Jahr für Jahr soll die Erde fleißig Ertrag abliefern: Knackiges Gemüse, leckere Erdbeeren, dicke Kartoffelknollen und alles, was der Gärtner sonst noch anbaut. Oder einfach nur reichlich grüne Grashalme, für den perfekten Rasen. Ohne unerwünschte Kräuter wie Löwenzahn, Gänseblümchen und Co. Und ohne Moos sowieso. Geht das einfach und vor allem auch naturnah? Kalkstickstoff soll ein lang bewährtes Zaubermittel sein.

Was ist überhaupt Kalkstickstoff?

Kalkstickstoff wird seit mehr als 100 Jahren industriell hergestellt. Bereits unser Eltern und Großeltern haben ihn für ihre Gemüsegärten und Rasen verwendet. Auch heute noch wird er im Handel angeboten, oft unter der Bezeichnung "Perlka". Dieser Name leitet sich von dessen Körnung ab. Gab es ihn früher vor allem in Pulverform, wird er heutzutage aus Sicherheitsgründen als Granulat gepresst angeboten. In einem chemischen Vorgang bindet das aus Kohle und Kalkstein produziertes Calciumcarbid den in der Luft reichlich vorhandenen Stickstoff. Kalkstickstoff besteht etwa zur Hälfte aus Kalk, einem Fünftel Calciumcyanamid (CaCN2) und etwas Nitrat.

Wie erreichen seine Wirkstoffe die Pflanzen?

Der Stickstoff im Calciumcyanamid ist für die Pflanzen
zunächst nicht sofort verfügbar. Erst im Boden wird diese Verbindung durch Mikroorganismen um Zusammenspiel mit Wasser in für Pflanzen verfügbare Stoffe umgewandelt. Das geschieht stufenweise und benötigt einiges an Zeit. Im ersten Schritt entstehen Löschkalk und der giftige und wasserlösliche Stoff Cyanamid. Gerade dieses Cyanamid entfaltet die herbizide Wirkung, weswegen der Kalkstickstoff besonders gern auch von Hobbygärtnern eingesetzt wird. In etwa zwei Wochen später haben die Mikroorganismen das toxische Cyanamid in vollkommen harmlosen Harnstoff und letztlich Nitrat umgewandelt. Nitrat kann von den Pflanzen über die Wurzeln zusammen mit Wasser aufgenommen und als Nährstoff genutzt werden. Es bleiben keine giftigen Reststoffe im Boden zurück.

Wofür ist Kalkstickstoff im Garten gut?

Kalkstickstoff im GartenDank seiner Bestandteile kann der Kalkstickstoff im Garten, auf Beet oder auf dem Rasen, auf vielfältige Art wirken:
  • als Langzeitdünger für Stickstoff bringt er schnelles Wachstum
  • als Fungizid gegen diverse Pilzkrankheiten
  • als Herbizid gegen Unkraut und Moos
  • als Insektizid gegen zahlreiche Schädlinge und gegen Schnecken
  • zur Kalkversorgung
  • als Kompostbeschleuniger für schnelle und gründliche Verrottung
  • als Bodenverbesserer durch Kalkanreicherung
  • als Begleiter von Gründüngungen nach der Ernte

Kalkstickstoff als Dünger

Dieser mineralische Dünger versorgt den Boden mit Stickstoff und Kalk. Stickstoff ist ein Nährstoff, der das Wachstum ankurbelt und regelmäßig und zuverlässig für einen guten Ertrag sorgt. Der Kalk hingegen wirkt der Versauerung des Bodens entgegen und verbessert gleichzeitig die Bodenstruktur. Mikroorganismen mögen nämlich keinen sauren Boden, sind aber als Bewohner der Gartenbeete unabkömmlich. Sie sind es, die durch ihre Umwandlungsprozesse für eine feine, krümmelige, lockere und nährstoffreiche Erde sorgen.

Langzeitwirkung von Kalkstickstoff

Nach der Ausbringung von Kalkstickstoff steht der Nitratanteil den Pflanzen sofort zur Verfügung. Die Mikroorganismen benötigen Zeit um den restlichen Kalkstickstoff vollständig für die Pflanzen aufzubereiten, von Cyanamid zu Ammonium und das wiederum zu Nitrat. Solange das Ammonium noch nicht in Nitrat umgewandelt ist, bleibt es im Boden. Es ist von Auswaschungen kaum betroffen. Die lange Umwandlungsdauer ist nicht von Nachteil, viel mehr ist es ideal für die Pflanzen. Sie benötigen ja die Nährstoffe nicht auf einmal, sondern in etwa gleichmäßig über die gesamte Vegetationsperiode verteilt.

Damit die Langzeitwirkung von Kalkstickstoff noch länger anhält, wird dem Kalkstickstoff Dicyandiamid (DCD) beigemischt. DCD entsteht als Nebenprodukt bei der Herstellung von Cyanamid und wird als sogenannter Nitrifikationshemmer bezeichnet. Er bremst den Umwandlungsprozess von Ammonium in Nitrat und trägt damit zur Langzeitwirkung von Kalkstickstoff bei. Die Schnelligkeit des Abbaus wird zusätzlich noch von der Temperatur und Bodenfeuchte beeinflusst.

Rasenpflege und Moosbekämpfung

Der Rasen kann ebenfalls mit Kalkstickstoff gedüngt werden. Er stärkt die Grasnarbe und führt so zu dichterem Rasen. Als positive Wirkung kommt noch die Vernichtung von unerwünschtem Moss hinzu. Dieser verdrängt die Gräser und breitet sich immer weiter aus, wenn man nichts dagegen unternimmt. Ganz besonders liebt er es, wenn der Rasen schattig liegt und oft feucht ist. Doch die Anwendung von Kalkstickstoff auf Rasen ist ein wenig heikel und erfordert daher gärtnerische Erfahrung, sonst wird nicht
die gewünschte Wirkung erzielt. Im Gegenteil, der Rasen leidet spürbar unter falsch durchgeführter Pflege.
  • empfohlene Dosierung unbedingt einhalten
  • Granulat über die gesamte Fläche gleichmäßig verteilen
  • das Gras darf während der Ausbringung nicht zu nass sein
  • Kalkstickstoff nicht auf frisch ausgesäten Rasen anwenden
Kalkstickstoff im GartenWer seinen Rasen liebt, hält sich besser an diese Regeln, sonst riskiert der Rasenbesitzer schnell einen verbrannten Rasen durch Überdosierung. Sind die Halme zu nass, bleiben viele Stickstoffkörnchen daran kleben und führen ebenfalls zu unerwünschten Verbrennungen. Und junge Graspflanzen sind noch zu empfindlich gegenüber Kalkstickstoff. Der Rasen erholt sich zwar von den Verbrennungen wieder, ist aber für einige Wochen nicht mehr schön anzusehen.

Wie wirkt Kalkstickstoff gegen Schnecken?

In manchen Jahren sind Nacktschnecken eine Riesenplage in vielen Gärten. Mildes Wetter, kaum natürliche Feinde und häufiges Wässern begünstigt deren Verbreitung. Überall sieht man sie herumkriechen und im Nu die Blätter der Pflanzen verschlingen. Dabei sind sie so gefräßig, dass von einem Salatkopf oft nur noch die Wurzel übrig bleibt. Unzählige Bekämpfungsmethoden kommen dann zum Einsatz, doch nicht alle sind Erfolg versprechend oder entfalten ihre Wirkung viel zu langsam. Aus reichlich gelegten Eiern schlüpfen immer weitere Schnecken nach.

Kalkstickstoff wirkt gleich doppelt, gegen kriechende Schnecken und deren Eier. So kann kein Schneckennachschub mehr schlüpfen.
  • 30 Gramm Kalkstickstoff pro Quadratmeter genügen
  • übliche "Schneckenplätze" besonders sorgsam behandeln
  • wie Komposthaufen, Gestrüpp und Hecken
  • nach einigen Wochen die Anwendung wiederholen
Auch Drahtwürmer und Tipulalarven können so bekämpft werden.

Kalkstickstoff gegen Pilzkrankheiten

Kohlhernie ist eine äußerst hartnäckige Pilzkrankheit, die mit Vorliebe Kohlpflanzen befällt. Sie kann leider kaum wirksam bekämpft werden. Kalkstickstoff wirkt dagegen, indem es bereits die Pilzsporen im Boden bekämpft. Sie werden am Keimen gehindert, der Befall wird dadurch rasch eingedämmt. Auch Sporen von Apfelschorf werden so erfolgreich bekämpft.

Kalkstickstoff gegen Unkräuter

Die herbizide Wirkung des Kalkstickstoffs entfaltet sich gleich zu Beginn der Anwendung. Der erste Stoff der bei der Umwandlung entsteht, ist das giftige Cyanamid. Es sinkt einige Zentimeter in den Boden hinein und vernichtet alle flachwurzelnden Pflanzen. Dabei handelt es sich meist um unerwünschte Kräuter. Der Garten bleibt frei so überwiegend von Unkraut, das lästige und anstrengende Unkrautjäten wird fast überflüssig. Andere Pflanzen werden nicht mehr verdrängt oder am Wachsen gehindert.

Was Kalkstickstoff im Kompost zu suchen hat.

KompostEin Komposthaufen ist praktisch. Alles Grünzeug, das nicht auf dem Teller landet, landet auf dem Komposthaufen. Dafür gibt er uns nach einiger Zeit feinste, nährstoffreiche Erde zurück. Nur leider kann die Verrottung mal eben ein ganzes Jahr oder noch länger andauern. Wird hingegen immer wieder Kalkstickstoff über die Gartenabfälle gestreut, beschleunigt sich dieser Prozess enorm. Der hohe Kalkgehalt und die besondere Stickstoffform fördern Rottebakterien. Der so stärker erwärmte Kompost ist als Brutstätte für Schnecken, Maden, Krankheitserregern sowie Unkrautsamen nicht mehr geeignet. Infolge dessen wandeln sich die Gartenabfälle ohne Fliegen und begleitenden Gestank in Humus um.

Wann in ist der optimale Zeitpunkt für Kalkstickstoff?

Das Granulat kann in der warmen Jahreszeit in den Monaten März bis September in den Garten ausgestreut und eingearbeitet werden.
  • rechtzeitig vor dem Säen oder Pflanzen
  • im Frühjahr zwei Wochen vor Aussaat
  • im Sommer reicht eine Woche
  • morgens oder abends streuen
  • den Boden feucht halten
  • das Beet in dieser Zeit nicht betreten
  • Haustiere fernhalten
  • erst nach 1-2 Wochen ist die giftige Zeitspanne vorüber
  • bei kalter Witterung einige Tage länger mit dem Aussäen warten
  • Einsatz auch nach der Kultur zur "Bodenreinigung"
  • geeignet zum Auffüllen des Stickstoffvorrats
  • nicht während des Pflanzenwachstums anwenden
  • dann erst recht nicht durch ungeübte Gärtner
Hinweis: Feuchter Boden ist ideal für die Ausbringung von Kalkstickstoff. Er darf jedoch nicht auf feuchte Pflanzen gestreut werden. Es besteht die Gefahr, dass die empfindsamen Blätter verbrennen.

Die richtige Dosierung

Die richtige Dosierung muss sich am Bedarf der angebauten
Kulturen richten. Stark zehrende Pflanzen benötigen am meisten davon, pro Quadratmeter Anbaufläche etwa 30 bis 90 Gramm Kalkstickstoff. Gurken und Kartoffeln etwa 30 bis 50 Gramm. Bestehender Rasen ist mit etwa 20 Gramm pro Quadratmeter gut versorgt. In einer etwa einen Quadratmeter großen Kompostanlage wird etwa 150 Gramm Kalkstickstoff eingestreut. Nachdem die neue Kompostschicht 30 cm Höhe erreicht hat, kann erneut Kalkstickstoff zugegeben werden. Diese Werte sind nur Richtwerte. Beachten Sie unbedingt die Angaben auf der Verkaufsverpackung. Wenn die Dosierungsmenge nicht eindeutig klar ist, lieber im Fachhandel nachfragen.
Kalkstickstoff im Garten
Der Kalkstickstoff sollte möglichst gleichmäßig ausgestreut werden. Dabei aus dem Handgelenk zu allen Seiten nach oben werfen. So kann das Granulat besser auseinander fliegen und sich gleichmäßig zerstreuen.

Hinweis: Erst die Kartoffeln in die Erde legen, dann im Anschluß mit Kalkstickstoff düngen. Falls kein Messbecher vorhanden ist: 20 Gramm Kalkstickstoff entsprechen in etwa einem gehäuftem Esslöffel.

Achtung: Vorsichtsmaßnahmen einhalten!

Kalkstickstoff wird zwar nicht mehr als feines Pulver angeboten, welches sich in der Luft ausbreiten und leicht eingeatmet werden kann, dennoch ist er nicht ganz bedenkenlos anzuwenden. Bei fahrlässiger und falscher Anwendung stellt vor allem das giftige Cyanamid eine Gefahr für Menschen und Haustiere da. Kommt dieser Stoff mit feuchter Haut oder Schleimhäuten in Berührung, ist er gesundheitsschädlich und führt zu Verätzungen.
  • beim Streuen Gummi- oder Latexhandschuhe tragen
  • darf niemals in Augen kommen
  • Kinder und Haustiere fernhalten
  • Kalkstickstoff unzugänglich und nach Vorschrift aufbewahren
  • vor Anwendung stets die Packungshinweise lesen und beachten

Kalkstickstoff und Topfpflanzen

Wer seinen Gartenpflanzen mit Kalkstickstoff Gutes tut, könnte auch auf die Idee kommen, seine Topfpflanzen damit zu beglücken. Diese Vorstellung ist zwar naheliegend aber dennoch nicht zu empfehlen. Auf so einem kleinen Raum, kann es schnell vorkommen, dass die Wurzeln zu viel Cyanamid aufnehmen, noch bevor dieses weiter umgewandelt werden kann. Die Folge sind vergilbte und vertrocknete Blätter.