Es gibt tatsächlich auch Schnecken, die willkommen sind. Schnecken, die sich nach Herzenslust an unseren Pflanzen bedienen dürfen. Die Rede ist von Apfelschnecken, den niedlichen Wasserbewohnern aus den fernen Tropen. Neben ihrem Appetit für Pflanzenreste und Algen begeistern sie ihre Besitzer mit hübschen, farbigen Häuschen. Die Haltung im Aquarium ist denkbar einfach. Ein paar Wünsche müssen ihnen allerdings erfüllt werden.

Herkunft

Die Ampullariidae, wie der wissenschaftliche Name der Apfelschnecken lautet, sind von der Evolution für ein Leben als Tropenbewohner konzipiert. Überall auf der Erde, wo tropische Bedingungen herrschen, sind die verschiedenen Gattungen anzutreffen. In Südamerika, Mittelamerika, Afrika und Asien liegen ihre ursprünglichen Verbreitungsgebiete. Inzwischen wurden sie auch in anderen Gegenden verschleppt, wo sie unter günstigen Bedingungen eine neue Heimat gefunden haben. Da sie dort meist keine natürlichen Feinde haben, haben sie sich teilweise zu einer Plage für die einheimische Pflanzen- und Tierwelt entwickelt. Auch als Aquariumbewohner sind Apfelschnecken weltweit anzutreffen. Den Namen Apfelschnecke ist auf das Gehäuse der Schnecken zurück zu führen, das von seiner Form an einen Apfel erinnert.

Arten

Von den Apfelschnecken sind weltweit viele unterschiedliche Arten bekannt. Einige dieser Arten sind für die Haltung im Aquarium besonders
gefragt.
Paradiesschnecke:
  • wissenschaftlich: Marisa cornuarietis
  • Gehäusedurchmesser ca. 5 cm
  • Gehäusefarbe ist Creme bis Hellbraun
  • mit dunkelbraunen Streifen
  • es gibt sie auch goldgelb ohne Streifen
  • erinnert an eine riesige Posthornschnecke,
  • ist aber dennoch eine Apfelschnecke
  • gehört zu den gefräßigsten Exemplaren
  • vertilgt lebende Pflanzen
  • vermehrt sich ausgesprochen gut
Zebra Apfelschnecke:
  • wissenschaftlich: Asolene spixi
  • Gehäusedurchmesser bis ca. 4 cm
  • das Gehäuse ist hellbraun mit dunkleren Streifen
  • zurückhaltender im Fressverhalten
  • verschont überwiegend die Pflanzen
  • mehr nachtaktiv
  • vergräbt sich gern  
Riesen Apfelschnecke:
  • wissenschaftlich Pila ampullacea
  • Gehäusehöhe bis ca. 10 cm
  • das Gehäuse ist rotbraun bis dunkelbraun
  • gelegentlich mit dunkleren Spiralstreifen
  • frisst auch Pflanzen
  • gräbt sehr gerne
Pomacea-Arten:
  • die beliebteste Art ist Pomacea diffusa
  • frisst keine lebenden Pflanzen
  • Gehäusehöhe bis ca. 5,5 cm
  • Gehäusefarben: Weiß, Gelb, Braun, Rosa, Lila, Blau
  • andere Pomacea-Arten werden größer
  • sind weniger farbenroh
  • fressen auch Pflanzen
  • alle Pomacea-Arten unterliegen einem Verbreitungsverbot

Verbreitungsverbot

ApfelschneckeSpanische Bauern leiden seit Jahren unter der Apfelschnecke Pomacea insularum. Diese Art wurde in das Ebro-Delta eingeschleppt, wo sie auf keine natürlichen Feinde traf. Die Folge war eine massenhafte Vermehrung. Sie tummeln sich dort in der freien Natur, speziell in den wasserhaltigen Reisbecken. Jahr für Jahr richten die gefräßigen Tierchen große Schäden in der Landwirtschaft an. Aus diesem Grund wurden 2012 einige gesetzliche Regelungen zu deren Haltung und Verbreitung erlassen, die für den ganzen EU-Bereich gelten.
  • die Pomacea Arten sind schwer zu unterscheiden
  • daher sind alle Arten betroffen
  • auch die beliebte Pomacea diffusa
  • Regelung gilt auch für Hobbyhalter
  • Pomaceas dürfen gehalten werden
  • Zucht für den Eigenbedarf ist erlaubt
  • VERBOTEN: die Weitergabe/ in Verkehr bringen der Schnecken
Hinweis: Anders als in Spanien besteht in unseren Breitengraden keine Gefahr, dass sich diese Apfelschnecken in der freien Natur ausbreiten. Dafür sind die Winter viel zu kalt. Die Schnecken würden die Minusgrade nicht lebend überstehen.

Aquariumhaltung

Die Apfelschnecken bewohnen in ihrer Ursprungsheimat meist sumpfige Gebiete. Hierzulande finden sie solche Lebensbedingungen in der freien Natur nicht. Zudem vertragen sie die winterliche Kälte nicht, weswegen sie fast ausschließlich in Aquarien gehalten werden. Damit die Apfelschnecken sich darin wohl füllen, sollte ihre Wasserwelt einige Voraussetzungen erfüllen. Unter guten Bedingungen können sie dort ein Alter von 4 Jahren erreichen.
  • Aquarium sollte mindestens 10 Liter groß sein
  • pro 10 Liter Wasser höchstens eine Schnecke
  • Becken sollte abgedeckt sein
  • Wasser mit hohem Härtegrad
  • pH-Wert von 7 bis 8,5 ist optimal
  • Aquarienkies und Sauerstoffsteine sind als Basis ausreichend
Tipp: Apfelschecken können im Sommer auch in Teichen leben. Hier lauern jedoch fliegende Feinde, wie Amseln. Sie fischen die Schnecken gekonnt aus dem Wasser. Im Winter müssen Schnecken in einem Aquarium überwintern.

Wassertemperatur

Apfelschnecken benötigen das nasse Element zum Leben. Damit sie sich darin optimal entwickeln können, muss es durchgehend wohl temperiert sein.
  • Apfelschnecken mögen kaltes Wasser gar nicht
  • im Winter würden sie im Teich erfrieren
  • die optimale Wassertemperatur liegt ideal bei
    18 bis 28 Grad
  • je höher die Wärme ist, desto aktiver sind die Schnecken

Nachbarn

Ein Aquarium nur mit Apfelschnecken kann auf Dauer etwas langweilig sein. Das muss jedoch nicht so sein. Diese Schnecken brauchen kein einsames Dasein zu fristen, denn sie vertragen sich gut mit einigen anderen tierischen und pflanzlichen Wasserbewohnern.
  • alle Zierfische sind gute Nachbarn
  • jedoch keine schneckenfressende Fische
  • Pflanzen dürfen in ihrem Lebensraum wachsen
Tipp: Wenn einige Fische immer wieder versuchen den Sipho der Schnecken anzuknabbern, könnten sie diesen beschädigen. Da die Schnecken den Sipho für die Luftatmung benötigen, müssen sie von diesen Fischen getrennt werden.

Nahrung

ApfelschneckeApfelschnecken ernähren sich überwiegend von pflanzlicher Nahrung. Sie sind jedoch keine reinen Pflanzenfresser. Auch Lebendfutter ist ihnen willkommen, das sie an der Wasseroberfläche geschickt fangen. Je mehr Futter den Schnecken zur Verfügung steht, desto stärker vermehren sie sich. Wer Krebse im Aquarium hält, kann sich das zunutze machen. Apfelschnecken sind ideales Proteinfutter für die Kneifer.
  • ernähren sich überwiegend von Pflanzenkost
  • Pomacea diffusa bevorzugt weiche Algen und totes Pflanzenmaterial
  • Pomacea diffusa muss zugefüttert werden
  • andere Arten machen auch vor lebenden Pflanzen nicht halt
  • die Folge ist Lochfraß
  • oder gar die komplette Vernichtung der Aquariumpflanzen
  • auch Gemüse kann verfüttert werden
  • Insektenlarven, Aas und Biofilm sind ebenfalls Schneckenfutter
  • Schneckeneier anderer Schnecken sind beliebte Proteinquellen
Tipp: Salatblätter und Gurkenscheiben werden von Apfelschnecken gerne gegessen. Sie sollten allerdings zuvor mit heißem Wasser überbrüht werden. Das Gemüse darf zudem nie länger als zwei Tage im Wasser bleiben, da es sonst anfängt zu faulen.

Mineralbedarf

Für den Bau und Erhaltung der schönen Häuschen benötigen die Apfelschnecken reichlich Kalzium. Dieses muss ihnen laufend zur Verfügung stehen. Einige Kalziumquellen bieten sich dafür an:
  • zerstoßene Eierschalen
  • kalkhaltiges Mineralfutter
  • Sepiaschalen
  • spezielles Schneckenfutter
Doch nicht nur über Futter nehmen Schnecken Kalzium auf, sie entziehen es auch dem Aquariumwasser. Das verändert nach und nach die Wasserqualität.
  • das Wasser wird weich und sauer
  • saures Wasser greift die Gehäuse an
  • regelmäßige Wasserwechsel sind daher Pflicht
  • bei Jungschnecken kleinere Wassermengen wechseln, dafür öfter  

Atmung

Apfelschnecken benötigen zum Leben ausreichend Luft. Doch keine Sorge, auch die im Wasser lebenden Schnecken werden gut damit versorgt. Da Wasser oft sauerstoffarm ist, haben sich die Schnecken da etwas einfallen lassen, damit ihre Sauerstoffzufuhr stets gesichert ist.
  • sie verfügen über eine besondere anatomische Lösung
  • sie haben sowohl Kiemen als auch Lungen
  • zusätzlich auch noch einen Sipho
Hinweis: Der Sipho ist eine Art Röhre, ähnlich einem Schnorchel. Damit können die Schnecken frische Luft einsaugen, ohne dafür aus dem Wasser auftauchen zu müssen.
 

Vermehrung

Wasserschnecken sind oft Zwitter, das gilt allerdings nicht für die Apfelschnecken. Sie entwickeln sich getrenntgeschlechtlich.
  • Begattung ist erforderlich
  • Vermehrung über Eier
  • 200 bis 250 Eier werden abgelegt
  • Eierfarbe variiert je nach Schneckenart
  • Eier werden an der Wasseroberfläche abgelegt
  • oft an der Innenseite der Abdeckung
  • an Stängeln von Pflanzen
  • manche Arten legen die Eier im Wasser ab
Hinweis: Schnecken können ein Samendepot anlegen. Es ist ihnen dann möglich, noch 9 Monate ohne Kontakt mit anderen Schnecken Eier abzulegen.  

Zucht

Apfelschnecken werden im Handel günstig angeboten, können aber auch leicht selbst gezüchtet werden.  Dafür benötigen Sie mindestens zwei Tiere: ein Männchen und ein Weibchen. Die Tiere dieser Schneckenart sind bereits mit 7 Monaten geschlechtsreif. Bei manchen Apfelschnecken lassen sich die beiden Geschlechter äußerlich nicht unterscheiden. Durch Beobachtung kann man das jedoch gut feststellen.
  • bei der Begattung ist das männliche Tier oben
  • bei zwei kriechenden Schnecken ist die letzte Schnecke meist die männliche
ApfelschneckeSobald sich unter den gehaltenen Schnecken ein Paar gefunden hat, beginnt die Begattung. Der Lauf der Natur bringt schließlich von allein nach einiger Zeit viele neue Schnecken hervor. Für Sie als Besitzer reicht es aus, wenn Sie den Vorgang mit optimalen Bedingungen unterstützen:
  • warmes Wasser begünstigt die Vermehrung
  • Pomacea-Arten legen Eier außerhalb des Wassers ab
  • zwischen Wasseroberfläche und Deckel sollte etwas Raum sein
  • hohe Luftfeuchtigkeit ist wichtig
  • abgelegte Eier dürfen nicht austrocknen
  • an warmen Orten Eier zusätzlich befeuchten
  • dafür mit angefeuchtetem Finger täglich drüber streichen
  • andere Arten legen die Eier auch im Wasser
    ab
  • nach etwa 2 bis 6 Wochen schlüpfen die jungen Schnecken
  • sie fallen von allein ins Wasser
  • wenn nicht, dann mit der Hand nachhelfen
  • in den ersten zwei Wochen mit Staubfutter füttern
  • Filtereingänge mit Nylonstrumpf absichern
  • ggf. Fische fernhalten, da manche die Jungtiere fressen
Tipp: Manchmal können an Aquariendeckel abgelegte Eier wieder abfallen. Sie lassen sich jedoch gut mit etwas Zuckerguss ankleben. Diesem darf allerdings keine Zitronensäure beigefügt werden.

Vermehrungskontrolle

Nach der Paarung legt die Apfelschnecke mehr als 200 Eier ab. Unter günstigen Bedingungen kann ein sehr hoher Prozentteil davon schlüpfen. Doch manchmal hat man schon ausreichend Schnecken und möchte keinen weiteren Nachwuchs. Die wirksamste Vermehrungskontrolle ist, einfach den Laich mit der Hand einzusammeln und aus dem Becken zu entfernen. Dann muss auch keine Lösung für viele junge Schnecken gefunden werden. Gerade die Tiere der beliebten Pomacea diffusa dürfen nicht weiter gegeben werden. Für die eigene Zucht stößt eine unkontrollierte Vermehrung schnell an ihre Grenzen. Schließlich wird jede Jungschnecke irgendwann zu einer ausgewachsenen Schnecke und benötigt ausreichend Platz im "räumlich begrenzten" Aquarium.

Nützlichkeit

Apfelschnecken schmücken jede heimische Wasserwelt und das ist meist auch der Sinn und Zweck ihrer Haltung. Darüber hinaus sind sie in der Aquaristik aber auch nützliche Tierchen. Sie fressen Pflanzenreste und Algen weg und können deswegen gezielt als natürliche "Reinigungskraft" eingesetzt werden. Nur bei den ganz gefräßigen Sorten ist auf eine angemessene Anzahl zu achten, sodass sie nicht im Nu die ganze Pflanzenwelt weg fressen können.

Krankheiten

Apfelschnecken sind erstaunlich zähe Lebewesen, dennoch können sie von Krankheiten heimgesucht werden. Die Ursache vieler Krankheitssymptome ist nicht genau bekannt. Auch gibt es keine wirksamen Mittel dagegen. Hier hilft es vorzubeugen und den Schnecken optimale Lebensbedingungen zu bieten, damit sich ihr Immunsystem gut entwickelt.
  • weitere Ansteckungen vermeiden
  • erkrankte Schnecken aus dem Aquarium nehmen
  • ggf. separat halten
  • manchmal erholen sich die Schnecken wieder
  • bei Gehäuseschäden die Wasserhärte überprüfen
  • wechselnde Wasserhärte sollte vermieden werden
Gerade Änderungen in der Wasserqualität vertragen Schnecken nicht sehr gut. Wenn sie umgesetzt werden müssen, sollte die Anpassung an den neuen Lebensbereich behutsam erfolgen. Dafür werden sie zunächst in einen Beutel mit Aquariumwasser gegeben und zusammen damit in das neue Aquarium eingesetzt. Erst nach einem Temperaturangleich werden sie freigelassen.