Bereits seit Jahrtausenden findet sich das Satteldach in unterschiedlichsten Kulturregionen und auf verschiedensten Gebäudetypologien wieder. Dieser bereits historisch etablierte und zugleich vielseitige Einsatz kommt nicht von ungefähr. Denn das Satteldach überzeugt mit einer enormen Flexibilität und Wandelbarkeit. Alles Wissenswerte rund um diesen auch heute noch brandaktuellen Archetyp eines Daches findet sich hier.

Die Herkunft des Satteldaches

Der Ursprung des Satteldaches ist ungeklärt und verliert sich bereits in vorgeschichtlichen Phasen. Vermutlich ist es in zahlreichen Kulturen, oder vielmehr präkulturellen Phasen, unabhängig voneinander entstanden. Warum das so ist, erklärt sich sehr leicht an Hand seiner einfachsten Konstruktionsformen. Lehnt man zwei Stangen, Äste oder sonstige tragende Elemente gegeneinander, hat man bereits ein Segment eines Satteldaches. Abgedeckt mit einem dichten Material bietet es in Relation zum Aufwand erstaunlich viel Raum und sorgt zugleich für eine sichere Ableitung es Niederschlagswassers. Natürlich haben sich im Laufe der Geschichte Materialien und Dimensionen deutlich verändert, die grundlegenden Funktionsprinzipien sind aber bis heute unverändert. Es ist also leicht nachzuvollziehen, dass diese effektive und wirtschaftliche Dachform auch heute noch auf der überwiegenden Zahl der errichteten Gebäude zu finden ist.

Konstruktion und
Statik

Konstruktiv betrachtet existieren beim modernen Satteldach zwei Systeme, um die Konstruktion standsicher zu errichten und alle Anforderungen an Innenraum, Tragfähigkeit und Aufbau der Wärmedämmung und Abdichtung zu erziehen.

Das Sparrendach

Satteldach - SparrendachDas Sparrendach liegt noch sehr nahe an der im Rahmen der Entstehung bereits beschriebenen Form zweier aneinander gelehnter Tragelemente. Denn beim Sparrendach stützen sich jeweils die gegenüberliegenden Sparren und bilden gemeinsam mit dem darunter liegenden Tragelement, also Decke oder Wand, ein sich selbst aussteifendes und stützendes Dreieck. In nahezu beliebiger Anzahl hintereinander gereiht, ergibt sich aus diesen lastabtragenden Dreiecken ein Satteldach. Die Anzahl der statisch erforderlichen Elemente ist bei dieser Form des Satteldaches überschaubar:

  • Schwelle:
    bildet das untere Auflager der Sparren und zugleich den Übergangspunkt zwischen darunter liegenden Wänden oder Decken und der Dachkonstruktion
  • Sparren
    tragende Elemente, jeweils paarweise in opponierender Anordnung
  • Aussteifung
    in Firstlängsrichtung erforderlich, heute meist als diagonal verlaufende Windrispenbänder, oder als statisch wirksames, flächiges Unterdach

HINWEIS: Ein First ist aus statischer Sicht beim Sparrendach nicht erforderlich. Um die Gebäudehülle an diesem oberen Stoßpunkt der Dachflächen konstruktiv sauber ausbilden zu können, wird aber meist ein Firstbalken, oder eine senkrecht stehende Firstbohle, ausgebildet. Diese trägt beispielsweise die Firstziegel beim Ziegeldach, oder das Gratblech bei Folien-, Blech- oder Gründächern.

Das Pfettendach

Satteldach - PfettendachIm Vergleich zum Sparrendach erscheint das Pfettendach aufwändiger in seiner Konstruktion, auf Grund der weiterhin vorhandenen Einfachheit und Anpassungsfähigkeit aber immer noch klar strukturiert und einfach im Vergleich zu zahlreichen anderen Dachformen. Das Kernelement des Tragwerks bilden auch hier die Dachsparren. Allerdings stützen sie sich nicht mehr gegenseitig, sondern führen nur noch die Lasten der Dachfläche auf die stützende Tragkonstruktion. Abgetragen werden die Lasten über mindestens zwei, meist aber drei tragende Punkte je Sparren: Schwelle oder Fußpfette, Mittelpfette und First. Die Übersicht der statisch wirksamen Elemente fällt daher ähnlich, aber etwas länger aus, als beim Sparrendach:

  • Schwelle
    Fußpunkt der Sparrenlage und Verbindung zum darunterliegenden Gebäude
  • Mittelpfette
    bei großen Sparrenlänge erforderliche mittlere Unterstützung und Lastabtragung, entweder auf Holzkonstruktion, oder massiv errichteten Innenwänden im Dachraum aufgelegt
  • First
    oberer Auflage- und Lastabtragungspunkt der Sparren, in der Regel auf Giebelwänden und dazwischen positionierten Stützen oder Innenwänden aufgelegt

HINWEIS: Aus statischer Sicht wird aus dem Sparren durch den Einsatz einer Mittelpfette aus einem auf zwei Punkten aufgelegten Einfeldträger ein auf drei Punkten aufliegender Mehrfeldträger. Hierbei verteilt sich nicht nur die Last auf mehrere Auflagerpunkte, auch die Durchbiegung der einzelnen Felder wird wegen der Mitwirkung des benachbarten Felds zusätzlich reduziert. Mit einer Mittelpfette kann ein Sparren daher deutlich im statisch erforderlichen Querschnitt reduziert werden und insgesamt betrachtet sogar weniger Material erforderlich sein, als ohne Mittelpfette!

Die Abdichtung

Neben der Standsicherheit muss ein Dach seit jeher einen Wetterschutz bieten. Heute gehört hierzu neben der Dichtigkeit gegen Regen auch die Dichtigkeit gegen Wind, sowie gegen Wasserdampf, der aus der Raumluft im inneren in die Konstruktion eindringt und dort zu Feuchte- und Schimmelschäden führen kann. Klassischerweise besteht ein Satteldach daher aus zwei Abdichtungsebenen:

1. Innere

Abdichtung

  • Aufgabe: Diffusionsdichtheit von innen nach außen, sowie luftdichte Ebene
  • Meist innenseitig der Sparrenlage aufgebracht
  • Zwingend innerhalb des Haupt-Dämmpakets einzubringen

2. Äußere Abdichtung

  • Aufgabe: Abdichtung gegen Niederschlagswasser
  • Außerhalb der Dämmschichten erstellt
  • Kann im Verbund mit Dämmung (z.B. Holzweichfaserplatte) oder Dacheindeckung (z.B. Blech- oder Foliendach) erfolgen, oder als separate Ebene (z.B. Ziegeldach)
  • Bei nicht vollständig dichten Eindeckungen (z.B. Ziegel) als wasserableitende Schicht erforderlich, wenn Regen oder Schnee durch Wind unter die Ziegel gedrückt wird

Die Wärmedämmung

Unabhängig von der Dachform spielt das Thema der Wärmedämmung heute eine enorme Rolle. Das resultiert einerseits aus den gesetzlichen Vorgaben und beständig steigenden Energiepreisen. Andererseits wird die Dämmung heute überhaupt erst erforderlich, da Dachräume üblicherweise ebenfalls Aufenthaltsräume enthalten, wo früher höchstens unbeheizte Speicher- und Lagerräume vorgesehen wurden.

Zwerchdach - SatteldachDas Satteldach zeigt sich bei der Wärmedämmung sehr flexibel und kooperativ: Der größte Teil der erforderlichen Dämmung lässt sich zwischen den tragenden Dachsparren unterbringen. Wo die Sparren sind, kann zwar logischerweise keine Dämmung sein, alleinig die Dämmwirkung des meist verwendeten Werkstoffes Holz für die Sparren reicht aber aus, um adäquate Dämmleistungen zu erzielen. Ergänzt werden kann dieses Dämmpaket um Dämmschichten auf der Sparrenlage, oder sogar auf seiner Unterseite. Übliche Dämmstoffe sind diese:

Für Zwischensparrendämmung:

  • Mineralwolle (früher Glaswolle, heute Steinwolle)
  • Zellulosedämmung
  • Ökologisch sinnvolle Dämmstoffe, wie Schafwolle, Hanf etc.
  • Holzweichfaserplatten

HINWEIS: Der Einsatz formstabiler, nicht flexibler Dämmungen zwischen den Sparren wäre zwar möglich, allerdings würden die durch Schrumpfungen und Bewegungen der Holzsparren entstehende Fugen zu einer erheblichen Reduzierung der Dämmwirkung führen.

Für Auf- und Untersparrendämmung:

  • Weiche Dämmstoffe wie Zwischensparrendämmung, dann Lagerhölzer für Dachaufbau bzw. innenseitige Verkleidung erforderlich
  • Kunststoffschäume als formstabile Dämmschichten, auf die ohne konstruktives Tragwerk Dachbeläge aufgebracht werden können
  • Formstabile und druckbelastbare Holzweichfaserplatten

Der Vorteil einer Dämmung zwischen den Sparren liegt in einem recht geringen Dachaufbau. Sollen die Sparren dagegen sichtbar verbleiben, kann die gesamte Dämmung auch auf das Tragwerk aufgelegt werden. Je nach Dämmstoff kann es dann erforderlich sein, eine tragende Ebene in Form einer Holzschalung zu erstellen, auf der die Dämmschicht aufliegt.

Dachdeckungen

Ein Satteldach lässt sich mit nahezu allen gängigen Dachdeckungen erstellen, die der Markt heute bietet. Aber auch traditionelle Baustoffe lassen sich nach wie vor und unter Berücksichtigung moderner Anforderungen an Dichtigkeit und Wärmedämmung einsetzen:

  • Historische Reet-, Stroh- und Schilfdeckungen
  • Ziegel und Betondachsteine
  • Blech (Aluminium, Kupfer, Titanzink etc.)
  • Foliendächer, bei flachen Neigungen bekiest oder begrünt

Moderne Sonderformen der Dacheindeckung können teilweise sogar tragende, dämmende und abdichtende Aspekte vereinen. Kommt beispielsweise als Eindeckung ein Sandwichelement zum Einsatz, entfallen darunter natürlich tragende Elemente wie Sparren, da sich die Elementplatten zwischen First, Mittelpfette und Schwelle selbst tragen können. Ebenso entfällt hier Dämmung und Abdichtung.

Die Dachneigung

Die klassische Satteldachform ist symmetrisch ausgebildet und weist an beiden Dachflächen dieselbe Neigung auf. Mögliche Neigungen hängen von der verwendeten Dachform ab und unterliegen ebenso Schwankungen in Abhängigkeit von Mode und Nutzung des Dachraumes.

Neigungen in Abhängigkeit von der Eindeckung:

  • Ziegel und Beton:
    je nach Ziegel bis zu 15°, einzelne Modelle sogar 10°möglich
  • Folie:
    theoretisch 0° möglich, nach Flachdachrichtlinie aber mindestens 2° (dann kein echtes Satteldach mehr)
  • Blech:
    mindestens 5°
  • Historische Baustoffe:
    keine technische Mindestangabe nach DIN-Norm vorhanden, meist aber sehr steile Neigungen, um Regenwasser vor Eindringen in das Material abzuleiten - häufig 45° und mehr, vereinzelt bis zu 60 oder sogar 70° auffindbar

Je steiler das Satteldach wird, umso größer wird der nutzbare Dachraum. Allerdings entsteht mit zunehmender Dachhöhe auch ein immer größerer Dachspitz, der selbst wieder kaum nutzbar ist. Gängige Dachneigungen im modernen Wohnungsbau liegen häufig zwischen 25 und 35°, wobei das Dach nicht unmittelbar auf der Decke, sondern auf einem bis zu einem Meter hohen Wandstück - dem Kniestock - aufliegt. Aus gestalterischen oder städtebaulichen Belangen heraus kommen aber immer noch regelmäßig Dächer höherer oder niedrigerer Neigungen zum Einsatz.

DachneigungBesondere Anforderungen oder örtliche Gegebenheiten können übrigens immer wieder dazu führen,

dass ein Satteldach einmal nicht symmetrisch erstellt wird. So kann beispielsweise in Hanglage die bergseitige Dachfläche flacher gestaltet werden, um die darunterliegende Wand mit einer für Fenster und Türen nutzbaren Höhe zu versehen.

Ergänzende Auf- und Einbauten

So schlicht das Satteldach selbst anmutet, so vielseitig kann es erweitert oder verändert werden. Zahlreiche heute kaum noch aus der Dachlandschaft wegzudenkende Elemente erweitern oder verbessern die Nutzbarkeit der im Dachraum angesiedelten Räume.

Der Ursprung aller Veränderungen

Ganz gleich, welches Element in ein Satteldach eingefügt wird, immer geht damit ein Eingriff in die tragenden Sparren einher. Meist müssen Teilbereiche eines oder mehrerer Sparren entfernt werden. Um die Tragfähigkeit zu erhalten, wird dann ein so genannter Wechsel eingefügt. Quer zwischen den Sparren verlaufende Wechselhölzer fangen den gekappten Sparren auf und leiten seine Lasten in die benachbarten Sparren ab.

Dachfenster

  • Ermöglichen durch Belichtung und Belüftung Aufenthaltsräume im Dach
  • Bieten zusätzlichen Raum durch entfall des Sparren- und Dämmpaketes unter der Fensterfläche
  • Heute sogar bodentief und zum Miniaturbalkon ausstellbar erhältlich
  • Gängige Formen Klapp-, Schwing- oder Klapp-Schwing-Fenster

Dachbalkone

  • Entweder aus der Dachfläche, oder als Loggia in den Dachraum eintretend möglich
  • Sehr intimer, schwer einsehbarer Außenbereich, da durch Dachflächen guter Sichtschutz

Dachgauben

  • Schaffen zusätzliche Stehhöhe im Dachraum
  • Schaffen senkrechte, gut möblierbare Wände statt Dachschrägen
  • In vielseitiger Gestaltung möglich, z.B. Satteldachgaube, Schleppgaube, Flachdachgaube etc.
  • Sehr gute Belichtung durch Einsatz normaler Fassadenfenster anstatt Dachfenster

Vor- und Nachteile

Nun bringt ein Satteldach viele Vorzüge mit sich, deren Kehrseite der ein oder andere Nachteil ist. Immer wiederkehrend sind dies:

Vorteile

  • Simple Konstruktion
  • Günstig in der Errichtung aufgrund einfachen Aufbaus und effizienten Umgangs mit Werkstoffen
  • Vielseitig in der Gestaltung
  • Durch zahlreiche Ergänzungen gut erweiter- und veränderbar
  • Gute Wasserableitung durch Neigung der Dachflächen, somit wenig Schadensanfällig bei konstruktiven Schwächen
  • Innenraum durch Angleichung der Dachneigung gut an Nutzung anpassbar

Nachteile

  • Dachschrägen schwer möblierbar
  • Bei Ergänzenden Elementen vergleichsweise hoher Aufwand für Anschlüsse und Übergänge
  • Bei steiler Neigung kaum nutzbarer Dachspitz