Der Alptraum im Garten heißt Obstbaumkrebs. Betroffen von der Pilzkrankheit sind primär Apfel- und Birnbäume. Andere Laubbäume stehen ebenfalls im Fadenkreuz der unheilvollen Erreger. Damit die Krankheit nicht die Oberhand gewinnt, sollten Hausgärtner vertraut sein mit charakteristischen Symptomen. Lesen Sie in diesem Ratgeber, wie Sie Obstbaumkrebs richtig erkennen. So bekämpfen Sie die Pilzkrankheit mit Erfolg.

Wissenswertes

Obstbaumkrebs ist eine weltweit verbreitete Pflanzenkrankheit. Ausgelöst wird die Infektion durch den Pustelpilz Neonectria ditissima. Im fortgeschrittenen Stadium stirbt das Holz- und Rindengewebe ab. Daraufhin überwallt der betroffene Baum die Infektionsstelle mit Wundgewebe. Erkennbar ist der Prozess an voluminösen Kalluswucherungen, die an Krebsgeschwulste erinnern.

Am häufigsten betroffen sind Obstbäume, worauf der Name Bezug nimmt. Primär befallen die pilzlichen Erreger den Kultur-Apfel (Malus domestica) sowie einige Zierapfel-Sorten. Fernerhin haben die listigen Pilzsporen
Kultur-Birnen (Pyrus communis) im Visier. Zu allem Unglück bleiben beliebte Zier-Bäume ebenfalls nicht verschont, wie Erle (Alnus), Buche (Fagus), Stechpalme (Illex), Birke (Betula), Esche (Fraxinus), Pappel (Populus) und Walnuss (Juglans). Aufgrund des breit gefächerten Spektrums an Wirtspflanzen wird die Krankheit häufig als Baumkrebs bezeichnet. Gleichwohl handelt es sich bei den Geschwülsten nicht um Krebs im medizinischen Sinn.

Symptomatische Rahmenbedingungen

Obstbaumkrebs bereitet privaten und gewerblichen Gärtnern rund um den Globus Kopfzerbrechen. Tiefgreifende Schäden sind freilich erst unter bestimmten Bedingungen zu befürchten. Die Pilzerreger sind angewiesen auf ein spezifisches Klima, um sich in zerstörerischem Umfang ausbreiten zu können. Obligatorische Rahmenbedingungen fasst folgende Liste zusammen:
  • Ein halbes Jahr lang täglich für mehr als 8 Stunden Temperaturen zwischen 11 und 16 Grad
  • Innerhalb dieses Zeitfensters an mindestens 55 Tagen signifikante Regenfälle
Regenreiche Regionen in Deutschland offerieren Baumkrebs ein ideales Umfeld, wie die Norddeutsche Tiefebene oder das Rheinland mit der Regenmetropole Mönchengladbach.

Erreger ist ein Wundparasit

ApfelbaumschnittDer pilzliche Erreger von Obstbaumkrebs betätigt sich als Wundparasit. Infolge dessen sind die Pustelpilze angewiesen auf Verletzungen an ihren Wirtsbäumen, um über diesen Weg ins Pflanzengewebe zu gelangen. Unterschiede zwischen jungem und altem Holz machen die Parasiten nicht. Häufige Eintrittspforten natürlichen Ursprungs sind Hagelschläge, Frostrisse und Sturmschäden. Zahlreiche saugende und fressende Insekten begünstigen die Krankheit ebenfalls. Nicht zuletzt hinterlässt die Schnittpflege an Obst- und anderen Laubbäumen große Wunden, die Pilzsporen Neonectria ditissima als Angriffsfläche dienen. Wenn nach Ernte oder Laubfall die Blatt- und Fruchtstiele freiliegen, sind die Krankheitserreger von Baumkrebs nicht fern.

Symptome am Holz

Das Zeitfenster für die Hauptinfektion ist in Mitteleuropa lange geöffnet vom Beginn der Obstblüte bis weit in den November. Es ist ratsam, vom zeitigen Frühjahr bis in den Spätherbst Ausschau zu halten nach Symptomen für eine Infektion mit Obstbaumkrebs. Je früher Sie die Krankheit erkennen, desto effektiver erweisen sich Gegenmaßnahmen. Unmittelbar nach ihrer Landung auf der Eintrittsstelle keimen die Pilze aus und können ihre Anwesenheit nicht mehr verleugnen. So identifizieren Sie einen Befall:
  • Winzige, hellbraune, eingesunkene Flecken auf der Rinde
  • Häufig in unmittelbarer Nähe zu einem Auge
  • Infizierte Stellen trocknen aus und verfärben sich rotbraun bis dunkelbraun
  • Rasche Vergrößerung des Infektionsherds, bis die Rinde aufplatzt
Im weiteren Verlauf breitet sich die Krankheit sukzessive aus über den gesamten Ast aus. Innerhalb der folgenden Wochen bilden sich im Bereich der abgestorbenen Rinde gut sichtbare, helle Sporenlager. Spätestens im nächsten
Frühjahr können Sie die Krebsinfektion deutlich erkennen anhand kugeliger, roter Fruchtkörper mit einem Durchmesser von 0,5 mm.

Verursacht die Infektion größere Wunden auf der Rinde und im Holz, ergreift der betroffene Baum Gegenmaßnahmen. Er aktiviert sein Kallusgewebe, um die Infektionsstellen zu verschließen. Es bilden sich die geschwulstartigen Überwallungen, denen Obstbaumkrebs seinen Namen zu verdanken hat. Unglücklicherweise steht der kranke Baum auf verlorenem Posten. Auf diesem Weg sind weder eine Heilung zu erzielen noch die weitere Ausbreitung zu verhindern.

Tipp: Ein wichtiger Hinweis auf Obstbaumkrebs sind verdorrte Zweige in bestimmten Kronenpartien. Die Wasser- und Nährstoffversorgung kommt dort zum Erliegen, wo infiziertes Gewebe abstirbt. Unerklärliches Vertrocknen einzelner Triebe ist ein Anlass, den Baum näher zu untersuchen auf häufige Symptome, wie helle bis rötliche Fruchtkörper oder aufgeplatzte Rinde.

Krankheitszeichen an Früchten

Zusätzlich zum Holz können die Früchte am Obstbaum befallen werden. Oftmals stirbt die Blüte sogleich ab oder es entwickelt sich ein kleiner Fruchtansatz. Ab Ende Juni treten die ersten Symptome auf einer infizierten Frucht auf, wenn sie etwa die Hälfte ihrer Endgröße erzielt hat. Im Bereich des Kelches können Sie jetzt absterbendes Gewebe erkennen. Von dort aus breitet sich das weißliche Pilzmycel aus über die gesamte Oberfläche einer Frucht. Von dort aus arbeiten sich die Pilzfäden vor bis ins Kerngehäuse. Daraufhin zeigen sich Merkmale von Frühreife.

Schlagen die Pustelpilze erst später im Jahr zu, nimmt die Infektion ihren Beginn in den letzten vier Wochen vor der Erntezeit. Die Symptome fallen Ihnen erst bei den Erntearbeiten auf. Das infizierte Gewebe ist scharf getrennt vom gesunden Fruchtfleisch, was einem aufmerksamen Beobachter nicht entgeht. Letzte Gewissheit gibt ein einfacher Test. Es handelt sich um Symptome von Obstbaumkrebs, wenn Sie befallenes Fruchtfleisch mit einem Löffel und minimalem Druck sauber abtrennen können.

Obstbaumkrebs bekämpfen

Wirksame Fungizide gegen Obstbaumkrebs sind lediglich im gewerblichen Anbau zugelassen. Gleichwohl stehen Hausgärtner und ihre Bäume der gefürchteten Pilzinfektion nicht wehrlos gegenüber. Ein sachkundiger Schnitt ins gesunde Holz hat sich als effektive Bekämpfungsmethode gut bewährt. Je früher Sie die Symptome erkennen, richtig deuten und konsequent handeln, desto aussichtsreicher die Heilungschancen. An älteren Bäumen sind in der Regel einzelne Äste betroffen, sodass der Baum anschließend noch viele Jahre weiterlebt. So machen Sie es richtig:
  • Bester Zeitpunkt ist an einem milden Tag im Spätwinter mit trockener Witterung
  • Scherenklingen schärfen, stumpfe Sägeblätter austauschen
  • Wichtig: Schneiden vorher und nachher sorgfältig reinigen und desinfizieren
  • Im gesunden Holzbereich schneiden mit leichter Schräghaltung, damit Regenwasser besser abläuft
Ein scharf abgegrenzter Übergang zwischen krankem und gesundem Gewebe vereinfacht die Suche nach der richtigen Schnittstelle. Glätten Sie die Schnittwunde mit einem Messer. Zuletzt bestreichen Sie die Wundränder dünn mit einem Wundverschlussmittel.

Tipp: Mit Obstbaumkrebs befallenes Schnittgut ist bis zu zwei Jahre eine gefährliche Quelle für erneute Infektionen. Entsorgen Sie Triebe und Äste keinesfalls auf dem Kompost oder im Biomüll. Idealerweise verbrennen Sie das Holz oder geben das Schnittgut in der städtischen Kompostieranlage ab.

Tipps für die Vorbeugung

Apfelbaum schneidenIn der nachhaltigen Vorbeugung gegen Obstbaumkrebs nimmt die sachkundige Schnittpflege eine Schlüsselfunktion ein. Schon bei der Standortwahl sollten Verletzungen durch Windbruch ausgeschlossen sein. Eine gute Bodenqualität und ausgewogene Nährstoffversorgung stärken die Abwehrkräfte von Laubbäumen, damit sie sich aus eigener Kraft anstürmenden Pilzsporen erwehren können. In der Praxis erprobte Methoden der Prävention gegen Baumkrebs bringt folgende Übersicht auf den Punkt:
  • Baumschnitt niemals bei feuchter Witterung oder an feuchtem Holz durchführen
  • Keine langen Zapfen stehen lassen
  • Zweige an Knospen und dicke Äste auf Astring schneiden
  • Steil stehende Schlitzäste auslichten, um Reibung und Wasseransammlung an der Gabelung zu vermeiden
  • Mechanische Verwundungen vermeiden, wie lockeres Bindematerial oder sich reibende Äste
  • Bei Gefahr von Frostrissen den Stamm mit Weißanstrich schützen
  • Organisch düngen mit Kompost
  • Keine stickstoffreiche Nährstoffversorgung mit Kunstdüngern
  • Obstbäume pflanzen am windgeschützten Standort mit locker-durchlässiger Erde ohne Gefahr von Staunässe
In statistischen Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass verunreinige Baumscheren und Sägen zu den Hauptüberträgern von Pflanzenkrankheiten zählen. Reinigen Sie das Schneidwerkzeug vor und nach einem Schnitt bitte gründlich und desinfizieren Klingen und Sägeblätter mit Spiritus, Reinigungsbenzin oder Sagrotan.

Widerstandsfähige und anfällige Sorten

Nach vollkommen resistenten Sorten gegen Obstbaumkrebs werden Sie vergeblich Ausschau halten. Im privaten und gewerblichen Anbau haben sich gleichwohl einige Apfelsorten als besonders widerstandsfähig erwiesen. Andere Sorten haben sich als explizit anfällig herausgestellt. Zu beiden Varianten haben wir bekannte Namen für Sie zusammengetragen:

Widerstandsfähig
  • Topaz
  • Schöner von Boskoop
  • Pinova
  • Santana
  • Jonagold
  • Elstar
Anfällig
  • Braeburn
  • Cox Orange
  • Discovery
  • Gloster 69
  • Gala
  • Klarapfel
  • Oldenburg
  • Idared
Eine mittlere Anfälligkeit für Obstbaumkrebs wird der populären Apfelsorte Golden Delicious attestiert. Gleiches gilt für eine traditionelle Sorte aus dem Anbaugebiet "Altes Land" namens
Ingrid-Marie.