Haltung von Sonnenbarsch im Teich: 8 Ratschläge

Haltung von Sonnenbarsch im Teich: 8 Ratschläge

Wer einen großen Teich hat, möchte schöne Fische in ihm sehen. Gerne auch Fische, die etwas anders aussehen als die üblichen Kandidaten. Eigentlich ist nichts gegen die übliche Teichbevölkerung zu sagen, es gibt auch viele schöne einheimische Fische. Gefragt sind aber immer wieder Exoten, zum Beispiel der Sonnenbarsch, um dessen Haltung im Gartenteich es nun geht:
  • teichweg fl(1) Sonnenbarsche heißen mit wissenschaftlichem Namen Centrarchidae, gehören Familie der Barschartigen (Perciformes) und zur Unterfamilie der echten Barsche. Die dekorativen

    Fische sind nach ihren prägnanten Stachelflossen benannt, denn Centrarchidae kommt von Centrarchus, auf griechisch “Stachelarsch" (obwohl die Rückenflosse mehr Stacheln hat als die Schwanzflosse). Für Teich oder Aquarium werden meist Sonnenbarsche der Gattung Lepomis angeboten, und zwar die Gemeinen Sonnenbarsche, Lepomis gibbosus. Sie werden auch Kürbiskernbarsche genannt, weil besonders die Männchen durch einen orangefarbenen Rand am Kiemendeckellappen (dem “Ohr”) auffallen.

  • (2) Die meisten Arten sind haben einen hohen Körperbau mit flachen Seiten, so auch der Gemeine Sonnenbarsch. Die Rückenflosse hat einen stachligen und einen weichstrahligen Teil, die meist ineinander übergehen. Die meisten Arten werden zwischen 20 und 30 cm groß, in platzbegrenzter Haltung bleiben sie häufig kleiner. Vor allem die männlichen Kürbiskernbarsche sind in der Jugend prächtig gefärbt: Graugrüner Rücken mit perlmuttartigen Streifen und gelblich-grüne bis orange Farbe an Bauch und Flossen. Der ganze Körper hat rote bis orangefarbene und blaue bis smaragdfarbene Tupfer. Im Alter nimmt die Färbung ab, sie ist außerdem vom Wohlbefinden abhängig und kann sich der Umgebung anpassen. Bei uns werden außer dem Kürbiskernbarsch noch andere Vertreter der rund 8 Gattungen und 33 Arten angeboten. Diese Arten können sich meist untereinander paaren, wobei größere Fische als die Elternarten entstehen können, die nicht unbedingt fertil sein müssen. Wer Sonnenbarsche unbekannter Herkunft in seinen Teich lässt, kann also Überraschungen erleben.

  • (3) Auf jeden Fall sind all diese Fische im Norden des amerikanischen Kontinents heimisch, wurden aber vom Menschen verbreitet, der sie in fremde Gewässer einsetzte. 1877 wurde der Sonnenbarsch nach Frankreich importiert, wo er Angler zu reichem Fang verhelfen sollte und bereits die ersten Gartenteiche bevölkerte. Schon 1880 hatte er Deutschland erreicht, heute gibt es frei lebende Sonnenbarsche auch in Großbritannien, Österreich, der Schweiz und in einigen südlicheren europäischen Ländern.

  • (4) Mit dem Sonnenbarsch holen Sie uralte Lebensformen in Ihren
    Teich, der älteste bekannte Sonnenbarsch lebte bereits im Eozän, also vor rund 56 bis 34 Millionen Jahren. Es gibt Legenden über die Intelligenz der Fische: Manche Sonnenbarsche sollen ihren Pfleger erkennen. Weniger emphatische Naturen sind der Meinung, dass sie eher das Futter erkennen.

  • (5) Sonnenbarsche mögen gut bepflanzte Becken, Unterstände und sauberes, sauerstoffreiches, abgestandenes Wasser. Durchlüftung tut ihnen gut, in den Teich sollte natürliches Sonnenlicht einfallen. Wenn sie ausreichend Platz haben, sind es ruhige Fische, die sich auch als Raubfische mit gleichgroßen Fischen gut vertragen. Vor allem mit großen Oberflächenschwimmern teilen die grundnah lebenden Fische gerne das Wasser. Wenn der Teich zu klein ist, werden sie aber schnell aggressiv und vertreiben alles aus der Nähe. Alle Sonnenbarscharten reagieren auch empfindlich auf abrupte Änderungen der Wasserqualität oder plötzliche Unterschiede in der Wassertemperatur, außerdem können sich Medikamente im Wasser negativ auf ihr Wohlbefinden

    auswirken.

  • (6) Als Raubfische bevorzugen sie Lebendfutter (das können Würmer, Fliegen, Grashüpfer oder Wasserschnecken sein), geben sich aber auch mit Trockenfutter oder gefrorener Ware zufrieden. Bei der Futtersuche können Sonnenbarsche auch zu Laichräubern bei den Wassergenossen werden, mitunter werden sie sogar zur Eindämmung von Überbevölkerungen gezielt eingesetzt. Problematisch kann der Sonnenbarsch in Teichen werden, die auch Amphibien ein Zuhause geben sollen, diese sind den fremden Räubern in der Regel nicht gewachsen.

  • (7) Die meisten Sonnenbarsche können in Teichen von einiger Tiefe überwintern, in der Winterzeit fressen sie wenig bis überhaupt nicht und schränken auch sonst ihre Aktivitäten stark ein. Sie vermehren sich gerne in unseren Teichen und sind für ihre sehr intensive Brutpflege bekannt, was eine Zucht meist im Handumdrehen gelingen lässt.

  • (8) Genau diese freudige Vermehrung ist aber auch das Problem mit den Sonnenbarschen: Jedes Gelege bringt etwa tausend Nachkommen, bei guter Fütterung können die Paare mehrmals laichen. Wenn Ihre Sonnenbarsche langsam die Herrschaft im Teich übernehmen, dürfen Sie sie jedoch keinesfalls einfach irgendwo aussetzen. Die fremden Fische haben keine natürlichen Feinde bei uns, aus gutem Grund ist das Aussetzen von Fischen aus dem Gartenteich in freies Wasser gesetzlich verboten und kann mit Bußgeldern bestraft werden. Im Internet kann man nachlesen, wie viele Natur-Biotope schon durch zu viele Sonnenbarsche gefährdet sind und wie viele Anglervereine häufig Sonnenbarsch-Alarm ausrufen.
Wem die unkalkulierbaren Räuber trotz ihrer prächtigen Färbung im Gartenteich zu unheimlich sind, der bevölkert seinen Teich mit einheimischen Fischen, die damit vielleicht auch vor dem Aussterben gerettet werden. Einer Sonnenbarsch-Flut könnten Sie übrigens Herr werden, indem Sie die Sonnenbarsche aufessen, in Florida werden sie begeistert als “Fried Fish” (frittierter Fisch) verspeist (auch wenn Ihre Kinder wahrscheinlich protestieren werden, wenn sie hautnah erfahren müssen, dass viel Leckeres auf dem Teller vorher gelebt hat).