Gemütlich auf dem Balkon zu frühstücken - das muss auch dann kein Traum bleiben, wenn das Eigenheim bisher noch nicht über einen Balkon verfügt. Denn mit einem Anbaubalkon-Bausatz kann der Balkon im Vergleich zu anderen System sehr einfach nachträglich angebracht werden. Dennoch müssen bei der Auswahl und dem Aufbau einige Punkte beachtet werden.

Balkonarten

Es werden im Wesentlichen drei Balkonarten unterschieden:
  • selbsttragende Balkone, wie der Vorstellbalkon
  • teilselbsttragende Balkone
  • Kragarm-Balkone ohne Stützen
Selbsttragende Balkone stehen auf vier Stützen und werden lediglich an der Hausfassade angebracht, um ein Umfallen zu verhindern. Daher sind sie auch als Vorsatz- oder Vorstell-Balkone bekannt. In Hinblick auf die notwendigen baulichen Veränderungen erfordern sie den geringsten Aufwand und verursachen die
geringsten Kosten.

Teilselbsttragende Balkone ruhen auf zwei Stützen und benötigen daher eine belastbarere Fixierung an der Hauswand. Die Befestigung an der Fassade erfordert also mehr Aufwand und ist auch deswegen kostspieliger, weil sie in jedem Fall professionell durchgeführt werden muss. Kragarmbalkone kommen vollständig ohne Stützen aus, sind also komplett an der Hauswand fixiert. Der Aufwand für die Planung und den Bau sind dementsprechend hoch und kostenintensiv. Sie sind damit die teuerste Balkonart.

Vorstellbalkon

Hochterrasse - StelzenkonstruktionDer Vorstell- oder Vorsatz-Balkon ist die einfachste Möglichkeit, einen Balkon nachzurüsten. Der Balkonboden ruht auf vier Stützen, wird an die Hauswand angelehnt und hier befestigt. Er ist also bereits in sich stabil und wird lediglich gegen das Umfallen bei ungleichmäßiger Belastung oder extremen Wetterlagen gesichert.
Der größte Aufwand bei seinem Bau entsteht durch den nötigen Wanddurchbruch für den Zugang zum Balkon. Aufgrund des einfachen Aufbaus ist es auch Laien möglich, einen entsprechenden Vorstell-Balkon-Bausatz zumindest anteilig allein zu montieren. Hierdurch können wiederum Kosten eingespart werden.

Material

Balkone bestehen in der Regel aus Beton, Stahl, Aluminium oder Holz. Die Materialien unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich der Optik, sondern auch in Bezug auf Anschaffungs- und Folgekosten sowie ihren Eigenschaften:

Beton
Beton hat ein hohes Gewicht und ist daher schwieriger zu montieren. Die Materialkosten sind gering, die Montagekosten fallen allerdings höher als bei leichteren Materialen aus. Beton ist zudem pflegeleicht, sodass er in der Folge nur wenig Aufwand und laufende Kosten verursacht.

Stahl
Stahl und Edelstahl sind immer noch relativ schwer, jedoch leichter als Beton. In der Anschaffung sind die Materialien teurer als Beton, das gilt insbesondere für Edelstahl. Die Montage fällt je nach Größe ähnlich aufwendig aus. Folgekosten entstehen, wenn das Metall abgeschliffen und gegen Rost geschützt werden muss.

Aluminium
Aluminium ist besonders leicht und lässt sich daher einfach montieren. In der Regel ist durch das geringe Gewicht kein Kran oder ähnliches Baugerät für das Aufstellen von Nöten. Die Folgekosten sind ebenfalls gering. Das Material ist in der Anschaffung jedoch deutlich teurer als Beton oder Stahl.

Holz
Je nach Holzart können das Gewicht und die Kosten für das Holz
sehr unterschiedlich ausfallen. Besonders günstig ist beispielsweise Fichtenholz. Sehr kostspielig sind hingegen Edelhölzer, wie beispielsweise Eukalyptus. Die Montage ist meist sehr einfach, dafür müssen für das Abschleifen und Versiegeln allerdings entsprechende Folgekosten eingeplant werden.

Baugenehmigung und Standsicherheitsnachweis

Hochterrasse - BalkenkranzBevor ein Vorstellbalkon montiert werden kann, muss zunächst eine Baugenehmigung vorliegen. Für diese wird zudem ein Standsicherheitsnachweis benötigt. Wer es sich möglichst einfach machen will, wählt einen Anbieter, der die Anlagen direkt mit dem Bausatz liefert. Anderenfalls ist das zuständige Bauamt der passende Ansprechpartner.
Die Kosten für die Baugenehmigung sind abhängig von der jeweiligen Kommune, liegen durchschnittlich aber zwischen 400 und 600 Euro. Für den Erwerb des Standsicherheitsnachweises werden noch einmal etwa 1.000 Euro fällig.

Material- und Bausatzkosten

Die Kosten für einen Vorstellbalkon-Bausatz aus Holz sind von verschiedenen Faktoren abhängig. Darunter:

Holzart
Günstige Fichte oder teures Eukalyptusholz - die Preise können zwischen etwa 600 und 2.000 Euro pro Kubikmeter liegen. Wer sich für eine günstigere Holzart entscheidet, kann also bereits erhebliche Kosten einsparen.

Größe
Anderthalb Meter tief und vier Meter breit oder vier mal vier Meter - die Größe der Grundfläche hat eine Auswirkung auf den Materialverbrauch und das Gewicht und damit auf den notwendigen Montageaufwand. Je größer ein Balkon ist, desto teurer wird er also in mehrfacher Hinsicht.

Umfang des Bausatzes
Einfache Bausätze für Vorstellbalkone bestehen lediglich aus den Stützen, dem Balkonboden und dem notwendigen Montagematerial. Das Geländer ist in dem Preis für einen solchen Bausatz also noch nicht eingeschlossen. Bei der Auswahl sollte daher nicht nur der Preis für die Grundfläche, sondern für den Umfang des Bausatzes berücksichtigt werden.

Zusatzkosten

Hochterrasse - BodenEin Bausatz für einen kleinen Vorstellbalkon aus Holz ist in günstiger Ausführung bereits ab etwa 3.000 Euro zu haben. Das sind aber noch längst nicht alle Kosten, die mit der Anschaffung und Montage verbunden sind.
Hinzu kommen zudem:
  • Kosten für die Anlieferung
  • Geländer und Handlauf
  • Wanddurchbruch für den Zugang zum Balkon
  • Tür und Einbau der Balkontür
  • Montage
  • Folgekosten für Pflege, Schutz und Versiegelung des Materials

Beispielrechnung für Vorstellbalkon-Bausatz und -Montage

Für das Kostenbeispiel wird ein einfacher Vorstell-Balkon-Bausatz aus Leimholz ohne Geländer gewählt. Die Grundfläche des Balkons soll 1,5 x 4 Meter betragen. Die Kosten setzen sich somit aus den folgenden Elementen zusammen:
  • Balkonbausatz: 3.000 Euro
  • Geländer aus Holz, 7 Meter lang: 90 Euro pro Meter / 630 Euro gesamt
  • Montagekosten und Einbau der Tür: 4.500 Euro
  • Balkontür: 800 Euro
  • Baugenehmigung: 500 Euro
  • Standsicherheitsnachweis: 1.000 Euro
Die Kosten für diesen einfachen, kleinen Vorstellbalkon belaufen sich somit auf 10.430 Euro beziehungsweise auf 1738,33 Euro pro Quadratmeter Balkon. Bereits kleine Änderungen im Material von Balkon oder Geländer können den Preis erheblich anheben. Auch 2.200 Euro pro Quadratmeter Balkonfläche gelten immer noch als ausgesprochen günstig.

Balkonbausatz - Sparmöglichkeiten

Einige Möglichkeiten zum Einsparen von Kosten wurden bereits erwähnt. Wer den Preis so niedrig wie möglich halten möchte, kann sich an den folgenden Punkten orientieren:

Tür
Einfache Drehtüren mit einem Rahmen aus Kunststoff kosten zwischen 250 und 300 Euro. Sie sind damit deutlich günstiger als Dreh-Kipptüren oder Varianten mit hochwertigeren Rahmen.
Hochterrasse - Brüstung
Wärmeschutz
Je hochwertiger die Verglasung der Tür, desto teurer wird diese. Andererseits spart eine Wärmeschutztür fortlaufend Heizkosten.

Wanddurchbruch und Einbau der Tür
Wird die Tür an einem bereits teilweise vorhandenen Wanddurchbruch eingesetzt - also beispielsweise anstelle eines Fensters - lassen sich die Kosten verringern.

Montage anteilig selbst übernehmen
Mit viel Erfahrung und entsprechendem Wissen ist es durchaus möglich, einen Teil der Montage des Bausatzes selbst zu übernehmen. Einige Aufgaben, wie der Wanddurchbruch, sollten und müssen aber vom Fachmann übernommen werden.

Tipp: Die Kostenvoranschläge verschiedener Anbieter zu vergleichen gibt zum einen eine Orientierung darüber, mit welchen Preisen bei den eigenen Vorstellungen zu rechnen ist. Zum anderen lassen sich so auch verschiedene Elemente besser miteinander vergleichen und die günstigsten Preise
finden.