Fleischfressende Pflanzen sind ein Geniestreich der Evolution für die heimische Fensterbank. Weltweit besiedeln Karnivoren nicht nur tropische Regionen. In Grönland, Neuseeland bis hinauf in die höchsten Berge von Brasilien tummeln sich die faszinierenden Überlebenskünstler an Standorten, an denen andere Pflanzen auf verlorenem Posten stehen. Sogar in europäischen Breiten können Sie auf die raffinierten Fallensteller treffen. Diese Auslese stellt Ihnen die beliebtesten Arten und ihre genialen Fangmechanismen näher vor.

Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula)

Aus der Gattung der Sonnentaugewächse entstammt eine der beliebtesten fleischfressenden Pflanzen für die Fensterbank. Schon Charles Darwin erklärte die Venusfliegenfalle zur wunderbarsten Pflanze der Welt. Die Karnivorenart begeistert mit leuchtend roten Klappfallen, die sich aus zwei Blatthälften zusammensetzen. Entlang der Blattränder befinden sich kleine Borsten, die den Klappmechanismus auslösen, wenn sich ein Beutetier in Reichweite befindet. Den Innenseiten der roten Blätter entströmt ein verführerischer Duft nach Nektar, um Insekten und andere wirbellose Tiere anzulocken. Innerhalb von Millisekunden klappt die Falle zu, die Borsten verzahnen sich, sodass es kein Entkommen gibt. Diesen Fangprozess kann ein einzelnes Blatt bis zu
fünf Mal durchführen.
Venusfliegenfalle
Die Popularität von Venusfliegenfallen beruht überdies auf einer prächtigen Blüte. Im zeitigen Frühjahr erheben sich weiße Blüten an langen Stängeln hoch über die Fangblätter hinaus. Diese setzen sich zusammen aus kleinen grünen Kelchblättern und fünf großen Kronblättern, die einander nicht überlappen.
  • Wuchshöhe: 10 cm (bis 50 cm während der Blütezeit)
  • Blütezeit: April bis Juni

Kannenpflanze (Nepenthes alata)

Repräsentativ für die spektakuläre Gattung der Kannenpflanzen möchten wir Ihnen mit Nepenthes alata 'Ventrata' eine der beliebtesten Arten und deren schönsten Hybriden vorstellen. Die tropische Kletterpflanze bildet aus einigen ihrer Blätter kannenförmige Fallen mit bis zu 50 cm Länge und mit einem feststehenden Deckel. Darin befindet sich ein saures Verdauungssekret, das einen süßlichen Duft verströmt. Die Innenwände einer Kanne sind sehr glatt. Landet ein unvorsichtiges Insekt auf dem Kannenrand, rutscht es unaufhaltsam in die Flüssigkeit und wird innerhalb von 2 Tagen verwertet.
Karnivoren Kannenpflanze - Nepenthes alata
Die Euphorie für Kannenpflanzen beruht vornehmlich auf der Ästhetik ihrer Fallen. Gleichwohl sorgen die Karnivoren für florale Glücksmomente, wenn sie ihre dekorativen Blütenrispen präsentieren. Im Verlauf der sommerlichen Wachstumsperiode sprießen 15 bis 50 cm lange Schäfte mit rötlichen Blütenständen.
  • Wuchshöhe: je nach Kletterhilfe 100 bis 250 cm
  • Blütezeit: während des Sommers
Tipp: Fleischfressende Pflanzen vertragen keinen Kalk. Gießen Sie Ihre Karnivoren daher stets mit gesammeltem Regenwasser, Brunnenwasser oder gut abgestandenem Leitungswasser.

Sonnentau (Drosera)

Die zweitgrößte Gattung fleischfressender Pflanzen beschert uns drei winterharte Karnivoren, die Sie in Ihrem Garten kultivieren können. Drosera rotundifolia, Drosera intermedia und Drosera anglica sind vollkommen winterhart. Obschon sich die Pflanzen in einigen Details unterscheiden, stimmen sie in markanten Eigenschaften weitgehend überein. Nach einem erfolgreichen Fang bewegen sich ihre Klebefallen sanft hin und her, die im Sonnenlicht glitzern. Das Schauspiel resultiert aus beweglichen Tentakeln, die sich auf den Blättern befinden. An deren Spitzen sondert die Karnivore ein klebriges, zuckriges Sekret ab, woran angelockte Beutetiere hängen bleiben. Durch die Bewegungen verstärkt sich der Haltegriff sukzessive, während Verdauungsenzyme das Opfer langsam zersetzen, um die Nährstoffe herauszulösen.
Sonnentau Drosera Karnivoren
Die europäischen, frostfesten Sonnentau-Arten gedeihen am liebsten in Moorbeeten oder entlang von Gartenteichen. Subtropische und tropische Drosera setzen sich auf der Fensterbank oder in Terrarien in Szene, weil sich ihr Temperaturminimum um 20 Grad Celsius bewegt. Im Verlauf des Sommers trumpfen sie auf mit fünfzähligen, weißen oder rosafarbenen Blüten, die sich in sicherer Entfernung zu den klebrigen Fangblättern entfalten.
  • Wuchshöhe: 10 cm (bis 30 cm während der Blütezeit)
  • Blütezeit: je nach Art und Sorte zwischen April und August

Rote Schlauchpflanze, Trompetenblatt (Sarracenia purpurea)

Die Rote Schlauchpflanze hat sich als Star dieser kleinen Karnivoren-Gattung herauskristallisiert. Im Gegensatz zu ihren exotischen Artgenossen, ist die fleischfressende Sarracenia purpurea zuverlässig winterhart, sodass sie drinnen und draußen gleichermaßen prächtig
gedeiht. In saurer, nasser Erde zeigt sich das Rote Trompetenblatt von seiner schönsten Seite. Überdies macht sich die Karnivoren-Art als natürliche und schlagkräftige Insektenfalle auf der Fensterbank nützlich. Ihre Schönheit und Effektivität beruht auf purpurfarbenen Schläuchen, die waagerecht gedeihen und sich somit stets in Bodennähe befinden. Der obere Teil des Fangschlauch ist stark gekrümmt und weit geöffnet mit einem Kragen aus Nektar. Dem aufgefangenen Regenwasser wird ein Verdauungssekret beigemischt, um angelockte Beute zügig zu zersetzen.
Schlauchpflanze - SarraceniaDie nickenden, rötlichen bis rosafarbenen Blüten stehen in ausreichendem Abstand zu den Schlauchfallen, um bestäubende Bienen nicht zu gefährden. Eine einzelne Blüte bleibt etwa 14 Tage lang geöffnet. Da sich während des Sommers an adulten Schlauchpflanzen kontinuierlich neue Knospen entfalten, setzt die Karnivoren-Art über lange Zeit dekorative Akzente entlang sumpfiger Teichufer, in Moorbeeten, auf dem Balkon oder der Fensterbank.
  • Wuchshöhe: 10 bis 20 cm
  • Blütezeit: Mai/Juni bis August/September

Zwergkrug (Cephalotus follicularis)

Die Karnivoren-Art sieht Kannenpflanzen zum Verwechseln ähnlich. Eine botanische Verwandtschaft besteht freilich nicht. Unter Liebhabern mit einem Faible für Raritäten aus dem Reich fleischfressender Pflanzen steht der Zwergkrug hoch im Kurs. Einzig in Südwestaustralien befindet sich das Verbreitungsgebiet der kleinen Schönheit, die zumeist auf einer Wuchshöhe von 10 cm verharrt. Im saisonalen Wechsel bilden sich im Winter nichtkarnivore Blätter, deren Aufgabe die Photosynthese ist. Vom Sommer bis zum Herbst gedeihen kleine Krugfallen mit Deckel und auffällig gezahntem Rand, um Insekten ins Verderben zu locken. Je sonniger der Standort, desto intensiver färben sich die kannenförmigen Fallen intensiv rot bis schwarz.

Im Gegensatz zu den aparten Fallgrubenfallen, erscheinen die winzigen Blüten eher unscheinbar. Zur Zeit des Sommeranfangs in Australien sprießen Blütenstängel mit zahlreichen Sternenblüten in rispiger Anordnung. Auffällig ist der große Sicherheitsabstand von bis zu 60 cm, den ein Zwergkrug zwischen Krugfallen und Blüten entwickelt.
  • Wuchshöhe: 5 bis 10 cm (zur Blütezeit bis 60 cm)
  • Blütezeit: Januar bis Februar
Tipp: In normaler, nährstoffreicher Blumenerde haben fleischfressende Pflanzen nur geringe Überlebenschancen. Als Substrat ist spezielle Karnivorenerde die beste Wahl, da die Zusammensetzung auf die besonderen Bedürfnisse der Pflanzen abgestimmt ist, wie einem extra sauren pH-Wert von 3 bis 4.

Sumpfkrug (Heliamphora)

Gemeinsam mit dem Zwergkrug bildet ein Sumpfkrug das Dream-Team unter den Karnivoren für die Fensterbank. Im Gegensatz zu Zwergkrügen verzichten Sumpfkrüge auf einen großen Deckel, um ein Reservoir aus Regenwasser in ihrem Fangschlauch anzulegen. Eingefangene Insekten ertrinken in der Flüssigkeit, bevor Bakterien freigesetzt werden, um die Beute zu verdauen. Die trichterförmigen Fallgrubenfallen erzielen arttypische Höhen zwischen 10 und 50 cm, sodass für jeden Gestaltungswunsch eine passende Sumpfkrug-Art zu entdecken ist. Schön anzusehen ist die grünlich und rötlich marmorierte Färbung der Blätter. Ein zipfelförmiges Deckelrudiment am oberen Ende der Fallenkonstruktion ist leuchtend rot gefärbt und verströmt einen speziellen Lockstoff.
Heliamphora SumpfkrugIm Vergleich zur extravaganten Wuchsform ihrer Blatt-Trichter, gedeihen die Blüten am Sumpfkrug unscheinbar. Die weißen bis rötlichen Blüten bilden sich erst dann, wenn die Pflanze einen Standort mit 80 bis 85 Prozent Luftfeuchtigkeit vorfindet und über Nacht eine Temperaturabsenkung erfährt auf 8 bis 15 Grad Celsius.
  • Wuchshöhe: je nach Art 10 bis 50 cm
  • Blütezeit: Juni bis September

Wasserfalle (Aldrovanda vesiculosa)

Halten Sie Ausschau nach einer Wasserpflanze, die sich zugleich auf Insektenfang begibt? Dann bietet Ihnen die Familie der Sonnentaugewächse mit einer Wasserfalle genau die richtige Karnivoren-Art. Die krautige Süßwasserpflanze ist ausgestattet mit Klappfallen im Mini-Format, wie wir sie von Venusfliegenfallen kennen. Mit diesen Fallen ergattert die Wasserfalle am liebsten Wasserflöhe, um damit ihren Nährstoffbedarf zu decken. Feine Härchen und Borsten in Inneren und entlang der Ränder sorgen dafür, dass die Beute nicht entkommen kann. Entlang der bis zu 30 cm langen Sprossachsen sind die 2 bis 3 mm kleinen Fangblätter in kleinen Wirteln angeordnet. Luftgefüllte Hohlräume sorgen für den nötigen Auftrieb.

Ihre weißen Blüten an kurzen Stielen präsentiert eine Wasserfalle lediglich für wenige Stunden. Wie die Erfahrung zeigt, lässt sich diese Karnivoren-Art außerhalb ihrer Habitate allerdings nur selten zu einer Blütezeit motivieren.
  • Wuchslänge: 10 bis 30 cm
  • Blütezeit: entfällt in der Regel

Fettkraut (Pinguicula)

Unter den 85 Arten innerhalb der Gattung der Fettkräuter befinden sich 4 Arten, denen Sie im deutschsprachigen Raum in freier Natur begegnen können. Mehrheitlich gedeihen die Wasserschlauchgewächse in den warmen Regionen Mittelamerikas, sodass sie gerne als dekorative Zimmerpflanzen kultiviert werden. Explizit tropische Fettkraut-Arten erfreuen sich hoher Wertschätzung aufgrund ihrer schönen Blüten, die hoch oben über den immergrünen, klebrigen Blattrosetten thronen. Das duftende Locksekret geben die Blätter über Drüsen ab. Im Visier haben die fleischfressenden Pflanzen vornehmlich Mücken, Fliegen und andere Insekten. Haftet die Beute erst einmal am Fangblatt, gibt es keine Fluchtmöglichkeit mehr.
Fettkraut - Pinguicula
Da alle Karnivoren streng darauf achten, ihren Bestäubern keinen Schaden zufügen, beträgt der Abstand zwischen Fangblättern und Blütenständen bis zu 60 cm. Das Spektrum dekorativer Blütenfarben erstreckt sich von weiß über zartrosa und dunkelrot bis hin zu violett und gelb.
  • Wuchshöhe: 15 bis 20 cm (während der Blütezeit deutlich höher)
  • Blütezeit: Mai bis September

Wasserschlauch (Utricularia)

Hinter ihrem unscheinbaren Äußeren verbirgt sich eine Karnivore der Superlative. Die mehr als 200 Wasserschlauch-Arten sind rund um den Globus vertreten. Utricularia-Arten gedeihen sowohl schwimmend im Wasser als auch terrestrisch an Land. Ihre Fangblasen zählen zu den raffiniertesten Fallen, die fleischfressende Pflanzen entwickelt haben. Die winzigen Blasen sind 0,2 bis 6 mm groß und stehen unter Spannung. Kommt eine potenzielle Beute mit den Fühlborsten in Berührung, wird sie im Sekundenbruchteil eingesaugt, indem innerhalb der Blase Unterdruck erzeugt wird. Dieser Reflex gilt als schnellste Bewegung im gesamten Pflanzenreich. Unter Wasser wird der Prozess begleitet durch ein leises Knallen.
Wasserschlauch - Utricularia
Ein Wasserschlauch blüht stets über dem Wasser respektive über dem Substrat. Seine gespornten Blüten formen sich zu traubigen Ständen in mannigfaltigen Farbnuancen. Kleinwüchsige Arten bringen Blüten von wenigen Millimetern hervor, wohingegen majestätische Karnivoren prächtige Blüten von bis zu 7 cm Durchmesser entfalten, die an Orchideen erinnern.
  • Wuchshöhe: 30 bis 130 cm
  • Blütezeit: im Sommer oder nahezu
    ganzjährig