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Turmdeckelschnecken | 13 Tipps zu Haltung & Vermehrung

Turmdeckelschnecken - Thiara Cancellata
H. Zell, Thiara cancellata 01, bearbeitet von Hausgarten, CC BY-SA 3.0

Vor einigen Jahren besaßen Turmdeckelschnecken aus der Familie der Thiaridae noch einen schlechten Ruf – nicht zuletzt, weil sie sich rasant vermehren können. Heute gelten sie als nützliche Wassertiere, die einige Vorteile mit sich bringen. Allerdings überleben sie nicht überall und vor allem eine Massenvermehrung kann schnell zu Problemen führen. Wertvolle Tipps in den Kategorien Haltung und Vermehrung gibt es hier.

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Arten

Unter diesen Thiaridae-Exemplaren verbergen sich zahlreiche verschiedene Arten. Am häufigsten sind die „klassischen“ Exemplare. Sie weisen alle ein länglich geformtes Gehäuse mit acht bis 15 Rillen auf. Zudem erreichen sie eine Gesamtgröße von etwa drei Zentimeter.

Zu den „Klassikern“ zählen:

  • Melanoides tuberculata
  • Malaiische Turmdeckelschnecke, auch Nadel-Kronenschnecke genannt
  • Genoppte Turmdeckelschnecke, wird auch als Nöppi bezeichnet (Tarebia granifera)
  • Schwarze Turmdeckelschnecke (Melanoides maculata)
  • Spiky Turmdeckelschnecke (Tarebia lineata)

Geschlecht und Vermehrungsweise

Die klassische Turmdeckelschnecke ist grundsätzlich weiblich, zumindest ist heute kein Nachweis über männliche Tiere vorhanden. Berechtigt ist nun die Frage, wie sie sich vermehren. Die Weibchen klonen sich mit Hilfe ihrer Eier und benötigen daher kein männliches Tier für die Befruchtung. Experten sprechen hierbei von der „Parthenogenese“.

Parthenogenese

Bei der Parthenogenese handelt es sich um eine besondere Fortpflanzungsart, die auch als Jungfernzeugung sowie Jungferngeburt bezeichnet wird. Es ist eine eingeschlechtliche Fortpflanzung, bei welcher sich die Nachkommen in einzelnen Eizellen entwickeln, ohne dass die befruchtet werden (müssen). Für die Vermehrung bedeutet dies, dass eine einzige Turmdeckelschnecke ausreicht, um Nachwuchs zu erhalten und den Anfang für eine Massenvermehrung machen.

Vermehrung

Turmdeckelschnecken H. Zell, Melanoides spec. 01, bearbeitet von Hausgarten, CC BY-SA 3.0
H. Zell, Stenomelania sobria 01, bearbeitet von Hausgarten, CC BY-SA 3.0

Die Turmdeckelschnecke gebärt ihren Nachwuchs lebend und legt keine Eier ab. Pro Schnecke können im Durchschnitt 30 Nachkommen geboren werden. Bei optimalen Bedingungen kann eine Befruchtung im zehntägigen Rhythmus erfolgen. Da der Nachwuchs innerhalb von zwei bis drei Monaten ebenfalls befruchtungsfähig ist und jedes Tier bis zu fünf Jungtieren gebären kann, ist eine Massenvermehrung schnell in Sicht.

„Schwangerschaft“ bis Geburt

Nachdem die Weibchen selbst ihre Eier befruchtet haben, beginnt die Entwicklung des Nachwuchses in dem Muttertier. Es dauert nur wenige Tage, bis eine „fertige“ Schnecke lebend geboren wird. Sie hat anschließend lediglich an Größe zuzunehmen. Die „Schwangerschaft“ ist in der Regel nicht zu erkennen. Was auffallen kann ist, wenn bei höherer Population das Muttertier von Artgenossen begleitend, in der Nähe der Wasseroberfläche gesichtet wird. Das ist ein typisches Anzeichen für eine bevorstehende Geburt. Für diese klappt die Turmdeckelschnecke ihre Gehäuse um, damit der Nachwuchs heraus kann. Bei geringer Population gräbt sie sich in den Bodengrund und gebärt dort.

Überbevölkerung

Eine Überbevölkerung von Turmdeckelschnecken ist in keinem Fall erwünscht. In Massen verlieren an den Vorteilen, die sie Teichen und Aquarien bringen. Das Wasser wird unreiner und aufgrund des hohen Nahrungsbedarfs vergreifen sie sich meist auch an gesunden Pflanzen, die in der Folge bis zum Absterben geschädigt werden können. Zudem werden sie nicht aufhören sich zu vermehren und endlos neuen Nachwuchs zeugen.

  1. Sparsame Fütterung – zügig abgestorbene Pflanzenreste entfernen, Fischfutter reduzieren, tote Fische sofort entsorgen
  2. Regelmäßige und gründliche Teich-/Aquariumreinigung
  3. Dreimaliger Wasserwechsel pro Woche verlängert den üblichen Gebär-Rhythmus von etwa zehn Tagen
  4. Raubturmdeckelschnecke einsetzen – sie frisst ihre Artgenossen, allerdings alle, wenn sie nicht rechtzeitig wieder herausgenommen wird
HINWEIS:

Die Weichtiere sind aufgrund ihrer Nachaktivität und ihres „Versteckens“ tagsüber selten zu sehen. Sollten einige Exemplare am Tage plötzlich durch das Wasser ziehen, kann das ein Indiz für eine zu hohe Population/Überbevölkerung sein.

Haltung

5. Aquarium oder Gartenteich

Wer es unkompliziert mag, bevorzugt das Aquarium für die Turmdeckelschnecke. Hier kann deutlich besser und langfristig eine ideale Wassertemperatur konstant gehalten werden, als in einem Gartenteich, dessen Temperatur von der Witterung abhängig ist und wo die Tiere im Winter sterben würden. Optimal sind tropische Süßwasser-Aquarien mit Bodengrund.

6. Becken- und Teichgröße

Damit die Weichtiere ausreichend Platz haben, sollte die Becken-/Teichgröße mindestens 30 Liter umfassen.

7. Wassertemperatur

Die Wassertemperatur sollte stets zwischen 16 und 28 Grad Celsius liegen. Die ideale Temperatur liegt um die 24 Grad Celsius.

8. Phosphat- und Nitritwerte

Die verschiedenen Turmdeckelschneckenarten reagieren äußerst empfindlich gegen hohe Phosphatwerte und Nitratbelastungen. Kupfer im Wasser kann zum Tod der Tiere führen. Dementsprechend ist es wichtig, das Wasser regelmäßig auf die Werte der Inhaltsstoffe zu kontrollieren und gegebenenfalls für Abhilfe zu sorgen, durch beispielsweise einen Wasserwechsel.

9. pH-Wert

Turmdeckelschnecken H. Zell, Melanoides admirabilis 01, bearbeitet von Hausgarten, CC BY-SA 3.0
H. Zell, Tarebia lateritia 01, bearbeitet von Hausgarten, CC BY-SA 3.0

Die Turmdeckelschnecke bevorzugt eine Wasserqualität mit einem pH-Wert im neutralen Bereich um die 7.0. Zudem ist eine Wasserhärte ab zwölf dGH (deutsche Gesamthärte) für ideale Haltungsbedingungen erforderlich. Ein natürlicher Teich hat meist eine dGH zwischen acht und zwölf und deshalb nicht optimal.

HINWEIS:

Sind Turmdeckelschnecken vermehrt im Teich angesiedelt, ist dies ein Zeichen dafür, dass das biologische Gleichgewicht nicht optimal ist. Die Weichtiere siedeln sich dort an, wo sie ideale Futterbedingungen vorfinden, was durch eine geringe Hygiene gegeben ist.

10. Pflanzen

Die Weichtiere ernähren sich unter anderem von abgestorbenen Pflanzenresten. Gesunde Pflanzenteile finden ihr Interesse unter normalen Umständen selten bis gar nicht. Allerdings sorgen Pflanzen für die Wasserfilterung und optimieren im Idealfall die Wasserqualität. Zudem setzen sie sich gern an Pflanzen ab und ruhen dort vor allem tagsüber, da sie zu den nachtaktiven Tieren gehören und das Licht scheuen. Pflanzen geben ihnen den bevorzugten „Schatten“.

11. Bodengrund

Ein mindestens drei Zentimeter dicker Bodengrund aus Kies und/oder Sand sollte im Teich oder dem Aquarium vorhanden sein – besser mehr. Hier leben sie hauptsächlich.

Die Turmdeckelschnecke kann in nahezu allen tropischen Süßwasser-Aquarien untergebracht werden, in denen Bodengrund vorhanden ist. Sie kann in feinem Kies leben oder auch im Sand. Sie mag eine mindestens drei Zentimeter dicke Bodenschicht. Zum Vorteil des biologischen Gleichgewichtes darf es auch gerne mehr sein.

12. Nahrung

Neben abgestorbenen Pflanzenresten ernähren sie sich auch von Futterresten, toten Fischen, Fischdreck und Fischlaichen, die am Bodengrund liegen. Spezielle Nahrung ist in der Regel nicht hinzuzufüttern, wenn sich im Teich oder Aquarium Fische befinden. Sie säubern entsprechend ihr Territorium, was den Besitzern viel Pflegeaufwand abnimmt. Für ausreichend Nahrung sollte entsprechend gesorgt werden, weil sie ansonsten auch nicht-abgestorbene Pflanzenteile anfrisst.

13. Winter im Wasser

Turmdeckelschnecken werden überwiegend in Aquarien gehalten. Hier herrschen in der Regel angenehme Temperaturen, wie sie diese aus dem ursprünglichen Heimatgebiet den Tropen, gewohnt sind. Eine längere Überlebenschance im Gartenteich haben sie in hiesigen Gefilden kaum. Dies beruht auf der winterlichen Temperatur, die sie nicht überstehen, wenn die Temperatur längerfristig unter zehn Grad Celsius sinkt, geschweige denn, Frost über Wochen besteht. Einige Tage können sie diese durchaus überleben, aber in Mitteleuropa sind länger anhaltende Temperaturen unter zehn Grad Celsius und Frostperioden üblich.

Tipp:

Sollen die Wasserschnecken aus dem Gartenteich den Winter überleben, sollten sie aus diesem heraus geholt werden und bei mindestens zehn Grad Celsius oder im Idealfall bei molliger Raumtemperatur in einem Aquarium überwintern.

Autor Garten-Redaktion
Ich schreibe über alles, was mich in meinem Garten interessiert.

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