Der Birnengitterrost ist ein Pilz aus der Ordnung der Rostpilze, der Pflanzen der Art Pyrus (Birnen) und Juniperus (Wacholder) befällt. Einzigartig an dem Pilz ist der jährliche Wirtswechsel, denn über den Winter werden Wacholderpflanzen befallen, während im Sommer Birnen dem Birnenrost ausgeliefert sind. Um dem Pilz den Garaus zu machen, sind spezielle Spritzmittel verfügbar, die effektiv gegen die Infektion wirken.

Infektionskette des Birnengitterost

Der Birnenrost (Gymnosporangium fuscum) ist eine Pilzerkrankung, die einen einzigartigen Verlauf über das Jahr durchmacht und währenddessen mehrere Wirtswechsel ausführt. Dieser Verlauf wird eine Infektionskette genannt, die genau beschreibt, welche Pflanzenarten von dem Rostpilz befallen werden und wann:
  • Winter bis zeitiges Frühjahr: die Wacholderarten Juniperus chinensis (Chinesischer Wacholder) und Juniperus sabina (Sadebaum), seltener Juniperus scopulorum (Rocky-Mountain-Wacholder)
  • Frühjahr bis früher Herbst: Birnenbäume (bot.
    Pyrus), seltener Quitten (bot. Cydonia oblonga)
Dabei befallen die Sporen gezielt die Wacholderbäume- und Sträucher der genannten Arten und breiten sich in diesen aus. Die Infektion zeigt sich dabei in knotigen Astverdickungen und großen Sporenlagern. Diese sind wie folgt beschaffen:
  • Farbe: orange
  • Konsistenz: gummiartig, gallenartig
  • stehen in einzelnen Verdickungen ab
  • werden über das Jahr schleimig
Die Sporenlager von Gymnosporangium fuscum sind problemlos zu erkennen und durch diese befällt der Pilz sein nächstes Ziel, die Birnenbäume. Interessanterweise werden die Wacholderpflanzen durch den Pilz nicht geschädigt, sie dienen nur als eine Art Zwischenwirt. Gebildet werden Basidiosporen, die ab dem Frühjahr durch Winde in einem Radius von 500 Metern verteilt werden und sich auf den Blättern der Birnenbäume festsetzen. Dort beginnen sie, die Birne zu infizieren und somit die Infektionskette fortzusetzen:
  • Blattoberseite wird fleckig
  • Flecken sind orange-rötlich
  • Flecken werden über die Monate größer
  • es werden Sommersporen gebildet, die den Baum noch stärker befallen
  • nun werden Bestäuberinsekten wie Bienen durch die Bildung eines falschen Nektars angelockt
  • die Sporen haften sich an den Tierchen fest und tragen diese weiter
  • im Spätsommer breitet sich der Pilz auf die Blattunterseite aus
  • es werden bis zu 1,5 Zentimeter große, ovale Sporenlager in bräunlicher Farbe gebildet
  • diese brechen zu Beginn des Winters auf und es werden Sporen freigesetzt, die wiederum Wacholderpflanzen befallen
Birne - PyrusDurch diese Infektionskette kann sich der Rostpilz problemlos selbst erhalten und jede Jahreszeit zu seinem Vorteil nutzen. Diese Entwicklung muss bei der Bekämpfung des Birnengitterrosts beachtet werden, da nur so effektiv gegen den Befall vorgegangen werden kann. Besonders junge Birnenbäume können durch den Rostpilz stark in ihrem Wachstum eingeschränkt werden, während ältere Exemplare nur geschwächt werden. Die Folge daraus ist häufig ein sich über die Jahre intensivierender Kümmerwuchs, der in einer schlechten Ernte resultiert. Verwechseln Sie den Befall durch den Pilz aber nicht mit der Birnenpockenmilbe, diese hat ein ähnliches Schadbild, jedoch ohne die Sporenlager.

Tipp: Selbst wenn Ihre Birne von oben bis unten von Birnengitterrost befallen ist, sollten Sie die Früchte nach der Ernte nicht einfach wegschmeißen. Der Pilz befällt nur die Blätter des Baums und nicht die Früchte, die immer noch verzehrt werden können und keine Gefahr für Ihre Gesundheit darstellen.  

Vorbeugen

Den Birnenrost nach Befall der Birnenbäume zu bekämpfen ist äußerst mühsam und schwierig, daher sollten Sie einen möglichen Befall so früh wie möglich eindämmen. Wird die oben beschriebene Infektionskette unterbrochen, können die Sporen die Bäume nicht identifizieren und Ihre Birnen sind ohne großen Aufwand sicher. Zur Vorbeugung bieten sich unterschiedliche Methoden an:

Zwischenwirt behandeln
Damit sich die Sporen nicht weiter ausbreiten können, ist es notwendig, den Befall einzudämmen und die Sporen daran zu hindern, sich ab dem Frühling wieder in die Lüfte zu erheben. Aus diesem Grund sollten Sie, sobald sich ein Wacholder der oben genannten Arten in ihrem Garten befindet, diesen auf den Pilz überprüfen. Zeigt dieser die charakteristischen Auswüchse, sollten Sie alle betroffenen Stellen gründlich entfernen. Diese einfach nur mit einer sauberen Garten- oder Astschere entfernen.

Zwischenwirt entfernen
Äußerst effektiv ist die komplette Entsorgung des Wirts, vor allem wenn dieser stark befallen ist. Wird der befallene Wacholder aus der direkten Umgebung der Birnen entfernt, lässt sich dadurch die Infektion weitgehend eindämmen. Achten Sie aber immer darauf, dass selbst weit entfernte Wacholder ihre Sporen immer noch verteilen können, daher ist es möglich, auch den Birnenbaum zu entfernen, damit sich die Sporen nicht mehr über den Sommerwirt vermehren.

Zwischenwirt ersetzen
Wer nicht auf einen Wacholder im Garten verzichten will, sollte sich für eine andere Art entscheiden, die nicht anfällig auf den Rostpilz ist. Dazu gehören:
  • Gemeinde Wacholder (bot. Juniperus communis)
  • Grauer Strauchwacholder (bot. Juniperus media 'Hetzii')
  • Küsten-Wacholder (bot. Juniperus conferta)
  • Virginia-Wacholder (bot. Juniperus virginiana)
  • Beschuppter Wacholder (bot. Juniperus squamata)
  • Kriech-Wacholder (bot.  Juniperus horizontalis)
Alternativ können Sie auch Birnensorten wählen, die nicht so anfällig auf den Pilz sind:
  • Condo
  • Gräfin von Paris
  • Stuttgarter Geißhirtle
  • Oberösterreichische Weinbirne
  • Trevoux
  • Gellerts
Auch wenn diese Birnensorten immer noch von dem
Birnenrost befallen werden könnten, sind diese viel resistenter gegen Gymnosporangium fuscum und benötigen daher eine längere Zeit bis zur Infektion. Effektiver ist natürlich der Austausch der Wacholderarten.

Pflanzenstärkungsmittel
Es empfiehlt sich, Birnen mit Pflanzenstärkungsmitteln ab dem ersten Austreiben der Blätter im Frühling zu behandeln. Am besten eignet sich hierfür Schachtelhalm-Extrakt, den Sie von Herstellern wie Neudorff oder Aries erwerben können. Falls Sie den Extrakt selber herstellen wollen, können Sie das auch. Dieses Hausmittel ist das Einzige, welches zur Vorbeugung des Birnenrosts effektiv wirkt:
  • Zutaten: 10 g getrockneter oder 100 g frischer Ackerschachtelhalm (bot. Equisetum arvense) pro 1 l Wasser
  • schneiden Sie die Grashalme klein
  • legen Sie diese in einen Topf mit Wasser
  • 24 Stunden einweichen
  • danach für 30 Minuten aufkochen
  • anschließend durch ein Sieb in einen anderen Behälter umfüllen
  • mischen Sie den Sud mit Wasser im Verhältnis 1:5
Birne - PyrusDer fertige Extrakt ist richtig aufbewahrt für mehrere Monate haltbar. Sprühen Sie mit diesen die Birnenbäume viermal im Abstand von ein bis zwei Wochen ein.

Stickstoff reduzieren
Nutzen Sie weniger Düngemittel, die viel Stickstoff enthalten. Diese schwächen die Birnen auf lange Zeit und ermöglichen dadurch eine Infektion, die schneller zuschlägt und die Bäume den Pilzen schutzlos ausliefern.

Blätter entfernen
Wurde Ihr Birnenbaum von den Pilzen befallen, sollten Sie so schnell wie möglich alle Blätter entfernen und diese auf dem Kompost entsorgen. Je weniger geschwächte Blätter am Baum sind, desto stärker ist das Gewächs und die Gefahr einer rapiden Ausbreitung des Befalls wird verhindert. Seien Sie unbesorgt, die entsorgten Blätter können Sie ruhig kompostieren, da die Sporenlager über den Winter leer sind.

Tipp: Falls einer Ihrer Nachbarn einen Wacholder im Garten hat, sollten Sie sich unbedingt mit diesem über eine mögliche Entsorgung oder Behandlung unterhalten, falls die Pflanze vom Birnenrost befallen ist. Nur so können Sie eine mögliche Infektion verhindern.

Spritzmittel

Hat Birnenrost erst einmal einen Birnenbaum befallen, ist er hartnäckig und lässt sich nur noch schwer bekämpfen. Hausmittel wirken bei diesem Rostpilz überhaupt nicht und aus diesem Grund müssen Sie auf fertige Spritzmittel umsteigen. Für Gärtner im Heimbereich findet sich seit dem Jahr 2010 nur ein einziges Fungizid auf dem Markt, das gegen den Rostpilz wirkt:
  • COMPO Duaxo Universal Pilz-frei
  • verfügbar in 75 und 150 ml
  • Kosten: 12 - 17 Euro
Dieses Universal-Fungizid lässt sich nicht nur gegen den Birnengitterrost einsetzen, sondern auch für andere Kulturpflanzen wie Rosen oder Kräuter. Dieses wird rechtzeitig vor dem Befall durch die Sporen dem Baum verabreicht und somit haben diese keine Chance mehr, die Birne zu infizieren. Ein großer Vorteil an dem Mittel ist die Depotwirkung, durch die der Baum über einen längeren Zeitraum geschützt ist. Das Mittel wenden Sie wie folgt an:
  • mischen Sie 10 ml des Mittels mit 1 l Wasser an
  • füllen Sie die Mischung in eine Spritzflasche
  • schütteln sie diese
  • sprühen Sie die Pflanzen am Abend gründlich ein
  • dabei sollten die Blätter nicht feucht sein
  • sprühen Sie nicht bei Wind, das könnte ins Auge gehen
  • achten Sie darauf, die Blattunterseiten gründlich zu behandeln
  • somit erhöhen Sie die Wirkung des Spritzmittels
  • weiterhin sollten Sie aufpassen, nicht in der Nähe von Gewässern zu spritzen
  • das Fungizid wirkt schädlich auf Wasserbewohner
Eine Alternative hierzu sind Spritzmittel gegen Schorf, wie zum Beispiel Pilzfrei Ectivo von Celaflor. Diese sollte ausschließlich zur Vorbeugung genutzt werden.