Fingerhut, Digitalis purpurea - Pflege der Giftpflanze

Fingerhut ist ein giftiges Wegerichgewächs, das dekorativ wirktDer Fingerhut ist eine Pflanze mit zwei Gesichtern. Einerseits präsentiert sich die Digitalis purpurea als dekoratives Gewächs mit einer auffälligen und faszinierenden Blütenpracht. Das Farbspektrum ist vielfältig, von Rosa, Rot, Weiß, Gelb und Lila ist alles vertreten. Auf der anderen Seite gilt das Wegerichgewächs als überaus giftig. Die auch als Waldglöckchen oder Waldschelle bekannte Pflanze wurde jahrhundertelang in der Volksheilkunde bei Herzleiden eingesetzt. Auch wenn von einer Eigenmedikation dringend abgeraten wird, bietet das Gewächs doch

einen aparten Blickfang im Garten.

Standort und Boden

Digitalis purpurea ist eine tödliche Schönheit, welche von vielen Gärtnern mit gemischten Gefühlen betrachtet wird. Die Pflanze mit dem aufrechten, hohen Wuchs und den auffälligen Blüten ist in der freien Natur nur noch selten anzutreffen. Früher konnte man dem Fingerhut häufig in lichten Wäldern und auf Wildwiesen begegnen. Für die erfolgreiche Kultivierung im eigenen Garten sollten Sie einen sonnigen Standort auswählen. Doch auch unter großwüchsigen Bäumen, im Halbschatten, fühlt sich der Fingerhut wohl und bildet seine farbenprächtigen Blüten aus. Tipp: Pflanzen Sie Giftpflanzen außerhalb der Reichweite von kleinen Kindern und herumtobenden Haustieren. Bereits eine geringe Dosis des Fingerhuts kann einen Besuch in der Notaufnahme notwendig machen. Die zu den Wegerichgewächsen gehörende Pflanze reagiert empfindlich auf kalkhaltige Böden. Viel eher fördern Sie das Wachstum und die Widerstandsfähigkeit von Digitalis purpurea durch ein tiefgründiges, humusreiches und leicht saures Substrat. Mit einem ausreichend großen Pflanzgefäß können Sie den Fingerhut auch im Kübel halten.

Gießen und Düngen

Ein weiteres wichtiges Kriterium zur erfolgreichen Kultivierung der aparten Schönheit ist ein feuchtes Substrat. Allerdings setzt auch Staunässe der Pflanze unnötig zu. Gießen Sie den Fingerhut deswegen mäßig, dafür aber in regelmäßigen Abständen mit kalkfreiem Wasser. An heißen Sommertagen kann das mitunter zwei Mal täglich notwendig sein. Mit einer dicken Schicht Rindenmulch können Sie das Erdreich vor einem zu schnellen Austrocknen schützen. Alternativ können Sie für diese Aufgabe auch auf ein spezielles Vlies aus dem Fachmarkt zurückgreifen. Wurden die Waldglöckchen direkt im Beet gepflanzt, so reicht es aus, wenn Sie den Boden zwei Mal jährlich mit Kompost anreichern. Die erste Düngung erfolgt dabei zwischen Ende Februar und Mitte März, das zweite Mal im August. Arbeiten Sie das Material vorsichtig ins Erdreich ein. Bei dieser Maßnahme wird nicht nur der Boden aufgelockert, sondern gleichzeitig aus Moos und Fingerhut gefällt mit farbintensiven Blüten immer mehr Gärtnernstörendes Unkraut entfernt. Wenn Sie über keinen Komposthaufen im Garten verfügen oder aus einem anderen Grund auf diese Methode verzichten möchten, so können Sie auch auf herkömmlichen Flüssigdünger zurückgreifen. Das Produkt wird alle 4 bis 6 Wochen direkt über das Gießwasser verabreicht, was eine gleichmäßige Verteilung im Substrat gewährleistet.

Aussaat und Pflanzung

Der Fingerhut bildet im ersten Jahr nur eine Grundblattrosette aus. Die imposante Blütenpracht erscheint erst im Folgejahr an einem bis zu 200 cm hohen Stängel. Auch wenn die Pflanze meist nicht älter als zwei Jahre wird, so ist sie doch überaus vermehrungsfreudig. Fühlt sich das Gewächs am ausgewählten Standort wohl, so samt sie sich von selbst aus. Sie können die Aussaat im Frühjahr bzw. Sommer jedoch auch kontrolliert vornehmen. Verwenden Sie dafür ein flaches

Anzuchtgefäß, bis die Pflanzen kräftig genug für die Umsetzung ins Freiland sind.
  1. Der Standort sollte hell, aber nicht sonnig sein.
  2. Bedecken Sie die feinen Samen nur leicht mit magerem Substrat.
  3. Mit einem Wasserzerstäuber die Erde gleichmäßig feucht halten.
  4. Eine perforierte, durchsichtige Folie erhöht die Luftfeuchtigkeit.
  5. Folie für einige Stunden täglich für die Luftzirkulation abnehmen.
Die Auspflanzung erfolgt, sobald die jungen Gewächse eine Wuchshöhe von etwa 10 cm erreicht haben, spätestens jedoch Mitte September. Achten Sie darauf, dass die Pfahlwurzeln der Pflanzen keinesfalls beschädigt werden. Fingerhut kommt besonders gut
in Gruppenpflanzung zur Geltung. Kombinieren Sie beispielsweise Farne, blauen Waldmeister, Weidenröschen oder diverse Storchschnabel-Arten zusammen mit Digitalis purpurea. Bei der Pflanzung ins Beet gehen Sie folgendermaßen vor:
  1. Welke Pflanzen und Wurzelreste vom Standort entfernen.
  2. Boden mit Humus vermischen.
  3. Das Pflanzloch sollte den doppelten Umfang als der Wurzelballen des Fingerhuts aufweisen.
  4. Lockern Sie auch das umliegende Erdreich auf.
  5. Gewächse einsetzen.
  6. Bei Reihenpflanzung einen Mindestabstand von etwa 25 cm einhalten.
Gießen Sie die jungen Pflanzen fest an. Bis zum Einsetzen des ersten Frostes sollten sich die Gewächse bereits am neuen Pflanzort etabliert haben. Um auf Nummer sicher zu gehen, können Sie jedoch zusätzlich eine dicke Schicht aus Rindenmulch, Reisig oder Kompost ausbringen.

Vermehren

Die Vermehrung der imposanten Pflanze erfolgt nur über die staubfeinen Samen, welche sich nach der Blüte im Herbst ausbilden. Sobald sich die Samenkapseln braun verfärben und oben aufbrechen, können Sie die Samen behutsam herausschütten. Anders als viele andere heimische Pflanzenarten muss der Fingerhut nicht stratifiziert werden. Theoretisch können Sie direkt eine Aussaat an Ort und Stelle vornehmen. Wenn Sie die Samen erst im Folgejahr verwenden möchten, so lassen Sie die feinen Samenkörner an einem dunklen, nicht zu feuchten Ort trocknen.

Digitalis purpurea ist eine zweijährige Wild- und GartenpflanzeSchneiden

Durch das Entfernen verwelkter Blütenstände können Sie den roten Fingerhut zur Ausbildung einer zweiten Blüten anregen. Die Samenkapseln reifen auch an den abgetrennten Trieben nach und lassen sich für eine gezielte und kontrollierte Aussaat weiterverwenden. Wichtig: Digitalis purpurea wurde im Jahr 2007 zur Giftpflanze des Jahres ernannt. Wenn Sie in direkten Kontakt mit den Gewächsen kommen, so benutzen Sie Handschuhe und bringen Sie keines der Pflanzenteile mit den Schleimhäuten in Berührung.

Überwintern

Spezielle Vorkehrungen für die kalte Jahreszeit müssen Sie nicht treffen. Die eisigen Temperaturen wirken sich sogar positiv auf die Blüte aus. Denn je frostiger es ist, um so üppiger blüht der Fingerhut im Folgejahr. Etwas anders sieht es allerdings bei der Kultivierung in Pflanzgefäßen aus. Bei zweistelligen Minustemperaturen droht Gefahr, dass das Substrat im Kübel vollständig durchfriert und die Wurzeln Schaden erleiden. Umwickeln Sie deswegen das Gefäß großflächig mit Sackleinen oder einem speziellen Vlies. Von Oktober bis März sollten Sie auf das Gießen und die Zufuhr von Dünger verzichten.

Fazit der Redaktion

Der Fingerhut ist eine dekorative Pflanze, welche mit einem breiten Farbspektrum Abwechslung in den Garten bringt. Das Gewächs selbst stellt nur wenig Anforderungen an den Hobbygärtner. Keinesfalls sollte Digitalis purpurea jedoch in unmittelbarer Nähe von Kindern oder Haustieren gepflanzt werden, denn bereits der Genuss von zwei Blättern kann zum Tod führen. Mit den nötigen Vorkehrungsmaßnahmen können die giftigen Pflanzen jedoch auch in Familiengärten in voller Pracht erstrahlen.

Wissenswertes zum Fingerhut in Kürze

Steckbrief

  • Art/Familie: Staude. Gehört zur Familie der Braunwurzgewächsen (Scrophulariaceae)
  • Pflegeaufwand: Gering. Kurzlebig, verbreitet sich jedoch alleine und wird so Dauergast
  • Blütezeit: Juni bis August mit großen glockenförmigen Einzelblüten dicht an langen Blütenkerzen sitzend in lila, rot, rosa, gelb oder weiß mit charakteristischen dunklen Flecken in den Blüten
  • Belaubung: Wintergrün. Schmal, längliche bis eiförmige, dunkelgrüne Blätter
  • Wuchs: Aufrecht mit Blattrosettenbildung. Breitet sich durch Versamung alleine aus, wenn er sich wohl fühlt
  • Inhaltsstoffe: Cardenolide, daher giftig
  • Höhe/Breite: 90 bis 150 cm hoch, 40 bis 60 cm breit
  • Standort: Halbschattig, kann auch Sonne vertragen. Mag am liebsten Plätze vor und zwischen tief wurzelnden Gehölzen. Humoser, eher trockener Boden
  • Pflanzzeit: Jederzeit solange der Boden nicht gefroren ist. Kann Juli-August aus Samen direkt im Freiland (Keimdauer 15-25 Tage bei 18-22 °C) gezogen werden
  • Schnitt: Nach der Blüte bodennah, wenn Selbstaussaat nicht gewünscht wird. Sonst nach Ausreifung der Samenkapseln und Aussaat zurückschneiden
  • Partner: Wirken in Gruppenpflanzungen schön. Waldgräser, Farne, hohe Glockenblume, Geißbart, Silberkerze
  • Vermehrung: Samen können gesammelt werden
  • Pflege: Lebensdauer verlängert sich, wenn verblühte Blütenstiele weggeschnitten werden
  • Überwinterung: Frosthart. Samen überwintern und reifen im Folgejahr heran
Es gibt viele Farbvarianten des FingerhutsBesonderheiten
  • Blüten locken Hummeln und Bienen an
  • passt sehr gut in den naturnahen Garten oder auch in Heidegärten
Arten
  • Gelber Fingerhut (Digitalis lutea): beeindruckt mit zitronengelben Blüten; liebt kalkhaltigen Boden; eher selten zu findende Art
  • Roter Fingerhut (Digitalis purpurea): Höhe 90-150 cm, 40-60 cm breit; blüht von Juni bis August mit großen glockenförmigen Einzelblüten dicht an langen Blütenkerzen in Lila-Rot, Rosa, Gelb oder Weiß; zieht trockenen Boden vor, verträgt jedoch auch Feuchtigkeit gut; jedoch kalkempfindlich; wirken in Gruppenpflanzungen schön: Waldgräser, Farne, hohe Glockenblume, Geißbart, Silberkerze
Sorten (Auswahl)
  • `Comte de Chambord: Blüht in rosa-pinkfarben; passt sehr gut zur rosafarbenen Kletterrose `Raubritter
  • `Excelsior: Roter Fingerhut; Blütenfarben in Purpur, Rosa und Weiß an einer Pflanze
  • `Gloxiniaeflora: Roter Fingerhut; bekannte Sorte mit Blütenglocken in Lila-Rosa
  • `Gloxiniaeflora Alba: Roter Fingerhut; ebenfalls bekannt mit weißen Blüten
  • `Suttons Apricot: Roter Fingerhut; außergewöhnliche lachsrosafarbene Blüten