Von einer Elsternplage ist schnell die Rede, wenn mehrere der schwarz-weißen Vögel in einem Garten auftreten. Ihr schlechter Ruf hält sich hartnäckig und so werden sie als Schädlinge angesehen, die dringend vertrieben oder gar getötet werden müssen. Dabei ist das längst nicht in jedem Fall nötig oder auch nur sinnvoll. Hinzu kommt, dass viele Methoden nicht erlaubt sind.

Plage?

Elstern werden häufig als Plage angesehen, da sie in größeren Gruppen auftreten. Tatsächlich ist die Anzahl der Rabenvögel insgesamt aber eher gering. Findet sich eine Gruppe der Elstern im eigenen Garten, muss also noch längst nicht von einer Plage ausgegangen werden. Oftmals ziehen die Vögel ohnehin weiter, wenn sich die Bedingungen verändern. Es ist also nicht automatisch erforderlich, sie zu jagen, zu vergiften und zu töten.

Nützling oder Schädling?

Elstern haben einen schlechten Ruf, der ihnen hartnäckig anhaftet und leider oftmals vorauseilt. Sie werden als Schädlinge betrachtet, die Singvögel töten oder zumindest vertreiben, deren Nester ausrauben und auch an den Pflanzen Schaden anrichten können. Als Aas- und Insektenfresser sind die Elstern aber durchaus nützlich und es lohnt sich, ihre Lebensgewohnheiten zu kennen:

Ernährung
Elstern können zwar kleinere Singvögel und deren Eier fressen, ernähren sich aber hauptsächlich von Insekten, Spinnen, Aas und Abfall. Sie sind also auch im Garten durchaus nützlich, wichtig für das ökologische Gleichgewicht und richten keine Schäden an Pflanzen an.

Vogelfeinde
Elstern werden oft damit in Verbindung gebracht, dass sie Singvögel vertreiben oder gar töten sowie ihre Nester ausrauben. Diese Fälle können zwar eintreten, sind
aber deutlich seltener als oftmals behauptet. Zudem können sich die Singvögel Populationen problemlos von den Eingriffen der Elstern erholen. Zum anderen ist auch das Verschwinden von Singvögeln und das zeitnahe Auftreten von Elstern in den meisten Fällen auf Eingriffe des Menschen und Veränderungen in der Umwelt zurückzuführen - und nicht auf die Rabenvögel.

Schäden
Komposthaufen, offene oder beschädigte Mülltonnen und insektenreiche Gärten stellen ein Buffet für die Elstern dar. An Samen und Pflanzen machen sie sich nicht zu schaffen und erzeugen daher auch keine Schäden im Garten. Im Gegenteil, sie helfen dabei Insekten im Schach zu halten und beseitigen Aas und Abfälle.

Vorbeugen

ElsterWer die Lebensweise der Elstern kennt, kann ihrem Auftreten im Garten problemlos vorbeugen. Die folgenden Maßnahmen eignen sich dafür:

Müll und Kompost
Ein offener Komposthaufen oder eine kaputte Mülltonne können Elstern anziehen. Sind derartige Futterquellen abgedeckt, wird der Garten sofort unattraktiver für die Rabenvögel und es muss nicht mit einer "Elsternplage" gerechnet werden. Geschlossene Komposter und intakte Mülltonnen sind dadurch einfache aber wirkungsvolle Vorbeugungsmaßnahmen.

Fressfeinde
Katzen, Hunde und Raubvögel halten Elstern fern. Wer selbst weder Katzen noch Hunde hält, kann sich hier mit einigen Tricks behelfen. Tierhaare, aufgenommene Tiergeräusche und Figuren sorgen für eine erste abschreckende Wirkung. Allerdings sollte die Intelligenz der Eltern nicht unterschätzt werden. Bemerken diese nach einiger Zeit, dass sich die Fressfeine nie im Garten
aufhalten, durchschauen sie die künstlichen Abwehrmanöver. Ideal wäre es also, wenn Katzen und Hunde gelegentlich durch den Garten streifen.

Freier Himmel und lichte Bäume
Die Figuren von Raubvögeln können zwar zunächst abschreckend wirken, auch diese müssen sich aber im Garten blicken lassen oder zumindest optimale Voraussetzungen für das Jagen vorfinden. Dazu gehört es, den Elstern keine Versteckmöglichkeiten zu bieten. Regelmäßige verschnittene, lichte Bäume und eine insgesamt freie, offene Gartengestaltung sind hierfür ideal.

Nistkästen
Um Singvögel und ihre Nester zu schützen, können im Garten entsprechende Nistkästen aufgehängt werden. Die Eingänge dieser Kästen sollten so bemessen sein, dass die Singvögel zwar problemlos hinein gelangen, die Elstern jedoch nicht hindurchpassen. Das bietet den verschiedenen Vogelarten die Möglichkeit, in einem Garten gemeinsam zu leben.

Jagen

Besteht eine vermeintliche Elsternplage, liegt das Jagen der Vögel nahe. Erlaubt ist die Jagd jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen und zu bestimmten Zeiten. Hinzu kommt noch, dass sich die rechtlichen Richtlinien von Bundesland zu Bundesland unterscheiden können. Es ist daher in jedem Fall erforderlich, sich an einen örtlichen Jäger zu wenden. Dieser kann zum einen über die rechtlichen Grundlagen informieren und zum anderen bei Bedarf regulierend eingreifen. Als alternative Informationsquelle bieten sich auch Natur- und Tierschutzverbände an, die im Bedarfsfall aufklären und hilfreiche Maßnahmen empfehlen können.
Privatpersonen ist es hingegen untersagt, die Vögel abzuschießen oder mit anderen Mittel Jagd auf sie zu machen.

Vergiften

Um die Elsternplage gewissermaßen im Keim zu ersticken, scheint sich Gift anzubieten. Die Rabenvögel werden direkt bei der Nahrungsaufnahme "erwischt" und die Anzahl der vermeintlichen Schädlinge reduziert. Ebenso wie eine Jagd auf die Vögel ist das Vergiften jedoch verboten. Zudem gehen von dieser Maßnahme einige Gefahren aus. Die größte Gefahr ist, dass das Vergiften nicht steuerbar ist. Ob eine Elster das vergiftete Futter aufnimmt, ein Hund, eine Katze oder vielleicht sogar ein Kind, kann nicht gesteuert werden. Selbst bei einer Auslage des Giftes in höheren Bereichen, könnten auch andere Vögel oder Eichhörnchen versehentlich getötet werden.

Nester vernichten

Diese Maßnahme erscheint am einfachsten. Wer ein gefundenes Elsternnest zerstört und dieses schlicht aushebt, hat einen sehr geringen Aufwand. Die Tiere müssen weder gejagt noch mit einer potentiellen Gefahr für andere
Lebewesen vergiftet werden. Ebenso wie die bereits erwähnten Methoden ist das Ausheben beziehungsweise Vernichten von Nestern jedoch verboten. Die Vögel, ihre Nachkommen und ihre Nester müssen unbeschadet und ungestört bleiben. Auch ein absichtliches Fernhalten der Elstern von ihren Nestern kann also bereits geahndet werden.

Töten

ElsterOb durch Jagd, Fallen oder Gift, die Tötung von Elstern ist Privatpersonen verboten. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Population zwar reduziert werden, jedoch sollte hierfür zur rechtlichen Absicherung und zu, Schutz der Tiere und der Umwelt fachgerecht vorgegangen werden. Wiederum sollte also wahlweise der örtliche Jäger involviert oder bei einem Naturschutzbund nachgefragt werden. Diese sind mit den regionalen Richtlinien und den Gesetzgebungen des Bundeslandes vertraut und können daher entsprechend informiert vorgehen.

Grundsätzlich sollte es jedoch nicht das Ziel sein, die Elstern zu beseitigen, ihnen mit Gift zu begegnen oder sie sonst wie abzuwehren. Wer die Vögel nicht im eigenen Garten möchte, kann ihnen entsprechend vorbeugen oder das eigene Grün in der Folge einer vermeintlichen Elsternplage unattraktiver gestalten. Dabei sollte aber klar sein, dass die Rabenvögel wie erwähnt an sich weder gefährlich noch schädlich sind, sondern durchaus einen sehr nützlichen Zweck erfüllen. Wer sie im eigenen Garten antrifft, hat also keinen Nachteil aus ihrem Auftreten.

Rechtliche Richtlinien

Die Elstern können abhängig von Bundesland und Jahreszeit abgeschossen werden. Ein Waffenschein reicht hierfür jedoch nicht aus. Wer sich über diese Gesetze hinwegsetzt, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Wir empfehlen daher dringend, weder mit Gift noch Waffen gegen die Vögel vorzugehen, sondern jeweils abgestimmten fachlichen Rat einzuholen und einen Jäger oder Naturschutzbund einzubeziehen. Nur hierdurch kann abgesichert werden, dass rechtlich abgesichert vorgegangen wird. Das ist gleich aus mehreren Gründen wichtig. Zum einen, weil damit der eigene juristische Schutz sichergestellt wird. Zum anderen, weil damit auch Schäden in der Natur verhindert werden.

Zwar ist es möglich, die entsprechenden Gesetzestexte auch selbst zu interpretieren. Diese sind allerdings sehr komplex und wirken teils widersprüchlich. Daher ist es selbst für Juristen teilweise schwierig, eine eindeutige Auslegung zu finden. Hinzu kommt noch, dass die Gesetze in jedem Bundesland anders liegen. Laien ist es daher kaum möglich, eine informierte Entscheidung zu treffen und rechtlich abgesichert zu handeln.