Blumen aus Ihrem Garten oder das Schnittblumen-Bund aus dem Supermarkt veredeln Sie mit ein wenig Geschick und dieser Anleitung zu einem prachtvollen Blumenstrauß. Tauchen Sie hier ein in die Grundlagen der Floristen-Kunst. Schritt für Schritt lernen Sie, wie sich Blumen und Schnittgrün in einen malerischen Spiralstrauß oder einen modernen Stehstrauß verwandeln. Ein praktisches Beispiel möchte Ihnen als Ansporn dienen und anfängliche Unsicherheiten verscheuchen.

Tipps für die Auswahl der Blumen

Der Blumen-Auswahl für den eigenhändig gebundenen Strauß sind keine Grenzen gesetzt. Ob selbst gepflückt in der Wildblumenwiese, aus dem eigenen Garten oder preisgünstig ergattert im Supermarkt - solange sich die Blüten noch nicht entfaltet haben, dient jede Blume als ideale Komponente im kreativen Blütenbouquet. Für ein Gebinde mit beeindruckender Präsenz, empfehlen wir eine Mindestanzahl von 15 Blüten zuzüglich Schnittgrün.

Schnittgrün ist obligatorisch

Unterschätzen Sie bitte nicht die Bedeutung des richtigen Schnittgrüns in der kreativen Floristik. Erst das
Bindegrün verleiht Ihrem Blumenstrauß lockere Fülle und ein repräsentatives Erscheinungsbild. Die Bezeichnung impliziert freilich nicht, dass die Beigabe auf die Farbe Grün beschränkt ist. Weiße und pastellfarbene Töne kommen ebenso in Betracht, wie dezente Nuancen. Trendy sind dunkelrot, braun und silber, passend zur Farbe der Blumen, ohne diese zu überstrahlen. Populäre Arten gedeihen vielleicht schon in Ihrem Garten oder sind preisgünstig im Internet zu erwerben. Hoch im Kurs bei Einsteigern und Profis stehen die folgenden Bindegrün-Pflanzen:
  • Weißes oder rosa Schleierkraut (Gypsophila paniculata) mit hauchzarten Sternenblüten
  • Großblättriger Frauenmantel (Alchemilla mollis) mit frisch-grünen Schmuckblättern
  • Felberich (Lysimachia cilliata), die Sorte 'Firecracker' mit dunkelrotem Laub
  • Wasserdost (Ageratina rugosum), die Sorte 'Chocolate' mit braunen Fiederblättern an rotbraunen Stielen
  • Silberraute (Artemisia ludoviciana), die Sorte 'Valerie Finnis' mit silbrig schimmernden Blättern
BlumenstraußEuphorbien aller Art dienen als bezaubernde Ergänzung für den fantasievollen Blumenstrauß. Gold-Wolfsmilch (Euphorbia polychroma) begeistert mit gold-gelben, im Herbst rotbraunen Blättern und rötlichen Fruchtständen. Einen besonderen Duft verleihen Sie Ihrem Blumenstrauß mit nicht blühenden Kräutern als Bindegrün, wie Salbei (Salvia officinalis). Filigrane Eleganz verleiht Sie einem Bouquet mit Ziergräsern, wie Diamantgras (Calamagrostis brachytricha). Für den dekorativen, äußeren Rahmen haben sich die grünen Wedel des Kleinen Schildfarns (Polystichum setiferum) sowie die immergrünen Blätter von Scheinbeere (Gaultheria shallon) und Teppichbeere (Gaultheria procumbens) herauskristallisiert.

Vorbereitungsarbeiten

Legen Sie die ausgewählten Blumen sowie die Schnittgrün-Pflanzen bitte griffbereit auf einen Tisch. Als weiteres Zubehör benötigen Sie eine Rosen- oder Gartenschere, Blumendraht oder Bastband sowie ein kleines Messer. So bereiten Sie die Bindearbeiten fachmännisch vor:
  • Überflüssige Blätter an der unteren Hälfte der Stängel entfernen
  • Dornen mithilfe eines Handtuchs von den Stielen abstreifen
  • Klingen von Schere und Messer schärfen und desinfizieren
An den Stielen von Blumen und Bindegrün sollten sich keine Pflanzenreste befinden, wo der Strauß später im Wasser steht. Sind alle Komponenten im Blumenstrauß sorgfältig geputzt, kann sich später im Wasser keine Fäulnis bilden, die Ihr florales Meisterwerk vorzeitig verblühen lässt. Diese Prämisse gilt auch für kleine Seitenknospen, die keinen Beitrag leisten zum Gesamtbild des fertigen Bouquets. Auch wenn das Gärtnerherz dabei blutet, schneiden Sie seitliche Knospen und Blüten rigoros ab, denn so machen es die Profis.

Grundlagen-Anleitung für einen Spiralstrauß

Wenn Sie die Kunst des Blumenbindens lernen möchten mit repräsentativen Ergebnissen von Beginn an, empfehlen wir Ihnen die bewährte Spiralform. Mit ein wenig Übung beherrschen Sie die folgende Bindetechnik im Nu und erhalten eine runde und zugleich voluminöse Anordnung aller floralen Bausteine. So machen Sie es richtig:
  • Die Hauptblume erwählen und in die Arbeitshand nehmen (bei Rechtshändern ist dies die linke Hand)
  • Den Daumen über den Blumenstängel legen
  • Am gewählten Bindepunkt ein Schnittgrün X-förmig anlegen
  • Den Daumen öffnen und um beide Stiele wieder schließen
  • Dergestalt abwechselnd Blumen und Bindegrün einfügen
  • Als äußeren Rahmen einen Kranz aus großblättrigem Schnittgrün arrangieren
  • Den fertigen Strauß mit Blumendraht oder Bastband umwickeln und einer Schleife dekorieren
  • Im letzten Schritt alle Stiele auf gleiche Länge abschneiden
BlumenstraußDie sukzessive Drehung im Uhrzeigersinn während der Bindearbeiten erzeugt eine spiralartige Formation der Blumen. Das Resultat sind ein runder Blütenkopf und eine schlanke Taille mit einer Primadonna im Zentrum. Die X-förmige Staffelung sorgt dafür, dass sich jede der floralen Schönheiten im Strauß angemessen in Szene setzt und nicht überdeckt werden kann. Indem Sie jede Blume über den Daumen legen, diesen öffnen und wieder schließen, wird die schräge und dennoch harmonische Ausrichtung sichergestellt. Dieser Kniff verhindert überdies, dass ein Stängel aus der Formation nach unten herausrutscht und versehentlich zu kurz abgeschnitten wird.

Tipp: Am halbschattigen Standort ohne Gefahr von Durchzug haben Sie lange Freude an Ihrem selbst gebundenen Blumenstrauß. Tauschen Sie alle 2 bis 3 Tage das Wasser aus, bleiben Blumen und Schnittgrün extra lange frisch.

Extra-Tipp für Anfänger

Haben Sie noch nicht den richtigen Dreh heraus für den perfekten Spiralstrauß? Das ist kein Grund, gleich die Flinte ins Korn zu werfen. Mit Bohnenranken aus dem eigenen Garten zaubern Sie im Handumdrehen ein stabiles Grundgerüst für Ihren Blumenstrauß, ganz ohne komplizierte Windungen und Drehungen. So gelingt es:
  • Aus den Ranken von Stangenbohnen einen Kranz winden
  • An 3 Stellen mit Blumendraht umwickeln
  • Die 3 Drahtenden im Zentrum miteinander
    verzwirbeln, sodass ein Gerüst mit Haltegriff entsteht
  • Den verzwirbelten Draht mit einer Hand umfassen
  • Mit der anderen Hand Blumen und Schnittgrün in den Kranz stecken und festhalten
Drehen Sie den Kranz etappenweise, um Lücken zu erkennen und mit Blüten oder Bindegrün zu füllen. Die haltende Hand nimmt dabei jeden Stiel einzeln auf, vergleichbar mit der 'Blume-über-den-Daumen-legen-Methode' beim Spiralstrauß. Zu guter Letzt umwickeln Sie die Stiele mit Blumendraht oder Bast und schneiden die Enden auf gleiche Länge ab. Die Kranz-Funktion übernehmen in diesem Fall die gewundenen Bohnenranken, was dem Blumenstrauß ein natürliches Flair verleiht.

Basis-Anleitung für einen Standstrauß

In der modernen Floristik liegt der angesagte Stehstrauß im Trend. Wie Sie der folgenden Grundlagen-Anleitung entnehmen können, punktet die Bindetechnik mit einer unkomplizierten Arbeitsweise und bringt ein sehenswertes Ergebnis hervor. Hervorragend geeignet sind Blumen mit stabilen Stielen, wie Tulpen, Narzissen, Rosen oder Rittersterne. Statt Schnittgrün kommen schmale bis daumendicke Äste mit schöner Rinde in den Strauß, um ihm die nötige Standfestigkeit zu verleihen.
So gelingt es:
  • Blumen und Äste auf gleiche Länge schneiden
  • Langes Bastband auf den Tisch legen
  • Abwechselnd Blumen und Zweige mittig auf das Bastband legen
Bei der Komposition aus Blumen und Ästen sind Ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt. Ob Sie die krautigen und verholzten Stiele in kleinen Büscheln oder einzeln miteinander zu einem Strauß kombinieren, unterliegt Ihrer individuellen Entscheidung. Sind alle Bestandteile verarbeitet, umfassen Sie den Strauß mit beiden Händen, stoßen ihn mehrfach leicht auf die Tischplatte auf und binden alles mit dem Bastband zusammen. Eine hübsche Schleife verleiht Ihrem Standstrauß den letzten Schliff. Stellen Sie Ihr fertiges Gebinde in eine moderne Glasschale, die einige Zentimeter hoch mit zimmerwarmem Wasser und einer Nährlösung gefüllt ist.

Praxisbeispiel für einen bunten Blumenstrauß

BlumenstraußDiese Grundlagen-Anleitung hat Sie vertraut gemacht mit den fundamentalen Techniken für einen Blumenstrauß aus eigener Hand. Damit Sie das Erlernte ohne langes Zögern in die Praxis umsetzen, haben wir im Folgenden ein konkretes Beispiel mitsamt Materialliste zusammengestellt. Los geht's!
Blumen- und Materialliste
Aus folgenden Blumen und Schnittgrün binden Sie einen Blumenstrauß in rosa und lilafarbenen Tönen für eine Vase von 20 cm Höhe mit einem Durchmesser von 12 cm:
  • 3 rosafarbene Rosen
  • 1 lila Inkalilie (Alstromeria)
  • 1 lila Chrysantheme
  • 2 dunkelrosa oder pinke Gerbera
  • 3 rotlaubige Purpurglöckchen (Heuchera)'Obsidian' oder Felberich 'Firecracker' (Lysimachia ciliata)
  • als Bindegrün: 3 bis 4 Stiele immergrüne Scheinbeere, Salal (Gaultheria shallon) sowie 12 Stiele Pistaziengrün (Pistacia lentiscus) oder Frauenmantel (Alchemilla mollis)
  • Bindedraht, ca. 40 cm lang
  • 2 Blumendrähte, ca. 30 cm lang
  • Gartenschere
  • scharfes Messer

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Binden

Die beiden Gerbera stabilisieren Sie mit Blumendraht. Zu diesem Zweck stecken Sie den Draht von unten her ein kleines Stück in die Blüte, ohne dass er von oben zu sehen ist. Anschließend wickeln Sie den Draht bis zum unteren Ende um den Stängel. Diese Maßnahme beeinträchtigt die Haltbarkeit der Blumen nicht. Legen Sie nunmehr Blumen, Schnittgrün und Zubehör griffbereit auf einen Tisch. So verfahren Sie weiter:
  • Die erste Blume in die Arbeitshand nehmen
  • Einen Stiel Pistaziengrün oder Frauenmantel dazulegen
  • So im Wechsel fortfahren, gemäß der Grund-Anleitung für den Spiralstrauß
Als äußeren Rahmen legen Sie die Stiele der Scheinbeere kranzförmig um die Blumen. Unterhalb der Scheinbeeren-Blätter umwickeln Sie den Strauß mit Blumendraht, ohne die Blumenstiele zu verletzen. Zwei Handbreit unter dem Bindedraht schneiden Sie alle Stängel auf eine einheitliche Länge ab. Fertig ist ein eleganter Blumenstrauß in zauberhaften rosa und lila Farbtönen, untermalt mit einem Kranz aus frisch-grünen Blättern.