Wenn im Gemüsebeet von Jahr zu Jahr ein reges Kommen und Gehen herrscht, sorgen langlebige Rhabarber-Pflanzen für zuverlässige Stabilität. Über einen Zeitraum von bis zu 10 Jahren beschert das beliebte Gemüse vitaminreichen, säuerlich-fruchtigen Genuss für die ganze Familie. Die Liste seiner mannigfaltigen Vorzüge ist deutlich länger als der kleine Katalog seiner Ansprüche. Balkongärtner können ebenfalls von der ebenso dekorativen wie delikaten Nutzpflanze profitieren. Diese Anleitung erklärt, wie Sie Rhabarber-Pflanzen fachmännisch anbauen im Garten und Topf. So gelingen Aussaat und Pflege auch der ungeübten Hand.

Aussaat hinter Glas

Damit Rhabarber-Keimlinge nicht Opfer gefräßiger Schnecken werden, empfehlen wir die Aussaat auf der Fensterbank oder im Gewächshaus. Wahlweise säen Sie die Samen zwischen Anfang März und Ende April aus oder im September, wenn Sie Rhabarber im Garten anbauen. Für die Kultivierung im Topf befürworten wir die Anzucht im zeitigen Frühjahr. So gehen Sie fachgerecht vor:
  • An den großen Samen die Schale mit einer Feile oder Schmirgelpapier leicht aufrauen
  • Anschließend für 6 bis 12 Stunden einweichen in lauwarmem Wasser oder Kamillentee
  • Anzuchttöpfe füllen mit Bio-Gemüseerde
  • Je Topf einen Samen in die Erde stecken und angießen
Am halbschattigen Fensterplatz sind lediglich Temperaturen zwischen 12 und 15 Grad Celsius erforderlich, damit das Saatgut innerhalb von 6 bis 10 Tagen keimt. Bis zum Pflanztermin halten Sie
das Substrat leicht feucht. Gedüngt wird in dieser Phase des Wachstums nicht.

Standort im Garten und auf dem Balkon

Schon die Standortwahl weist auf die unkomplizierten Ansprüche von Rhabarber hin. Da die Gemüsepflanze vollkommen winterhart ist, sind die klimatischen Voraussetzungen im Garten und auf dem Balkon problemlos zu erfüllen. Einzig der hohe Wasser- und Nährstoffbedarf erfordert besondere Aufmerksamkeit, wenn die langlebige Staude über viele Jahre eine reiche Ernte dicker, saftiger Stangen liefern soll. Die folgenden Standort-Kriterien stehen im Fokus:
  • Sonnige bis halbschattige Lage
  • Nährstoffreiche, sandig-lehmige Erde
  • Idealer pH-Wert von 5,6 bis 7,5
  • Frisch bis feucht mit guter Wasserspeicherung und ohne Staunässe
Als Starkzehrer fühlen sich Rhabarber-Pflanzen im Garten bestens aufgehoben in unmittelbarer Nähe zum Komposthaufen. In alter Zeit thronten die majestätischen Gemüsepflanzen nicht selten mitten auf dem Kompost- oder Misthaufen. Eine direkte Nachbarschaft zum Gartenreich wirkt sich ebenfalls förderlich auf Wachstum und Produktivität aus.

Tipp: Eine Fruchtfolge von mindestens 8 Jahren ist für Rhabarber-Pflanzen im Beet sinnvoll. Bevor Sie am bisherigen Standort erneut das stark zehrende Stielgemüse anpflanzen, sollte sich der Boden über diesen Zeitraum regenerieren.

Bodenvorbereitung und Substrat

Rhabarber BlüteIn normaler Gartenerde vorhandene Nährstoffe reichen in der Regel nicht aus, um den Bedarf einer Rhabarber-Pflanze vollständig abzudecken. Gleiches gilt für handelsübliche Bio-Gemüseerde, die als Basiskomponente für die Topf-Kultur geeignet ist. Indem Sie Beeterde und Topf-Substrat anreichern mit reifem Kompost, Hornspänen oder einem vergleichbaren organischen Dünger, optimieren Sie die Startbedingungen für Gemüse-Rhabarber. So machen Sie es richtig:
  • Gartenboden 2-Spaten-tief umgraben
  • Steine, Wurzeln, Erdklumpen entfernen
  • Je Quadratmeter 5 Liter Kompost und 300 Gramm Hornspäne einharken
  • Alternativ kompostierten Pferdedung, Stallmist oder Guano mit Hornmehl einarbeiten
Für Rhabarber im Kübel Bio-Gemüseerde zu 30 Prozent optimieren mit reifem Kompost, Rindenhumus oder Lauberde. Kompostierte, organische Bodenhilfsstoffe hält der Handel als verpackte Fertigprodukte für Hausgärtner bereit, die keinen eigenen Komposthaufen bewirtschaften.

Pflanzanleitung für den Garten

Planen Sie für die Pflanzung im Beet einen Platzbedarf von 100 cm x 100 cm bis 130 cm x 130 cm ein. Raumgreifender Gemüse-Rhabarber muss sich ungestört entfalten können, damit er seine Ertragskraft von Jahr zu Jahr steigert. Vergleichsweise schwachwüchsige Sorten mit rotem Fruchtfleisch, wie der Kassenschlager 'Holsteiner Blut', verlangen nach mindestens 1 Quadratmeter Fläche. Raumgreifende, grünfleischige Sorten, wie 'The Sutton', stoßen hierbei schon früh an ihre Grenzen und sollten eine entsprechend größere Beetfläche vorfinden. Inmitten des Standortes pflanzen Sie jungen Rhabarber so ein:
  • Den eingetopften Wurzelballen in Wasser tränken, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen
  • Eine Grube ausheben mit dem doppelten Volumen des Wurzelballens
  • Den Aushub in eine Schubkarre schaufeln und zu 30 Prozent anreichern mit Kompost und Hornspänen
  • Die Jungpflanze austopfen und mittig einpflanzen
Bemessen Sie die Pflanztiefe so, dass die Wurzelscheibe am Ende unter einer 2 bis 3 cm dicken Substratschicht liegt. Drücken Sie die Erde mit den Händen fest und gießen durchdringend an. Im letzten Schritt der fachmännischen Pflanzung breiten Sie eine Mulchschicht mit 3 Litern reifem Kompost auf dem Boden aus.

Rhabarber im Topf pflanzen

Ein geeigneter Topf für Gemüse-Rhabarber verfügt über mindestens 40 Liter Volumen sowie Bodenöffnungen als Wasserablauf. Eine etwa 5 bis 8 cm hohe Drainage aus Tonscherben, Kies, Splitt oder Blähton beugt Staunässe effektiv vor. Bevor Sie das empfohlene Substrat einfüllen, breiten Sie bitte noch ein luft- und wasserdurchlässiges Vlies über der Drainage aus, damit sich keine Erdkrümel zwischen dem anorganischen Material festsetzen. Stellen Sie den Topf an einen windexponierten Standort auf Balkon oder Terrasse, geben Sie idealerweise einige Handvoll Lehmerde zum Substrat, um die Standfestigkeit zu optimieren.

Die Pflanzung im Topf verläuft ähnlich, wie im Gartenbeet. Der wassergetränkte, ausgetopfte Wurzelballen wird so tief eingepflanzt, dass er sich unter einer 2 bis 3 cm starken Substratdecke befindet. Ein 3 bis 5 cm hoher Gießrand sorgt dafür, dass Regen- und Gießwasser nicht überschwappt und Balkon oder Terrasse verschmutzt.

Pflege im Beet und Topf

RhabarberEin ausgewogener Wasser- und Nährstoffhaushalt bildet das Fundament im unkomplizierten Pflegeprogramm. Alle weiteren Maßnahmen reihen sich dahinter ein. Der Arbeitsumfang richtet sich im Wesentlichen nach den konkreten Standortbedingungen. Alle wichtigen Details werden im nun folgenden Teil dieser Anleitung näher beleuchtet:

Gießen

In den ersten Wochen nach der Pflanzung steht regelmäßiges Gießen ganz oben auf der Agenda. Bis sich eine junge Rhabarber-Pflanze im Beet oder Topf gut verwurzelt hat, ist sie auf ein kontinuierlich feuchtes Substrat dringend angewiesen. In der Folgezeit gießen Sie die Gemüsepflanze immer dann, wenn die Oberfläche der Erde angetrocknet ist. Ein leichter Regenguss garantiert keinen zuverlässigen Schutz vor Trockenstress. An adulten Rhabarber-Pflanzen fangen die mächtigen Blätter einen Großteil der Regentropfen auf, sodass die Erde trocken bleibt und gegossen wird. Im Topf kann dies bei trocken-heißer Witterung täglich der Fall sein. Lassen Sie das Wasser bitte unmittelbar auf die Wurzelscheibe laufen, bis es aus der Bodenöffnung im Topf heraus läuft oder sich im Beet kleine Pfützen
bilden.

Tipp: Die Erntezeit für Rhabarber ist knapp bemessen, denn schon am Johannistag (24. Juni) ist Erntedank für das köstliche Stielgemüse. Ab diesem Zeitpunkt lassen umsichtige Hausgärtner Ihre Rhabarber-Pflanzen in Ruhe, damit sie sich für den Rest der Saison regenerieren können.

Düngen

Für einen unbeschwerten Verzehr erfrischender Speisen mit Rhabarber, lassen umwelt- und gesundheitsbewusste Hausgärtner mineralische Dünger links liegen. Angesichts des breit gefächerten Angebotes an organischen Düngemitteln, halten Sie das Wachstum mit dem folgenden Nährstoffprogramm über viele Jahre in Schwung:
  • Im März eine Startdüngung verabreichen mit 3 Litern Kompost und 100-300 Gramm Hornmehl je Quadratmeter
  • Ergänzend kontinuierlich mulchen mit Brennnesselblättern, Laub, Rasenschnitt oder Laubkompost
  • Von März bis Juni alle 4 Wochen die Erde überbrausen mit Pflanzenjauche aus Brennnesseln und Beinwellblättern
  • Im Topf von April bis Juni alle 2 bis 3 Wochen einen flüssigen Gemüsedünger verabreichen
Wenn sich das Zeitfenster für die Ernte in der letzten Juniwoche schließt, setzen Sie die Nährstoffversorgung fort. Da sich Rhabarber-Pflanzen bis zum Winter auf die kommende Saison vorbereiten, verabreichen Sie im Juli nochmals 3 bis 5 Liter Kompost oder einen vergleichbaren organischen Dünger.

Tipp: Die Erntezeit für Rhabarber ist knapp bemessen, denn schon am Johannistag (24. Juni) ist Erntedank für das köstliche Stielgemüse. Ab diesem Zeitpunkt lassen umsichtige Hausgärtner Ihre Rhabarber-Pflanzen in Ruhe, damit sie sich für den Rest der Saison regenerieren können.

Blüten ausputzen - Pro und Kontra

RhabarberDie verschwenderische Rhabarber-Blüte im Mai ist eine Augenweide im Beet und auf dem Balkon. Gleichwohl ranken sich um die Blütenpracht verschiedene Gerüchte. Es heißt, die Stangen seien zur Blütezeit nicht mehr für den Verzehr geeignet und sogar gesundheitsschädlich. Somit flammt in jedem Jahr die Diskussion auf, ob die Blüten rechtzeitig zu entfernen sind oder nicht. Um Ihnen den Weg zu einer fundierten Entscheidung zu ebnen, fassen wir im Folgenden alle Pro- und Kontra-Argumente kurz zusammen:

Pro - Gründe für die Blüten-Entfernung
Mit ihrem Blütenkleid machen sich Rhabarber-Pflanzen im Frühling hübsch, um zahlreiche Insekten als Bestäuber anzulocken. Damit zielen sie ab auf das Wachstum zahlreicher Samen, um die Vermehrung sicher zu stellen. Dieses Streben verläuft zulasten der Stangen, die für die Pflanzen nunmehr von nachrangiger Bedeutung sind. Daher plädieren Hausgärtner für die Entfernung der Knospen, damit Gemüse-Rhabarber seine Energie weiterhin in das vegetative Wachstum dicker, saftiger Stiele investiert. Zu diesem Zweck werden konsequent alle Blütenansätze direkt am Stielansatz ausgebrochen.

Die Befürworter einer Blüten-Entfernung an Gemüse-Rhabarber argumentieren fernerhin, zeitgleich mit der Blütezeit steige der Gehalt an giftiger Oxalsäure. Diese Vermutung haben Wissenschaftler ins Land der Fabeln verwiesen. Tatsächlich steigt die Oxalsäure erst ab Ende Juni in den bedenklichen Bereich. Da zu dieser Zeit ohnehin die Erntezeit endet, besteht aus diesem Grund kein Anlass, die Blüten auszuputzen. Einen direkten Zusammenhang zwischen Blütezeit und Oxalsäure gibt es nachweislich nicht.

Kontra - Gründe gegen Ausputzen von Blüten
Blühender Rhabarber ist mittlerweile ein vertrautes Bild in privaten Nutzgärten, da sich immer mehr Hausgärtner von den Argumenten für eine Knospen-Entfernung nicht überzeugen lassen. Wenn die Rahmenbedingungen am Standort stimmen und der hohe Bedarf an Wasser und Nährstoffen gedeckt ist, leidet die Qualität der fruchtigen Stangen nicht unter der Blütezeit. Darüber hinaus sind Rhabarberblüten nicht nur dekorativ, sondern auch essbar.

Schneiden

Ab Oktober ziehen Rhabarber-Pflanzen sich sukzessive in ihre Wurzelstöcke zurück. Die Blätter vergilben und sterben ab. Sind alle oberirdischen Pflanzenteile vollständig eingezogen, schneiden Sie Stängel und Laub mit einem scharfen, desinfizierten Messer bodennah ab. Um die Schnittwunden vor Fäulnis und Krankheitserregern zu schützen, bestäuben Sie diese mit Gesteinsmehl oder Holzkohleasche. Sie gehen der Gefahr von Fäulnis und Infektionen aus dem Weg, wenn Sie die abgestorbenen Pflanzenteile nicht abschneiden, sondern per Hand entfernen. Indem Sie Stängel umfassen und mit einem Ruck herausdrehen, ist dieser Bestandteil in der fachgerechten Pflege ebenfalls erfüllt.

Überwintern im Garten

Hat sich Gemüse-Rhabarber im Beet gut etabliert, sind keine Schutzmaßnahmen für die Winterzeit erforderlich. Die Pflanze überdauert tief im Boden problemlos klirrenden Frost aus eigener Kraft. Lediglich im Jahr der Pflanzung empfehlen wir eine Schicht aus Laub oder Stroh, da sich die zuverlässige Winterhärte an Jungpflanzen erst noch entwickeln muss.
Gießen Sie den Wurzelstock im Winter an milden Tagen, wenn Schnee und Regen als Wasserlieferanten ausbleiben. Wenn bei Kahlfrost zugleich die Sonne viele Stunden scheint, sind Rhabarber-Pflanzen von Trockenstress bedroht.

Überwintern im Topf

RhabarberIm Topf ist das Substratvolumen zu gering, um den Wurzelballen zuverlässig gegen Frost zu schützen. Folgender Winterschutz ist daher ratsam:
  • Nach dem Rückschnitt die Wurzelscheibe bedecken mit Laub oder Stroh
  • Den Topf auf einen Holzblock stellen in einer windgeschützten Nische
  • Das Gefäß umhüllen mit Luftpolsterfolie oder Kokosmatten
Vorteilhaft ist ein frostfreies Winterquartier, wie eine Garage oder ein Geräteschuppen. Befindet sich Rhabarber im Topf während des Winters an einem Regen- oder Schnee-geschützten Standort, gießen Sie bitte ab und zu, damit die Erde nicht austrocknet.

Umtopfen

Die begrenzten Kapazitäten im Topf erlauben keine lange Verweildauer, wie sie für Rhabarber-Pflanzen im Garten üblich ist. Je nach Sorte und Wachstum ist regelmäßiges Umtopfen in ein- bis zweijährigen Intervallen erforderlich. Die beste Zeit für diese Pflege-Maßnahme ist im zeitigen Frühjahr, rechtzeitig vor Beginn der neuen Vegetationsperiode. Wählen Sie den neuen Kübel so groß, dass zwischen Wurzelballen und Topfrand mindestens 4-Fingerbreit Platz ist.

Fazit
Rhabarber optimiert den Pflanzplan für Garten und Balkon mit einem Klassiker, der Ihnen bis zu 10 Jahre lang die Treue hält und eine reiche Ernte fruchtig-säuerlicher Stangen beschert. Für den ambitionierten Hausgärtner ist es Ehrensache, jungen Rhabarber mittels Aussaat auf der Fensterbank selbst vorzuziehen. Am sonnigen bis halbschattigen Standort wünscht sich die langlebige Staude einen nährstoffreichen frisch-feuchten Garten-Boden. Im großen Topf zeigt sich Gemüse-Rhabarber auf dem Balkon von seiner besten Seite, wenn er seine mächtigen Wurzeln in einem Mix aus Bio-Gemüse, Kompost und Hornspänen ausstrecken kann. Reichliches Gießen und Düngen endet nicht mit der Erntezeit. Damit auch im nächsten Jahr saftige Stangen in großer Zahl gedeihen, pflegen Sie Rhabarberpflanzen nach dem Johannistag nahtlos weiter. Erst im Herbst zieht sich die winterharte Staude in ihren Wurzelstock zurück. Im Topf gleicht ein leichter Winterschutz das fehlende Erdvolumen aus, um klirrenden Frost abzuwehren.