Die Baumwipfel großer Waldgebiete sind sein Revier. Der Baummarder gilt als genialster Akrobat unter den europäischen Säugetieren. Seine Kletterkünste können wir nur selten bewundern, denn der scheue Waldbewohner meidet - im Gegensatz zum Steinmarder - die Nähe zum Menschen. Dieser Steckbrief macht Sie vertraut mit faszinierenden Details rund um den Edelmarder. Lesen Sie hier, wie der kleine Räuber lebt, welche Nahrung er bevorzugt und gegen welche natürlichen Feinde er zu kämpfen hat.

Steckbrief: Baummarder

  • Gattung Echte Marder (Martes) innerhalb der Familie hundeartiger Raubtiere
  • Bezeichnung der Art: Baummarder (Martes martes)
  • Weitere Bezeichnung: Edelmarder
  • Verbreitungsgebiet: zusammenhängende Wälder in Europa und West-Asien bis zur Baumgrenze
  • Kopf-Rumpf-Länge: 45 bis 58 cm (ohne den buschigen Schwanz)
  • Schwanzlänge: 16 bis 28 cm
  • Gewicht: 800 bis 1800 Gramm
  • Fellfarbe: kastanien- bis dunkelbraun
  • Typisches Kennzeichen: gelber, ungegabelter Kehlfleck (Gelbkehlchen)
  • Ohren: kurz, dreieckig mit dünnen, gelben Rändern
  • Kurze Beine mit stark behaarten Pfoten
  • Kräftiges Gebiss mit 38 Zähnen
  • Aktivität: hauptsächlich dämmerungs- und nachtaktiv
  • Lebenserwartung: bis 10 Jahre in freier Wildbahn, bis 16 Jahre in
    Gefangenschaft

Die lange, buschige Rute dient dem Baummarder als Gleichgewichtsorgan, wenn er sich in bis zu 10 Metern Höhe von Ast zu Ast schwingt. Dabei legt der pelzige Akrobat bis zu 4 Meter weite Sprünge zurück. Der geringe Körperfettanteil, gepaart mit einer schlanken Form, optimieren die Kletter- und Sprungfähigkeiten des wendigen Räubers. Das Fehlen einer dicken Fettschicht als Kälteisolierung gleicht der Waldbewohner aus mit einem extra dichten Winterfell, dem er den Namen Edelmarder verdankt. Das seidige Winterfell machte den Baummarder lange Zeit zu einem begehrten Jagdopfer. Daher ist der schöne Pelzträger in vielen Regionen selten geworden. In 2014 wurde der Edelmarder von der Liste jagdbarer Arten gestrichen.

Ernährung und Lebensweise

Marder - BaummarderBaummarder zählen zu den Allesfressern mit einer ausgeprägten Vorliebe für kleine Säugetiere, Vögel und Eier. Den Tag verbringen die Einzelgänger größtenteils in einem ihrer Nester, die sich in Baumhöhlen befinden. Mitunter funktionieren die cleveren Waldbewohner auch einen verlassenen Eichhörnchenkobel oder ein leeres Greifvogelnest zur Wohnhöhle um. Mit Beginn der Dämmerung begibt sich der Räuber im Wald auf und unter den Bäumen auf Nahrungssuche, stets in sicherer Entfernung zu den Menschen. Diese Beute steht auf seinem Speiseplan:

  • Vögel und deren Eier
  • Mäuse aller Art
  • Frösche und kleine Reptilien
  • Eichhörnchen
  • Insekten und
    Schnecken
  • Früchte und Nüsse

Beutetiere erlegt der Edelmarder mit einem gezielten Nackenbiss. Vor Ort verspeist er seine Beute nur selten. Vielmehr transportiert das Raubtier seine Nahrung gerne zum nächsten Baum, um es dort in Ruhe teilweise zu verzehren und die Reste zu deponieren. Für die kalte Jahreszeit legt sich der Baummarder verschiedene Vorratslager an, denn eine Winterpause legt er nicht ein. Vor dem harten Winter muss er sich nicht fürchten. Frostige Temperaturen reduzieren die Fluchtdistanz seiner bevorzugten Beutetiere, sodass er zur Winterzeit sein Revier sogar um bis zu 50 Prozent verkleinern kann, ohne Hunger zu leiden.

Natürliche Feinde

Ein natürlicher Feind aus dem Tierreich für den Baummarder ist in erster Linie der Fuchs. Der Wildhund ist in Europa weit verbreitet und teilt sich mit dem Baummarder den Lebensraum. Beide Räuber sind in der Dämmerung und bei Nacht unterwegs, sodass Begegnungen unvermeidlich sind, die für den kleineren und leichteren Marder kein gutes Ende nehmen.

Für Adler und Uhu ist der Baummarder eine heiß begehrte Beute. Nächtliche Jäger, wie der Luchs, haben es ebenfalls auf unvorsichtige Goldkehlchen abgesehen. Allerdings sind diese Feinde mittlerweile ebenso selten geworden, wie der Baummarder selbst. Daher nimmt der Mensch die unangefochtene Spitzenposition ein im unrühmlichen Ranking todbringender Widersacher. In früheren Zeiten hatten Jäger es abgesehen auf das seidige Fell des Waldbewohners. Heute fehlt es dem Marder an Lebensraum, da zusammenhängende Waldflächen durch den Menschen zerstört werden.

Fortpflanzung und Elternzeit

Baummarder leben als territoriale Einzelgänger. Männchen markieren ihr Revier mit Duftmarken und verteidigen es vehement gegen gleichgeschlechtliche Konkurrenten. Allerdings überlappt sich das Territorium eines Männchens häufig mit dem Revier mehrerer Weibchen. Zur Paarungszeit (Ranzzeit) im Hochsommer geht es hoch her in den Baumwipfeln, wenn die konkurrierenden Rüden fauchend und kreischend umhertoben, um sich vor einer paarungsbereiten Fähe zu profilieren als der perfekte Erzeuger für den Nachwuchs.  

Die Tragezeit eines Weibchens erstreckt sich über etwa 8 Monate, weil eine Eiruhe dafür Sorge trägt, dass die 8 bis 10 cm kleinen Jungen im Frühling das Licht der Welt

erblicken. Die 3 bis 6 Jungtiere werden blind geboren und können nach 4 bis 5 Wochen sehen. Im Alter von 8 Wochen verlassen sie das Nest und sind mit 16 Wochen weitgehend selbständig. Es ist keine Seltenheit, dass der Nachwuchs bis zum darauf folgenden Frühjahr bei der Mutter bleibt, weil Baummarder-Weibchen in Intervallen von 2 Jahren paarungsbereit sind.

Tipp: Baummarder sind die Langläufer unter den Echten Mardern. Auf ihren kurzen Beinen legen sie in einer Nacht 5 bis 8 Kilometer am Boden zurück, wenn die Räuber auf Beutezug sind. Ist das Nahrungsangebot knapp bemessen, überwinden Goldkehlchen beeindruckende 15 Kilometer auf der Suche nach einer Mahlzeit.

Baummarder und Steinmarder unterscheiden

Marder - BaummarderAufgrund ihrer engen Verwandtschaft sehen sich Baummarder und Steinmarder zum Verwechseln ähnlich. Hinsichtlich ihrer Lebensweise unterscheiden sich beide Marder-Arten deutlich. Vor allem sucht der Steinmarder gezielt die Nähe zum Menschen, was zahlreiche Konflikte herauf beschwört. So mancher kostspielige Motorschaden geht auf das Konto des Steinmarders, weil er gerne an Kabeln knabbert. Darüber hinaus treibt er sich gerne auf Dachböden herum und betätigt sich als nächtlicher Poltergeist, der den menschlichen Bewohnern den Schlaf raubt. Anhand folgender Merkmale können Sie Baummarder und Steinmarder unterscheiden:

Kehlfleck

  • Baummarder: gelb und ungegabelt
  • Steinmarder: weiß und aufgeteilt in eine zweifache Gabelung

Größe und Gewicht

  • Baummarder: 80 bis 85 cm lang, 800 bis 1.800 Gramm schwer
  • Steinmarder: 40 bis 75 cm lang, 1.100 bis 2.300 Gramm schwer

Nase

  • Baummarder: dunkel
  • Steinmarder: hell bis rosa

Pfoten

  • Baummarder: stark behaart
  • Steinmarder: keine Behaarung

Offensichtlich gehen sich beide Marder-Arten aus dem Weg, denn es sind bislang keine Kreuzungen aufgetreten. Somit gelten Baummarder und Steinmarder als leuchtendes Beispiel der Evolution, wie sich verwandte Raubtiere den Lebensraum aufteilen, um eine destruktive Nahrungskonkurrenz zu vermeiden.