SchneckenAuf dem Teller begeistern Weinbergschnecken anspruchsvolle Feinschmecker, während vor allem die Nacktschnecke im Garten nicht gern gesehen wird. Dennoch tragen alle Arten positiv zum Ökosystem bei. Sie mögen keine Kälte, doch dem Winter können sie in Westeuropa nicht entkommen. So hat die Natur ihnen Körperfunktionen verliehen, die sie die frostige Jahreszeit überleben können. Instinktiv suchen sie sich zum Überwintern einen geeigneten Platz, wo ihr Körpersystem bei entsprechenden Wintertemperaturen runter fährt. Was die unterschiedlichen Schnecken im Winter machen, erfahren Sie im Folgenden.

Überwinterung

Wenn der Winter vor der Tür steht, reagieren die zahlreichen Schneckenarten vielfach unterschiedlich. Während viele Nacktschneckenarten bereits im Herbst sterben, aber noch ihre Eier zum Überwintern ablegen, suchen andere einen geschützten Ort, an dem sie der Frost nicht erreicht. Die Überwinterung beginnt meist Mitte/Ende Oktober und endet, sobald die
Temperaturen wieder ansteigen, was in der Regel Ende März/Anfang April der Fall ist. Dann kommen sie wieder aus ihren Verstecken gekrochen und gehen auf die Nahrungssuche.

Bei den meisten Schnecken reduziert sich bei der Überwinterung die Körperfunktion deutlich, sobald bestimmte Temperaturen erreicht werden, die den Winter einläuten. Durch diesen Mechanismus fallen sie in den Winterschlaf. Dieser macht es möglich, dass sie resistenter gegen die äußere Kälte werden und die reduzierte Organfunktionalität weniger Angriffsfläche zum Erfrieren bietet.

Winterschlaf

Tiere wie die meisten Schneckenarten, reagieren bei sinkenden, frischen Temperaturen, indem sich ihre Körpertemperatur automatisch auch senken. Im Gegensatz zur Winterstarre, wie sie beispielsweise Frösche im Winter durchleben, erreichen diese schleimigen Tierchen eine etwas höhere Körpertemperatur von circa fünf bis sieben Grad Celsius. Bei einer Winterstarre fällt die Körpertemperatur nahezu auf 0 Grad Celsius. Ausnahmen bilden unter anderem die Jungtiere der Spanischen Wegschnecke, die zur Familie der Nacktschnecken gehört. Im Winterschlaf hält sie durchaus frostige Außentemperaturen um die 0 Grad Celsius aus.

In der Folge der Körpertemperatursenkung kommt es zu einer Reduzierung der Organfunktionalität. Der Herzschlag verlangsamt sich, die Atmung wird flacher und der Stoffwechsel fährt deutlich runter.

Im Gegensatz zu der Nacktschnecke, können manche Schnecken in ihren weniger gut isolierten Winterquartieren auch Minustemperaturen von über 20 Grad Celsius überleben. Beispielweise die Weinbergschnecke fällt dann von dem Winterschlaf in die Winterstarre. Bewegungsunfähigkeit und eine weitere Absenkung der Körpertemperatur sind die Folge. Zudem frieren ihre Häuschen teilweise sogar ein.

Nahrung

Der Winterschlaf dieser Kriechtiere unterscheidet sich von der Winterruhe, wie sie zum Beispiel das Eichhörnchen einhält, in dem keine Schlafunterbrechungen aufgrund einer notwendigen Nahrungsaufnahme erfolgen. Während bei der Winterruhe sich die Körpertemperatur der Tiere nicht reduziert und deshalb mehr Energie verbrannt wird, sinkt der Energiebedarf der Schneckchen um circa 90 Prozent. Um den Energiebedarf von rund zehn Prozent im Winter zu decken, fressen sie sich im Sommer gut voll, damit der Körper die benötigte Energie aus den zuvor angelegten Fettdepots während des Winterschlafs ziehen kann.

Unterbrechungen

SchneckenDer Winterschlaf der Schneckentierchen wird in der Regel nur dann unterbrochen, wenn dieser gestört wird. Laute Geräusche, die Berührung des Schneckenhäuschens beziehungsweise ihres Körpers durch Menschen oder andere Tiere sind Beispiele, die eine Schnecke aus dem Winterschlaf kurzfristig erwachen lassen. Hier steigt dann die Körpertemperatur zügig wieder an und mehr Energie wird verbraucht. Nicht selten kostet dies den winterschlafenden Tieren zu viel Energie, sodass ihr eingelagertes Fettdepot vor allem in langen Wintern, nicht ausreicht und sie während des Winters verhungern.

Winterschlaf-Ende

Das Aufwachen hängt zwar hauptsächlich von den Außentemperaturen ab, aber spielen auch andere Faktoren dabei eine Rolle. Beginnt der Stoffwechsel bei steigenden Temperaturen wieder an aktiver zu werden, werden sogenannte Stoffwechselendprodukte hergestellt, von denen Experten ausgehen, dass sie den Schnecken als eine Art Weckzeichen dienen. Wenn die Körpertemperatur langsam wieder ansteigt, wird auch die Hormonproduktion angeregt. Bestimmte Hormone übernehmen dann die Aufgabe, braunes Fettgewebe abzubauen, das als Wärmepolster während des Winterschlafs agierte. Ab einer Außentemperatur circa 15 Grad Celsius sorgt ein automatisch einsetzendes Muskelzittern für die weitere Steigerung der Körpertemperatur.

Bei manchen Arten wie der Weinbergschnecke, reicht bereits eine Außentemperatur von um die acht Grad Celsius. Im Gegensatz zur Nacktschnecke ist sie weniger kälteempfindlich und erwacht in der Regel früher aus dem Winterschlaf.

Winterquartier

Bei der Wahl der Winterquartiere bevorzugen die unterschiedlichen Schneckenarten verschiedene Plätze zum Überwintern. Die Weinbergschnecke zieht sich zum
Beispiel komplett in ihr Schneckenhaus zurück. Den Eingang versperrt sie mit Kalk, den sie durch eine eigene Sekretausstossung selbst bereitstellen kann. Dieser Verschluss soll sie vor "Eindringlingen" und Fressfeinde sowie vor zu viel Kälteeinströmungen schützen, während sie sich im Winterschlaf befinden. Allerdings verbleiben kleine Luftlöcher in dem Kalkdeckel, damit ein Gasaustausch auch während des Winterschlafs stattfinden kann.

Überwiegend verbleiben sie an feuchten Orten, die ihnen zudem einen Sichtschutz bieten. Dazu zählen zum Beispiel:
  • In und unter Laubhaufen
  • Eingebuddelt in tieferen Erdlöchern
  • In Höhlen von Bäumen
  • Unter und zwischen Holzstapeln
Andere Schneckenarten, wie zum Beispiel die Landschnecke ohne Schneckenhaus, wie Nacktschnecken auch bezeichnet werden, beschränken sich meist nur auf Erdhöhlen. Diese graben sie so lange aus, bis sie vollständig darin Platz finden können. Zudem ziehen sie andere Pflanzenteile mit heran und polstern damit ihre Höhle aus. Sind sie in der Höhle, bedecken sie den Höhleneingang mit Erde.

Austrocknung

Bei den kleinen, bequemen Schleimtierchen zählt neben dem Erfrieren auch das Austrocknen als Sterberisiko bei der Überwinterung. Da sie während der Wintersaison und der Schlafenszeit auch kein Wasser aufnimmt, hat sie anderweitig ihren Körper feucht zu halten. Dies geschieht durch eine Schleimummantlung, welche sie sich um ihren Körper legt. Diese Schleimschicht benötigt einige Zeit, um vollständig einzutrocknen, um dann in einer Art wie eine Frischhaltefolie zu wirken. Bricht der Winter allerdings schnell herein und es kommt zügig zu einem rapiden Temperaturabfall, kann es sein, dass die Schleimschicht nicht abtrocknet und die Schnecke bereits nach nur wenigen Tagen austrocknet.

Außengefahren

Während der Fressfeind von Weinbergschnecken nur der Mensch ist, so sind die anderen Schneckenarten wie die Nacktschnecke mehreren Feindobjekten im Winter ausgesetzt. Vor allem Landschnecken ohne Schneckenhausschutz sind besonders gefährdet.
Schnecken
Ihr Schleim, der den Körper umzieht und bei Bedrohungen produziert wird sowie die Reaktion des Blutes, das den Schneckenkörper hart und widerstandsfähig macht, ist während des Winterschlafes nicht möglich. Zwar ziehen sie sich zusammen und der Körper wird etwas härter, aber durch den reduzierten Energiebedarf kann hier kein Dauerzustand hergestellt werden.

Obwohl die meisten Nacktschnecken grausam schmecken, so zwingt das eingeschränkte Nahrungsangebot im Winter manch ein Tier dazu, auch diese Exemplare zu verspeisen. Dazu zählen zum Beispiel der Marder oder Hühner.

Schneckenbekämpfung

Obwohl sie für das natürliche Ökosystem nicht unwichtig sind, so verärgern vor allem die Nacktschnecken viele Hobbygärtner. Für diese ist der späte Herbst sowie der Winter die optimale Zeit, um sich der lästigen Pflanzenschädlinge zu entledigen, wenn kalte Temperaturen sie haben in den Winterschlaf fallen lassen.

Folgende Schritte sollten Sie einleiten, um so viel wie möglich im Winterschlaf befindliche Schneckentiere zu finden, um sie dann zu entsorgen oder anderswo auszusetzen:

  • Umgraben von Gemüsebeeten
  • Tiefes Durchhaken von Erde um Bäumen und Büschen herum
  • Gelagerte Holzstapel mit glatten Kunststoffplanken am Boden circa fünf Zentimeter hoch einfassen
  • Laubhaufen entfernen
  • Im Frühherbst Pflanzen wenig bis gar nicht gießen, damit dauernde Feuchtigkeit ausbleibt
Halten Sie auch Ausschau nach eventuellen Eiern, denn vor allem die Nacktschnecken buddeln diese bis circa zehn Zentimeter tief in die Erde ein, um sie vor dem Frost zu schützen. Im Frühjahr haben Sie dann lauter kleine Jungschnecken im Garten, wenn Sie diese im Herbst nicht bereits gefunden und freigelegt haben. An der Erdoberfläche erfrieren die Eier. hier reicht es also manchmal schon, den Boden einmal umzuwälzen, damit die Eier aus der Tiefe heraus nach oben gelegt werden und damit dem Frost ausgesetzt werden.

TIPP: Um grundsätzlich zu verhindern, dass Schnecken zum Überwintern in den heimischen Garten gelangen, empfiehlt es sich, Anfang Oktober einen speziellen Schneckenzaun um das Grundstück zu spannen. Diese sollte aber spätestens Anfang März abgebaut werden, damit die Pflanzenschädlinge wieder heraus können, wenn sie auf Futtersuche sind und in Ihren Garten nicht ausreichend fündig werden.

Fazit
In der Regel überwintern die verschiedenen Schneckenarten in einem Winterschlaf, wobei manche auch Frosttemperaturen aushalten, indem sie in die Winterstarre fallen.
Im Winter sind sie sehr genügsam und recht anspruchslos, was ihr Winterquartier angeht. Zu finden sind sie überall dort, wo Höhlen, Laub, Holzlagerungen und gegebenenfalls Komposthaufen ihnen Schutz vor Fressfeinden und kalten Wintertemperaturen bieten. Hier können Sie sie simple absammeln, während Sie die Erde umwälzen sollten, damit Eier an die Erdoberfläche gelangen und durch den Frost zerstört werden. Vergessen Sie aber nicht, dass zum Beispiel Weinbergschnecken dem Naturschutz unterliegen und nicht getötet werden dürfen.