoch Symptome des Roten Brenners an den Pflanzen, wird am besten wie folgt vorgegangen:
  • befallenes Laub vernichten
  • das Laub nicht kompostieren!
  • sondern im Hausmüll entsorgen
  • bei Bedarf Pflanzenschutzmittel spritzen

Schwarzfleckenkrankheit (Phomopsis viticola)

Wein - Vitis - SchwarzfleckenkrankheitDie Schwarzfleckenkrankheit ist eine Pilzinfektion und wird auch als Triebnekrose bezeichnet. Der Pilz befällt grüne Pflanzteile und macht sich vor allem an den Trieben und Blättern bemerkbar. Da er auf der Rinde sowie im ein- und mehrjährigen Holz überwintern kann, stellt er eine umso größere Gefahr dar. Denn ein starker Befall führt nicht selten zu massiven Ernteeinbußen. Die Schwarzfleckenkrankheit tritt meist ab Juni auf und wird unter anderem durch folgende Aspekte begünstigt:
  • niedriger pH-Wert des Bodens
  • erhöhte Versorgung mit Stickstoff
  • zu feucht
  • tritt bevorzugt in Gebieten mit häufigen Niederschlägen auf
  • Pflanzen trocknen nicht ausreichend ab
Schadbild
Wenn der Pilz Gescheine befällt, sterben diese in weiterer Folge ab. Infizierte Trauben färben sich hingegen zunehmend dunkelblau bis schwarz, schrumpfen ein und vertrocknen. Die Schwarzfleckenkrankheit äußert sich zudem durch folgende Merkmale:
  • unregelmäßige, schwarze Flecken auf den Blättern
  • Blätter an Triebbasis meist stärker befallen
  • manchmal deformiert sich das Laub
  • Blätter vergilben und sterben ab
  • schwarze Flecken an Blatt- und Traubenstielen
Vorbeugung und Bekämpfung
Um die Schwarzfleckenkrankheit zu bekämpfen, sollten die befallenen Pflanzteile zunächst entfernt werden. Zudem ist es ratsam, einen radikalen Rebschnitt durchzuführen. Das Ziel hierbei ist, den Stamm unterhalb der befallenen "Zone" neu aufzubauen. Allerdings ist unbedingt darauf zu achten, dass die Schnitte möglichst sauber und gerade durchgeführt werden. Denn durch die entstehenden Schnittwunden kann der Pilzerreger besonders leicht in das Pflanzinnere gelangen. Alternativ hierzu kann die Schwarzfleckenkrankheit auch wie folgt behandelt werden:
  • Behandlung mit Fungiziden
  • bestenfalls kurz vor Niederschlag
  • erste Behandlung vor Knospenaufbruch